Hallo Leute!
Könnt ihr mir sagen, was es bedeutet "Gefühle zu kanalisieren" und wie kann das funktionieren bzw. welche Strategien zur Gefühlskanalisierung gibt es?
Vielen lieben Dank im Voraus!
Kerstin
Hallo Leute!
Könnt ihr mir sagen, was es bedeutet "Gefühle zu kanalisieren" und wie kann das funktionieren bzw. welche Strategien zur Gefühlskanalisierung gibt es?
Vielen lieben Dank im Voraus!
Kerstin
Hallo Kerstin!
Ich glaube seine Gefühle zu kanalisieren hat damit zu tun, dass du diese Gefühle kontrolliert in eine bestimmte Richtung lenkst.
Mir ist sowas aus dem NLP bekannt (Neurolinguistische Programmierung) - Grundannahme ist hier, dass Menschen nach einem Reiz-Reaktionsschema funktionieren - falsches (oder besser pathologisches) Verhalten wird hier genau analysiert und "umprogrammiert". Ich beschäftige mich seit kurzer Zeit damit, weil ich schon länger nach Mitteln und Wegen suche, mein selbstschädigendes Verhalten abzustellen. Der Theorieansatz ist allerdings sehr umstritten!
Aus meinem näheren Umfeld ist mir auch bekannt, dass z.B. bei Menschen mit aggressiven Verhalten dieses Verhalten durch Sport kanalisiert wird - soll bewirken, dass die vorhandene "überschüssige" Energie (ob positiv oder negativ) sozusagen raus kann - aber durch den "richtigen" Kanal - in dem Fall der "Sportkanal".
PolyTrauma (10.01.2012)
Liebe Suzy!
Vielen lieben Dank für deine Antwort. So etwas in die Richtung habe ich mir schon gedacht, aber wie kann eine Person, die meiner Meinung nach keine negativen Gefühle (vor allem gegenüber anderen Personen) zulassen kann (weil das nicht ihrer sehr christlichen Grundhaltung entspricht), ihre Gefühle kanalisieren wenn sie immer wieder einmal von sehr starken Gefühlsausbrüchen übermannt wird, mit denen sie dann kaum umgehen kann (natürlich müssen auch die negativen Gefühle mal raus). Aber diese Gefühlsausbrüche sind dann so stark, dass diese Person absolut nicht damit umgehen kann (sie macht nicht schlimmes dabei, hauptsächlich stundenlanges Weinen, zurückziehen, Grübeln). Und da natürlich bei diesen Gefühlschaos dann auch negative Gefühle dabei sind entstehen, meiner Meinung nach, bei dieser Person dann auch sehr starke Schuldgefühle (die Person selbst kann das nur teilweise bestätigen bzw. zugeben).
Ich hoffe du kannst verstehen was ich zu erklären versuche.
Vielleicht kannst du oder irgendjemand anderer mir da weiterhelfen, da ich dieser Person sehr gerne helfen würde.
Vielen lieben Dank im Voraus.


Hallo Kerstin,
Das klingt jetzt aber nicht nach "kanalisieren" - im Endeffekt liefe es auf ein Unterdrücken hinaus ...... wie kann eine Person, die meiner Meinung nach keine negativen Gefühle [...] zulassen kann (weil das nicht ihrer sehr christlichen Grundhaltung entspricht), ihre Gefühle kanalisieren wenn sie immer wieder einmal von sehr starken Gefühlsausbrüchen übermannt wird, mit denen sie dann kaum umgehen kann ...
Was spricht dagegen, ihre "Gefühlsausbrüche" als sichtbares Zeichen eines starken Konfliktes in ihr selbst anzusehen, der nicht aufgelöst sondern unterdrückt wird?
Da etwas einfach nur "umzuprogrammieren" (= "wegmachen") zu wollen halte ich sogar für auf Dauer schädlich: der Konflikt bleibt ja weiter bestehen.
Das kann zwar eine lange Zeit gut gehen, aber irgendwann kann es wieder zu Situationen kommen, in denen sie mit diesen ungelösten Fragen konfrontiert wird - und der alte Konflikt bricht dann nur umso härter wieder aus.
Jeder Mensch hat Gefühle - sogar die ganze mögliche Palette von ihnen rauf und runter. Alle haben ihre Wurzeln und damit auch ihre Berechtigung. Sie haben sogar alle eine eigene Funktion.
Sie da jetzt von vornherein in "gut" und "böse" einzuteilen (nach welchen Maßstäben soll das denn funktionieren können - es wären ja willkürliche Maßstäbe ...) führt dann nur zu dem, was für sie jetzt ein solches Problem darstellt: sie beschäftigt sich nicht mehr offen und wertneutral mit ihnen.
