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Thema: Familie und Sucht

  1. #1
    Neuling
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    Standard Familie und Sucht

    Hallo,

    mich plagt derzeit eine Frage, wie die Familienstrukturen von Menschen wohl sein mögen, die später in die Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen geraten sind.

    Bevorzugt jemand den Alkohol als Ersatz und Trostmittel, dann hatte derjenige Eltern gehabt, wo sich die Mutter (meistens) hervor gehoben hat vor dem Vater. Alles was von ihr kam war gut, alles was vom Vater kam war schlecht. Noch dazu wurde der Vater hinter seinem Rücken diffamiiert wo es nur ging. Bis dann derjenige Abstand zum Vater hielt und ihn als Versager abstempelte.

    Wie ist das mit den Familienverhältnissen, in denen die Kinder dann Drogen bevorzugen? Würdet ihr mit bitte weiter helfen?
    Folgendes habe ich mir überlegt:
    Kann es sein, dass sich Großeltern über die Eltern gestellt haben und sich als wichtiger nahmen und das ihren Enkeln auch so vermittelten, dass die Kinder ihre Großeltern lieber als Eltern gehabt hätten als ihre wahren Eltern? Beim Alkohol wurde ein Elternteil beim Kind schlecht gemacht und bei den Drogen beide. Wie war das bei euch als ihr noch Kinder ward?

    Liebe Grüße mi-au

  2. #2
    Gast784
    Gast

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    Hallo mi-au,

    ich halte nix von der einseitigen Betrachtung von Familienkonstellationen. Warum?

    Es ist in unserer Zeit (und vermutlich auch lange davor) kulturell bedingt sehr weit verbreitet, dass die Väter abwesend sind und die Mütter daher der dominante Einfluss sind. Dass die Väter reihenweise schlecht weg kommen, nimmt in heutiger Zeit durch die vielen Scheidungen noch zu. Es werden aber bei weitem nicht alle Kinder deswegen Alkoholiker!

    Vermutlich, weil da noch ganz andere Faktoren mit reinwirken. Man weiss nicht, was so ein Kind noch alles an Bezugspersonen hat, wie das ganze Umfeld ist, was die Erwachsenen und vor allem Männer ihm vorleben. Zudem sollen genetische Faktoren mit rein wirken. Auch Charakter und Temperament eines Individuums entscheiden mit, wie es letztlich mit bestimmten Voraussetzungen umgehen wird. Das ganze ist ein solch komplexes System, das ist nicht einfach mit der Familienkonstellation zu erklären.

    Würde Deine Annahme von Drogenabhängigen zutreffen, müsste meine Tochter drogenabhängig sein. Das interessiert sie aber nicht die Bohne. Die trinkt nicht mal Alkohol. Weil sie ganz andere Mechanismen aus ihrer Familienprägung zieht. Hat natürlich auch damit zu tun, wie ich als Mutter damit umgehe sowie die anderen Beteiligten. Hat aber auch viel mit ihrem eigenen Charakter zu tun.

    Ich wäre einfach sehr kritisch gegenüber solchen Lehrbuchweisheiten.

    lg Gaby

  3. #3
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    Es könnte was dran sein an der Theorie, denn bei mir war es lustigerweise genau
    so.
    Aber selbst wenn, habt ihr beide Recht: es gibt Faktoren, wie Familienkonstellationen, die Suchtverhalten begünstigen. Aber der Umkehrschluss, Gabi, dass jeder mit solch einer Konstellation süchtig sein müsste, stimmt natürlich nicht, eben weil die andern Faktoren auch mit eine Rolle spielen.
    Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

    Ich bin frei und ich l(i)ebe es!!!

  4. #4
    Neuling
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    Hallo miteinander,

    was schützt dann vor späterer Sucht/Abhängigkeitserkrankung? Etwa meine andere Theorie einer sicheren Bindung? Ich meine eine Mutter-Kind-Beziehung, in der sich das kleine Kind auf seine Bezugsperson von Anfang an verlassen konnte. Das gibt dann ein so stabiles Fundament, dass ein junger Erwachsener wohl auch Alkohol o.a. Drogen ausprobieren wird, aber wieder davon lassen kann und nicht kleben bleibt.

    Am Unfeld kann es nicht immer liegen, denn es gibt Orte, die keine Drogenumschlageplätze haben und trotzdem kommen die Jugendlichen nicht mehr davon los und es gibt Orte, da ist bekannt, wenn man dahin geht, da kann man sich das Zeug besorgen und trotzdem bleiben nicht alle hängen. Was macht wohl den Unterschied aus, frage ich mich?

