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Thema: Empathie - als Arschloch mehr für andere fühlen

  1. #17
    Neuling
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    Hallo Leute, ich muss euch um einen Gefallen bitten mir noch mal bei einer Sache Rat zu geben, bei der ich einfach nicht weiter weiß. Ist etwas lang geworden:

    Ich merke gerade, ich mache viele Fortschritte durch Rückschritte, indem ich in meinem über die Jahre hinweg immer gesteigertem kranken/komischem Verhalten nach und nach stufenweise zurückgehe.

    Heute auf der Arbeit ist mir etwas aufgefallen, dass so ziemlich meine erste Erinnerung an eine größere psychische Belastung ist.
    Zu erst mal habe ich mich während des "Anfalls" erinnert, wie ich als Kind mit meinen Eltern und anderen irgendwo am Tisch sitze, oder wir zu Besuch sind, und ich das Gefühl habe nicht einbezogen zu werden. Meine Eltern stellen mich nicht vor, führen oft stundenlang mit Bekannten Gespräche während ich wie ein Anhängsel an der Leine nur hinterhertrabe, ignoriert werde, als ob ich gar nicht da wäre. Ich wartete in solchen Momenten glaube ich auf Aufmerksamkeit. So habe ich mich immer gefühlt, wenn wir bei Bekannten zu Besuch waren oder ich besuch hatte. Ich saß nur artig da und wartete auf nichts, habe die Verantwortung für mich und meinen Einbezug bei meinen Eltern gelassen und gewartet. Es fühlte sich an, als wäre ich an einer Hundeleine.
    Heute auf Arbeit habe ich es intensiv wieder gespürt. Ich habe die Verantwortung für mich, mein Handeln und meine Integration an Alle abgegeben. Ich habe in allen, also Chefin, Kellnerinnen und Köchen, meine elterliche Autorität gesehen und konnte gar nicht handeln, außer marionettenartig meine Arbeitsprozesse zu durchlaufen. Ich habe die Verantwortung für mein ganzen Sein an alle abgegeben. In solch einem Zustand bin ich völlig abwesend, aparthisch. Meine Wahrnehmung ist sehr vernebelt, ich bin kindlich und fühle mich, als wäre ich nicht in meinem Körper. Zwanghaft achte ich auf alle um mich herum, achte auf ihre Aura und nehme sie intensiv wahr, höre gegen meinen Willen allen Gespräche zu. Es fühlt sich so an, als würde ich mich selbst verlieren. Gleichzeitig bin ich sehr wütend auf Alle und frustriert. Zornig.

    Ich hatte das fast ein Jahr lang an meinem ersten Arbeitsplatz, wo ich nach der Arbeit nur noch nach Hause geflüchtet bin und das Alleinesein gesucht hab, wodurch ich dann wieder zu mir kam. Es ist wie ein Komazustand, wie in Trance und ich kann mich nicht dagegen wehren. Ich versuche es, grüble nach Lösungen aber komme einfach nicht durch die tranceartige, dicke, nebelige Barriere. Damals habe ich noch mit meinen Eltern darüber geredet, wusste nicht den Zusammenhang zu Ihnen, habe es auf Eisenmangel geschoben, Ermüdungserscheinungen und mentale Abwesenheit beschrieben.
    Heute spüre ich, wie ich dabei an meine Kindheit denke, und ich in Anwesenheit meiner Eltern und Ander "abwesend" bin. Ich verliere die Verantwortung für mich, und kann gar nicht anders.


    Kennt ihr Übungen, wie ich durch Entspannung oder Ähnliches nicht die Verantwortung für mich verliere, zwanghaft abgebe?
    Vor allem wenn ich an einem lebendigem Arbeitsplatz mal etwa 30 Minuten kein Gespräch fühle, falle ich in diesen Trancezustand und komme nicht mehr heraus.
    Wie komme ich dagegen an?

    Ich möchte erwachsen sein, mein Handeln und Sein selber steuern. Möchte meine eigenen Werte nach außen hin in die Welt geben, möchte freundlich zu Leuten sein, alchen, aber mich nicht mehr kontrolliert und abhängig fühlen....

    Sorry ist etwas lang gewordne, aber ich freu mich darauf mal mit anderne darüber zu reden, vor allem weil dieses "Verantwortung-abgeben" im Zusammenhang mit meinen Eltern in meinem Alltag eine große beeinflussende Rolle spielt.

