Seite 2 von 10 ErsteErste 123456 ... LetzteLetzte
Ergebnis 9 bis 16 von 76

Thema: Einzelkind: Betagter Vater verwitwet - Schwierige Situation

  1. #9
    Verleger Avatar von Physalis
    Registriert seit
    20.03.2011
    Ort
    Alte Bundesländer, Süd-Westen
    Beiträge
    7.315
    Danke
    732
    1.628 mal in 1.260 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von MollyGrue Beitrag anzeigen
    HIch hab mein Lebtag auf meine Eltern Rücksicht genommen, damit "die sich nicht aufregen" - im Endergebnis hab ich keine Kinder, erst spät einen Partner gefunden, auf viele Dinge entweder verzichtet oder sie für mich behalten, auch viele negative Erfahrungen u.s.w.
    Das hört sich nicht gut an.
    Verstehe ich das richtig, dass Du aus Rücksicht auf Deine Eltern auf eine eigene Familie verzichtet hast? Was meinst Du mit "spät", wenn Du sagst, erst spät einen Partner gefunden zu haben? Verhinderten Deine Eltern Bekanntschaften?

    Ich kann Deine jetzige Panik verstehen! Du fühlst Dich womöglich in der Zeit zurück versetzt und wieder in der Rolle, alles für den Vater tun zu müssen.

    Aber das musst Du nicht!
    Dein Vater ist fit genug, um noch in die Berge zu gehen, falls er wollte!!

  2. #10
    Neuling
    Themenstarter

    Registriert seit
    09.06.2014
    Beiträge
    74
    Danke
    5
    20 mal in 15 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von Physalis Beitrag anzeigen
    Hallo Molly,

    es ist sicher nicht so, wie Du schreibst, von wegen als Einzelkind muss man alles aufgeben! Es gibt gesetzliche Pflichten ja, aber ansonsten muss jeder für sich selbst entscheiden - und darf das auch! - was er tut.
    Aber den Gedanken, den Du formulierst, hatte ich auch schon und sprach da auch mit einer Freundin drüber: Wenn man davon ausgeht, dass man für seine Eltern persönlich da sein möchte, wäre streng genommen zu überlegen, ob es sich überhaupt lohnt, eine lange, hoch qualifizierte Ausbildung zu machen. Man kann nicht wissen, wann es einen trifft. .
    Wenn man an anderer Stelle so liest, oder sich umhört, geht es nicht ums Möchten, sondern ums moralische MÜSSEN. Und da ist es tatsächlich ein Hohn, ich mein, man hat sich sein Leben, noch dazu als Einzelkind, ja nicht ausgesucht. Dann wird man durch die Schule gepeitscht, wehe man ist nicht perfekt, u.s.w. Hat man dann Boden untern den Füßen, heisst es offenbar, alles hinwerfen...
    Ja, ich war lange extrem "behütet", hab mich erst spät abnabeln können, ok, selber schuld, aber ja, es war schwer für mich, genug Selbstvertrauen aufzubringen für alles, was frau so braucht. Konnte mich schwer auf andere Menschen einlassen, das war schon auch Erziehung, dass ich so gar nichts von mir selber hielt. Und ja, Beziehungen wurden stets SEHR kritisch beurteilt. Ich will jetzt nicht schimpfen, sie meinten es sicher "nur gut" und wollten mich nur beschützen.

