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Thema: Erfahrungen mit Vorgespräch

  1. #1
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    Standard Erfahrungen mit Vorgespräch

    Hallo ihr,

    ich wollte euch mal meine Erfahrungen mit einem Vorgespräch für eine Psychotherapie berichten.

    Seit mehreren Monaten möchte ich eine Psychotherapie machen, um endlich mal über meine Lebensgeschichte und derzeitigen Probleme sprechen zu können.
    Mir ist es wichtig, dass der Therapeut erstmal sehr viel zuhört, um mich besser zu verstehen und kennenzulernen. Am liebsten würde ich eine Familientherapie machen, ein Wunsch, der wohl nicht zu realisieren ist. Einmal weil sicher keiner meiner Familienangehörigen teilnehmen würde, und zum anderen, weil die Krankenkasse die Kosten nicht trägt und ich mir so eine Therapie nicht finanziell leisten kann.

    Mir ist es aber wichtig, mit dem Therapeuten über meine Familie und vor allem über meine Eltern zu sprechen. Es geht mir - um es schon mal vorweg zu sagen - nicht um Schuldzuweisung sondern um ein besseres Verständnis der Zusammenhänge und Ursachen. Warum bin ich wie ich bin und wie haben meine Eltern Einfluss darauf genommen. Über die Vergangenheit zu sprechen, ist mir daher sehr wichtig.

    Nun leider hat sich die Therapeutin, bei der ich kürzlich war, nicht sehr offen gezeigt. Es war ein Erstgespräch und ich war auch recht überrascht, dass sie einen freien Platz auf Anhieb hätte. Schon von Beginn an hatte ich aber auch ein schlechtes Bauchgefühl ihr gegenüber. Offensichtlich wollte sie über meine Themen nicht sprechen und fragte mich auch schon im Erstgespräch warum ich ihr dies oder jenes überhaupt erzähle!!!??? Im Grunde wollte ich ihr nur die Familiensituation vorweg verdeutlichen.
    Sie sagte denn weiter, dass ich ihr sehr "verwirrt" rüberkomme und ob ich mal ein Medikament verschrieben bekommen habe. Dabei war ich nur sehr angespannt, was ich ihr auch gesagt habe.
    Von Beginn an hatte ich das Gefühl, dass alles was ich sagen würde, eventuell mit Widerspruch begegnet würde. Und dass die Therapeutin krampfhaft versuchen wollte, Einstellungen zu verändern ohne überhaupt erstmal etwas mehr über meine Gefühle und über die familiären Zusammenhänge und Beziehungen zu erfahren. Ich fand das ganz schrecklich und habe mich in die Enge getrieben gefühlt. Trotzdem hätte ich den Versuch mit ihr gewagt doch sie hat es abgelehnt mich zu therapieren ("zu viel Konfliktpotential"). Ehrlich gesagt, bin ich ziemlich entsetzt darüber. Ich leide unter starken Depressionen und habe erst in den letzten Jahren begonnen, meine Eltern in einem anderen Licht zu sehen. Bis dahin hatte ich die Schuld, die sie den Kindern zugeschoben hatten und die Sichtweise von ihnen fast 1:1 übernommen. Alles wurde den Kindern angelastet und ihrer angeborenen Persönlichkeit. Durch selbstständiges Lesen psycholog. Literatur konnte ich mich jedoch von dieser Perspektive befreien.
    Durch ein Gespräch mit einem Therapeuten wollte ich jedoch gerne etwas mehr über meinen konkreten Fall erfahren. Allerdings habe ich inzwischen so ein bißchen den Eindruck, dass einige Psychologen sich davor scheuen, Thesen abzugeben. Vielleicht weil sie Angst vor dem Kompetenzverlust haben?
    Ich finde das traurig. Sollte man dem Patienten nicht erstmal zuhören? Sich dann allmählich ein Bild von ihm machen und flexibel reagieren?
    Jedenfalls scheint dies die Ansicht anderer Psychologen zu sein. Erstmal zuhören. Ich jedenfalls konnte zu der Therapeutin kein Vertrauen aufbauen und fühlte mich wie ein Schulkind und klein mit Hut. Erst dachte ich, es wäre nur ein Test, um zu sehen wie ich reagiere. Dann hat die Therapeutin aber gesagt, dass sie mich nicht therapieren will, sprich ablehnt (was sie öfters macht). Das ist ja an für sich nicht schlecht und auch lobenswert. Sie macht das was sie kann. Nur was kann sie? Kann sie nicht einmal zuhören???

    Ich bin jedenfalls enttäuscht und frage euch, ob man von einer Therapie nicht erwarten darf, mehr über seine Beziehungen zu den Eltern und den möglichen Ursachen ihres Verhaltens für die eigene Entwicklung zu erfahren?

    Wenn ich psychol. Literatur lese, dann bekomme ich sehr viel Informationen über die "Fälle", Interpretationen und Therapieansätze. Es ist wirklich sehr interessant und öffnet einem die Augen. Das heißt nicht, dass ich alles was ich lese 1:1 übernehme. Es hilft mir aber über die Alltagspsychologie hinaus neue Interpretationen zu finden, die sicherlich eher den Kern der Sache treffen.

    Ich frage mich nun wirklich, was man von einer Therapie, die die KK anbietet verlangen kann. Sicherlich hängt das auch mit dem Therapeuten und seiner Einstellung selbst zusammen.

    Die Therapeutin bietet übrigens Tiefenpsychologie an.

    Was meint ihr???