Eine Ausgeglichenheit kann man, IMHO, doch nur dann in sich erreichen, wenn man in Einklang mit seinen Gefühlen lebt; wenn man sie als einen Teil von sich annimmt, der zu einem dazu gehört - und zwar in der ganzen Bandbreite!
Dieses Diktat "ich darf keine bösen Gefühle haben" ist unsinnig. Gefühle hast du. Punkt. Dagegen kannst Du Dich auch nicht wehren, weil es zutiefst menschlich ist.
Es wäre etwas anderes, wenn diese "Forderung" so formuliert würde: "ich darf meine Gefühle nicht hemmungslos ausleben, wenn ich anderen Menschen damit schade".
Damit könnte ich sie wertneutral betrachten und einen Weg finden, wie ich mit ihnen leben kann, anstatt immer nur gegen sie.
So, wie sie vorzugehen scheint, bekämpft sie sich nur selbst - das ist aussichtslos und wird die Konflikte nur immer weiter anheizen.
Was ist an meinem Gefühl "verwerflich", wenn ich jemanden, der sich mir gegenüber unterirdisch verhält, am liebsten einfach nur noch an die nächste Wand nageln würde?
Das Gefühl ist da, ist auch berechtigt, weil es einen Anlass dafür gibt.
"Moral" und Ethik kommen aber erst bei der Frage ins Spiel, ob ich diesem Gefühl dann auch ungebremst nachgeben darf ...
Wenn ich mich mit meinen Gefühlen nicht mehr beschäftigen darf, werde ich auch nie Antworten auf all die Fragen bekommen können, die dabei aufkommen.
Diese Fragen sind ein Teil des eigenen Reifungsprozesses, durch den jeder Mensch durch muss.
"Regeln", noch dazu diejenigen, die man nicht verstehen und nachvollziehen kann, bei denen man noch nicht einmal mehr Fragen stellen darf, eben um sie zu verstehen - das sind Dogmen.
Sind es ihre eigenen Regeln, mit denen sie da nicht gerade klar kommt oder werden sie ihr von außen vorgegeben? Kann sie über diesen Konflikt mit jemandem reden, frei und ohne die Angst haben zu müssen, wegen ihrer Fragen gewertet zu werden?
Kann sie es sich selbst erlauben, sich in ihrer ganzen Bandbreite anzunehmen und zu akzeptieren?
Falls nein: warum nicht? Wer oder was stünde dem im Wege?
"Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
(mongolisch)
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„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
(Immanuel Kant, 1724 - 1804)
Lieber Darkstar!
Vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Auch ich denke im Grunde so wie du. Jedes Gefühl, wie auch immer es betitelt wird (ob positiv, negativ, gut oder böse etc.) hat seine Berechtigung und ist wichtig. Bei dieser Person die ich meine ist es aber meiner Meinung nach so, dass sie denkt, dass sie die Gefühle, die für sie "negativ" sind (Ärger, Trauer, Hass, ...) nicht zulassen darf. Ich denke dieses Dogma (wie du es ja schon so schön betitelt hast) kommt daher, dass sie sehr stark ihren Halt im christlichen Glauben sucht und den Glauben (meiner Meinung nach fälschlicherweise) so interpretiert, dass sie eigentlich immer nur Gutes tun und anderen helfen muss und eigentlich alles immer Friede Freude Eierkuchen (entschuldigt bitte den Ausdruck) sein muss bzw. sie dazu beitragen muss, dass wieder überall Harmonie um sie herum herrscht. Natürlich sind dies ehrenvolle Absichten, wenn man will, dass es den Mitmenschen gut geht, aber wenn man sich selber darüber vergisst und das ganze nur mit sehr starker Gefühlsunterdrückung und daraus entstehenden Schuldgefühlen einhergeht, dann ist der Preis dafür ziemlich hoch. Das Problem ist, dass ich nicht weiß wie weit diese Person in den Situationen der, ich nenne es jetzt mal, Gefühlsüberrollung (wenn die Gefühle sich einfach nicht mehr unterdrücken lassen) geht, bzw. konkret gesagt, habe ich Angst, dass Suizidversuche passieren könnten (obwohl die Person selbst auf mein Nachfragen gesacgt hat, dass sie das niemals machen würde). Deshalb wollte ich eventuell einen Weg finden wie diese Person diese Gefühle, die nun einmal da sind, ob sie es will oder nicht, in eine Richtung kanalisieren kann, die für sie annehmbar ist und ihr so den Druck nehmen kann ständig dagegen ankämpfen zu müssen. Natürlich ist der grundsätzliche Konflikt dann immer noch da und muss auch meiner Meinung nach dringend in einer Psychotherapie aufgearbeite werden, trotzdem braucht diese Person auch jetzt schon eine Strategie, was sie tun kann.
Hallo Kerstin,
ich muss dir unbedingt Recht geben, dass die Person in profesionelle Hände gehört. Die Frage ist, in welche...Therapeut oder Pfarrer/Pastor!?
