Hallo ihr,
ich wollte euch mal meine Erfahrungen mit einem Vorgespräch für eine Psychotherapie berichten.
Seit mehreren Monaten möchte ich eine Psychotherapie machen, um endlich mal über meine Lebensgeschichte und derzeitigen Probleme sprechen zu können.
Mir ist es wichtig, dass der Therapeut erstmal sehr viel zuhört, um mich besser zu verstehen und kennenzulernen. Am liebsten würde ich eine Familientherapie machen, ein Wunsch, der wohl nicht zu realisieren ist. Einmal weil sicher keiner meiner Familienangehörigen teilnehmen würde, und zum anderen, weil die Krankenkasse die Kosten nicht trägt und ich mir so eine Therapie nicht finanziell leisten kann.
Mir ist es aber wichtig, mit dem Therapeuten über meine Familie und vor allem über meine Eltern zu sprechen. Es geht mir - um es schon mal vorweg zu sagen - nicht um Schuldzuweisung sondern um ein besseres Verständnis der Zusammenhänge und Ursachen. Warum bin ich wie ich bin und wie haben meine Eltern Einfluss darauf genommen. Über die Vergangenheit zu sprechen, ist mir daher sehr wichtig.
Nun leider hat sich die Therapeutin, bei der ich kürzlich war, nicht sehr offen gezeigt. Es war ein Erstgespräch und ich war auch recht überrascht, dass sie einen freien Platz auf Anhieb hätte. Schon von Beginn an hatte ich aber auch ein schlechtes Bauchgefühl ihr gegenüber. Offensichtlich wollte sie über meine Themen nicht sprechen und fragte mich auch schon im Erstgespräch warum ich ihr dies oder jenes überhaupt erzähle!!!??? Im Grunde wollte ich ihr nur die Familiensituation vorweg verdeutlichen.
Sie sagte denn weiter, dass ich ihr sehr "verwirrt" rüberkomme und ob ich mal ein Medikament verschrieben bekommen habe. Dabei war ich nur sehr angespannt, was ich ihr auch gesagt habe.
Von Beginn an hatte ich das Gefühl, dass alles was ich sagen würde, eventuell mit Widerspruch begegnet würde. Und dass die Therapeutin krampfhaft versuchen wollte, Einstellungen zu verändern ohne überhaupt erstmal etwas mehr über meine Gefühle und über die familiären Zusammenhänge und Beziehungen zu erfahren. Ich fand das ganz schrecklich und habe mich in die Enge getrieben gefühlt. Trotzdem hätte ich den Versuch mit ihr gewagt doch sie hat es abgelehnt mich zu therapieren ("zu viel Konfliktpotential"). Ehrlich gesagt, bin ich ziemlich entsetzt darüber. Ich leide unter starken Depressionen und habe erst in den letzten Jahren begonnen, meine Eltern in einem anderen Licht zu sehen. Bis dahin hatte ich die Schuld, die sie den Kindern zugeschoben hatten und die Sichtweise von ihnen fast 1:1 übernommen. Alles wurde den Kindern angelastet und ihrer angeborenen Persönlichkeit. Durch selbstständiges Lesen psycholog. Literatur konnte ich mich jedoch von dieser Perspektive befreien.
Durch ein Gespräch mit einem Therapeuten wollte ich jedoch gerne etwas mehr über meinen konkreten Fall erfahren. Allerdings habe ich inzwischen so ein bißchen den Eindruck, dass einige Psychologen sich davor scheuen, Thesen abzugeben. Vielleicht weil sie Angst vor dem Kompetenzverlust haben?
Ich finde das traurig. Sollte man dem Patienten nicht erstmal zuhören? Sich dann allmählich ein Bild von ihm machen und flexibel reagieren?
Jedenfalls scheint dies die Ansicht anderer Psychologen zu sein. Erstmal zuhören. Ich jedenfalls konnte zu der Therapeutin kein Vertrauen aufbauen und fühlte mich wie ein Schulkind und klein mit Hut. Erst dachte ich, es wäre nur ein Test, um zu sehen wie ich reagiere. Dann hat die Therapeutin aber gesagt, dass sie mich nicht therapieren will, sprich ablehnt (was sie öfters macht). Das ist ja an für sich nicht schlecht und auch lobenswert. Sie macht das was sie kann. Nur was kann sie? Kann sie nicht einmal zuhören???
Ich bin jedenfalls enttäuscht und frage euch, ob man von einer Therapie nicht erwarten darf, mehr über seine Beziehungen zu den Eltern und den möglichen Ursachen ihres Verhaltens für die eigene Entwicklung zu erfahren?
Wenn ich psychol. Literatur lese, dann bekomme ich sehr viel Informationen über die "Fälle", Interpretationen und Therapieansätze. Es ist wirklich sehr interessant und öffnet einem die Augen. Das heißt nicht, dass ich alles was ich lese 1:1 übernehme. Es hilft mir aber über die Alltagspsychologie hinaus neue Interpretationen zu finden, die sicherlich eher den Kern der Sache treffen.
Ich frage mich nun wirklich, was man von einer Therapie, die die KK anbietet verlangen kann. Sicherlich hängt das auch mit dem Therapeuten und seiner Einstellung selbst zusammen.
Die Therapeutin bietet übrigens Tiefenpsychologie an.
Was meint ihr???


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