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Thema: Erinnerungen nach Entzug

  1. #1
    Neuling Avatar von Magier
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    Standard Erinnerungen nach Entzug

    Hallo allerseits!

    Es wäre sehr wünschenswert, wenn mir jemand mit einem zugegeben sehr skurrilen Problem helfen würde.
    Gibt es hier eventuell jemand, der sich mit verschütt gegangenen Erinnerungen auskennt?
    Ich hoffe im Gegenzug das Problem gut verständlich schildern zu können.
    Es ist relativ wichtig, da es sich für mich auch so anhört, als wären hier ein paar Rechtsbrüche geschehen, aber urteilt selbst!

    Zum Fall:
    Ein guter Freund von mir hat seit seiner Jugend Cannabis konsumiert und weil er die Kontrolle über den Konsum verlor, konnte er das nicht mehr finanzieren, also hat er seine Sucht später auf Alkohol verlagert. Innerhalb weniger Jahre hätte er sich fast zu Tode gesoffen, konnte aber in letzter Minute überredet werden, sich in den Entzug zu begeben.
    Vor zwei Jahren hat er dann auch erfolgreich einen Entzug gemacht.
    Vor einem Jahr fand er sogar eine Teilzeitstelle als Kassierer an einer Tankstelle und bekam einen Therapieplatz bei einer Psychotherapeutin.
    Soweit schien es, als ob er alles wieder in den Griff bekommt, da er auch noch jung ist, erst Mitte 30.

    Das schien soweit auch alles ganz gut zu laufen, doch hat er seit letztem Sommer angefangen, sich an Ereignisse zu erinnern.
    Er sagt, er muss während der Zeit seiner Alkoholsucht häufiger mal in dieserTankstelle gewesen sein, wo er nun arbeitet und dass er die Angestellten von früher her kennt.

    Das ist ja an sich nicht so weltbewegend, aber er schwört auch, dass er vor zirka zehn Jahren bei einem Hausarzt gewesen ist und kurz darauf bei einem Psychiater.
    Beide hätten ihm nicht nur eine Behandlung verwehrt, sondern auch seinen dortigen Besuch gar nicht dokumentiert.
    Die Geschichte meines Freundes geht sehr tief, er erzählt sehr haarsträubende Ereignisse und ich habe angefangen mir Sorgen zu machen, denn entweder ist etwas mit ihm nicht in Ordnung oder aber Verbrecher haben ihm das Leben unnötig schwer gemacht!

    Also mein Freund sagt, er war 2008 bei einem Hausarzt, weil er eine Überweisung zu einem Psychiater wollte, um wegen seiner Sucht eine Therapie zu machen.
    Sie kamen wohl in ein längeres Gespräch und der Arzt hätte ihm erzählt, dass er Verbindungsleute (sic!) an der Tankstelle, im Wingtsun Verein und im Gemüseladen hat, respektive noch weitere V-Leute braucht, weil es viele Opfer an diesen Stellen gäbe, diese aber die Verbrechen nie anzeigen würden.

    Mein Freund hätte ihm damals den Vogel gezeigt und hat sich nicht an der Tankstelle beworben, ebenso sei er nicht in die Wingtsun Schule gegangen, wo laut Arzt sehr kriminelle Dinge vor sich gehen würden, für die er jedoch keine Beweise hätte.
    Mein Freund begründet seine Ablehnung zur "Zusammenarbeit" damit, dass wir in einem Rechtsstaat leben und der Arzt damit zur Polizei müsse.
    Ein Verhalten, das ich selbst sehr löblich finde! Und bis hierhin wäre es sogar noch irgendwie vielleicht ulkig oder zumindest nur Hörensagen, aber nun will er sich erinnern, dass er seine Psychotherapeutin an eben dieser Tankstelle gesehen habe, als er noch nicht bei ihr in Therapie war.
    An sich wäre das ja auch noch harmlos, aber er schwört, sie hätte mit der Angestellten dort versucht, den Chef zu einer Therapie zu bewegen!
    Das wiederum ist definitiv ein Verhalten, was gegen die ethische Richtlinie für Psychotherapeuten verstößt.
    Mein Freund hat sie darauf angesprochen, doch sie dementiert es nicht nur, sondern legt ihm auch nahe, sich in stationäre Behandlung zu begeben, sie sagt, es ginge ihm schlecht und will sich auf weitere Gespräche diesbezüglich nicht einlassen.
    Da hat er es mit der Angst zu tun bekommen, dass in seiner Stadt etwas im Argen liegt.

    Er erinnert sich desweiteren, dass er dazu verleitet worden war, dieselbe Angestellte in der Tankstelle in den Bauch zu boxen.

