Guten Tag
ich habe mich hier angemeldet, um evtl. Kritische und wachrüttelnde Fragen und Anmerkungen zu meinem nicht sooo großen Problem zu bekommen. Allein komme ich trotz Reflektion nämlich nicht weiter und bin auch nicht so versiert im Thema, ihr vielleicht schon.
Kurz die Vorgeschichte:
Ich verliebte ich mich vor etlichen Jahren einmal in einen sehr extrovertierten, wahrscheinlich narzisstischen Mann. (Der Narzissmus bestätigte sich nach Gesprächen im Bekanntenkreis, deswegen die Anmerkung.)
Ich war sehr verliebt, trennte mich aber bevor es eigentlich angefangen hat, weil ich u.a. echte Empathie und Anteilnahme vermisste, da gab es viele Schlüsselsituationen, auch krasse Entwertungen.
(Heute fühle ich: Es ging damals viel um das „Sich gegenseitig gefallen“, seine Andersartigkeit, sein Gefallenwollen. Seltsame Mischung, wir waren trotzdem auf einer Wellenlänge: begeisterungsfähig, wir gegen den Rest der Welt, wir Empfindsamen gegen die Unsensiblen, ein rauschhaftes Erleben von gemeinsamen Unternehmungen.)
Ich trennte mich also, dann war Funkstille. Wenn wir uns über den Weg liefen , ignorierte ich ihn , auch aus Unwissen, wie ich damit umgehen soll, das wurde mit der Zeit entspannter.
Nach ca. 4 Jahren kam es seinerseits (angetrunken) zu einem sehr emotionalen, fast pathetischem Gespräch,mit dem Wunsch, normal miteinander umzugehen, es mündete aber in Gefühlsbeteuerungen mit Tränen seinerseits. Ich hatte einerseits das Gefühl, er lässt seine Maske fallen und ich sehe die „schwache“ Seite, fühlte mich aber auch stark manipuliert aufgrund des Gesprächsverlaufes. Ich blieb ziemlich kopfklar, ließ mich emotional nicht einwickeln - eine gute Erfahrung, die mir zeigte, wie gut ich mich weiterentwickelt habe (war damals 26, nun Anfang 30) . Das Interesse an Kommunikation seinerseits war nach dem Gespräch wieder vorbei. Mich kümmerte es zuerst wenig.
Soweit so gut.
Nun zum eigentlichen Problem.
Irgendwie bekomme ich den Mann immernoch nicht ~vollständig~ aus dem Kopf. Ich will definitiv nicht mit ihm zusammensein, bin nicht eifersüchtig auf seine Frauen, die er in den Jahren nach mir so hatte.
Nur: die ganze Sache hallt in mir unglaublich lange nach.
Ich frage mich oft, wer dieser Mensch wirklich war, dem ich da aufgesessen bin.
Er trägt viele Masken, schauspielert und ist dabei unglaublich erfolgreich, beruflich wie privat (und leidet scheinbar nur im angetrunkenen Zustand unter seiner Fassade). Ein bisschen eine tragische Figur, kann man sagen.
Irgendwas an ihm hält mich noch fest, obwohl er nicht meinen Alltag bestimmt, auch nicht in meiner jetzigen Partnerschaft. (Wir sehen uns ab und an auf Veranstaltungen - Arbeit in der gleichen Branche, sind freizeitmäßig in ähnlichen Szenen unterwegs.) Ich möchte scheinbar einfach wissen, wie das geht, weil ich meine Emotionen, Unsicherheiten, Ängste nicht so einfach von meiner äußeren Maske abtrennen kann wie er, versteht ihr? Ich muss mich auf das fokussieren, was ich schon geschafft habe, um nicht manchmal unterzugehen, weil ich in einem fordernden Unternehmen arbeite.
Für ihn ist nichtmal das Arbeit, sondern er scheint immer nach vorn zu schauen. Visionärsmäßig quasi. Aber auch unbekümert und mit wenig Verantwortungssinn für negative Konsequenzen.
Kann man eine gesunde Portion Narzissmus lernen, die einen genau so weit bringt, dass man das Leben voll auskostet, aber keinen unnötig verletzen muss und „echt“ bleibt?
Also: Irgendwas beschäftigt mich an diesem Kerl (extrovertiert, erfolgreich, narzisstisch, sehr gedanken- und sorglos, aber fährt gut damit, erlebt krasse Dinge im Leben und „nutzt“ dies), ist es das, was ich bis hierher schon vermutete? Oder nur das Charisma, das nachhallt?
Wie kann ich gelassen mit der Situation umgehen?
Ich weiß nun, dass ein Gespräch mit ihm mir nix anhaben wird, aber würde das wirklich weiterhelfen? Wie habt ihr das gemacht? Ich möchte einerseits Kontakt, andererseits weiß ich auch nicht, wie der sich gestalten soll, weil ich auch meinen Stolz habe und nicht als „hilfesuchendes Mäuschen“ wie damals dastehen will.
Gibt es eine Art Katharsis, einen Loslass-“klick“, der irgendwann kommt?
(Wir haben fast null Kontakt, trotzdem fühle ich mich so „beeinflusst“ von ihm, aus der Vergangenheit, wieauchimmer und ertappe mich sogar manchmal beim Helferimpuls.)
Ich stecke immernoch in diesem Geflecht, er nicht, es ist also einseitig, denke ich. Wie habt ihr an euch gearbeitet, damit man sich davon frei machen kann und nicht immer grübeln muss, wie dieser Mesch nun wirklich ist/war?
Danke für eure Antworten!
Zwiebeltürmchen


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