Ein gewohnt verschlafener, tranceartiger, Montagmorgen beginnt mit dem Gekrähe meines, von meinem Chef erhaltenen, als Geburtstagsgeschenk getarntem, Gockelweckers, der im Anschluss auf minutenlanges Krächzen seine, anscheinend durch Whiskey und Zigarrenrauch heiser gewordene Stimme zu einem, “good morning sunshine“ erhebt und mich damit wie all morgendlich aus dem kostbaren Schlaf reißt.
Ein betäubtes Stöhnen geht, der Handbewegung, die den Wecker mit einem Knall zum Schweigen bringt, zuvor und kracht dabei weiter auf das harte Holz meines Nachttisches. Ein pochender Schmerz durchzieht mein ganzes Handgelenk und zerrt mich unsanft in den neuen Morgen.

Ein Recken und Strecken, ein kurzes Gähnen und –schwups- stehe ich auf den Beinen. Noch immer spüre ich das Pochen in meinen Fingern und blase kurz, sanft über meine roten Knöchel. Ich kratze mich am Hinterteil und mache mich auf meine Blase zu entleeren. Ein erleichtertes Aufatmen hallt durch die Enge der bis zur Decke gefliesten Toilette und die letzten Tropfen lassen auf das Ende des Strahls schließen. Ich schüttle noch ab und pralle dabei mit dem Knie gegen das harte Porzellanbecken. -Wie kann das nur passieren? werdet ihr euch jetzt fragen! “Tja“ würde ich sagen, “lässig wie ich bin hab ich heut morgen mein Becken hin und her geschaukelt um alles abzuschütteln und dabei ist es passiert.“
- Ich taumele also knurrend weiter ins Badezimmer um mich für den Montagmorgen frisch zu machen, um in mein verqualmtes Großraumbüro zu kommen und nach wenigen Augenblicke ohnehin wieder nach Zigarettenqualm zu müffeln. Doch das tut ja in der heutigen Gesellschaft kaum noch was zur Sache. Nicht der Gestank ist es den man sich vom Körper wäscht oder der Schmutz. Nein heutzutage zählt lediglich der stetig wachsende Konsum an Reinigungsmitteln, Lotionen, Ölen und anderen Reinigung und Geruchsfördernden Mittelchen der Kosmetikindustrie, um die Wirtschaft auf Vordermann zu bringen. Ich reibe also meine Hände und mein Gesicht mit Seife ein, putze mir die Zähne siehe Zahnseide durch die Lücken, spüle das Ganze mit Mundwasser aus, rasiere mich noch schnell und torkle schließlich, vom zu viel aufgetragenen Rasierwasser benommen, aus der Wohnung.

Ein stark nach Urin müffelnder Lift bringt mich sicher von der neunzehnten Etage in das Erdgeschoss meines Wohnblockes. Unten sauge ich die, nach gut und gerne einminütiger Atempause, erforderliche Luft in meine Lungen und keuche heftig. Hätte ich die Luft nicht angehalten wäre ich in dem Gemisch aus Rasierwasser und Urin wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen und erstickt. Mit zwei riesigen Schritten durchquere ich die Eingangstür und eile ein paar Treppen hinauf zu meinem Parkplatz, klemm mich hinters Steuer meines Autos und steuere der Arbeit entgegen.
Ich fahre die ersten fünfzig Meter bis zur ersten Ampel. Sie deutet mir in grellem roten Leuchten das ich anhalten muss. Ich bleibe wie von der Führerschein Kommission vorgeschrieben vor der Haltelinie stehen und kann gerade noch ein kurzes Quietschen hören, bevor mein Kopf hart gegen das Lenkrad geschleudert wird. Ein Auffahrunfall! Ich blicke noch einmal auf die Ampel und sehe, dass lediglich der Abbiegepfeil rot ausgeleuchtet war und das Geradeausfahren durchaus im erlaubten Bereich lag. Der Fahrer hinter mir stürzt, mit nicht weniger knallig rotem Schädel als die Ampelleuchten, aus seinem Fahrzeug und brüllt, cholerisch wie er war, durch die geschlossene Verglasung meiner Seitenscheibe. “Sind sie von allen guten Geistern verlassen? Sind sie dämlich oder was? Ihnen gehört doch der Führerschein weggenommen sie Idiot!“ So geht das mehrere Minuten lang ohne dass ich auch nur einmal zu Wort kommen kann. Während der sehr einseitigen Unterhaltung habe ich mir bereits eine Zigarette angeraucht, mein Fenster nach unten gekurbelt und die meinige Hälfte des Unfallberichtes ausgefüllt. Der Andere kann sich unterdessen einigermaßen abreagieren und den zweiten Teil des Formulars vervollständigen und unterschreiben. Auf seinem schweren BMW ist kaum einen Kratzer zu sehen, aber wir alle wissen wie Fahrer teurer Limousinen meist sind. Mein kleiner Daihatsu Charade hingegen ist tief eingebeult und die Nummerntafelhalterung ist in tausende Stücke zersprungen. Ich sammle die Teile noch kurz von der Straße, lege die verbeulte Nummerntafel auf die Hutablage und setze meinen Weg zur Arbeit, mit roten Knöcheln, einem pochenden Knie und einer riesigen Beule an der Stirn fort.

Mit knurrendem Magen erreiche ich meine Arbeitsstelle und beschließe noch den firmeninternen Bäcker aufzusuchen bevor ich mich in den Arbeitsalltag stürze. “Eine Leberkässemmel mit Senf und ein Almdudler“ bestelle ich beim Bäcker. Er reicht mir die Waren und nimmt als Gegenleistung meine Zwei- Euro- Münze dankend entgegen. -Ein erfolgreich abgeschlossenes Geschäft- denke ich bevor ich die letzten Schritte zu meinem Arbeitsplatz vor dem gerade begonnenen Regenguss flüchte und sicheren Schutz im Eingangsbereich des Traktes suche. Schutz vor dem Regen ja, Sicher eher nicht!

Ich durchschreite den lang gezogenen Korridor mit eleganter Vorsicht und erblicke noch das “Vorsicht Rutschig“ Schild bevor ich in einer Pfütze ausrutsche und mit dem Kopf voran auf meiner frisch erworbene Leberkäsesemmel mit Senf lande. Der gelbe, ein wenig nach Eiter erinnernde Senf, den unser netter Bäcker verwendet, zeichnet ein hübsches Muster über mein weißes Hemd, das ein wenig an die Venus von Willendorf erinnerte. –wie schön- dachte ich als ich davon an meinen letzten Aufenthalt im Naturhistorischen Museum erinnert wurde, der mir eine Aktentasche und meine Brieftasche gekostet hatte. Leicht erzürnt schlendere ich nun lediglich mit dem Almdudler bewaffnet weiter in unsere Kaffee Küche und drücke mir eine Tasse Eduscho Wiener Gold, frisch gemahlen herunter. Ich will gerade so am Büro meines Chefs vorbeihuschen, als er mich zu sich ruft und mir lächelnd entgegenwinkt. Ein weiterer, in einen Seidenanzug gehüllter beschnurrbärteter Herr kommt mit ihm auf mich zu und streckt mir die Hand zum Gruß entgegen. Unfähig zu denken strecke ich ihm meine entgegen, die mit der Tasse, und verschütte die heiße Brühe über den teuren Designerfetzen.

Tja! Das war mein Tag, erfüllt von freudigen Erlebnissen, als Krönung meine Kündigung und Demütigung vor der gesamten Abteilung.