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Thema: Familien Probleme

  1. #1
    Puc
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    Standard Familien Probleme

    Hallo liebes Phsychologieforum

    (ich muss das ganze jetzt ein zweites mal schreiben weil ichs ausversehn gelöscht habe ^^")

    Nach langen hin und her und und Jahre langen ignorieren hab ich mich heut dazu durchgerungen mal mein Problem zu Papier zu bringen.

    Ich saß heute morgen mit meiner Mutter im Wohnzimmer und wir beide diskutierten mal wieder über ihre schlampige Haushaltführung. Das sie die Wäsche nicht ordentlich wäscht und immer alles bunt raus kommt, oder das der Abwasch doch immer noch halb dreckig ist wenn er raus kommt.
    Solche Streits haben wir öfters und meist endet es in einen riesen Geschrei und dem Resultat das sie sich ein paar tage Mühe gibt bis zum nächsten Streit.
    Heute hab ich dann auch noch das sensible Thema Arbeitslosigkeit angesprochen, ich weiß im Grunde wie schwer es für sie ist einen Job zu finden weil sie Körperlich nicht in der besten Verfassung ist. Aber das kann oder vielmehr will ich nicht wahrhaben, dann nenne ich sie lieber eine Simulantin.
    Selbst über diese maßlose Frechheit sieht sie hinweg, es verletzt sie aber sie hat sich daran gewöhnt.
    Heute allerdings kam ein sehr sensibles Thema zur Sprache, eine Sache die vor 9 Jahren mal passiert ist und die ich vorher noch nie angesprochen habe.
    Ich weiß nicht mehr genau wie ich dazu kam das ausgerechnet jetzt zu sagen aber ich weiß dass das eh schon lange überflüssig war.
    Damals hatte sie in einer Nacht- und Nebelaktion meinen Stiefvater verlassen und ist in ein Frauenhaus geflüchtet. Es folgte ein Jahr Verfolgung und Flucht. ich war damals 12 meine Schwester erst 9. Manchmal hatten wir so wenig Geld am Ende des Monats das wir uns nur noch Brot leisten konnten.
    Das alles finde ich ja nicht einmal so schlimm, ich mein es geht ja auch um ihr wohl und wenn mein Stiefvater ihr was angetan hat oder sie nicht mehr mit ihm konnte dann ist das vollkommen ok sie muss sich nicht für uns Opfern. Aber letztendlich versöhnte sie sich wieder mit ihm und alles war vollkommen umsonst. Ein Jahr darauf haben sie sich dann wieder getrennt.
    Ich erinnere mich sehr gut an die Zeit obwohl ich ihr heute gesagt habe das ich damals ein Kind war und das an mir vorbei gezogen ist. Ich wollte sie nicht noch unglücklicher machen nachdem ich gesehn habe das sie wegen dem Thema zusammen gebrochen ist.
    Sie hat nur noch geweint und gemeint das sie das nicht mehr schafft und ihr alles zuviel ist. Sie verzweifelt wegen der Arbeitslosigkeit und unseren Verhalten ihr gegenüber. Ich und meine Schwester begegnen ihr sehr mit Abneigung. Sie versucht immer wieder mit kleinen Geschenken unsere Gunst zu bekommen dafür gibt sie sogar ich letztes Geld her.
    Das macht alles nur noch viel schlimmer mein schlechtes Gewissen ist schon so groß das ich gar nicht mehr weiß wohin damit, aber über meinen Schatten springen und das klären? Unmöglich, das verbietet mir mein verdammter Stolz. Ich konnte sie in der Vergangenheit immer gut ignorieren und es an mir vorbei ziehn lassen was sie versucht um es wieder gut zu machen, aber dieser Zusammenbruch und die damit verbundenen Wahrheiten sind einfach zuviel für mich. Wieso kann sie mich nicht einfach mit meiner Wut und meiner Unwissenheit allein lassen? Da war vielleicht was im Hintergrund aber ich bin soweit abgestumpft das ich das schon lang nicht mehr wahrgenommen hab.
    Heute sagte sie mir das sie letztens auf der Brücke stand und gesprungen wäre wenn ihre Freundin sie nicht davon abgehalten hätte. Was hab ich geantwortet? "Lass uns nicht drüber reden" und bin gegangen.
    Ich hab in den Jahren ein ziemlich dickes Fell bekommen und die meisten Dinge ziehen an mir vorbei und hinterlassen nicht mal Schrammen.
    Aber das hat mich heute so fertig gemacht das ich seit sehr langer Zeit mal wieder weinen musste. Da letzte mal ist vielleicht 2 Jahre her.
    Kurze Information zu meinen Vater der ist vor 2 Jahren gestorben und ich kannte ihn nicht sehr gut.
    Nach unserm Streit ist sie eben gerade weggelaufen und rief mich gerad an um sich bei mir mit ihren sanftesten Tonfall zu entschuldigen.
    Wieso tut sie das? Ich hasse ihre liebe für mich.
    Da sie sich in den letzten Jahren wenig gekümmert hat, sind ich und meine Schwester mehr oder minder ohne Erziehung aufgewachsen. Versteht mich nicht falsch aber ich finde dass das eins der Dinge ist die sie am besten gemacht hat, auch wenns nur ein Versehn war. Ich finde nämlich das eine Erziehung schrecklich ist.
    Daraus resultierte dann das ich und meine Schwester viel unter uns waren sie ist in den Jahren zu dem wichtigsten Menschen in meinen Leben geworden und so hab ich sie auch behandelt.
    Ich hab ihr bei den Hausaufgaben geholfen ihr die Welt erklärt und vieles mehr.
    Ich fing dann irgendwann an so sehr angst zu haben das ihr was passiert das ich bestimmt habe wo sie hingeht bzw sie immer wieder kontrolliert habe, sie überall hingebracht und abgeholt habe und und und.
    Ich habe sie behandelt wie einer meiner Puppen.
    Heute ist sie 18 und der abhängigste mensch den ich kenne. ich kümmer mich heute noch um sie und versuche meinen Fehler auszubaden indem ich ihr helfe ein eigenes Leben aufzubauen. Sie ist sehr introvertiert was ich auch verstehe sie konnte nie ein Selbstbewusstsein aufbauen weil ich meine Autorität immer ausgespielt habe. Ich liebe sie so das ich es nicht mal mehrt in Worte fassen kann, heute habe ich ein normales Verhältnis zu ihr, sprich sie kann tun und lassen was auch immer sie will, aber ich erinnere mich sehr gut an die Zeit wo ich nur in Angst gelebt habe.
    Ich gebe mir Hundertprozentig die Schuld daran wie sie heute ist.
    Daraus resultiert wieder ein neues Problem in meinen Leben. ich kann niemanden an mich ran lassen geschweigedenn mich selbst verlieben. Sobald es ernst wird bin ich genervt und denk nur noch daran was für eine belastende liebe ich für meine Schwester empfinde. Ich möchte nie wieder jemand so gern haben. Ungebundene Sachen sind für mich absolut kein Problem und auch Freundschaften habe ich viele aber keine intensive liebe. Davon halte ich mich fern. Seit ich letztes Jahr mein Abitur gemacht habe, bin ich auch nur noch im Ausland unterwegs. Erst war ich in der Schweiz dann in Österreich und nun geh ich nach Frankreich. Zuhause bin ich eigentlich nur noch selten um mich nicht mehr damit zu beschäftigen ich hoffe allerdings das ich das endlich mal abschließen kann.


