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Thema: Die menschliche Psyche Teil 1: Das Denken

  1. #1
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
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    Standard Die menschliche Psyche Teil 1: Das Denken

    Hoi zäme

    Ich beginne ein Reihe, wo ich meine Gedanken zu einem Aspekt der Psyche des Menschen zusammenfasse und zur Diskussion stelle. Den ersten Teil widme ich dem Denken, was ich vom Fühlen, dem Handeln und dem Sein abgrenze.

    Ich verwende dabei zwei Modelle: Hemisphärentheorie (Sperry) und Triune Brain (MacLean). Die Hemisphärentheorie besagt, dass die linke Hirnhälfte mehr rationale Aufgaben übernimmt und die rechte Hirnhälfte mehr irrationale Aufgaben. Die Theorie ist an sich umstritten und trotzdem als Modell immer noch sehr verbreitet. Das Triune Brain Modell beschreibt eine Dreiteilung des Gehirns in Reptiliengehirn, limbisches System und Neocortex. Jede Einheit hat dabei ein eigenes Bewusstsein, ihre eigenen Ausdrucksweisen, Bedürfnisse, Erinnerungen und Wahrnehmungen. Das Reptiliengehirn kommt hier nicht zur Anwendung, da es kein eigentliches Bewusstsein hat und mehr das autonome Nervensystem und instinktive Handlungen betreffen.

    Mein Modell geht davon aus, dass bestimmte Arten zu Denken eher der rechten bzw. der linken Seite zugeordnet werden können (rechts-links). Weiter kann ein bestimmtes Denken eher den Neocortex bzw. das limbische System betreffen (vorne-hinten).

    Ich hab einen kurzen Test zu den Hemisphären erstellt, der aufzeigt, welche Seite ihr (momentan) stärker nutzen tut: Wie denkst du?

    vorne

    hinten

    Denkfunktionen, die mehr den Neocortex betreffen, sind mehr so Fähigkeiten, um bestimmte Probleme lösen zu können. Denkfunktionen, die mehr das limbischen System betreffen, sind älter und sowas wie Prägungen unseres Selbst.

    Alle vorderen Funktionen werden von uns mehr oder weniger gefordert, um in der Welt überleben zu können. Defizite bei bestimmten Denkfunktionen können durch Training ausgeglichen werden. Hier noch ein Link zu einem interessanten Artikel (Lars Lorber, typentest.de) über eine Untersuchung: Auch im Alter kann sich die Persönlichkeit verändern.

    Die hinteren Funktionen beschreiben mehr unseren Charakter, den es zu beachten gilt, wollen wir in Einheit mit uns selbst leben (z.B. der Kritiker). Aus einem kritischen Geist wird z.B. kaum je einer werden, der die Wirklichkeit naiv und ohne zu hinterfragen akzeptiert. Ein Idealist wird z.B. immer seine Schwierigkeiten mit gewissen Aspekten der Realität haben. Aufgabe hier ist, zu erkennen, wer wir sind. Auch hier ein Link zu einem interessanten Artikel (Lars Lorber, typentest.de) zum Thema: Wie sich die Persönlichkeit im Lauf des Lebens verändert.


    Ich freue mich auf spannende Diskussionen über das Denken
    Geändert von martinspin (29.01.2012 um 10:48 Uhr)
    Liebe Grüsse, Martin

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  2. #2
    Lill
    Gast

    Standard

    Den ersten Teil widme ich dem Denken, was ich von der Wahrnehmung, dem Handeln und dem Empfinden abgrenze.
    In meinen Augen ist diese Grundannahme falsch. Denken kann nicht abgegrenzt werden von Wahrnehmung, Handeln und Empfinden. Denken ist vielmehr ein komplexer Vorgang, das Ergebnis aller Wahrnehmungen, die mit der Aufnahme einer Information beginnen (Aufnahme), die mit Erinnerung (per Abruf) verglichen werden, die zudem emotional gefärbt werden und dann als veränderte Erinnerung kurz- oder langzeitig wieder abgespeichert werden.

    Denken verändert sich somit auch ständig, jede Erinnerung, die du abspeicherst, wird bei erneuter Wahrnehmung wieder hervorgeholt, mit der neuen Wahrnehmung abgeglichen, verglichen, und als „bekannt“ oder „unbekannt“ klassifiziert wieder neu verarbeitet. So verändern sich auch alle Erinnerungen mit der Zeit, oft je nach Stimmung, was für depressive ein ganz entscheidender Punkt ist, dass sie aus negativen gedanken oft nicht mehr rauskommen, weil sie mit jedem Abruf und vergleich wieder verstärkt werden.