    Noch viel schlimmer finde ich jedoch seine Erzählung, dass er von seinem Vermieter, der zu dem Zeitpunkt ebenfalls viel Cannabis geraucht hatte, genötigt worden sei, nicht in den Entzug zu gehen.
    Letzteres sei wohl deshalb geschehen, weil dieser Angst davor hatte, wegen Cannabis eine Anzeige zu bekommen, wenn mein Freund deswegen einen Entzug machen würde. Zu jenem Zeitpunkt hatte mein Freund aber selbst Angst vor einer Anzeige und deshalb dem Vermieter geglaubt und ist zuhause geblieben und hat stattdessen angefangen zu trinken.

    Diese Dinge sind vielleicht alle schon verjährt, aber mein Freund hat großen Stress, weil ihm niemand glaubt und er hat sich damit an mich gewendet, weil ich vor Jahren einmal selbst ein paar Semester Psychologie studiert habe, allerdings übersteigt diese Geschichte meine Kenntnisse bei Weitem.

    Er hat sich inzwischen in eine Psychiatrie einweisen lassen, weil er letztes Jahr an der Tankstelle von der Lebensgefährtin seines Chefs in den Bauch geboxt wurde.
    Seitdem leidet er unter Angst, aber was seine Erinnerungen angeht, sind sie in der Klinik noch nicht dazu gekommen, diese aufzuarbeiten.
    Er hat mich gebeten zu recherchieren und zu forschen und da er wirklich scheinbar niemanden hat, der ihm hier hilft, habe ich mich dazu bereit erklärt.

    Aber ich bin scheinbar selbst etwas überfordert mit der Sache. Wenn er nämlich recht hat, wäre vielleicht das Juraforum der richtigere Ansprechpartner?

    Ich hoffe, ich konnte die Probleme hinreichend und klar darstellen und würde mich sehr über Ideen, Ansätze, Beiträge etc. freuen!

    Viele Grüße

  2. #2
    Neuling
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    Standard

    Zitat Zitat von Magier Beitrag anzeigen
    Wenn er nämlich recht hat, wäre vielleicht das Juraforum der richtigere Ansprechpartner?
    Nicht ganz.

    Wenn er Recht haben sollte (was ich sowas von stark bezweifle), dann wären der SPIEGEL, STERN oder RTL der richtige Ansprechpartner. Die Einwohner dieser Stadt wären nämlich derart durchgeknallt, dass es geradezu beispiellos sein dürfte.

    Ich vermute eher, es ist die übliche Mischung aus a) ein bisschen wahr, aber falsch verstanden, b) ein bisschen überinterpretiert, und c) ein bisschen Drogenparanoia, nebst einer kleinen Prise Sensationsgier.

    In einem Satz: heiße Luft.

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    Magier (07.01.2017)

  4. #3
    Roman Verfasser Avatar von Cailynn
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    Irgendwie verstehe ich die ganzen Erinnerungen und Informationen nicht ganz...

    Ich will deinem Freund nicht zu nahe treten aber da du schreibst das er sehr lange Cannabis geraucht hat....

    ...kann es vielleicht auch sein das dein Freund eine Drogenpsychose bekommen hat und Dinge sieht, bzw. sich an wirre Dinge erinnert die so gar nicht real sind?

    Ich bin keine Fachfrau aber das könnte ja auch sein?
    fairytales don´t always have a happy ending, do they?

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    Magier (07.01.2017)

  6. #4
    Verleger Avatar von mops
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    Standard

    Hallo,

    Es ist schon was wahres dran.
    In dem Forum taucht immer wieder die Frage der Erinnerungen auf.
    Die Frage des sich wieder daran erinnern. Manchmal sehen wir Menschen jahrelang nicht.
    Dann laufen wir ihnen über den Weg. "Den habe ich schon mal gesehen?"
    Es gibt immer wieder Situationen, wo uns längst vergessenes wieder einfällt.

    Wieso können wir uns an manches gar nicht erinnern und manchmal an Dinge, Geschehnisse die schon lange her sind?
    Irgendwie gibt es auch hier Forschungsobjekte.

    Warum lerne ich sprechen?
    Der eine Gedanke, dass ich als Kind, wie andere Kinder auch, nach uns gefragt werden. Was kann ich über mich selbst sagen?
    Der zweite Gedanke war die Berichterstattung. Ich mache eine Klassenfahrt. Auf der Rückfahrt unterhalten wir uns als Kinder über das Gesehene, Erlebte. Zum Schluss auf dem Heimweg bin ich alleine. Das Gesehene in Worte umwandeln.

    Das Schwierige ist jetzt, dass bisher oft erzähltes so wie es gesagt wurde, weiter sagte. "Vom hören-sagen wissen" -- das Gegenteil "Mit eigenen Worten ausdrücken!"


