Liebes Forum,
ich würde euch gerne um eure Meinung bitten in Bezug auf ein Thema, was mich schon seit über zehn Jahren verfolgt.
Dem ein oder anderen Leser wird es vermutlich schwer fallen, dies nachzuvollziehen; weil ich mir dessen bewusst bin, tue ich mich auch sehr schwer, mit jemandem darüber zu sprechen und ich habe dieses Thema auch noch nie in einem Forum geäußert. Da es momentan allerdings wieder akut wurde, möchte ich mich austauschen, um andere Perspektiven zu erfahren.
Ich habe eine äußerst extreme Ablehnungshaltung gegenüber Rauschgift.
Die meisten Eltern mögen sich nun denken "dessen Probleme hätte ich gerne", und ich bin mir bewusst, dass sich dies auf den ersten Blick sehr banal, fast lächerlich anhören mag. Ich möchte aber kurz erklären, welche Folgen dies für mich hat bzw. - zum besseren Verständnis - auch auf die Hintergründe eingehen.
Ich würde mich persönlich als sehr liberal einschätzen, nicht politisch gesehen, sondern zu jeglichen Ansichten und Positionen prinzipiell sehr tolerant eingestellt. Ich hab - bis auf oben genanntes Thema - kaum extreme Ansichten über bestimmte Themen. Weder ich noch jemand aus meiner Familie hatten oder haben ein Suchtproblem. Ich konsumiere gelegentlich Alkohol und habe auch geraucht. Über den Status eines Genussmittels kam keines dieser legalen Drogen je hinaus, glücklicherweise. Illegale Drogen habe ich noch nie probiert, auch nicht "leichte" Rauschmittel wie Cannabis.
Soweit würde ich dies alles als relativ normal bezeichnen. Was mir jedoch psychisch große Schwierigkeiten bereitet, ist, wenn näherstehende Personen derartige illegale Rauschmittel konsumieren. Leider kann ich überhaupt nicht erklären, wieso dies so ist! Zur Vorgeschichte muss ich erklären, dass - obwohl ich selbst nie Drogen konsumiert habe - dieses Thema bei mir auf sehr negative Assoziationen stößt. Im pubertären und jugendlichen Alter, wenn viele Altersgenossen ihre Erfahrungen damit gemacht haben, habe ich mich bewusst dagegen entschieden und diese Entscheidung bis zum heutigen Tag niemals bereut. Diese negativen Assoziationen sind Erinnerungen wie Ausgrenzung von anderen, darunter sehr guten Freunden, die beispielsweise "Kiffer-Parties" gegeben haben, auf denen ich aufgrund meiner Anti-Haltung nicht gern gesehen war. Aufgrund meiner für mich selbst unerklärlichen Abneigung führte das soweit, dass mich selbst beste Freunde "belogen" haben, da ich deren Einschätzung nicht teilte. Leider war ich auch Zeuge von sehr extremen Beispielen - einige (wenige) Freunde aus dieser Zeit sind durch die Einstiegsdroge Cannabis in eine starke Abhängigkeit bis hin zu härteren Drogen und elementaren Suchtproblemen abgerutscht (mir ist selbstverständlich durchaus bewusst, dass dies extreme Beispiele sind und nicht die Regel).
Die Konsequenz daraus - was das Ganze zum Problem für mich macht - ich kann mit diesem Thema nicht objektiv umgehen. Sobald näherstehende Personen sich einen Joint anzünden oder sich sogar lediglich über ihre Erfahrung austauschen, verfalle ich wie in einen Schockzustand. Dies äußerst sich unter anderem in hohem Puls und Schwitzen, schlechten Gefühlen und Erinnerungen, Unsicherheit und Nervosität. Und das, obwohl ich selbst niemals persönlich Drogenprobleme hatte.
Das Thema wurde nun wieder akut, als meine Freundin von ihren Drogenerfahrungen berichtet hat. Ich liebe meine Freundin und wir haben eine große Vertrauensbasis, wir haben keinerlei Probleme und ich wurde auch nicht von ihren Aussagen "überrumpelt", da ich bereits vorher wusste, dass sie vereinzelt Cannabis geraucht hat. Dennoch fühlte ich mich derart schlecht, mit wirklich heftigen Attacken der oben beschriebenen Symptome, ausgelöst einzig und allein von ihrer Erzählung und der Vorstellung, mein heikles Thema mit meiner am nächsten stehenden Person verbunden zu empfinden; dies äußerte sich sogar in Albträumen bzw. Schlaflosigkeit in der Nacht und Konzentrationsschwächen am Tag.
Aus Erfahrung weiß ich, dass dieser Zustand nach wenigen Tagen wieder vorüber geht. Dennoch machte empfand ich diesen erneuten Vorfall derart peinlich, dass ich mich nicht mehr zufrieden geben möchte mit dem bloßen Abwarten darauf, dass es vorüber geht. Die Frage ist nur: wie?
Ich kann mir selbst schwer erklären, woher diese starken Reaktionen kommen. Möglicherweise in den oben beschriebenen Negativ-Assoziationen, aber dennoch kann ich mir dadurch nicht erklären, wieso ich ausgerechnet auf dieses eine Thema so sensibel reagiere - im Gegensatz zu anderen Negativ-Erlebnissen, mit denen ich mich auseinander gesetzt und die ich verarbeitet habe.
Ich habe mir ebenfalls schon überlegt, ob möglicherweise eben gerade die Tatsache, dass ich keinerlei eigene Erfahrung mit Drogen gemacht habe, vielleicht der Auslöser dessen sind. Aus diesem Grund habe ich es auch schon in Erwägung gezogen, "einfach mal zu probieren", um durch die direkte Konfrontation mit meinem Angst-Thema eventuell die selbige zu verlieren. Bisher habe ich es nie getan - nicht aus Angst vor der Droge an sich, sondern einfach nur aus meiner bisherigen Überzeugung. Da dieses Thema nun allerdings wieder ausgelöst wurde, bin ich ein weiteres Mal am Überlegen, ob ich mit dem exemplarischen Konsum bewirken könnte, dass diese Schock-Reaktionen verschwinden.
Ich bin über jede ernstgemeinte Meinung dankbar und würde mich sehr dafür interessieren, ob jemand ähnliche Erfahrungen kennt oder sogar selbst durchgemacht hat (obwohl ich zugeben muss, dass ich noch nie von einem derart merkwürdigen Problem gehört habe). Für jede Antwort bin ich dankbar!
Beste Grüße
Tyler


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren

Lesezeichen