  2. #2
    Neuling
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    Standard

    Also ich hatte drei so genannte Vorgespräche mit meiner Psychologin, die sehr gut zuhört. Danach hat sie mich gefragt, ob ich mich noch bei anderen Psychologen erst einmal umhören will, oder bei ihr ne Therapie machen will.
    Gib die Suche nicht so schnell auf, ich habe mich im Internet nach Psychologen in meiner Stadt schlau gemacht, viele haben auch eine Homepage, da habe ich erst mal geschaut, was die so anbieten an Therapien. Dann habe ich an die „Auserwählten“ ne Mail geschrieben, um was es bei mir so grob geht und geschaut, was sie so geantwortet haben.

  3. #3
    Neuling
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    @Jordan: danke für deinen Tipp. Emails habe ich auch einige geschrieben.
    Von einer Psychotherapeutin, die sehr forschend aktiv war und Bücher geschrieben hat (Namen möchte ich nicht nennen) habe ich auf meine einseitige Email einen einzigen knappen Satz erhalten: "Sorry, bin schon voll". Mehr nicht. Das allerletzte. Habe ich als sehr arrogant empfunden.
    Andere haben mir wenigstens Mut gemacht und zwei, drei Sätze mehr zurückgeschrieben, obwohl sie keinen Platz haben.

    @alle: mir würde vor allem auch eure Ansichten interessieren zu den Inhalten und Gesprächsthemen in den psychotherapeutischen Sitzungen. Es scheint mir bei einigen Therapeuten an Flexibilität zu mangeln.

  4. #4
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Bobble,

    guck doch mal nach nem Therapeuten mit Zusatzausbildung in systemischer Therapie. Oder schau, wer in Deiner Stadt alles Familienstellen anbietet. Wird oft von Therapeuten in Erwachsenenbildungsinstituten u.ä. angeboten bzw. Informationen dazu, und wenn die kassenzugelassene Therapeuten sind, können das dann auch in eine Therapie eingebettet machen. Dabei gehts nicht um eine Familientherapie mit den echten Personen. Das ist nochmal was anderes. Aber ich denke, es könnte in die Richtung gehen, die du suchst.

    Ansonsten ist es eher Glücksache, ob es passt oder nicht.

    lg Gaby

  5. #5
    Neuling
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    Hallo Gaby!

    Danke für deinen Tipp

    Etwas Ähnliches hatte ich auch schon versucht. Unter Therapeutenliste.de hatte ich die besagte Therapeutin (s.o.) gefunden. Allerdings stellte sich dann in dem Erstgespräch heraus, dass sie die unter der Webseite aufgeführten Schwerpunkte überhaupt nicht hat. Sie war ganz verwundert und meinte, dass die Therapeuten nicht selbst für die Einträge verantwortlich sind.

    Sind denn Familientherapie und systemische Therapie das gleiche? Oder gibt es Unterschiede?

    Genauso einen Therapeuten suche ich. Jemanden, der die Eltern und ihre Verhaltensweisen in den Focus nimmt.

    Z.B. meine ich, als Kind und Jugendlicher kaum Perspektivenwechsel vollzogen und Empathie für andere empfunden zu haben.
    Erst durch schwierige Lebensphasen und viel Eigenlektüre konnte ich mich verändern. Nun sagt die Forschung ja, dass Empathiefähigkeit und prosoziales Verhalten auf die Erziehung der Eltern zurückzuführen ist. Da ich so gut wie keine anderen Betreuungs- und Bezugspersonen hatte, lässt sich vieles sicherlich auf das Verhalten der Eltern zurückführen. Noch bis vor einigen Jahren dachte, ich müsste ein schrecklicher Mensch sein. Keine Empathie für andere Menschen zu empfinden und immer die Fehler beim anderen suchen.
    Da meine Eltern noch leben und sich nicht verändern wollen, kann man immer noch an den gleichen Situationen ihr Verhalten beobachten. Die meisten Aussagen gehen nur in die Richtung Vorwürfe und Belehrungen und "ich habs dir ja vorher gesagt". Meine Eltern glauben, dass sie nichts verkehrt gemacht haben und dass die Entwicklung der Kinder von ihrer angeborenen Persönlichkeit stammt. Die Kinder haben z.T.Schulden, psychische Probleme bzw. keinen Kontakt mehr zu den Eltern.

    Ich wohne in der Nähe von Hamburg. Hast du vielleicht einen Tipp, wo ich nachfragen kann (welche Erwachseneninstitute)?

  6. #6
    Painter
    Gast

    Standard Hallo Bobble

    Ich wohne in Hamburg, mir hat der Psychiater eine Seite aus einem Buch kopiert wo sie alle schön nach Fachrichtungen und Stadtteilen aufgelistet sind.

  7. #7
    Neuling
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    Hi Painter,

    danke auch für deine Antwort!

    Denn von dem Neurologen, wo ich ab und an mal war, habe ich nur eine wenig detaillierte Liste mit Therapeuten und ihren Therapieformen in meiner Umgebung bekommen. Im Grunde wurden die Therapeuten dort nur den drei HauptbereichenTiefenpsychologie, Psychoanalyse und Verhaltenstherapie zugeteilt.

    Gerade eben habe ich übers Internet einen Psychotherapeutin mit systemischer Zusatzausbildung angeschrieben und erstmal gefragt, ob er freie Plätze und eine Kassenzulassung hat. Insgesamt bin ich bei meiner Internetsuche aber nicht so sehr fündig geworden. Ich würde mir wirklich wünschen, es würde eine zentrale Stelle geben, wo man sich erstmal informieren kann. Dann wäre man nicht so einseitig auf sich selbst gestellt.

    Weißt du zufällig aus welchem Buch die Seite stammt? Dann würde ich mal den Neurologen fragen, ob er das Buch auch hat.

  8. #8
    Painter
    Gast

    Standard Hi Bobble

    Leider nicht,
    bin auch erst am 9.Juli wieder da, wenns dann noch aktuell ist, schick mir ne Nachricht.

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