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Thema: EMDR - Was kann es, was nicht?

  1. #1
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    Standard EMDR - Was kann es, was nicht?

    EMDR ist in Deutschland leider eine sehr stiefmütterlich behandelte Form der modernen Psychotherapie. Obwohl in klinischen Studien bereits festgestellt wurde, dass EMDR das "Schweizer Taschenmesser der modernen Psychotherapie" sei.

    Ich selbst arbeite in meiner Praxis seit mehreren Jahren mit 3 Behandlungsverfahren, die ich je nach Notwendigkeit miteinander kombiniere.
    Das sind EMDR, Hypnose und Verhaltenstraining. Wobei Hypnose und Verhaltenstraining von mir ausschließlich ergänzend zu EMDR verwendet werden.

    Hier möchte ich euch mal beispielhaft aufzählen, bei welchen Problemen und Erkrankungen EMDR sinnvoll und schnell eingesetzt werden kann:

    ANGST, PHOBIE, PANIK

    • Angst vor Tieren (Spinnen, Hunde, Schlangen, ...)
    • Prüfungsangst
    • Angst vor dem Zahnarzt
    • Angst vor Operationen
    • Angst vor der Dunkelheit
    • Angst vor dem Allein sein
    • Trennungsangst
    • Höhenangst
    • Flugangst
    • Angst vor anderen Menschen
    • Angst vor Rolltreppen oder Fahrstühlen
    • Angst vor der Zukunft
    • Existenzangst
    • Angst vor beruflichem Versagen
    • Angst, vor anderen Menschen zu sprechen
    • Angst, das Haus zu verlassen
    • Angst vor dem Fahren mit öffentlichen Verkehrmitteln
    • Angst vor dem beruflichen Versagen
    • Sozialphobien
    • Panikattacken unbekannter Herkunft
    • Burn-Out
    POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNGEN
    • Katastrophen
    • Unfällen (auch als Zeuge)
    • Überfällen
    • Vergewaltigungen
    • Opfer von sonstiger körperlicher Gewalt
    • Opfer von Folter
    • Opfer von häuslicher Gewalt
    • psychisch ausgeübter Gewalt
    • Psychoterror
    • Stalking
    • Mobbing
    TRAUERBEWÄLTIGUNG
    • nach dem Tod von Angehörigen, Verwandten oder Freunden
    • nach dem Tod des Haustiers
    SUCHTERKRANKUNGEN
    • Alkoholsucht
    • Medikamentensucht
    • Drogensucht
    • Spielsucht
    PSYCHOSOMATISCHE STÖRUNGEN
    • Spannungskopfschmerzen
    • Nervöse Magenleiden
    • Durchblutungsstörungen
    • Hoher Blutdruck
    • Asthma
    • Herpeserkrankungen
    KOPFSCHMERZEN
    • Migräne
    • Spannungskopfschmerzen
    Die Erfolgsquote liegt bei 80-90%

    Wann EMDR versagt:

    EMDR versagt immer dann, wenn der Patient eigentlich gar nicht behandelt werden will. Oft werden Patienten von ihren Lebenspartnern, Freunden oder Verwandten geschickt, ohne dass sie daran Interesse haben, dass es ihnen besser geht.

    Positiver Krankheitsgewinn spielt dabei eine wesentliche Rolle. Nicht selten bringt das Leiden der Patienten große Vorteile in ihrem Leben, die sie nicht aufzugeben gedenken. Krankheit ist sehr oft verbunden mit Rücksichtnahme und Zuwendung durch die Umwelt.

    Dann wird es schwierig, einen Therapierfolg zu erzielen - wie bei allen anderen Therapieformen auch.
    Geändert von Dieter (15.12.2011 um 13:54 Uhr)

  2. #2
    Moderator Avatar von phel
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    Standard

    Hallo, Dieter!

    Zitat Zitat von Dieter Beitrag anzeigen
    Es ist das bestuntersuchte Behandlungsverfahren der modernen Psychotherapie weltweit.
    Na, wollen wir mal nicht übertreiben ,)

    Im Bereich der posttraumatischen Belastungsstörung, weist 'EMDR' als Verfahren, über 20 kontrollierte Studien auf. Es ist somit, das meist untersuchte Behandlungsverfahren ( hinsichtlich "PTBS" ) - aber: eine Vielzahl dieser Studien, sind methodologisch fehlerhaft, und nicht zu verwerten. Ferner ist auch die Wirkungsweise, nicht endgültig geklärt, und es existieren lediglich, mehr oder weniger populäre Hypothesen. In Anbetracht dessen, kann man nicht von dem "bestuntersuchten Behandlungsverfahren der modernen Psychotherapie weltweit" sprechen. Das ist es, schlicht und ergreifend, nicht.

