Hallo Leute!
Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich dazu durchringen konnte, mich hier anzumelden und um Rat zu fragen. Bisher konnte ich meine Probleme immer selbst lösen. Jetzt ist jedoch der Punkt gekommen, an dem ich eingesehen habe, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. Jeder Versuch, meine Lage zu bessern, hat nicht funktioniert und so bleibt mir nur, euch um Hilfe zu bitten.
Vorgeschichte (nur wen's interessiert, sonst überspringen!):
- Scheidungskind.
Mein Vater war Alkoholiker und verprügelte regelmäßig meine Mutter, was quasi meine frühesten Erinnerungen sind. Als ich 5 Jahre alt war ließen sich meine Eltern dann scheiden und ich verlor quasi mein komplettes Umfeld.
- Intensives Mobbing.
Das ging bereits im Kindergarten los. Ich konnte damals schon flüssig lesen und interessierte mich für alles Naturwissenschaftliche. Basteln fand ich langweilig und wollte lieber etwas lernen. Die anderen Kinder fanden das natürlich komisch und grenzten mich aus. Das ging weiter bis ich in der 8. Klasse auf dem Gymnasium war. Das volle Programm, mit auf dem Nachhauseweg verfolgt werden, körperlichen Angriffen, Fahrradreifen aufschlitzen, Sportklamotten unter der Dusche versenken, und anderen Dingen die ich euch an dieser Stelle ersparen möchte. Erst ab der 9.-10. Klasse wurde das besser (besser im Sinne von: ich wurde endlich komplett in Ruhe gelassen). Soziale Einbindung, was ist das?
- Probleme mit Männlichkeit.
Dass ich von meinem Vater nichts hatte und er auch kein Vorbild war, habe ich ja schon erwähnt. Mein Stiefvater hat sich in seiner vorherigen Ehe satte 20 Jahre lang unterdrücken und mundtot machen lassen. Symbolisch gesagt: Keine Eier in jeglicher Form vorhanden. Durchsetzungsvermögen? Pfft. Handwerkliches Arbeiten? Was ist das. Charisma? Fehlanzeige. Stärke und Zielstrebigkeit? Nope. Von beiden habe ich was Männlichkeit angeht daher nichts gelernt und musste mir somit selbst erschließen, was sich dahinter verbirgt. Das hat mich schwächlich werden lassen, unsicher, und mir viele Nachteile eingebracht.
- Leistungsdruck.
Meine Mutter und mein Stiefvater legten übertrieben hohe Erwartungen in mich, weil ich ja leider das Pech hatte etwas intelligenter zu sein als die anderen. Eine 1 war toll, eine 2 war in Ordnung, für eine 3 gab's ein missmutig verzogenes Gesicht, eine 4 war ein tagelanges Drama und eine 5 war die Apokalypse höchstpersönlich. Insbesondere in meinen beiden "Lieblings"fächern Mathe und Latein schrieb ich daher Fünfen am laufenden Band, während ich in anderen Fächern wo kein Leistungsdruck bestand super Noten hatte. Das ging so weit, dass ich hier noch ein Halbjahreszeugnis rumliegen habe, wo ich in Informatik 1 und in Mathe 6 stehe. (könnt euch ja vorstellen, dass alle meine Lehrer wochenlang auf mich eingeredet haben wie das bloß sein kann, und zuhause gabs natürlich das vernichtende Höllenfeuer zubereitet von Diablo himself)
- Schwierigkeiten, Freunde zu finden, und ein zerbrochener Freundeskreis.
Während all dieser Jahre hatte ich nur einen einzigen Freund, und der war selbst Außenseiter.
Als ich 17 war, wendete sich das Blatt und ich holte binnen weniger Monate unglaublich viel in meiner Entwicklung nach. Ich veränderte mich innen und außen komplett, hatte einen großen Freundeskreis aus ca. 15 sehr unkonventionellen und intelligenten Leuten, und hatte meine erste Freundin.
