Ursprünglich wollte ich diesen Text in meinem Tagebuch hier veröffentlichen, weil ich aber "befürchte", dass niemand ihn liest und ich somit kein Feedback bekomme, veröffentliche ich ihn hier...
ich wünsche mir Antworten von euch, Antworten, mit denen ich arbeiten kann...
Heute nach der Arbeit Mama abgeholt und zu meinem Bruder gefahren, als wir dort ankamen, sah ich ihm sofort an, dass irgendwas nicht stimmt. Er war durcheinander, erzählte mir von seinen Problemen mit seiner psychisch kranken, 65jährigen, Nachbarin, die (ironischerweise) das gleiche Krankheitsbild hat wie er und die eben seit längerem schon aus der Bahn läuft (auch, weil sie ihre Medis nicht nimmt).
Ich war kaputt von der Arbeit und bin eh schon "angespannt", wenn ich näheren Kontakt zu Mama und ihm habe und nun diese Konfliktsituation, die ich nicht wirklich wollte (und im Grunde seit "damals" und sowieso nie wieder haben will!!!). Aber... es ist meine Familie, er tut mir leid und so blieb ich fast zwei Stunden dort. Wobei ich echt dankbar war, dass seine "Betreuerin" auch anwesend war und wir somit zu zweit dort saßen, um ihn aus seiner akuten "Angstphase" herauszuholen (er hatte u.a. Angst davor, dass seine Nachbarin ihn "absticht".)
Es war für mich eine anstrengende, aber auch lehrreiche Erfahrung, hab ich ihn doch nie zuvor als wirklich "krank" angesehen (oder es wahrhaben wollen?). Es war das erste Mal, dass ich ihn SO erlebte... dieses Reinsteigern in seine Angstpsychose, immer und immer wieder dieselbe "Schleife" (egal, was wir ihm sehr eindrücklich auch mitteilten). Natürlich war irgendwann klar, dass er momentan anscheinend eine Art "Schub" hat und genau deswegen so heftig auf seine kranke Nachbarin reagiert.
Er wollte dort nur weg - in die Psychiatrie - SOFORT. (Und damit verhält er sich absolut genauso, wie unsere Mutter es damals immer und immer wieder getan... "ich will weg, weg." Diese Beiden hatten immer schon eine "ganz besondere" Beziehung zueinander und ich habe das dumpfe Gefühl, er wiederholt IHR Leben und verliert sein eigenes (wenn er denn jemals eins hatte).
Ich war sehr dankbar, dass Frau S. anwesend war und ihm andere, sinnvollere Möglichkeiten aufzeigte, denn ich war schlicht und ergreifend überfordert...
Sie hat ihm Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt (am Montag zu seiner Ärztin, Einweisung, Medikamentenspiegel überprüfen, danach in eine Klinik, um seine Ängste zu be(ver)arbeiten und ich konnte dem einfach nur zustimmen - es gibt nur diesen einen Weg für ihn und ich hoffe, er geht ihn.
Auf dem Heimweg kam mir immer wieder der Gedanke hoch: "Was habt ihr uns angetan?"
Verdammt, ich wollte abschließen mit der Vergangenheit, sie soll mein Leben nicht mehr beeinträchtigen oder sonst was.
Heute spürte ich extrem, dass die Vergangenheit dich immer wieder einholt...
wenn es gestern dein Vater war, der seinen Schmerz mit Alkohol betäubt,
wenn es gestern deine Mutter war, die in irgendeiner Form wohl immer schon psychisch krank war (und nein, ich habe echt keine Lust mehr, mich dahingehend auseinanderzusetzen!!!),
so ist es heute dein Bruder, der dir unendlich leid tut und dem du dennoch nicht wirklich helfen kannst...
Du willst einen Cut, aber es geht nicht, nicht wirklich.
Ich bin grad allein mit mir und meinen Gedanken, irgendwie ist es so vertraut, irgendwie ist es Gewohnheit und irgendwie will ich auch das nicht mehr...
Ich will jemanden, der mich hält, mich in den Arm nimmt, mit mir redet, mir zuhört und mich versteht...
Ich bin allein, oder?


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