    Zitat Zitat von Dieter Beitrag anzeigen
    Obwohl in klinischen Studien bereits festgestellt wurde, dass EMDR das "Schweizer Taschenmesser der modernen Psychotherapie" sei.
    Die EMDR-Methode kann nicht als Verfahren für die vertiefte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten entsprechend § 1 Abs. 1 der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten empfohlen werden, da sie nicht für die geforderte Mindestzahl von fünf der 12 Anwendungsbereiche der Psychotherapie bei Erwachsenen des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie bzw. für mindestens vier der acht klassischen Anwendungsbereiche als wissenschaftlich anerkannt gelten kann.
    Daran hat sich bis heute, vorerst nichts geändert.

    Von einer dermaßen hohen Erfolgsquote zu sprechen, vor allem im Bereich des 'Abhängigkeitssyndroms', halte ich persönlich, für unverantwortlich. Es sei denn, man hat grundlegend andere Maßstäbe, an denen man Erfolg misst - denn anders, lässt sich diese Zahl auch nicht erklären.

    Liebe Grüße!

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei phel für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (21.12.2011)

  4. #3
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    Standard

    Die EMDR-Methode kann nicht als Verfahren für die vertiefte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten entsprechend § 1 Abs. 1 der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten empfohlen werden, da sie nicht für die geforderte Mindestzahl von fünf der 12 Anwendungsbereiche der Psychotherapie bei Erwachsenen des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie bzw. für mindestens vier der acht klassischen Anwendungsbereiche als wissenschaftlich anerkannt gelten kann.
    Das ist allerdings typisch Deutsch (und jeglicher Vernunft entbehrend);

    Wenn dem so ist, dass EMDR nur deshalb (in Deutschland) nicht empfohlen wird, weil es "nur" in einem Drittel aller Anwendungsgebiete wirksam ist (aus denen übrigens nach meiner Einschätzung weit mehr als 80% aller Betroffenen kommen), halte ich es für irrsinnig, die Methode diesen Menschen aus rein statistischen Gründen vorzuenthalten.

    Mir ist es als Behandler ehrlich gesagt völlig egal, dass das Verfahren in nur vier Bereichen anwendbar ist. Den Patienten übrigens auch. Denen ist wichtig, dass ihnen geholfen wird. Und das ist (im Rahmen der möglichen Anwendungsgebiete) ziemlich sicher.

    Wenn nicht schon früher die Behandler selbt die Behandlunggebiete für EMDR immer wieder erweitert hätten, gäbe es diese Liste überhaupt nicht.

    EMDR ist anwendbar in Anlehnung an die (schulmedizinisch geprägte) ICD-10 bei

    Angststörungen
    phobische Störungen
    andere Angststörungen

    Belastungsstörungen

    Belastungsreaktion
    posttraumat. Belastungsstörung

    Essstörungen

    Andere Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen
    nicht-organische Schlafstörungen
    nicht-organische sexuelle Funktionsstörungen
    Anpassungsstörungen, somatische Krankheiten
    Persönlichkeitsstörungen und Verhaltensstörungen
    Persönlichkeitsstörungen
    Verhaltensstörungen
    Abhängigkeiten und Missbrauch

    Und schon sind wir wieder bei der Auflistung, die ich anfangs veröffentlicht hatte...

    Noch eine kurze Anmerkung zu den Erfolgsquoten, die übrigens aus internationalen Studien stammen:

    Richards et al. (1994) kombinierten Exposition in sensu und in vivo bei hauptsächlich einfach-traumatisierten Kindern über eine Behandlungsdauer von 50 bis 120 Stunden mit dem Ergebnis, dass 80% danach nicht mehr die Kriterien für PTBS erfüllten.

    Marks et al.(1998) kognitive Umstrukturierung mit Behandlungsdauer von 50 bis 120 Stunden führte ebenfalls zu 80% erfolgreicher Therapie
    Meine Erfahrungen in der Praxis stimmen mit den Ergenissen im Bereich PTBS, Angst, Phobie und Panikstörungen überein. Nur die Stunden sind viel zu hoch gegriffen.

    Für den Bereich der Suchttherapie kann ich mir noch kein abschließendes Urteil erlauben, weil ich bisher nur rund 30 Suchtkranke behandelt habe. Dort allerdings komme ich bisher auf ein ähnliches Ergebnis. EMDR kann nicht die Sucht bekämpfen, aber nimmt den Betroffenen den Grund, warum sie zum Beispiel trinken. Über die Sucht (also das Verlangen nach dem Suchtmittel) müssen sie selbst oder mit Betreuung himweg kommen.
    Geändert von Dieter (21.12.2011 um 14:02 Uhr)

  5. #4
    Moderator Avatar von phel
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    Standard

    Hallo, Dieter!