Als ich 21 war, zerbrach dieser Freundeskreis (schon vorher verließen uns viele gute Leute) weil mein bester Kumpel mir meine Freundin ausspannte und im Zuge dessen alle meine Freunde mit sehr ausgeklügelten Lügen gegen mich aufhetzte.
Nachfolgend war ich 9 Monate lang komplett allein und zuhause gab es auch Stress ohne Ende. Dann begann mein Studium und ich hoffte sehr, dass es wieder besser werden würde, aber Fehlanzeige. Warum, das behandle ich gleich in einem extra Punkt.
- Berufliche Hölle vor dem Studium.
Ich hab 2006 mein Abi gemacht und danach wollte ich eigentlich studieren gehen. Da meine Eltern aber ein eigenes Haus hatten und mit dessen Finanzierung (Alkohol sei Dank) überhaupt nicht mehr klar kamen, konnte ich diese Idee nie verwirklichen. Sicher, ich hätte BAföG beantragen können; vom Staat hätte ich aber nix bekommen, und den Teil meiner Eltern hätte ich mir einklagen müssen. Das hätte das Verhältnis zu meinen Eltern dann wohl völlig zerstört und dazu war ich nicht bereit, zumal ich noch zuhause wohnte. (Rückblickend hätte ichs wohl mal besser gemacht...)
Daher fing ich 2006 mit einer Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung an, die mich aber psychisch und physisch völlig ruinierte. Ich habe nach 3 Wochen gekündigt. Meine Eltern jedoch (das ist jetzt kein Scherz) riefen meinen Chef hinter meinem Rücken an und verlangten dann von mir, wieder dort arbeiten zu gehen, von wegen berufliche Zukunft bla bla. Mangels Alternativen ging ich dann 1,5 Jahre dort arbeiten bis ich komplett im Eimer war.
2008 fing ich dann mit meinem Zivildienst an, der das krasse Gegenteil war. Das machte mir super Spaß, geregelte Arbeitszeiten, nette Kollegen und eigentlich wär's einfach nur toll gewesen - wenn zu dieser Zeit nicht die genannte Sache mit meinem Freundeskreis passiert wäre.
2009 beschloss ich dann, ein Lehramtsstudium für Bio und Chemie anzufangen. Ich tat das einzig Richtige und ließ meinen Eltern keine Wahl. Entweder mit deren Unterstützung oder ohne. Das Geschrei war groß aber am Ende hab ich sie alle auf meine Seite bringen können.
Das Studium ist z.T. echt anstrengend aber interessanterweise nicht so sehr wie meine Ausbildung. Es ist halt eine andere Form von Stress. Das Studieren vertrage ich viel besser.
- Nirgendwo dazugehören.
Nach dem Zerbrechen meines Freundeskreises habe ich nie wieder wirklich Anschluss gefunden. Ich bemühte mich 5 Semester lang vergeblich darum, aber die Kontakte erfüllten mich nicht. Ich passte nicht zu den Leuten, und die Leute nicht zu mir. Es war alles viel zu oberflächlich und man hätte das wohl Bekanntschaften, nicht jedoch Freundschaften nennen können.
Jetzt aktuell habe ich endlich wieder eine kleine Gruppe aus 2-3 Leuten gefunden, mit denen ich mich gut verstehe. Doch gerade als alles gut zu werden schien, dreht eine Person aus der Gruppe total am Rad und destabilisiert alles. In Folge dessen löst sich alles zunehmend wieder auf. Ich habe zu zwei wirklich guten Leuten noch regelmäßigen Kontakt, aber nichts Intensives. Man läuft sich mal in der Uni übern Weg oder verabredet sich alle 4 Wochen mal zu irgendwas. Das war's. Den Rest der Zeit verbringe ich, so bitter das auch klingt, mit mir. Mit 24 Jahren, wo ich eigentlich mitten im Leben stehen sollte.
- Anderes Moral- und Wertesystem.