    Richtig mein Dad ist noch nicht pflegebedürftig, und könnte zumindest wenn schon keine Bergtouren, aber leichtere Wanderungen in einer ihm lieben Umgebung absolvieren, er geht auch jetzt noch bei jeder Gelegenheit in den Wald für Stunden. Mit MItte 80 kann HIlfsbedürftigkeit aber täglich eintreten.
    Was dann?
    Im Moment empfinde ich jedes Telefonat mit ihm als Qual. Unzufriedenheit, Trauer, Stress, Einsamkeit... gegen die ich nichts tun kann. Zöge ich zu ihm, ich würde innerhalb kurzer Zeit rasend durch seine negative, ständig grabesernste Art (nicht erst seit dem Tod meiner Mutter, ist ein Grundzug von ihm) und seine Null-Frustrationstoleranz, wenn was nicht gleich klappt. Bis vor Kurzem war ich ja noch fast jedes WE bei ihm, jetzt brauchte ich mal etwas Luft. Am Telefon hör ich sofort wieder: Ja du bist ja nie da. Wir müssen reden... u.s.w. Ich schieb dann oft Arbeit vor, was ja teilweise stimmt, nur: Recht produktiv war ich die letzten Wochen auch nimmer. Gut, es waren nun insgesamt 3 WE die ich mit meinem Partner oder allein verbracht hab. Böse böse...

    Ich denk zuweilen, hallooo, das war auch meine Mutter, die dahinging, das war auch mein Elternhaus, Zuhause, das jetzt verkauft wird, nur: Ich schieb meine Gefühle weg, weil ich darf ja nicht traurig und schwach sein, geht gar nicht, ich muss ja dafür sorgen, dass es Vater gut geht, darf den nicht mit meinem Kummer oder meinen Sorgen oder Bedürfnissen belasten. Und genau das ist die K*** - ich hab eigentlich seit Jahrzehnten immer alles ziemlich weggehalten von meinen Alten Herrschaften. Das meiste allein ausgefochten. Ist ja auch ok so. Dafür aber immer an IHREM LEid und ihren Sorgen teilgenommen, mit gelitten, mich auch gesorgt, versucht zu raten.
    Geht zu einem vernünftigen Arzt... nö. Versucht doch dies und das? nö... Geht doch mal unter Leute? Nein. Und so ging es mit vielem. Wir haben schon vor Jahren drüber geredet, z. B. Verkauft doch das Haus, wenns nur Mühe und Arbeit macht, sucht euch eine überschaubare Wohnung, holt euch Hilfe... lasst es euch BESSER gehen... es gibt doch Wege... soll ich dies oder das für euch rausfinden etc. etc. NEIN. Nein. Jetzt nicht. Später. Mach dir keine Sorgen. Das wird schon. Da denk ich drüber nach wenn ich ausgeruht bin (oder den 192. Film zu Ende geguckt habe...) u.s.w.
    Nichts wurde bedacht, nichts entschieden, nichts verändert. Bis auf das Jammern, das ich jahraus, jahrein zu hören kriegte.
    Ich vermute, das was mich wirklich bedrückt, außer, meinen Partner und die Arbeit, die ich liebe, aufgeben zu müssen, ist das: Ich habs sooo VERDAMMT SATT!!!! Diese Ausweglosigkeit, dieses Festsitzen in Ängsten und Gewohnheiten und in dieser Unzuversicht, die bei uns zu Hause meistens herrschten. Ich bins leid und müde und will da nimmer reingezogen werden. Ich war irgendwie lang genug Zombie.
    Ich hab mir Stabilität und eine einigermaßen positive Lebenseinstellung hart erkämpft, geb da auch gern davon ab, aber wenn ich wieder zwangsweise an so extreme Energie-Staubsauger an-docke, und die Distanz nicht wahren darf, reicht meine Kraft einfach nicht, um selber gesund zu bleiben. Oder ist das jetzt egoistisch gedacht?

    Sorry, dass ich mich hier so lang wie breit ausk***. Hilft aber. Ich hoffe, ich darf das...
    Geändert von MollyGrue (12.06.2014 um 22:39 Uhr)

  3. #11
    Verleger Avatar von Physalis
    Registriert seit
    20.03.2011
    Ort
    Alte Bundesländer, Süd-Westen
    Beiträge
    7.315
    Danke
    732
    1.628 mal in 1.260 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Molly,

    es ist höchste Zeit, dass Du Dich ausko....!!