    Zitat Zitat von Dieter Beitrag anzeigen
    Das ist allerdings typisch Deutsch (und jeglicher Vernunft entbehrend);

    Wenn dem so ist, dass EMDR nur deshalb (in Deutschland) nicht empfohlen wird, weil es "nur" in einem Drittel aller Anwendungsgebiete wirksam ist (aus denen übrigens nach meiner Einschätzung weit mehr als 80% aller Betroffenen kommen), halte ich es für irrsinnig, die Methode diesen Menschen aus rein statistischen Gründen vorzuenthalten.
    Hier liegt ein Missverständnis vor. 'EMDR' wird weder ( allgemein ) nicht empfohlen, noch deutschen Patienten vorenthalten. Im Bereich der posttraumatischen Belastungsstörung, werden diese Behandlungen schon heute, in der Regel, von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Es erfüllt aber, momentan, nicht den Mindestanforderungen der Prüfungsverordnung für psychologische Psychotherapeuten.

    Noch eine kurze Anmerkung zu den Erfolgsquoten, die übrigens aus internationalen Studien stammen:
    Nicht aber, frei auf jeden Anwendungsbereich übertragbar sind - oder?

    Liebe Grüße!

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei phel für den sinnvollen Beitrag:


  7. #5
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    Standard

    Ich werde zunehmend traurig wenn ich das hier so durchlese. Ich habe eine ausgeprägte Arachniaphobie, posttraumatische Belastungsstörung, Depressionen, Schlafstörungen, wurde als Kleinkind ziemlich brutal regelmäßig misshandelt und vergewaltigt und hatte zudem in späteren Lebenssituationen (mit 17, 20 und ein Zeitraum zwischen dem 16.ten und 18.ten Lebensjahr) traumatische Erlebnisse, die mich weiterhin belastet haben.

    Ich frage mich, wieso meine Therapeutin mich nur in einer einzigen SItuation, die ziemlich akkut war, mit EMDR behndelt hat und nicht gleich von Anfang an es vorgeschlagen hat. Sie kann es, das hat sie bewiesen, aber nichts desto trotz halte ich ihr jetzt, nachdem ich den Post gelesen habe, vor, das sie mich nicht rechtmäßig behandelt hat.

    Und jetzt zu meiner Frage: WIE kriege ich einen Spezialisten/Fachspezifischen Artz oder Therapeuten dazu, mein Trauma zu verarbeiten? Gerne auch MIT EMDR, soweit ich das mitbekommen habe ist diese Methode ziemlich effektiv...

    LG,
    Mylendria

  8. #6
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    Standard Emdr

    Hallo ,

    ich will jetzt mal etwas zu der EMDR Therapie sagen.
    EMDR ist erstmal eine sehr "krasse"Therapieform, die nicht jeder und jedes Krankheitsbild tragen kann.
    Und wenn ich dann von "dieter" lese, dass es nur bei den Patienten nicht hilft, die geschickt wurden, muss ich leider sagen, ist das quatsch.
    EMDR eignet sich am Besten für MONOtraumen, denn da geht man ein Problem an und es ist absehbar.
    Und dann muss der Patient STABIL sein um diese Form überhaupt anwenden zu können.
    In meinem Fall war ich mehrfach traumatisiert und bin deswegen erwerbsunfähig und als mein Behandler mit der EMDR MEthode um die Ecke kam mit DER METHODE, er hat mir das auch in rosa roten Worten beschrieben, dass dann alles gut wird, dass ich dann geheilt bin usw.
    Ich habe natürlich gedacht, "naja er weiß was er tut er ist Arzt!" aber dem war nicht so.
    Ich war viel zu instabil und diese Methode hat mich REtraumatisiert statt zu stabilisieren und neutralisieren und ich daher betrachte ich diese Methode zumindest bei mehrfacher Traumatisierung, mit einem Menschen wie z.B. mir (habe Agoraphobie, Angst/Panikattacken, Depressionen und konnte dann nicht mal mehr arbeiten).
    Alleine dass diese Methode irgendwie alles kann (angeblich) und DIE METHODE ist, würde mich stutzig machen.
    Leider habe ich mich damals komplett in die Hände dieses Menschen gegeben und habe bitter dafür bezahlt. Ich mußte Beruhigungsmittel nehmen um die Bilder und Gefühle die in einer EMDR Sitzung hochkamen überhaupt im nachhinhein auszuhalten.
    Also ich wäre mal sehr vorsichtig mit dieser Methode und es gibt sanftere Traumatherapien die wirklich angemessener und angebrachter sind.
    So meine Meinung.

    Liebe Grüße Lotte

  9. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei Lotte76 für den sinnvollen Beitrag:

    AnVo (05.02.2012),Erwin (04.02.2012),Mylendria (06.02.2012)

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