    Die einzelnen Hirnareale können auch nicht einzeln gesehen werden, sie haben zwar Schwerpunkte, arbeiten aber zusammen, und es gibt Steuerungsareale, die deren Arbeit dann verbinden. Teilweise sind sie dabei geschlechtsspezifisch unterschiedlich ausgeprägt. Die Frage wäre daher nicht so sehr: "Bist du eher Praktiker oder Theoretiker", sondern bist du eher Mann oder Frau, wenn überhaupt. Obwohl auch das nicht so statisch zu sehen ist.

    Persönlichkeit ist deswegen nicht statisch und nicht nur „einmal angelegt“; sie verändert sich, ähnlich wie das Denken. Im Idealfall. Denken kann man lernen, auch im Alter, man kann es verändern, trainieren und damit ändert es auch wieder unsere Persönlichkeit, je nach dem, wie wir uns füttern und offen sind für neue Gedanken und sie zulassen.

    Wir sind, wer wir sind, aufgrund dessen, was wir lernen und woran wir uns erinnern
    (Eric Kandel)

  3. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Lill für den sinnvollen Beitrag:

    DerLars (31.01.2012),Todai94 (29.01.2012)

  4. #3
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
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    Standard

    Hi Lill

    Ich trenne ja nur, um die Denkfunktionen besser erkennen zu können. Oft wird vieles wie z.B. in der Hemisphärentheorie vermischt.

    In deinem Beitrag ist gut zu erkennen, wie du mit der rechten Hirnhälfte denkst, die den Blick auf das Ganze richtet. Mein Modelle trennt und hat mehr so diesen analytischen Touch der linken Hirnhälfte.

    Ich möchte das Denken an sich nicht bewerten sondern mehr feststellen, was so alles abläuft.
    Geändert von martinspin (29.01.2012 um 11:53 Uhr)
    Liebe Grüsse, Martin

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  5. #4
    Lill
    Gast

    Standard

    Oh toll, eine Schublade für mich.

    Ich seh mich aber eher beidseitig...

    Ich möchte das Denken an sich nicht bewerten sondern mehr feststellen, was so alles abläuft.
    Ja, das wäre schön, wenn du das tätest.
    Geändert von Lill (29.01.2012 um 11:15 Uhr)

  6. #5
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
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    Standard Typologie

    Von dem Modell leite ich eine einfache Typologie ab, denn bei jedem von uns dominieren die Denkfunktionen eines der vier Quadranten. Solche dominanten Funktionen sind auch der Grund, warum es zu Problemen kommt. Jede Stärke ist zugleich auch eine Schwäche und in einem begrenzten Rahmen müssen früher oder später alle Funktionen in das eigene Sein integriert werden.



    Der Denker (gelb)
    Er ist eine sehr eigenständige Persönlichkeit, die ständig auf der Suche nach neuem Wissen ist. Er ist in der Lage, das Wesentliche einer Sache zu erkennen und sein Handeln danach auszurichten. Ihm ist Objektivität wichtig und darum interessiert er sich häufig für Wissenschaft und Zukunft. Er liest sehr viel und ist sprachlich bewandert. Als Diskussionpartner hat er oft eine klare Meinung in einer Angelegenheit. Er ist ein äusserst guter Beobachter und erkennt schnell wie seine Umgebung tickt. Einer seiner Leitsätze könnte lauten: "Probleme sind da, um gelöst zu werden."

    Der Beziehungsmensch (grün)
    Er ist der haptische Typ, der mit allen Sinnen wahrnimmt. Bestimmte Klänge Farben, Formen, Düfte und Geschmäcker ziehen ihn magisch an. Er orientiert sich beim Handeln an den für ihn zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Sein Denken ist stark von seinen Bedürfnissen geprägt und ist somit immer subjektiv gefärbt. Seine Sichtweise ist ganzheitlich, denn er strebt die Verbundenheit mit der Welt an. Er kann stundenlang Probleme wälzen, deren Lösung ihm noch mehr Nähe zu den Mitmenschen versprechen. Er orientiert sich gerne an moralischen Vorstellungen, auch wenn er sich deren Relativität bewusst ist.

    Der Macher (rot)
    Er ist ein kritischer Zeitgenosse, der sehr genau hinschaut. Er ist mehr Realist als Perfektionist und entwickelt dabei ungeheure Energie in wichtigen Angelegenheiten. Er hat einen analytischen Verstand und kann Chancen und Risiken einer Unternehmung sehr gut einschätzen. Sein logisches Denken hilft ihm Strategien zu entwickeln, um ein Ziel zu erreichen. Er muss das Rad nicht neue erfinden und vertraut mehr dem Bewährten. Seine Ziele verfolgt er konsequent und seine ruhige und freundliche Art wirkt überzeugend auf seine Umwelt.