    Ich hoffe ich konnte mein Problem verständlich rüberbringen und vielleicht kennt der ein oder andere das und kann mir ein paar Tipps geben.
    Achja und auf Kommentare wie "was bist du den für eine Tochter?" oder deresgleichen kann ich verzichten versucht einfach mal euch in meine Lage zu projizieren.

    Ps: Tut mir leid wenn Rechtschreibfehler drinnen sind und ich hoffe ich hab es nicht falsch gepostet.

    Grüße Puc

  2. #2
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    Standard

    Hallo Puc,

    so, wie Du Deine momentanen Probleme beschreibst, kommen da wohl verschiedene Ebenen zusammen - die Deiner Mutter und Deine eigene, plus die Deiner Schwester

    Kann es sein, dass Du Dich schon sehr früh in einer Rolle befunden hast, die eigentlich nicht Deine eigene hätte sein dürfen: als die Person in Eurer Familie, die Aufgaben sowohl der Vaterfigur als auch die der Mutter übernehmen musste bzw. auch übernommen hat?
    Eine Rolle, die Du bis heute ausfüllst, auch wenn Du Dein eigenes Leben haben solltest?

    Wenn Du aus dieser Spirale herauskommen willst: wäre es da nicht vielleicht ein Ansatz, diese Anteile einmal aufzutrennen?
    Auftrennen im Sinne von: Dich um die Dinge kümmern, die in Deinem eigenen Leben wichtig sind, und alles andere dort lassen, wo es hingehört - beim jeweiligen Gegenüber (z.B. bei Deiner Mutter)?

