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Alt 18.01.2010, 22:24   Ein Leben mit Angst Beitrag #9 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 17.11.2009
Beiträge: 63
Standard

Liebes Tagebuch,

heute hat mir in der Firma ein Kollege Angst gemacht, der durch hektische Bewegungen und unvollendete Sätze auffiel. Heute abend hatte ich eine Arbeit fertig bekommen, die genau die Komplexität erreichte, die ich ihr gleich am anfang zugedacht hatte. Das macht mir irgendwie Angst. Meine Kollegin XXX flizzte heute wieder mit hautengen Klamotten durchs Büro. Die Angst vor der weiblichen Sexualität hat eine Menge mit der Angst vor körperliche Nähe zu tun. Darüber möchte ich mich gleich noch auslassen. Doch zunächst möchte ich mich meiner Angst vor Verantwortung für das Verhalten anderer stellen nach Erika Chopich stellen:

Papi: Hallo mein kleiner Engel, schön dass es Dich gibt. Magst Du ein Bild mit mir malen.
kleiner Engel: Hallo Papi, ja ich möchte sehr gerne ein Bild mit Dir malen. Was soll das für ein Bild werden?
Papi: Ein Bild über die Angst für das Verhalten anderer verantwortlich gemacht zu werden. Wie könnten wir das Verhalten anderer malen, kleiner Engel?
kleiner Engel: Vielleicht mit Feuer brennenden Kohlen oder so?
Papi: Das ist schon sehr gut. Das Verhalten anderer hat zwar eine gewisse Konsistenz doch manchmal lodert es stärker oder schwächer und wenn man sich nahe kommt kann es entweder warm werden oder man kann sich verbrennen. Kleiner Engel wie kann Dich jemand für diese Flammen verantwortlich machen.
kleiner Engel: Man kann mir sagen ich sei ein Auslöser dafür, dass die Flammen zu hoch, zu tief, zu eng, zu gleichmäßig, zu schwach oder zu ungestüm seien.
Papi: Danke Dir kleiner Engel, was ist daran gefährlich?
kleiner Engel: Wenn ich versuche die Flammen zu verändern oder zu kontrollieren kann ich mich fürchterlich verbrennen.
Papi: Kannst Du die Flammen kontrollieren?
kleiner Engel: Es ist ein Wechselspiel zwischen meiner Vorsicht, meiner Selbsteinschätzung und meiner Position. Ich habe einen gewissen Einfluss auf diese Flammen, wenn ich ihnen auch einen Einfluss auf mich erlaube. Wenn ich diese Flammen für jemand anderes verändern soll, dann muss ich mich ziemlich verbiegen oder mich verbrennen.
Papi: kleiner Engel, verrat mir, was bewegt Dich die Flammen für jemand anderes verändern zu müssen. Kannst Du mir ein Bild dafür malen?
kleiner Engel: Es ist eine Art Schnurr an die ich festgebunden bin.
Papi: Hast Du einen Einfluss auf die Länge der Schnurr.
kleiner Engel: Ich bin der Schnurr hilflos ausgeliefert.
Papi: Ist das wirklich so?
kleiner Engel: Das ist wirklich so und manchmal sind es mehrere Schnüre an die ich gleichzeitig angebunden bin.
Papi: Nun kleiner Engel, wenn ich mir das genauer anschaue, dann hält sich an den anderen Enden der Schnüre jemand ganz krampfhaft fest und Du hast mehrere Möglichkeiten damit umzugehen. Einmal selbst die Schnurr zu lösen, abzuschneiden oder zu verbrennen, dann selbst an der Schnurr zu ziehen oder mit der Person am anderen Ende zu reden.
kleiner Engel: Die wollen die Schnurr nicht loslassen und wenn die mitkriegen, dass ich versuche sie zu lösen, dann ziehen sie mich ganz nah an sich heran.
Papi: Ich glaube, das sollten wir uns noch mal genauer anschauen.

Papi: Sag mal kleiner Engel magst Du körperlicher ein Bild malen?
kleiner Engel: Schokolade, ganz viel Schokolade zum riechen, zum lecken, zum Atmen
Papi: Was ist an der Schokolade gefährlich?
kleiner Engel: Sie wird von einem blutrünstigen bissigen Hund bewacht.
Papi: Ist es ein Hund oder sind es vielleicht nicht zwei Hunde?
kleiner Engel: Um mich läuft auch ein blutrünstiger Hund herum.
Papi: Kann es sein, dass dieser blutrünstiger Hund, der um Dich herumläuft den anderen Hund provoziert? Kannst Du mir das blutrünstige Verhalten der beiden Hunde beschreiben?
kleiner Engel: Der eine Hund fängt manchmal wie aus dem Nichts an zu bellen ganz laut und aggressiv.
Papi: Ich glaube, das sollten wir uns auch noch mal genauer anschauen.