Jetzt kommt der bittere Part wo sich bei euch Psychologen bzw. Psychologe-Interessierten wohl die Fußnägel hochklappen werden. Ich halte den allergrößten Teil der Menschen für egoistisch, egozentrisch, und immer auf der Suche nach dem persönlichen Vorteil. Ethik und Moral zählen für die nicht viel. Ich könnte das seitenlang ausführen aber das lassen wir besser. Sagen wir einfach, ich habe über die Jahre festgestellt, dass man die Menschheit in grob zwei Teile unterteilen kann: Die Egoisten, die sich primär für ihren persönlichen Vorteil interessieren und alle anderen Menschen entweder als Mittel zum Zweck oder als Bedrohung ansehen; und die seltenen Leute, die noch fähig sind wirkliche Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen, sich wirklich auf sie einzulassen, Interesse zu zeigen, und dabei bis zu einem gesunden Maß selbstlos zu sein bzw. den eigenen Vorteil nicht als das Wichtigste anzusehen.
Ich weiß, dass das sehr abstrakt klingt, also mach ich mal ein paar Beispiele:
* Wenn ich eine Beziehung mit einer anderen Frau will, dann beende ich zuerst offen und ehrlich meine jetzige Beziehung und fange dann erst etwas Neues an.
* Wenn ich etwas verspreche, dann halte ich es auch, egal ob sich die Situation dadurch zu meinen Ungunsten verändert.
* Geheimnisse bleiben bei mir geheim. Ich plaudere nichts aus, auch dann nicht, wenn ich einen Nutzen davon hätte.
* Andere Menschen und deren Wohlergehen interessieren mich. Ich grenze niemanden aus, nur weil ich ihn nicht mag, und ich urteile über niemanden, bevor ich ihn nicht wirklich eine Zeit lang kennengelernt habe.
Das machen viele Leute leider anders und solche Verhaltensmuster begegnen mir so häufig, dass die Menge an Leuten, bei denen ich mich wohl fühle und mit denen ich theoretisch eine Freundschaft anfangen könnte, sehr klein ist.
(Ja, ich halte das auch für einen Schutzmechanismus vor erneuten Verletzungen, bevor ihr euch das fragt.)
Das Problem
Ich weiß gar nicht mehr wo ich überhaupt anfangen soll. Ich bin emotionslos geworden. Meine Freizeit verbringe ich mit Studium und meinen persönlichen Interessen, aber kaum mit anderen Leuten, was ich sehr schade finde. Ich weiß, dass ich sofort aufblühen würde, wenn ich nur endlich die passenden Leute finden würde, aber wohin ich nur blicke sehe ich nur Leute mit denen ich nichts anfangen kann.
Aktuell habe ich vielleicht die Chance, in einen sehr unkonventionellen emotionsgeladenen Freundeskreis reinzukommen, aber das steht völlig in den Sternen. Und selbst wenn ich das schaffen sollte, würden mich die o.g. Erinnerungen vermutlich daran hindern, von den anderen dort akzeptiert zu werden.
Eigentlich blicke ich jetzt mit fast 25 Jahren auf mein Leben zurück und fälle das Ergebnis: "Schattenwolf, du bist ein sozialer Totalschaden."
Die Lösung?
Ich suche daher eine Inspiration, wie ich wieder besseren Zugang zu meinen Emotionen finden kann.
Ihr müsst auf diesen Roman nicht antworten. Aber vielleicht wisst ihr einen Rat für mich, außer dem obligatorischen Kommentar
"Begib dich in psychologische Behandlung. Nur ein professioneller Psychologe™ kann dir helfen, deine Vergangenheit aufzuarbeiten."
Viele Grüße,
Schattenwolf


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aber ich halte vorallem an meinen engeren einzelnen Leuten fest! Einen wirklichen Rat habe ich lkeider nicht für dich, außer das du dir deine Veränderungen, deinen Mut immer vor Augen halten solltest, denn das ist schon stark was du selbst bis jetzt geschafft hast
!!!! Und vlt laufen dir auch bald die richtigen Leute übern Weg!

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