    Dass sie Probleme hat, mit denen sie nicht klar kommt, ist aus Deiner Beschreibung klar abzulesen.
    Warum sie sich damals und seither immer wieder so verhalten hat, wie sie es getan hat: es wird hierfür Gründe geben (von denen Du ja auch einige angerissen hast), die ihr aus ihrer ganz persönlichen Sicht heraus keine andere "Wahl" gelassen haben.
    Nur: hierfür eine "Lösung" oder einen Ausweg aus dieser Spirale zu finden, ist ihre eigene Ausgabe und damit auch ihre eigene Verantwortung, die sie für sich selbst tragen muss.

    Dass dies in Dir Wunden hinterlassen hat: absolut verständlich und nachfühlbar!
    Aber dennoch darf ich hier wohl fragen, ob Deine Reaktionen, Deine bisherige "Strategie", damit umzugehen, wirklich für Dich so hilfreich sind/waren, oder?

    Ob Du Deine Mutter wirklich ändern oder ihr "helfen" kannst, hängt doch auch davon ab, ob sie dies überhaupt annehmen will oder kann.
    Denn auch das Können hängt ja von der eigenen (also: ihrer) Prägung und Erfahrungswelt ab.
    Manchmal hilft dann auch nur noch ein Loslassen und sich abgrenzen gegenüber dem, was man ohnehin nicht beeinflussen kann.
    Das hat jetzt auch nichts mit "schlechte Tochter" zu tun!

    Die Frage ist ja: wie sollst Du aus dem herauskommen, was Du Dir selbst als Verantwortung aufgehalst hast, obwohl es nicht Deine ist ...

    Ich weiß nicht mehr genau wie ich dazu kam das ausgerechnet jetzt zu sagen aber ich weiß dass das eh schon lange überflüssig war.
    Du hast zwar sicherlich "überfällig" gemeint - aber auch so ergibt dies durchaus einen Sinn
    In gewisser Weise war es wirklich überflüssig: weil es, IMHO, am eigentlichen Kern der Sache vorbei geht und eine persönliche Wertung ins Spiel bringt, die eher hinderlich ist.

    So sehr ich es verstehen kann, dass einem irgendwann mal der Kragen platzt: könnte es dennoch nicht eher ein Schuss nach hinten geworden sein? Vielleicht bedienst Du ja so nur die Defizite, die sie all die Jahre daran gehindert haben, sich ihren eigenen Baustellen zu stellen ...

    ... mein schlechtes Gewissen ist schon so groß das ich gar nicht mehr weiß wohin damit ...
    "Schlechtes Gewissen" ...
    Weswegen denn? Und: vor wem solltest Du das haben?
    Hast Du es denn nicht eigentlich vor Dir selbst?
    Wenn Du es loswerden willst (weil es ja auch wirklich unbegründet ist): solltest Du dann nicht einmal darauf schauen, woher es eigentlich kommt? Und damit: auf Deine eigenen Muster und Prozesse - es ist ja immerhin Dein eigenes "schlechtes Gewissen", das Du Dir selbst machst, und von dem Du Dich nicht befreien kannst.
    Etwas, das sich durch all das eingeprägt hat, was Du an belastenden Dingen erlabt hast.

    Wieso kann sie mich nicht einfach mit meiner Wut und meiner Unwissenheit allein lassen?
    Sie kann es nicht, weil sie selbst rat- und hilflos ist.
    Und, sorry, Du gibst ihr ja auch immer wieder, ungewollt und unbewusst, den Raum hierfür.
    Wenn Du daran etwas ändern willst, dann wirst Du nicht umhin kommen, an Dir selbst anzusetzen: an Deiner Wut, an Deiner "Unwissenheit" - an Deiner Hilflosigkeit.
    Ohne dies wird sich da auch kaum eine Basis schaffen lassen, auf der Du mit Deiner Mutter verkehren kannst, ohne jedesmal in diese Hilflosigkeit hineinzufallen.
    Dich von ihren Anteilen abgrenzen ... und das bedeutet ja nicht, jemanden auszugrenzen (war jetzt ein kleiner "Wink" an das "schlechte Gewissen": kein Grund, gleich wieder aktiv zu werden ).

