Guten Morgen Nurielle,
ja, mein Verlobter hat ein gutes Gespür für sowas.
Gestern hat er das Dilemma so auf den Punkt gebracht, daß es mir wie Schuppen von den Augen gefallen ist.
Warum kann ich es selber nicht auch so formulieren?
Er sagte: Weil es deiner Mutti nicht gut geht, darf es dir auch nicht gut gehen!
Dann kann sie grinsen, daß es dir schlecht geht und alles ist wieder gut.
Das trifft es genau. Und erst als er es ausgesprochen hat, ist mir schockiert aufgefallen, wie fies und gemein das Ganze ist.....
Meinen Vati hat das alles nie intressiert, er glaubt seiner Frau und basta. Selbst als ich von oben bis unten blau war und geblutet habe, nachdem sie mich 2 Treppen hinuntergestoßen hat, meinte er nur, sie hätte gesagt, ich sei über meine eigenen, ungeschickten Füße gestolpert und das glaubt er ihr. Ich hätte doch eine blühende Fanatsie.
Einem Kinderarzt sind meine blauen Flecke mal aufgefallen. Sie waren vor allem am Rücken und man sah zum Teil noch die Fingerabdrücke und die des Teppichklopfers...macht so ein komisches Muster.
Als er kurz raus war, hat sie mir derart massiv gedroht, daß ich zitternd behauptet hab, ich sei gestolpert....
Es gipfelte, als ich 10 war und körperlich in die Pubertät kam. Sie fing an, mich als zu dick, häßlich, nicht selbstbewußt genug, zu zurückhaltend, nicht fröhlich genug usw. zu beschimpfen.
In dieser Zeit fing mein Patenonkel an, zudringlich zu werden. Es fing mit langen Küssen auf den Mund und Abgetatsche an intimen Stellen zur Begrüßung an. Alle Erwachsenen standen drumherum und haben zugekuckt.
Meinen ersten Zungenkuß habe ich unter Gewaltanwendung von diesem Onkel bekommen. Ich habe geschrien, um mich gehauen, gezappelt und von den anderen, die direkt im Zimmer unter mir saßen, wollte mich bei gekipptem Fenster keiner gehört haben.
Es blieb nicht bei dem einen Mal und wurde noch schlimmer.....
An meinem 11.Geburtstag bekam ich eine Karte von diesem Patenonkel mit DM 400 drin. Sonst nichts.
Als er weg war, bin ich mit meinen 11 Jahren direkt zum Mülleimer und habe diese Karte samt Geldinhalt entsorgt.
Meine Mutti kam schreiend hinterher und meinte, Geld stinkt nicht, und wenn ich es nicht wolle, könne sie es sehr gut brauchen. Für soooooo viel Geld müßte ich doch wenigstens ein bischen "nett" zu diesem Onkel sein und tun, was er will.
Ich frage mich bis heute, ob sie mich damals verkauft hat....
Die einzige Genugtuung, die ich habe ist folgende:
Als ich 18 war, und ihm keine Gelegenheit mehr gegeben habe, mir aufzulauern, hat er sich einfach an meiner Mutter vergriffen.
Aber sie meinte, sie hätte ihn einfach weggeschubst und damit sei es gut gewesen. Das hätte ich ja damals auch tun können, und wenn nicht ,sei ich selber schuld.
Vielleicht kannst du ermessen, wie lange es gedauert hat, bis ich Vertrauen zu einem Mann entwickeln konnte.......mehrere Jahrzehnte.
Seit ich erwachsen bin, hat sie sich auf emotionale Erpressung, Abwertung meiner Person und Schwarzmalerei bei der kleinsten Kleinigkeit (du kannst das nicht, du schaffst das nicht, strreng dich mehr an..)
spezialisiert. Was ich mache, ist sowieso immer falsch, egal für welche Handlungsmöglichkeit ich mich entscheide.
Nach meinem Studium bin ich regelrecht geflüchtet.
Erst waren es nur 180 Km, dann glatte 1000 Km, die ich von zu Hause weggezogen bin.
Das hat wahre Wunder gewirkt. Auf Distanz mit gelegentlichen Besuchen war es auszuhallten.
Dann bin ich wieder in ihre Nähe gezogen, weil sie nicht mehr die Jünsten sind, bei gleichzeitig krank waren und ich nach Feierabend losgefahren bin, um mich um sie zu kümmern...pro Weg auch so 120 Km damals.
Ein halbes Jahr nach meinem Umzug wurde ich sehr schwer krank. Bin an meinem neuen Arbeitsplatz ein wenig gemobbt worden und konnte mich überhaupt nicht wehren. Das Ergebnis war ein angebrochener Wirbel, ein Bandscheibenvorfall und ein bösartiger Tumor in meinem Rücken.
Nach der Krebsdiagnose habe ich zum ersten und leider einzigen Mal in meinem Leben diesen Satz aus dem Mund meiner Mutter gehört: "Wir schaffen das!"
Tja, und heute?
Solange ich das tue, was sie wollen, ist es ok. Man interessiert sich nicht wirklich für mich, aber man läßt mich in Ruhe.
Sie hätten sich während meiner Erkrankung so viel um mich gekümmert, daß ich das mein Lebtag eh nicht mehr wieder gut machen könne.
Und sie erwarten, daß ich sie zu Hause pflege, denn beide würden sich wortwörtlich lieber erschießen, als ins Pflegeheim gehen.
Sie meinten, wenn sie mich versorgen, hätte ich alles was ich brauche. Daß ich aber emotional verhungere, weil ich mich nicht mehr bewegen konnte und an die Wohnung gefesselt war, war ihnen egal.
Wenn ich nicht so funktioniere, wie sie wollen, geht der Psychoterror los.
Den Rest der Geschichte mit meinem zukünftigen Mann kennst du.
Oh mann, der Text ist viel länger geworden als ich wollte
Bin übrigens auch ein Einzelkind und auch meine Mutti hat eine sehr schwere Geburt mit Schwangerschaftsvergiftung usw.
Gestern hat sie mir um die Ohren geknallt, wenn ich mich aufrege, verliere ich bestimmt das Kind.
Ich habe mir geschworen, daß das nicht passiert. Und die Distanz sehe ich auch als Selbstschutz. Leider wohnen sie nur 6 Km entfernt und haben einen Hausschlüssel von mir. Aber ans Telefon bin ich gestern einfach nicht rangegangen, als sie angerufen haben..erster Schritt!
Herzlicher Gruß und guten Tag,
die Traurige