Nach deiner Beschreibung legt sie den christlichen Glauben sehr streng aus. Ich nehme mal an, dass diese Person einer Gemeinde angehört - ein Pfarrer oder Pastor ist hier vielleicht der erste Ansprechpartner, da diese in der Lage sind, negative Gefühle und deren Umgang aus religiöser Sicht zu erklären!? Ich selbst bin atheistisch erzogen worden und kann daher sehr wenig über den Umgang innerhalb einer Kirchengemeinde sagen, aber ich denke, dass die Person einem "Kirchenmann/frau" eher Glauben schenken wird...soll heißen, dass sie hier die christliche Legitimation für ihr negativen Gefühle erhalten könnte. Die Kirche hat da ihr Mittel und Wege, diese Person ist nicht die Erste, die Angst hat vom "Weg abzukommen"...
Liebe Suzy!
Ich denke auch, dass diese Person eher einer anderen Person aus ihrer Glaubensgemeinschaft Glauben schenken wird als einer/m TherapeutIn und ich habe auch schon veranlasst, dass eine andere Person aus dieser Glaubensgemeinschaft die ich gut kenne mit ihr sprechen wird. Schauen wir mal ob das hilft. Andererseits denke ich dass eine zusätzliche Psychotherapie sehr wichtig ist, da ich denke, dass diese schon sehr lange verwurzelten Muster intensiv reflektiert gehören. Gottseidank ist die Person auch bereit dazu sich in Psychotherapie zu begeben. Ich hoffe nur, dass sie dort auch wirklich diese Themen anspricht, da sie selbst bis zu meinem letzten Gespräch mit ihr das Ganze nicht so gesehen hat wie ich, dann aber in dem Gespräch gemeint hat, dass an meinen Vermutungen schon was dran sein könnte.
Trotzdem würde ich ihr gerne ein "Handwerkzeug" in die Hand geben, wie sie mit solchen Situationen umgehen kann.


Hallo Kerstin,
da kann ich ja jetzt meinen Post fast komplett weglassen - die meisten Infos hast Du soeben gegeben ...
Ohne Therapie wird es, IMHO, auf Dauer nicht gehen - nicht, wenn das alles zutrifft, wie Du sie beschrieben hast.
Es sind Muster, die sich sehr tief eingepägt zu haben scheinen: Überlebensstrategien, von denen man sich auch dann nicht so leicht trennen kann, selbst wenn sie mehr oder weniger "versagen".
Was ohne sie passieren könnte, erscheint einem da sehr leicht noch viel schlimmer, noch weitaus bedrohlicher zu sein - dann schon lieber an etwas festhalten, das wenigsten ein klein wenig "Linderung" zu geben scheint.
Als ersten Schritt eine Vertrauensperson aus dem eigenen Glaubensumfeld aufzusuchen macht Sinn: es geht ja darum, die erste Hürde zu nehmen, sich den (verdrängten und kompensierten) Themen anzunähern.
Hauptsache, sie können wenigsten ein Stück weit ausgesprochen werden. Es zu kommunizieren, ohne dass sich deswegen gleich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten, hilft auf dem langen Weg des sich Öffnens - und ohne Öffnung gehts nicht.
Du schreibst, dass Du diese Glaubensgemeinschaft kennst ...
Wie ist deren Einstellung zu dieser Sache eigentlich? Wie stehen sie zu Therapie?
(Es steckt da die Frage dahinter, ob ihre Glaubensregeln, mit denen sie kollidiert, aus ihrem eigenen Glaubensverständnis entspringen oder eben die Konsequenzen des Regelwerks des Umfeldes sind, in das sie dort eingebunden ist.)
Die Frage nach dem Handwerkszeug
Besser vielleicht keines zu geben versuchen
Es hängt alles davon ab, was sich an Prozessen hinter ihren Konflikten verbirgt. Ein Werkzeug (gerade in den Händen eines Laien, der Du ebenso bist wie ich) kann vielleicht in dem einen Fall helfen - in einem anderen aber das Gegenteil bewirken.
Was Du machen kannst ist aber, ihr als Gesprächspartnerin, als Anlaufstelle für Fragen und Sorgen zur Seite stehen.
Ihr weiter das Gefühl geben, dass sie nicht wegen dieser Gefühle, die sie hat, auch gleich als Mensch und Freund an Wert einbüßt.
Aber bitte nicht als "Ersatz" für eine richtige Therapie - auch sie sollte diesen Eindruck nicht bekommen.
Wie weit kannst Du Dich ihr gegenüber zur Not auch mal abgrenzen?
(Nicht gegenüber dem Menschen, sondern gegenüber den Auswirkungen ihres Problems auf Dich selbst)
"Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
(mongolisch)
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(Immanuel Kant, 1724 - 1804)
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