Zu Weihnachten habe ich einen Laptop bekommen. Es ist hauptsächlich für die Uni aber auch sonst ein schöner Zweitrechner. Extra klein, 13,3 Zoll, noch ein richtiger PC, nicht so ein Netbook. Na ja, jedenfalls mit integrierter Webcam und da auch mein Vater ein Laptop mit Kamera besitzt haben wir uns nun schon mehrmals gegenüber gesessen und geredet, als würden wir wirklich nur 2 Meter voneinander weg sitzen. Und dabei wohnt er gute 15 Km von mir entfernt.
Als ich meinen „Klapprechner“ ausschaltete begann ich wie üblich zu grübeln. Ich erinnerte mich an meinen ersten Text, den ich je an einem PC schrieb. In der 3. Klasse war das, und es war weniger als das was ich bin hierhin geschrieben habe. Ich habe dafür damals eine halbe Stunde gebraucht. Es war ein kleiner „Bericht“ über die Klassenreise, den ich direkt an einem Schulrechner schrieb.
Mein Vater hatte kurz zuvor auch einen PC gekauft. Für sich. So eine weiße Kiste mit 15 Zoll Röhrenmonitor, 133Mhz und ganzen 3 GB Festplattenkapazität. Ich erinnere mich an die ersten Spiele. Mechwarrior 2 und Need for Speed 2. Spiele ich heute noch gern.
Ich war damals vielleicht 9 Jahre alt.
Und was ist heute?
Jeder hat heute einen PC, Einstiegsmodelle werden einem wie Müll hinterher geworfen, das Internet kostet auch keine 2 DM in der Minute mehr.
Die weltweite Vernetzung… ich habe ein Problem in Hamburg und Sekunden später bekomme ich einen Rat aus München…
Spiele werden nicht mehr allein, sondern mit echten Menschen über den Globus verteilt gespielt.
Fehlt mir ein Programm, lade ich es aus dem Internet. Suche ich eine Stadt, schaue ich bei Google Maps oder Google Earth und erkenne zufällig unser türkises kleines Auto vor der Haustür, während mir eine kleine Stimme im Auto sagt, wie ich abbiegen muss um nach Hannover zu fahren. Denn es weiß ja wo ich bin…
Ich sehe im Internet Videos in denen Menschen mit einem Fahrrad gegen eine Wand fahren und den Kommentar von 300 Usern, wie lustig das doch sei. Verhelfe anderen zu mehr „ansehen“ wenn ich ihr Profil besuche. Tja und letztlich treffe ich auf ein 10 jähriges Kind, welches mir die wichtigsten Funktionen in einem Chatroom erklären kann, sehe mir die Videos von ihm an und gebe meinen Kommentar....
Ich weiß noch was für ein Gefühl das war, die erste E-Mail zu bekommen.
Besaß ich mit 6 Jahren meinen ersten Walkman, mit dem ich die Kassette nur Abspielen und Vorspulen konnte, hat heute jedes Kind einen MP3 Player in der Größe einer Streichholzschachtel mit dem Inhalt von 40 echten CDs.
Da bekamen meine Schwester und ich unser erstes Supernintendo und einen Gameboy, den ganz großen, aber in Schwarz und Durchsichtig. Hui!
Heute sehen wir die Leute, vorwiegend Kinder mit diesen DS Lite spielen, wie sie mit einem Stift auf dem Touchscreen tippen…
Heute stehen wir vor Spielekonsolen die wir mit unseren Körperbewegungen steuern.
Dann bekam ich um die Jahrtausendwende mein erstes Handy. Damit konnte man telefonieren und SMS verschicken. Heute Fotos machen, Musik abspielen, Filme gucken, im Internet surfen. Und jedes Kind hat so ein Ding, möglichst neu.
Dann schaltet so ein kleines dummes Wesen den 50 Zoll Plasmafernseher ein und entdeckt die 300 neuen TV Programme, die Vati mit dem neuen System in Hochauflösung empfangen kann. Es legt eine CD in ein Laufwerk und bekommt Bilder zu sehen die schärfer sind, als die Realität.
Wir haben als wir 10 waren Videos gesehen, mit Stereo, und man musste spulen um zu sehen wie die Titanic denn nun unterging.
Und wenn den Kindern heute langweilig ist… einige gehen wirklich noch raus und spielen Fußball, fahren Fahrrad oder entdecken geheime Gärten wie wir früher und auch andere heute noch. (wie zum Beispiel das Kind das ich „kennen“ gelernt habe), Andere geben sich merkwürdige Namen und treiben sich in Chaträumen umher, nicht wissend mit wem sie eigentlich „reden“
Ich möchte damit nicht sagen, dass ich all diese neuen Entwicklungen schlecht finde. Im Gegenteil. Manchmal frage ich mich nur, wie man diese Informationsflut als Kind verarbeiten kann, wenn selbst Erwachsene, ja sogar ich, damit Probleme haben.
Im Prinzip hab ichs gut. Warum? Ich gehöre mit meinen fast 21 Jahren zu denen, die eine Kindheit erlebten, in dem weder Google, Knuddels, MP3 oder LCD irgendeine Rolle spielten. Ja, 1995, ich war in der 2. Klasse, wurde die erste SMS verschickt. Und niemanden hat es wirklich interessiert. Dennoch bin ich in die Technologie hineingewachsen und hatte so die Möglichkeit, die Entwicklung zu verfolgen und zu begreifen, dass man mit einem Telefon eben nicht nur telefonieren kann. Heute zumindest.
Vielen alten ging das in den letzen Jahren zu schnell (wie meiner Mutter, die ihren PC gerade mal alleine starten kann und immer noch nicht weiß, wie man eine DVD startet) andere schafften den Sprung.
Und dann fahre ich in der Bahn und sehe da Kinder sitzen, vielleicht 12 Jahre alt, mit íhren Handys und sonstigen Kleingeräten, verkabelt mit Kopfhörern, schicken sie sich via Bluetooth die neuesten Klingeltöne und Videos und diskutieren darüber, wie man bei WoW am besten kämpft usw.
Ich bin froh, dass ich das als Kind noch nicht miterleben musste. Frage mich aber immer öfter… in was für einer Welt leben wir eigentlich? Es wundert mich, wie selbstverständlich das alles für uns erscheint. Schon die Möglichkeit, dass ich diesen Text in weniger als 2 Minuten veröffentliche und somit, rein theoretisch, der ganzen Welt zur Verfügung stelle.
lG Leo


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