    Was ich zu den Müttern oder Großeltern meinte, ist ihre Haltung gebenüber den Eltern bzw. Vätern. Da wird nicht unbedingt immer groß darüber geredet, dass sie von ihrem Mann wenig halten. Mir fällt gerade ein, dass bei mir bekannten Alkoholikern der Mann sogar vor den Kindern im Beisein des Vaters ständig runtergemacht wurde. Alles was er tat, darüber wusste seine Frau etwas schlechtes zu sagen. Nie lobte sie ihn vor den Kindern. Und das frage ich mich, ob solch Demütigungen bei drogenabhängigen Menschen von den Großeltern ausgingen und Vater und Mutter ständig vor den Enkel schlecht gemacht wurden.

    Liebe Grüße mi-au

  5. #5
    Gast784
    Gast

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    hallo Mi-au,

    natürlich ist eine gute Familieneinbindung, die Sicherheit vermittelt, die beste Voraussetzung für psychische Gesundheit in jeder Hinsicht. (Ich würds nicht so eng auf Mutter-Kind-Bindung beziehen. Diese Minikonstellation isoliert ist auch für niemandem wirklich gesund. )Und das beinhaltet natürlich auch das Grenzen-setzen sowie die Vorbildfunktion z.B. dass frau nicht dauernd beste Mutti der Welt aus der Ramafamilie ist sondern auch noch Mensch. Aber das geht jetzt wohl zu weit weg vom Thema.

    Was haben Drogenumschlagsplätze damit zu tun? Verwechselst Du da nicht Ursache mit Wirkung?

    Schlecht machen und runter machen gibt es doch in allen möglichen Konstellationen. Natürlich kann man im Umfeld eines Alkoholikers nicht echten Respekt untereinander erwarten. Sonst wäre es wohl nicht so, wie es ist. Aber auch da ist wieder die Frage - was war zuerst da: das Ei oder das Entchen? Vermutlich ne wechselseitige Ergänzung ins ungute. :-(

    Mir geht das ganze ein bißchen zu arg in Schwarz-Weissmalerei. Der arme Mann, der von seiner Frau oder Mutter schlecht geredet wird Ist sicher schlimm, gibts anders rum aber genauso bzw. die Mutter, die respektlos behandelt wird z.B. dadurch, dass sie mit der Familienlast allein gelassen wird, betrogen wird usw.

    Menschen machen solche Sachen ja nicht grundlos, es gehören immer zwei dazu. Auch nicht abwesende Väter z.B. erziehen mit, nicht nur die Mütter, die dadurch zwangsläufig dominant sind.

    Solche ungünstigen Faktoren gibt es heute an jeder Hausecke und trotzdem laufen (noch) nicht alle als Psychos und Alkis rum. Mein Freund hat ne alkoholkranke Mutter. Er selber hat dadurch ein lebenslanges Paket zu schultern, aber er hat recht konstruktive Strategien daraus entwickelt. Alkohol gehört nicht dazu. Drogen auch nicht.

    Viele Männer - und auch einige Frauen -, die mir näher standen, hatten keinen Vater als Bezugsperson, weil zu früh gestorben, oder getrennt. Teils hatten sie ziemliche Probs mit Stiefvätern. Sie sind alle geprägt davon, aber nur einer entpuppte sich als Alkoholiker. Obs wirklich nur daran lag?

    Rauschmittelkonsum und Vermeidungshaltung sind sicher schon so alt wie die Menschheit, lediglich die Formen ändern sich und die Folgen müssen heute von der Allgemeinheit getragen werden. Früher bliebs entweder an den nächststehenden Frauen hängen oder solche Leuts landeten auf der Straße und basta. Die vorbildliche Ramafamamilie hatten die sicher alle nicht, und trotzdem ist es immer nur ein relativ kleiner Prozentsatz, der wirklich krank wird.(lassen wir die psych. Störungen mal außen vor) Also selbst wenn man es an bestimmten Konstellationen festmachen könnte - aber was bringt es, vor allem für die Betroffenen? Man kann die Konstellationen nicht ändern, aber jeder hat grundsätzlich die Chance seinen Lebensweg zu korrigieren und sich von seiner Herkunftsfamilie zu lösen. Darum sollte es doch eigentlich gehen, oder nicht?

    lg Gaby
    Geändert von Gast784 (26.10.2008 um 15:02 Uhr)

  6. #6
    Verleger Avatar von :knuddel:
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    Hallo Mi-au,

    haben die Konstellationen etwas mit deinem Leben zu tun?
    Irgendwie hört es für mich so an, als suchst du nach Wegen wie du dich verhalten sollst und dein Umfeld ändern sollst, damit vielleicht eigene Kinder nicht in dem Sog gefangen sind. Also nach einem Weg diese Familienspirale in deiner Familie oder bei Freunden zu durchbrechen?

