Hallo zusammen,
Ich bin 20 Jahre und studiere Psychologie in Hagen (erstes Semester). Mein
Anliegen ist nicht so leicht zu verstehen... Deswegen werde ich erst ein Mal
etwas von mir erzählen.
Meine Kindheit war etwas komisch. Einerseits war ich bis zu meinem 8
Lebensjahr aufgeschlossen gegenüber Erwachsenen und stand gerne
im Mittelpunkt, andererseits bin ich in den nachfolgenden Jahren in die
komplett andere Richtung umgeschlagen. Da ich nie gelernt hatte Freunde
zu finden im meinem Alter war ich auch schon in der Grundschule etwas isoliert
und wurde von manchem gemobbt. Später ging das auf einem deutschen
Gymnasium weiter mit dem Mobben, von Seiten der Lehrer sowie der Schüler.
Ich bin sehr introvertiert geworden. Ich habe nur negative Erinnerungen aus
meiner Kindheit in einem Zeitraum von 7 Jahren. Diese Art von Schmerz die
einem den Antrieb zum Leben, zum irgendetwas unternehmen nimmt.
Jeder Tag verging quälend und zerrte mehr an mir. Irgendwann war ich dumm
vor Angst und Einschüchterung, in begründetem Selbsthass verloren,
unfähig andere Menschen zu verstehen sowie soziale Kontakte zu knüpfen,
nichts im Leben besitzend was es lebenswert gemacht hätte. Irgendwann
kamen Suizidgedanken in Form von logischen Schlussfolgerungen: "Warum lebe
ich? Wieso bestrafen mich die anderen wenn ich lache? Was gibt mir Antrieb
zum Leben, bin ich wirklich all das was andere behaupten?" Die Antwort darauf
war das ein Mensch wie ich nichts auf dieser Welt zu suchen hat. An dieser
Stelle sollte ich erwähnen das es nicht einfach irgendwelche Gedanken waren,
es waren Gedanken die ich mit meinem ganzen Sein dachte. Die Wahrheit war
nun ein Mal hart, die Zukunft allerdings lag vor mir. Ich habe mich für das Leben
entschieden. Für eine Chance das sich meine Lage ändert.
Ich war nie jemand der anderen weh getan hat, da meine Familie mir
zumindest die richtigen Werte vermittelt hat. Ich habe mich sehr oft in die
Lage anderer versetzt um sie zu verstehen. Habe sehr viel nachgedacht und
analysiert, verschiedenste Gedankenkonstrukte erschaffen und verworfen,
alles mir mögliche getan um all meine psychischen Krankheiten zu überwinden.
Ich war und bin allein. Der Unterschied ist folgender: Ich glaube der Grund wieso
ich es geschafft habe aus einem absoluten Nullpunkt zurück ins Leben zu finden
habe ich es zu verdanken das ich meinen Antrieb mit meinem Leben
selbst verknüpft habe (keinen Platz auf der Welt=keinen Grund zu leben,
einen Platz auf der Welt=ein Grund zum leben). Es war hart das alles allein
ohne Hilfe zu schaffen(Hilfe in diesem Ausmass vermag niemand einem zu
vermitteln der sich nicht wirklich mit den wichtigen Dingen des Lebens aus-
einander gesetzt hat, auch kein studierter Psychotherapeuth).
Dieser Umstand das ich allein bin setzt sich weiter fort. Auch wenn ich mit-
lerweile eine äusserst angenehme, soziale und empathische Person geworden
bin, auch wenn ich Psychologie studiere um später anderen zu helfen, auch
wenn ich das meiste in eine Ordnung gebracht habe was einen Menschen
im Laufe seines Lebens beschäftigt, auch wenn ich Freunde habe, auch wenn
ich mir bald ein Tattoo eines Origami Kranichs(Sadako Sasaki) auf die rechte
Hand tättowieren werde als Symbol für jeden wer ich bin und das er auf mich
zählen kann, auch wenn ich lieben kann, auch wenn ich mich stetig bessere,
auch wenn ich das meiste an psychischen Krankheiten jeglicher Art
verarbeitet habe, auch wenn ich zu der Person geworden bin die ich früher
sein wollte, ich bin allein. Es gibt niemanden der auf einer Wellenlänge mit mir
liegt, niemanden der sein Leben in diesem Ausmass wie ich lebt. Ich bin
jemand der seine Überzeugungen lebt. Ich bin ein verdammt guter Mensch.
Ich kann mich nicht dazu aufraffen etwas für mich zu tun wie z.B. ein paar
Kilo ab zu nehmen (übergewichtig, nicht wirklich gesundheitsschädigend, aber
definitiv nicht fördernd). Mein ganzes Handeln definiert sich durch andere,
meine Gedanken definieren sich durch mich. Es ist wie ein Fluch der einen
zu einem guten Menschen macht. Wobei ich es nicht als Fluch auffasse
sondern mich damit identifiziere. Ich opfere mich für andere nicht unnötig auf,
ich bin ein guter Mensch und durch und durch psychisch gesund. Ich nehme
meine Umgebung wahr wie sie ist, ich belüge mich nicht selbst. Um nicht noch
mehr abzuschweifen, will ich abschliessend festhalten das ich daran arbeite
kein schlechter Mensch zu sein und das macht mich zu einem immer besseren
im Vergleich zu vorher.
Wie eben angemerkt bin ich mir selbst nicht wichtig um für mich zu handeln.
Es ist nicht so das ich mich nicht liebe, es ist als ob ich es so auffasse das
es nicht nötig ist für mich zu handeln, es reicht wenn ich für andere handle.
Und ja, das hat mir äusserst geholfen, mitlerweile bin ich ein ziemlich starker
Charakter. Ich liebe mich und meine Art, ich liebe meine Mitmenschen, ich
liebe das Leben... Letztens habe ich mich mit einem hochbegabten in einem
Suizidforum ausgetauscht, dieser Mann mit einem IQ von 168, der einen
Abschluss vom MIT hat, mit voller Absicht ihm zu helfen. Ich habe sein Leben
gerettet, er hatte die Pillen griffbereit. Nur mit Worten, in ein paar Stunden.
Doch egal was ich erlebe, es gibt nichts was mich dazu antreibt für mich
selbst zu handeln (also für mich ohne anderen zu Schaden). Mit zwei
Ausnahmen:
1. Jemandem geht es schlecht. Danach bin ich geladen für ein paar Stunden
und seltener für ein paar Tage.
2. Wenn die Sonne oder der Mond auf eine besondere Art scheint, wenn der
Wind weht, wenn ich ans Meer fahre. Das sind die einzigen Momente wo ich
wirklich lebe, wo ich rennen will, leben einfach des lebens willen.
Ich glaube es ist nicht eine wirkliche Störung oder Falscheinschätzung die
mich davon abhält etwas für mich zu unternehmen. Ich glaube eher dass es
einfach niemanden gibt der mich versteht, meiner selbst wegen liebt. Da es
niemanden gibt der MICH liebt, kann ich um meinetwegen nicht leben.
Ich werde keine spezifische Fragen stellen, bitte schreibt alles was ihr zu
sagen habt.
MfG
PaperCrane


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren

Lesezeichen