    Wieso tut sie das?
    Weil sie selbst jede Menge unbeantwortete Fragen hat und Baustellen, mit denen sie nicht klarkommen kann - sie bräuchte professionelle Hilfe (also etwas, das Du ihr ohnehin gar nicht geben kannst!).
    Aber: es sind nicht Deine Baustellen! Du kannst da nichts machen!
    Ich hasse ihre liebe für mich.
    Nachfühlbar und aus Deiner Erfahrungswelt heraus auch kaum vermeidbar.
    Aber: dies ist jetzt zu Deiner Baustelle geworden. Und an dieser (und nur an dieser) kannst Du arbeiten - für Dich und Deine eigene Lebensqualität!

    ... ich kümmer mich heute noch um sie ...
    Dies ist in sich gut! Vielleicht übernimmst Du ja auch bei ihr schon wieder mehr Verantwortung, als Du überhaupt tragen kannst
    ... und versuche meinen Fehler auszubaden ...
    Siehe oben
    Fehler = Schuld? Hast Du nicht!
    So kommst Du doch nur noch mehr in eine Drucksituation hinein, die Dich Dich selbst verlieren lässt!

    Hast Du schon mal darüber nachgedacht, Dir professionelle Hilfe zu suchen (und sie dann auch anzunehmen)?
    Da sind so viele Dinge ineinander verknotet, vielleicht auch welche, die jetzt gar nicht sichtbar sein müssen ...


    lg


    "Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
    (mongolisch)
    -----------------------------
    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
    (Immanuel Kant, 1724 - 1804)

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Darkstar für den sinnvollen Beitrag:

    Anna55 (13.05.2011)

  4. #3
    Puc
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    Standard

    Erst einmal vielen Dank für deine Antwort.

    Mit der Vermutung, das ich schon früh eine Rolle übernommen habe die eigentlich nicht meine ist, liegst du vollkommen richtig. Darüber bin ich mir auch bewusst. Diese Rolle jetzt aber abzugeben und zu sagen ich mach jetzt mein Ding das schafft ihr schon, ist für mich eigentlich unmöglich.
    Zu deiner Frage wie ich aus etwas wieder raus kommen möchte was ich mir selbst aufgebürdet habe, kann ich sagen das ich für mich die Möglichkeit des ignorierens entdeckt habe. Es ist zwar kein direktes herauskommen aus der Sache oder Problem lösen, aber ich denke eigentlich so gut wie nie dran, das ist heute einfach so zum Vorschein gekommen dadurch das ich diese Sache angesprochen habe.
    Mein schlechtes Gewissen kommt wegen vielerlei Sachen, zum einen wegen der Sache mit meiner Schwester und zum anderen auch weil ich so langsam diese "Durchzug Haltung" annehme. Sprich ich geh dann mal, dann muss ich nicht sehen was zuhause passiert.
    Im Grunde weiß ich das ich weder Schuld habe noch ein schlechtes Gewissen haben muss, denn solche Aufgaben können Teenager einfach nicht bewältigen.
    Aber ich fühle mich ein bisschen so als wenn mir ein rohes Ei in die Hand gedrückt wurde ich und ich sollte darauf aufpassen aber stattdessen habe ich es fallen lassen.
    Außerdem finde ich es aus irgendeinen Grund unfair wenn ich die Schuld nur meiner Muter geben würde.
    Und zu meiner Problemlösung: Ich weiß sehr wohl das ignorieren und stumpfes durch die Welt laufen alles andere als hilfreich sind ein Problem zu lösen. Aber ich glaube jeder kann nachvollziehn das es de leichteste Weg ist.

    Ich habe vorhin nochmal ruhig mit meiner Mutter gesprochen und ihr geraten vielleicht doch professionelle Hilfe anzunehmen damit sie ihre Rolle wieder übernehmen kann. Sie wird es versuchen sagte sie und sie hat mir versprochen sich zu ändern. Ich werde das erst glauben wenn es passiert. Weil ich so ähnliche Sachen schon oft gehört habe.
    Ich glaube professionelle Hilfe wäre nicht unbedingt was für mich ich habe bis jetzt immer alles mit mir selbst ausgemacht und das funktioniert ganz gut, ich würde mir nur blöd vorkommen wenn ich das jemanden erzählen müsste der dann aus mir ein Profil erstellt und mich analysiert. Außerdem ist dass das einzige Thema auf das ich überempfindlich reagiere und eigentlich nur weinen würde wenn ich erzählen müsste.

    Ich danke dir für deine Betrachtungsweise meines Problems das hat mir sehr geholfen das ganze nicht immer so verbissen auf meine Meinung zu sehen.

    Ich hoffe ich hab jede Frage mit einbezogen sag bescheid wenn was offen ist.

    lg Puc

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