Hallo alle zusammen!
Nachdem ich nach längerem Zögern im "Schuld"-Thread doch meinen Senf dazugegeben hatte, sind mal wieder meine Gedanken mit mir durchgegangen und ich hab mich gefragt, wie das denn jetzt eigentlich mir der Erbschuld funktionieren soll. Ich glaub ja nicht dran, da ich davon überzeugt bin, dass wir selbst die Verantwortung für alle Konsequenzen unseres eigenen Handelns tragen, würde es mir aber trotzdem gern erklären lassen.
Der Aufhänger meiner Verwirrung ist folgendes Szenario:
Gehen wir mal davon aus, dass es eine Erbschuld gibt. Jetzt kommt aber nicht jeder Mensch nur von einer Person, sondern es gehören bekanntlich zwei dazu (die Eltern). Diese Eltern können einem Schuld mitgeben. Und sie wiederum haben Eltern, die auch Schuld weitergeben können, etc.
Ganz konkret: Ich und meine Urgroßeltern als Beispiel. Wenn wir also von einer Erbschuld ausgehen, dann hab ich sie mitbekommen, da mein Urgroßvater väterlicherseits (und da dann auf Großvaters Seite) ein überzeugter Nazi war und auch schon sehr früh mitgemacht hat. Aber andererseits hab ich auch die "Opferseite" abbekommen, weil mein Urgroßvater väterlicherseits (von Seiten meiner Oma) als Sozialist im KZ gelandet ist und meine Urgroßmutter gezwungen wurde sich von ihm scheiden zu lassen (sonst hätten sie meiner Oma was angetan).
Hebt sich jetzt also die Erbschuld auf und bin ich "neutral"? Oder hab ich die "Schuld" immernoch? Kann nur "Schuld" weitergegeben werden, nicht aber "unschuld"? Bin ich durch Vererbung Opfer und Täter gleichzeitig?
Und dann ist da noch die Sache mit Eva... Ich bin eine Frau, also hab ich die Erbschuld (und angeblich deswegen ja auch jeden Monat die Bauchschmerzen), weil die Menschheit aus dem Paradies gekickt wurde. Auch hier: Als Studentin der prähistorischen Archäologie kann ich der ganzen Story nichts abgewinnen, dafür musste ich schon zu viele Stufen der menschlichen Evolution lernen. Aber gehen wir mal davon aus, dass es tatsächlich so war (ich bin ja immer sehr neugierig):
Sollte nicht eigentlich Adam die Erbschuld bekommen, weil er den Apfel nur angeknabbert hat, weil Eva es ihm gesagt hat? Immerhin hat Eva das Ding gegessen, weil sie Wissen wollte. Und ist das wiederum nicht die Qualität (das beständige Streben), die z.B. Goethes Faust am Ende vor dem Teufel rettet, obwohl er ja sogar einen Packt mit diesem eingegangen war? Warum wird Eva daraus ein Strick gedreht? Und sollte Gott nicht eigentlich einen Arschtritt bekommen, weil er den Menschen das Wissen vorenthalten wollte?
Ich will mich hier nicht missionieren lassen (Versuche in diese Richtung wären eh fruchtlos, haben schon zu viele zuvor versucht und sind eindeutig gescheitert), aber ich würde mich freuen auf eure Erklärungen/Deutungen bezüglich meiner Fragen und auch über eure Meinungen!
Viele Grüße
Krümel


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