Das Leben ist irgendwie wie Mathematik. Keiner macht’s wirklich gern, muss aber gemacht werden; wenn dies erledigt ist, wird man automatisch denken, dass man echt der Dümmste sein muss … Alles macht man einfach so - es muss ja gemacht werden.
In der Schule bin ich nicht einintegriert, weil man mich als Ernsthaften kennt. Die Schule ist ja wirklich interessant, weil eigentlich - da bin ich gespannt was ihr sagen werdet! - ein jeder, der der aus sich was hält mit Komplexen rausgehen muss. Weil man stößt automatisch immer auf Streitigkeiten, Unstimmigkeiten und wird eventuell nicht einmal für das was man macht anerkannt … oder es wird erst gar nicht darüber nachgedacht, weil man gleich in die Rolle desjenigen reingefallen ist, der der Ruhige ist ( nicht der geheimnisvolle Ruhige, der demzufolge für die Mädchen interessant sein könnte, sondern vielmehr der langweilige Ruhige! )
Früher hat man, ich wollte gar nicht in die Schule gehen und ich habe wegen der ganzen Vorfreude der anderen, jeden schon ein wenig unglücklich naiv gefunden, mich mindestens als schüchtern empfunden. Wenn man heute jemanden fragt, kriegt man als Antwort, dass ich entweder ein Ernsthafter sei oder ein totaler Langweiler, mit dem sie nichts anzufangen wüssten, weil man mit mir nicht trinken und über Musik reden kann. Was ich über Musik im Allgemeinen halte, habe ich oft festgestellt und da ich weiß, dass die Meisten das nicht so betrachten können, hat es keinen Sinn, noch einmal hier einzugehen … wahrscheinlich zeugt das mit der Musik von Gefühlsarmut, weil man zumal daraus ablesen kann, dass ich eher der kühle, klar Erkennender bin, als ein gefühlsseliger, inniger Mensch …
Und ich finde auch, dass das Leben deswegen keine richtige Schönheit hat, weil man wirklich nur Komplexe kriegen kann! Beispielsweise denke ich sehr oft, dass viele ihre Makel haben, dass jeder sein’s hat, so das Menschen nicht vollends sympathisch sein können, und das dies auch über mich so ähnlich gedacht werden muss … irgendwo ist alles eine Wirrnis, wo man nur zu schlussfolgern brauch, dass man dies nicht inne hätte, wenn man gleich die Gedanken, die immer sich mehren, beiseite liegen gelassen hätte!
Was auch ein merkwürdige Art ist ein Komplex zu haben, ist … dass beispielsweise ich, ich, der wirklich in sehr jungen Jahren Hörgeräte bekommen habe, und bei der Angewöhnungsphase ins Theater geschleppt wurden war, wo man in “Kabale und Liebe” jemanden schießen hat hören müssen … das war für mich so schlimm! Wenn ich heute irgendwo mit der Klasse ins Theater gehen muss, oder ins Kino ( ist ja irgendwo dasselbe… ) fange ich immer an im Kopf “durchzudrehen”, weil ja jemand da sein könnte, der schießen würde … und wenn ich mit der Familie rede, die schmunzeln dann bloß oder lachen … ( das werden ‘se auch getan haben, als ich den Schuss früher hören musste )! Irgendwie bin ich in den meisten Beziehungen so anders und eigen, und keiner versteht’s! Ich habe irgendwie ein mächtiges Problem mit der lärmenden Welt, die einen verrückt machen kann, jedoch bin ich nicht besser, wenn ich darüber nachdenke .. Dass führt ja auch bloß zu einer Art Verrücktheit!
Ich bin den Klassenkameraden auch nicht nahe, weil ich eine Abneigung gegen Musik habe ( hat vielleicht etwas mit dem Schuss zutun… ).
Das Allerschlimmste ist es aber, dass wenigstens aus der Familie niemand einen versteht. Meine Tante, Mamas Schwester, hat immer Neue, immer Andere, mit der sie zusammenzieht und Kinder großzieht, so dass man bei den Großeltern, die ganzen Jetzt-Onkels sehen kann, wie diese glücklich, wohl und selbstsicher dort ihre Existenz feiern … das verstehe ich nicht, weil doch jeder wissen muss, dass der nicht lange von Dauer sein wird! ( Manchmal macht es mich sehr traurig, weil ich sehe, dass ich “verklemmter” bin, um mich bei meinen eigenen Großeltern besser, oder genauso gut, fühlen zu können, wie die Jetzt-Onkels … )! Und die ganzen Kinder von dem Jetzt-Onkel sind auch bei den Großeltern, und diese müssen das zu hören bekommen, was ich früher von meinen Großeltern bekommen habe! Wegen all dem fühle ich mich nicht nur in der Schule ausgestoßen, sondern auch in der Familie … wegen der immerwährenden Auswechselbarkeit und des allerschlimmsten Teilnahmslosigkeit gegenüber einen … Ich finde auch, ganz traurig zu sehen, dass die Großeltern, wo sie jetzt pensioniert sind, keine anderen Sorgen haben, als die der Tochter, mit ihren immer erneuernden Männern … Oma und Opa bewegt nichts anderes mehr, als Sorgen, Kümmernisse und Probleme ihrer Tochter und vergessen so alles drumherum, was eine Familienwichtigkeit wäre …
Bei mir kommt aber noch mit dazu, dass ich an Migräne leide ( ungefähr jeden dritten Tag .. ), so dass ich die meisten Schulischen Sachen an meinem Schreibtisch, an welchem ich auch meine Geschichten schreibe, nachhole … ich finde das ganz gemütlich, dieses Wegsein von der lärmenden Welt… aber ich würde doch wenigstens mit denjenigen, die ich seit der 1.Klasse kenne, besseren, innigeren Kontakt haben, als jetzt … aber nicht weil ich gerne mit den zutun haben möchte, sondern eher, weil ich sehe, dass man bei dieser langen Zeit, die jetzt schon verstrichen ist, ein jeder leger sein’s gemacht, und niemand auf den anderen eingegangen ist .. Diese Teilnahmslosigkeit, Legerheit und Einfachheit es bleiben lassen zu können … manche empfinden sich in der Schule als “Chefs”. Wo ich stetig mich frage, wenn diese doch ein Auge insgesamt auf die Klasse hat, muss er doch erkennen, dass ich den Anschluss suche … aber ich glaube, nicht einmal das wird erkannt, weil ich nicht einmal richtig dazugehöre, um meiner mit Aufmerksamkeit und Ruhigkeit anzunehmen…


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