    Es gibt viele Wege, die in die Sucht führen, aber verallgemeinern kann man es nicht, es kommt auf jeden Menschen einzeln an, wieviel Ressourcen er bilden kann und klar bleibt in den Entscheidungen für oder gegen.

    Zumindest ist es meine Meinung
    Ein neues Leben kann man nicht anfangen, aber täglich einen neuen Tag!!!!!!!!!!!!

  7. #7
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    Das kann man nicht verallgemeinern von wegen, das schütz vor Sucht un das löst sie aus. Es gibt viele verschiedene Faktoren. Die Familie, der charakter(Unsicherheit spielt eine Rolle), das soziale und kulturelle Umfeld, der körperliche Zusatnd(verträgt man es oder wird einem nur schlecht?), intellektuelle Resourcen und vieles mehr. Man kann sein Kind ein Stück weit schützen, indem man ihm bedingungslose Liebe engegenbringt und von Anfang an sein Selbstbewusstsein stärkt. Aber eine Garantie gibt es nicht. Übrigens gab es zu dem Thema schon mal einen ähnlichen Thread:
    http://www.psychologieforum.de/genet...lien-1420.html
    Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

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  8. #8
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    Zitat von Schuhl aus einem anderen Thread:
    Ich bin der Ansicht, daß der Ursprung der Alkoholsucht in Kombination zw. der Grunddisposition in Verbindung mit der gesellschaftlichen Sozialisation zu suchen ist. Darin besteht m. E. auch der entscheidende Fehler. AUs meiner Sicht verlassen sich die Experten zu sehr auf ihre genetischen Forschungsergebnisse und lassen die Ergebnisse der Sozialforschung vollkommen außen vor, weil sie dort nicht weitergekommen sind. Außerdem sind die Ansätze im zwischenmenschlichen Bereich möglicherweise zu aufwändig um sie über einen längeren Zeitraum zu verfolgen.


    Hallo @ all,

    die Sozialisation ist ein gutes Stichwort. Demnach reicht eine gute Bindung nicht aus, sondern es kommt dann noch darauf an, ob jemand gelernt hat soziale Beziehungen zu anderen Personen außerhalb der Familie aufzubauen und zu behalten. Dass dies von den Eltern (oder einem Elternteil) unterstützt und gefördert wird, wie z.B. Freunde mit nach Hause bringen dürften.

    Beim Durchlesen eurer Antworten fiel mir auf, dass vielleicht auch die Gewalt eine Rolle spielen kann, ob in den Familien Gewalt gelebt wurde. Weiß aber nicht, welche Rolle dabei die psychische Gewalt in Form von Manipulationen eine Rolle spielt. Vielleicht sind die psychisch manipulierten dann eher anfällig für Drogenkonsum? ???

    @ Knuddel,

    die Frage hat für mich derzeit eine persönliche Bedeutung. Es gibt da ein kleines neugeborenes Kind. In der Familie der Mutter gab es Alkoholismus, in der Familie des Vaters hatten diverse Personen Kontakt zu Drogen gehabt. Meine Tochter hatte auch mal einen Freund, der drogenabhängig war und sie hat diese abgelehnt. Deswegen gehe ich davon aus, dass es im Persönlichkeitsprofil einen Unterschied geben muss, wenn jemand lieber zu Drogen als zu Alkohol greift. Und dieses Profil würde ich ganz gerne verstehen. Darum auch meine Theorie zu den Familienstrukturen.

    Denn in der Familie des Mannes gibt es ein totales Kuddelmudel in der Hierarchie, da werden Mütter übergangen und von den Großmütter die Kinder wie ihre eigenen versorgt. Die Mütter lassen sich einreden, dass es für sie und ihr Kind das Beste sei, wenn die Oma´s ihre Kinder versorgen würden. Das heißt, in dieser Familie wird die tatsächliche Mutter "mit Füßen getreten". Es wird so getan, als ob sie gar nicht anwesend sei. Und das geht schon seit ein paar Generationen so.

    Liebe Grüße mi-au

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