    Jetzt, wo Dein Vater alt und allein ist, ist es leider noch viel schwieriger sich zu lösen, als früher. Nun kommt das schlechte Gewissen dazu, die Überzeugung moralischen Verpflichtungen nicht zu genügen. Wer sagt Dir, dass Du musst? Du Dir selbst aufgrund Deiner ganzen Biografie, oder ist das auch das Umfeld? Es ist ja durchaus noch verbreitet, dass davon ausgegangen wird, dass die Tochter sich um die Eltern kümmert. Söhne sind dieser Erwartungshaltung seltener ausgesetzt.

    Du bist offenbar eine intelligente Frau, aber das Offensichtliche muss man Dir wohl trotzdem sagen (mir übringes auch, von daher kein Thema ):
    Du gibst Deinen Partner nicht auf, nicht Deine Arbeit und nicht Deinen Wohnort.
    Du sorgst dafür, dass Dein Vater versorgt ist. Du fährst alle zwei Wochen hin und schaust nach. Vielleicht findet sich jemand, der zwischendurch mal guckt.
    Ob Dein Vater pflegebedürftig werden wird, kann keiner wissen. Sich ein Horrorszenario auszumalen, bringt nichts. Sollte es so kommen, wirst Du das Nötige veranlassen. Entweder eine ausländische Pflegekraft zu ihm nach Hause holen und dafür sorgen, dass alles gut läuft, oder eine Heimunterbringung erwägen.

    Nach allem, was Du schreibst, sehe ich da gar keinen anderen Weg! Du drehst doch schon beim bloßen Gedanken fast durch, zu ihm zu ziehen! Vergiss es, bitte!

  4. #12
    Anna55
    Gast

    Standard

    Hallo Molly,

    dein Vater entscheidet derzeit alleine, wie er leben möchte. Er will sich von dir nicht reinreden lassen, aber du sollst dann springen wenn es ihm passt, sollst dich überfordern, Probleme mit deinem Partner bekommen. Das ist nicht deine Aufgabe als Tochter, dein Leben so einschränken zu lassen.
    Wenn die finanziellen Möglichkeiten vorhanden sind, gibt es genug Möglichkeiten für deinen Vater, sich das Leben zu erleichtern: sprich, er kann sich Essen auf Rädern kommen lassen, jemanden, der putzt und auch jemanden, der mit ihm spazierengeht oder Ausflüge macht.
    Du bist auch nicht da, ihn zu unterhalten. Wenn du es genau betrachtest, ist er egoistisch, nicht du.
    Ich finde, Eltern haben nicht das Recht, solche Anforderungen zu stellen oder ihren Kindern ein schlechtes Gewissen einzureden. Das sage ich auch als Mutter.
    Und was die noch verbleibende Lebenszeit angeht: nicht selten sterben bei solchen Konstellationen die Betreuenden vor den Betreuten oder sie bezahlen den ganzen Stress mit ihrer Gesundheit.

    LG
    Anna
    Geändert von Anna55 (13.06.2014 um 00:38 Uhr)

  5. #13
    Verleger Avatar von Physalis
    Registriert seit
    20.03.2011
    Ort
    Alte Bundesländer, Süd-Westen
    Beiträge
    7.315
    Danke
    732
    1.628 mal in 1.260 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von Anna55 Beitrag anzeigen
    Und was die noch verbleibende Lebenszeit angeht: nicht selten sterben bei solchen Konstellationen die Betreuenden vor den Betreuten oder sie bezahlen den ganzen Stress mit ihrer Gesundheit.
    Hallo Anna,