    Als müsste man aus seiner Kommunikation herausfinden, an was kann er sich wirklich erinnern und was wird durch den Versuch "es in Worten auszudrücken" verfälscht.

    Beim Sprechen lernen eines Kindes wurde mal gesagt: "Sein Bewusstsein wächst!"

    Im Aufsatz gibt es eine Note für den Ausdruck. Der Romanautor hat auch seine Ausdrucksweise. Wie wenn wir von einem schriftlichen Ausdruck sprechen. So gibt es auch einen mündlichen Ausdruck.

    Der mündliche Ausdruck ist fast wie ein Teil des geistig, kulturellen Niveaus.
    Es hängt auch wieder vom Zuhörer ab!
    Die Sprache ist ein Teil der menschlichen Kultur!


    gruss mops

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei mops für den sinnvollen Beitrag:

    Magier (07.01.2017)

  8. #5
    Neuling
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    Hallo!

    Wesentlich mehr Mühe ihm zu glauben hätte ich selbst, wenn ein gemeinsamer Bekannter bei einer Situation nicht selbst dabei gewesen wäre.
    Da wurde unser Freund nämlich von der Frau seines Chefs gefragt, ob er sich erinnert.
    Als er nachfragte woran denn genau, bekam er nur zu hören, es wäre nicht schlimm, wenn er sich nicht erinnert.

    Das hat mich sehr stutzig gemacht. Mein Freund erinnert sich jetzt zwar, was gemeint sein könnte: Er hatte an der Tankstelle schon zwei Mal hinter der Kasse Probe gestanden. Jedes Mal hatte er bis vor wenigen Wochen verdrängt.
    Beim ersten Mal hat er wohl die Frau des Chefs (die, die ihn im November geboxt hat) auf italienisch beschimpft und dann war er einfach gegangen.
    Mein Freund hat sich an viele Situationen wieder erinnert, in denen er selbst nicht besonders anständig war.
    Gerade weil er auch objektiv berichtet und sich selbst nicht als nur unschuldig ansieht glaube ich, dass etwas dran ist, weil unsere Psyche normalerweise die Tendenz hat, die eigenen Reaktionen als gerechtfertigt anzusehen. Genau das tut er aber nicht. Auch hält er sich nicht für das Opfer einer Verschwörung, das heißt er glaubt nicht, dass sie alle gegen ihn sind. Wir fragen uns nur ob es gerechtfertigt ist, um andere unschuldige Personen besorgt zu sein.

    Zur Presse möchte er ohne Beweise nicht gehen. Besonders weil ihm eher eine psychische Labilität zugerechnet wird, als ihm die Geschichten zu glauben.
    Auch fehlt ihm die Erfahrung mit den Medien so zu sprechen, dass er nicht bloß gestellt wird. Das würde er - zusätzlich zu dem Stress den er bereits hat - gern vermeiden.

    Ob er eine substanzinduzierte Psychose hat, ist genau meine Frage!
    Seine Erinnerungen schützen sich aber selbst.
    Wenn er erzählt, dass dieser Arzt nach seinem Besuch selbst gesagt hat, dass er nie da war und sie nie miteinander gesprochen hätten - dann ist das jetzt doch schwierig zu rekonstruieren. Entweder seine Psychose ist nicht nur krass, sondern auch schlau. Oder er hat es selbst mit einem psychisch gestörten Arzt zu tun.

    Bezüglich der Erinnerungen finde ich, gerade in Bezug zu dem, was mops geschrieben hat interessant, dass die meisten Erinnerungen erst auftauchten, nachdem eine Angestellte von einer längeren Krankheitspause wiedereingestellt worden war. Da fielen ihm Szenen ein, die er nicht für möglich gehalten hätte. Auch sagt er, dass es eigentlich gar nicht sein kann, dass er so viel Zeit an dieser Tankstelle verbracht hat, wie er erinnert. Und doch hat er handfeste Aussagen von seinem Chef, der bestätigt hatte, ihn schon als Kunden gekannt zu haben. Da hatte er noch keine Erinnerung daran und leugnete es. Jetzt würde er sich gern nochmal mit den Angestellten dort unterhalten, aber sie haben ihn geschlagen und deshalb meidet er sie.

    Gibt es denn Möglichkeiten herauszufinden, ob es sich ganz sicher um eine Psychose handelt oder wird immer ein wenig das mulmige Gefühl bleiben, dass ihn Arzt und Psychotherapeutin belogen haben?

    Ich meine ja nur: wenn man sich als Therapeut vor einer Anzeige schützen möchte, dann ist es doch sehr einfach den Patienten für psychisch gestört zu erklären, oder habe ich recht?

    Viele Grüße
    Magier

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