Gruß Augenblick
Augenblick ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.01.2010, 16:30   Ein Leben mit Angst Beitrag #10 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 17.11.2009
Beiträge: 63
Standard

Liebes Tagebuch,

Kollegin XXX hatte sich heute auch wieder aufreizend angezogen. Ihr Kleidungsstil macht mir Angst. Doch hauptsächlich sind mir heute in bezug auf die Angst für das Verhalten verantwortlich gemacht zu werden, zwei weitere Details aufgefallen. Es ist einmal Angst, dass ich mich anderen offenbaren muss, Fehler eingestehen muss und aufgrund dieser Fehler allGEMEINE Rückschlüsse über mich gefallen lassen muss und diese Rückschlüsse wahr werden lassen muss. Dazu kommt eine Angst, dass ich mir von allen anderen auch das verwehren lassen muss, was mir zuvor verwehrt wurde. Im Prinzip ist das nichts anderes als Angst, kontrolliert zu werden oder Angst eingesperrt zu werden.

Gruß Augenblick
Augenblick ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.01.2010, 22:44   Ein Leben mit Angst Beitrag #11 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 17.11.2009
Beiträge: 63
Standard Angst Vertrauen

Liebes Tagebuch,

ich glaube mittlerweile irgendetwas was mich sehr lieb hat mir dieses Gefühl Angst gegeben. Die direkte Angst schützt mich, sie bringt dazu wegzulaufen oder in mich zu kauern, damit mich niemand sieht. Dann gibt es noch die Angst vor Angst, Erfahrungen bei denen ich bedroht worden bin, wenn ich Angst hatte und so stark bedroht worden bin, dass ich gegen meine Ängste gehandelt habe. Um diese gefährlichen Ängste abzubauen scheint mir Vertrauen am sinnvollsten. Vertrauen ist eine zweiseitige Sache. Vertrauen, welches ich schenke und Vertrauen welches ich empfange. Ich hatte heute nacht einen Traum, in dem ich von zwei Krokokilen angegriffen wurde, darauf schrie ich um Hilfe, ich wachte auf und fühlte mich wohl. Es hatte mich ziemlich viel Überwindung gekostet, um Hilfe zu rufen, aber es tat gut.


Die Angst vor der Angst scheint meines Erachtens mit erzwungenem einseitigen Vertrauen zusammenzuhängen: Du musst mir vertrauen schenken, wenn Du mir nicht vertraust, dann mache ich etwas ganz schlimmes mit Dir. Der Spruch Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser kam von Josef Stalin. Ich möchte mich gegen erzwungenes Vertrauen wehren, indem ich gehe. Ich darf erzwungenes Vertrauen ablehnen und verweigern. Meine Angst hilft mir mich dabei zu entscheiden. Danke Dir liebe Angst.

Gruß Augenblick
Augenblick ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.01.2010, 21:39   Ein Leben mit Angst Beitrag #12 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 17.11.2009
Beiträge: 63
Standard

Liebes Tagebuch,

eine ganz böse Angst, die ich habe, ist die Angst nicht gehen zu dürfen. Das Kreischen meines Vornamens durch meine Mutter oder die Grundsatzdiskussionen meiner ehemaligen Lebensgefährtin beschäftigt mich sehr. Meine ehemalige Lebensgefährtin hatte mal Selbstmord gedroht. Das war eine heftige Sache. Einmal habe ich mich geschmeichelt gefühlt über das Vertrauen welches sie mir damit geschenkt hat, ihr Leben retten zu können. Andererseits lag der Übergang zum Mörder auf Messersschneide. Es ist nicht nur so, dass die Beschuldigung des Mordes auch eine Strafe hinter sich her zieht, vielmehr glaube ich, dass die 10 Gebote Naturgesetze sind und das Töten einem eigentlich fremd ist, dass es in der Natur des Menschen liegt Leben zu erhalten. Ich habe Angst davor durch mein Gehen zu töten. Ich möchte dieses Vertrauen Retter ihres Leben zu sein gerne ablehnen, welches mir meine ehemalige Lebensgefährtin geschenkt. Ich bin dieser Sache nicht gewachsen.
Dazu gibt es zwei Filmszenen, die mir einfallen. In dem Film Gandhi mit Ben Kinsley, macht der Mahatma einen Spaziergang zum See, als seine Frau im Sterben liegt. Er läßt sie zurück. In dem Film die Stadt der Engel, zeigt Niclas Cage als Engel, der nach dem Sex mit seiner Freundin alleine ist. Seine Freundin verunglückt tödlich. Beide konnten ihre Frauen weder retten noch töten.

Gruß Augenblick
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