    persönlich kenne ich zwar keinen Fall, in dem die Betreuenden vor den zu Betreuenden gestorben wären. Aber ich kenne einige Fälle, wo der Pflegende nur wenige Tage bis maximal Wochen nach dem vorverstorbenen Pflegebedürftigen starb. So alt hätte die Kraft dann nicht mehr für ein eigenes Leben gereicht. Das waren dann allerdings schon sehr alte Leute, die ihren Ehepartner gepflegt hatten. Also unter Mitte bis Ende 80 war davon keiner.
    Wenn auch nicht jeder Pflegende wegen der Belastung stirbt, so kenne ich doch keinen einzigen Fall einer Pflegebedürftigkeit, bei dem die Angehörigen nicht auf dem Zahnfleisch gingen.
    In schweren Fällen ist womöglich das Heim wirklich die beste Lösung. Wobei das natürlich jeder Angehörige für sich entscheiden sollte. Dabei kann man hoffen, dass es eine wirkliche Entscheidung ist und keine Entscheidung aus gesellschaftlichem Druck heraus.
    Wir werden immer mehr Menschen haben, die sehr alt werden und deshalb zunehmend pflegebedürftig. Mir ist unvorstellbar, wie das funktionieren soll. Hier muss die Politik in den nächsten Jahren massive Maßnahmen ergreifen, sonst droht der Gau.

  6. #14
    Egosum
    Gast

    Standard

    Für mich sieht das so aus, als werde ein schon historisch gewachsener Gesellschaftsvertrag aufgekündigt. Ich gehöre ja nun einer Elterngeneration an, die wie kaum eine zuvor dafür gesorgt hat, dass unsere Kindergeneration hervorragend ausgebildet ins Leben entlassen wurde.
    Es mag empören, aber auf diesem Hintergrund empfinde ich auch moralisches Recht zu erwarten, dass meine Generation im Alter nicht darben muss oder wie es früher mal hieß im "Siechenheim" vor sich hin dämmernd auf den Tod warten soll.
    Die Humanität einer Gesellschaft beweist sich nicht zuletzt darin, wie sie mit ihren Jüngsten und den Ältesten umgeht. Und eins ist gewiss: Alt werden wir alle mal.

    Egosum

  7. #15
    Anna55
    Gast

    Standard

    Hallo Egosum,

    ich versthe nicht so ganz was du meinst. Welcher Gesellschaftsvertrag?
    es geht ja hier nicht darum , dass Molly`s Vater nicht genügend Geld im Alter hat, sondern, dass er erwartet, dass seine Tochter seine Entscheidungen mitträgt, egal ob sie das leisten kann oder nicht.
    Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass meine Kinder im Alter nach mir sehen "müssen".
    Wenn sie mich ab und zu besuchen, würde ich mich freuen. Aber ich habe vor, rechtzeitig zu regeln, dass ich (wir) mit entsprechenden Hilfen, wenn nötig, alleine zurechtkommen.

    LG
    Anna

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Anna55 für den sinnvollen Beitrag:

    Physalis (13.06.2014)

  9. #16
    Verleger Avatar von Physalis
    Registriert seit
    20.03.2011
    Ort
    Alte Bundesländer, Süd-Westen
    Beiträge
    7.315
    Danke
    732
    1.628 mal in 1.260 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Egosum,

    auch ich verstehe nicht, was Du Molly mit dem Hinweis auf einen angeblichen "Generationenvertrag" sagen möchtest.
    Den Begriff "Siechenheim", den ich noch nie gehört habe, könnte ich mir gut in dem Kontext vorstellen, wenn Kindern ein schlechtes Gewissen gemacht werden soll, falls sie wegen ihrer Eltern ihr eigenes Leben nicht aufgeben wollen und/oder können.
    Es passt gut zu dem Ausdruck "ins Heim ABSCHIEBEN."

    Kinder haben das Recht auf ein eigenes Leben. Auf dieses Recht können sie verzichten, aber keiner darf dies verlangen.

    Gruß,

    Physalis

Seite 2 von 10 ErsteErste 123456 ... LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 01.07.2013, 14:43
  2. Schwierige Situation...Freundin...Abstinenz
    Von Jungermann1990 im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 01.09.2012, 19:01
  3. Schwierige Situation
    Von Bazzi im Forum Scheidung / Trennung
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 31.08.2012, 12:34
  4. Schwierige Situation zwischen meinem Freund und seinem Vater
    Von steffchen im Forum Familie & Erziehung
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 24.07.2012, 20:58
  5. Facharbeit - Einzelkind- Frage
    Von Psychologie-Schülerin im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 14.01.2011, 20:04

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •