[QUOTE=Erwin;124422] Warum soll man nicht denken dürfen, was wäre, wenn die Leute einen eben in den Kopf gucken könnten, sich das ausmalen, sich daran gruseln, was dann wäre. Das ist ja im Grunde ein ähnlicher Gedanke wie in Deinem Traum mit dem Dozenten. Da wäre jetzt die Frage, was denn jetzt das eigentlich schlimme, befürchtenswerte daran ist, was nicht entdeckt werden soll. QUOTE]
Ja, gerade das ist es doch. Angenommen man könnte anderen in den Kopf gucken, ihre Gedanken auf Schritt und Tritt verfolgen, dann hätte man keine Privatsphäre mehr. Man müsste, sobald es einem schlecht geht Rechenschaft darüber ablegen, warum man so denkt. Andere könnten Gedanken klauen oder was ich persönlich noch schlimmer finde, dass andere einen bereits verurteilen bevor man seine Sichtweise dargestellt hat, die vielleicht anders gemeint war, als das, was andere dahinein interpretieren.
Manchmal glaube ich, dass ich in der Beziehung langsam paranoid werde. Ich traue mich nicht anderen in die Augen zu sehen, weil ich befürchte, sie könnten sehen, was in meinem Kopf vor sich geht. Mir ist klar, dass das nicht geht. Aber dieses Muster hat sich wahrscheinlich auch im Laufe der Zeit so gefestigt, dass ich es strickt vermeide anderen in die Augen zu schauen, was mich dann wieder dumm dastehen lässt und nicht gerade von Selbstbewusstsein zeugt.
Es ist tatsächlich erkennbar, dass der Traum so ähnlich ist. Das fiel mir erst jetzt richtig auf. Und auf der Suche, was denn so befürchtenswert wäre, kommt mir nur in den Sinn, dass sie sehen könnten, was für ein Looser ich bin oder das mein Leben eigtl. total langweilig ist, weil es nur aus Lernen, TV und anderem Quark besteht.
Wenn ich andere dann immer höre, dass sie schon überall auf der Welt waren, so viele Erfahrungen sammeln konnten, die ich nicht machen durfte, dann denke ich, dass ich das irgendwie alles nicht gebacken bekomme, was ich mir fest als Ziele abgesteckt habe. Ja, da spricht ein bisschen der Neid aus mir und vielleicht sind die Ziele hochgesteckt, doch ich will später eben nicht zurückschauen und sehen, dass ich nicht mal meine Wünsche erfüllt habe, sondern auf ganzer Linie versagt habe.
Ich habe Angst dem Druck nicht gewachsen zu sein. Ich habe Zweifel, ob alles wie es ist, so richtig ist. Ich fürchte mich vor der Leistung, die ich im richtigen Augenblick erbringen muss, um nicht zu Versagen. Und ich habe Angst davor, dass andere es sehen könnten, wie schwach ich bin.
Nach außen erhärtet der Panzer und innerlich tobt eine Art Feuer, was mich langsam aufzufressen droht.
Doch warum erst jetzt? Warum nicht schon ein paar Jahre früher?
Ist es eine Art Härtetest, bis wohin kann ich gehen und was halten meine Nerven aus?
Denn wenn dem so ist, dann sage ich dem jetzt ganz offiziell den Kampf an. Eben weil ich nicht loslassen will, an meinen Träumen für die Zukunft hänge und diese tiefen Löcher, des krisenhaften Leidens, mir nicht den Weg in meine Zukunft verbauen dürfen. Es ist dieser Kampfgeist, der erweckt wird, wenn ich scheinbar schwach werde und meinen Gefühlen zu viel Spielraum lasse. Man kann sie nicht wegsperren, aber wenn man sie etwas außen vor lässt, wird es ertragbar und ich persönlich finde neue Kraft. Und ja, ich mag diese Gefühlsduselei wirklich nicht. Damit kann ich nicht umgehen.


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