    Edit: Da fällt mir noch eine Kleinigkeit ein. Ich sehe meine Eltern immer als Einheit und habe Schwierigkeiten sie zu trennen. Dabei spielt glaube ich mein Vater eine größere Rolle. Ich habe immer in Erinnerung, wie ich ihn von der Seite sehe, wie er lächelt und sich amüsiert unterhalten. Ich sehe ihn von unten von der Seite, sehe sein freundliches beschäftigtes gesicht und warte eigentlich, das er sich zu mir dreht und mich wahrnimmt. Ich bin ganz automatisch ganz artig und regungslos, versuche so artig zu sein wie möglich, weil ich dachte, dadurch eher seine Aufmerksamkeit zu bekommen.

    Achja und gerade in meinem ersten Jahr in der Arbeit, wo ich das fast jeden Tag hatte und förmlich nach Hause gerannt bin, habe ich zu saufen angefangen um wieder runterzukommen. Ich schreie nach Alkohol um mich zu beruhigen und zu normalisieren.
    Geändert von Mister Knister (01.02.2012 um 07:52 Uhr)

  2. #18
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    Die Geschichte aus deiner Kindheit scheint mir nicht sonderlich außergewöhnlich.

    Die Art, wie du dich da reindenkst hat für mich schon hypochondrische Züge.

    Du machst objektiv z.Zt. die coolsten Sachen, von denen du noch deinen Enkeln erzählen kannst, denkst und verhältst dich aber als wärst du zu Hause im Kinderzimmer.

    Genieße mal deine exotische Situation und grüble nicht so viel negativ.

  3. #19
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
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    Hi Mister Knister

    Deine Erinnerung finde ich super anschaulich und nachvollziehbar. Als Aussenstehender frage ich mich, warum du als Kind kaum auf den Putz gehauen und rebelliert hast. Die Situation, Aufmerksamkeit und Beachtung zu wollen und sie einfach nicht zu erhalten, ist schon sehr erniedrigend und gleich wohl so einer Art Gefängnis.

    Eigentlich ist doch klar, dass ich erst mal einen Schritt auf die Leute zugehen muss, um beachtet zu werden. Das abwartende Verhalten kann von der Umwelt auch völlig anders interpretiert werden: "Der möchte sicher seine Ruhe haben".

    Das Gute an deiner Situation ist doch das, dass du sowas trainieren kannst. Das Outen deiner Situation hier ist ja auch schon so ein Schritt. Vielleicht gibt es Hobbies, wo du dich mit Gleichgesinnten unterhalten kannst. Du kannst auch gut und gerne mal verrückte Dinge tun, um Aufmerksamkeit zu erhalten.

    Es kostet dich wohl ziemlich Überwindung, auf Leute zu zugehen. Ich denke, dass es sich extrem lohnt für dich, aus deinem "Gefängnis" auszubrechen.
    Liebe Grüsse, Martin

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  4. #20
    Schreiberling Avatar von AnVo
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    Hallo Mister Knister,


    bestätigt mich nur in dem was ich in meinem letzten Post geschrieben habe.

    Geh nach Hause und klär das alles mit deiner Familie!!!

    Da ist enormer Bedarf an Liebe, Aufmerksamkeit der Eltern usw.
    " Leben ist, was zwischen dem Wünschen und Träumen passiert."

    "Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen"

    "Leben und lieben ist.....sehen !"

  5. #21
    Neuling Avatar von Hakon
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    Hallo, es scheint ja sehr viel in Bewegung zu sein, ..und das ist gut, Bewegung birgt immer auch Veränderungen.

    Es ist schön zu sehn, das du ein Gewissen, für die Dinge entwickelst die um dich herrum passieren.

    Meine Erfahrung ist es, ..das es nicht einfach ist vorran zu kommen, wenn man niemanden hat der einen objektiv dabei beobachtet. Denn es gibt mehrere Wahrnehmungen, und die wiedersprechen sich oft.

    Zb kann man selbst meinen kaltherzig zu sein, aus der perspektive anderer wirkt das aber ganz anders.

    Auch gibt es etwas das nennt sich Veränderungsblindheit, wenn ich zb erwarte, so oder so zu sein, dann seh ich das ..und nichts anderes.

    Ich denke dir könnte die Unterstützung von jemandem gut tun, der dir bei deinem Wandel hilft..