    Der Visionär (blau)
    Er hat eine grosszügige Art zu denken und zu leben. "Leben und leben lassen", könnte sein Motte lauten. Er ist ein Leben lang bestrebt, die Wirklichkeit nach seinen Idealen zu erschaffen. Er denkt mehr verbindend und so versucht er neue Informationen möglichst "schlank" in sein idealistisches Weltbild zu integrieren. Er verlässt sich gerne auf seine Intuition und kann ganz gut zwischen den Zeilen lesen. Er hat sehr viele Interessen und ein breites Allgemeinwissen. Als kreativer Geist erfindet er immer wieder neue Ansätze, Methoden, Modelle und Dinge, die sein Leben bereichern. Seine Phantasie kennt kaum Grenzen und im Austausch mit seiner Umwelt ist er äusserst beweglich.


    Welcher Typ bist du?
    Geändert von martinspin (30.01.2012 um 06:49 Uhr)
    Liebe Grüsse, Martin

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  7. #6
    Schreibkraft Avatar von Todai94
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    Zitat Zitat von martinspin Beitrag anzeigen
    Welcher Typ bist du?
    Ne Mischung aus allem und ich glaube das geht dem Rest hier wohl genauso, denn das menschliche Denken lässt sich mal eben nicht schnell in vier Kategorien einteilen.
    Mein Gelaber ist meist sinnfreie,
    das Zuhören eine Schererei,
    aber manchmal ist auch was nützliches dabei.

    Also verdammt noch mal halt's Maul und hör gefälligst zu!

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Todai94 für den sinnvollen Beitrag:


  9. #7
    Ste
    Gast

    Standard

    Den ersten Teil widme ich dem Denken, was ich vom Fühlen, dem Handeln und dem Sein abgrenze.
    Ja, auch ich kann diese Trennung nicht nachvollziehen.

    Allerdings finde ich den Aufwand, den du hier treibst bemerkenswert, Hut ab!

    Für mich gehts aber im Leben darum das trennende zu überwinden und nicht noch extra Trenungen einzubauen. Das Wort "Trennung" erinnert mich grade eh an meine schlimmsten Erfahrungen, Trennung von Menschen, Trennung von Idealen, Trennung von Hoffnungen und Phantasien, aber das ist ein anderes Thema.

    Ich glaube, dass man nicht Denken kann ohne zu fühlen und nicht Fühlen kann ohne dabie zu denken. Gedanken ohne zugehörige Gefühle gibt es ebenso wenig wie rein faktische Erinnerung. Alles hat einen Geschmack, einen Geruch, ein Gefühl mit an Bord. Darum ist ja verstehen und verarbeiten immer ein emotionaler Prozess, darum kann man Therapie nicht (nur) mit dem Kopf machen, sie muss (auch) durch Herz und Bauch gehen.

    Ich kenne das Model der Einteilung der Menschen in die vier Archetypen auch.

    Siehe hier

    http://www.informatik.tu-cottbus.de/...ek-Vortrag.pdf

    Dieses Model hab ich zum ersten male in einer Verkäufer-Schulung kennen gelernt und dieses Model half mir dabei zu erkennen, dass ich als Verkäufer einfach nicht geeigent bin. Allerdings wurde mir auch klar, dass solange solche Modelle nicht nur erklären, sondern zugleich auch wieder Maßstäbe sind, kann ein komplexer Mensch nicht frei seinen Weg gehen, egal wo er das versucht.

    Das wichtigste aber erscheint mir zu sehen, dass nur durch die ergänzende und befruchtende Zusammenarbeit der verschiedenen Typen etwas konstruktives entstehen kann, wenn sie sich gegenseitig bekämpfen und ausgrenzen findet kein fruchtbares Leben mehr statt.

    Das ist ja auch der Grund warum Männer und Frauen trotz aller Probleme nicht von einander lassen können: Wegen der Befruchtung und dem neuen, was dabei raus kommt :-)
    Grüße

    Ste
    Geändert von Ste (30.01.2012 um 15:49 Uhr)

  10. #8
    Nachwuchs Autor
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    Standard

    Hallo martinspin,
    ein superspannendes Thema!

    Ich kann mich grundsätzlich in fast allen Typen (situationsabhängig) spiegeln.

    Ich denke, dass der Mensch und sein Denken eben gerne tabellisiert - also damit meine ich, dass er im Denken eine Ordnungsliebe besitzt. Etwas wird zusammengefasst und dann dort und dort geordnet - aber man lässt sich eben auch gerne reinordnen. Das fiel mir grade wieder bei dem Modell ein.
    Jedes Modell möchte ja etwas erklären - ein Problem/Lösung, das jetzt "seinen Platz" bekommt.

    lg
    Geändert von honeymoon (30.01.2012 um 15:22 Uhr)

    Das Glück - Kein Reiter wird's erjagen, es ist nicht dort und ist nicht hier.
    Lern überwinden, lern entsagen, und ungeahnt erblüht es dir.

    Theodor Fontane

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