    Wichitig ist, letzen endes auch weniger die Diagnose ansich, auch wenn sie hilft sich auf ein Thema zu konzentrieren, ...aber letztendlich müss jeder, egal wie die Diagnose ausfällt, lernen mit seinen Besonderheiten zu Leben. Sich weniger Gedanken um die Krankheit ansich zu machen, sondern "****** drauf" sagen, und weiterleben. ^^
    Es gibt keine Leben das ohne Probleme verläuft.
    Und der unterschied zwichen gesunden, und kranken Charakterzügen ist oft einfach nur der ..das die eine Person darunter leidet, und die andere person sie als "Macke" pflegt.

    lg Hakon

  6. #22
    Neuling
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    Die letzten Tage habe ich wieder neue und alte Erfahrungen durchlebt. Ich bin finanziell wieder OK, komme also über die Runden. Habe im Zuge von Wut und Hass meinen Job gekündigt, das Geld für die paar Tage reicht aber aus, um die nächsten Wochen nicht auf der Straße zu leben. Ansonsten ist es eine Achterbahnfahrt, wie immer, aber trotzdem bewerte ich die letzten 1-2 Wochen nicht negativ. Ich hatte wieder angefangen zu trinken, zu fressen, wurde immer unzufriedener und trinke heute wieder regelmäßig, bin meistens mittags so wie heute schon betrunken.

    Allerdings;
    Ich beschäftige mich lange schon mit Spiritualität, um "Heilung" zu erfahren. Dabei war Meditation z.B., zwar nur kurzzeitig, aber immerhin doch ab und an hilfreich. Ich beschäftige mich mit Eckhart Tolle und seinen Lehren, bin fasziniert. Ich versuche die Identifikation mit meinen Gedanken und meinem Verstand zu lösen, und versuche zu sehen und zu lernen, dass Ich und Wir in unserem Dasein größer sind als unsere Gedanken. Unser Dasein, unsere Bewusstheit, die Gedanken, das Denken macht nur einen kleinen Teil aus. Wie auch immer. Wenn ich es praktiziere, dann hilft es. Wenn ich mir Mühe gebe, kann es helfen. Lest Eckhart Tolle selbst und macht euch eure Gedanken, aber ich habe versucht mich einige Tage an seine Lehren zu halten und es hat geholfen. Danach bin ich absichtlich, vielleicht selbstgezwungen, wieder in ewiges Denken geflüchtet. Habe Hirngespiunnste durchlebt. Wieder erneut Angst und Paranoia erfahren, bin geflüchtet. Vor Allem.

    Heute ist nichts besser. Nicht wirklich. Ich bin betrunken, trinke jeden Tag wieder. Aber ich verstehe, dass ich mich mit meinen Problemen, meiner Vergangenheit, und meinem permanentem Analysieren identifiziere. Obwohl das nur ein Bruchteil meines Daseins ist.

    Hat sich schon mal jemand mit Eckhart Tolle beschäftigt?

  7. #23
    Schreiberling
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    Ich kenne zwar nicht Tolle aber das mit dem Trinken solltest du zurückfahren.

  8. #24
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    Hallo! oh, das hört sich nach einer krassen krise an. es tut mir leid für dich. aber danke für deinen beitrag, es ist auch sehr interessant. Du bist schon sehr ehrlich zu dir selbst und versuchst, den dingen auf den grund zu gehen, das finde ich gut! Gib die hoffnung nie auf. Ich habe mich mal mit eckhart tolle beschäftigt, ich fand es klang auch interessant. Wenn ich mich recht erinnere ging es um das wahrnehmen des körpers, wahrnehmen seiner eigenen gegenwart im hier und jetzt. Ich glaube schon dass das bewusstere leben und erhöhte aufmerksamkeit und achtsamkeit sehr wichtig sind und auch die richtige richtung, um mit krisenzeiten umzugehen. Nicht betäuben, Alkohol schafft dir nur noch ein Pb zusätzlich.
    Mir ist der Beitrag
    "Mir fallen seit 2 Jahren jeden Tag immer neue Sachen auf, über die ich nachdenke, und über die ich anders nachdenken, oder gar nicht nachdenken sollte. Zum Beispiel suche ich immer Halt an einer Idee, an einer Ideologie oder an einer Phantasie, irgendwas, dass mich durch den Alltag immer begleiten soll. Etwas auf das ich mich konzentriere, und das alles heilt."
    Gerade beim Stichwort heilen fiel mir ein...hast du schon mal an Jesus gedacht oder an Gott? Das könnte so eine Instanz sein. Jemand oder etwas das dich durch den alltag begleitet. Ich finde zu dem thema auch sehr lesenswert: den berliner philosophen wilhelm schmidt, über "das glück der fülle" und von dem Theologen Henri Nouwen zB "du bist der geliebte mensch", sehr interessant. Kannst du ja beides mal googeln vlg lafee

    P.S. warum der titel "empathie-als arschloch mehr für andere fühlen"??

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