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Thema: Fehlende Motivation auf Arbeit

  1. #1
    Neuling
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    Standard Fehlende Motivation auf Arbeit

    "Success is going from failure to failure - without the loss of enthusiasm"

    Hallo,

    ich bin der raspad und stelle mich kurz mal vor. 30 Jahre alt,
    Diplom-Psychologe. Wollte immer Job X machen. X ist an dieser
    Stelle ein sehr emotionaler Beruf, sowas was man als kleines
    Kind schon machen will. War schon 1 Jahr in der Ausbildung für
    X, ich habe aus medizinischen Gründen, Leistungsgründen und wohl aus
    Anpassungsgründen dort nicht geschafft. Ich denke die Gründe
    dafür können überwunden werden, alles andere käme einer
    Selbstaufgabe gleich - immerhin definiere ich mich darüber.
    Habe nach der Failure bei X versucht, X ganz sein zu lassen.
    Der Versuch ging über 2-3 Jahre. Habe es nicht geschafft.
    Mein Psychologiestudium hat mich angenervt, soviel Langeweile
    und gleichzeitig schlechte Noten. Habe es aber dann doch zuende
    gemacht, noch einmal wollte ich nicht versagen.

    Dann nach dem Studium erstmal 6 Monate arbeitslos. Hurra,
    Hartz4, Rechenschaft ablegen und sich wie der letzte Assi vorkommen.
    Ich wollte (und will) Geld verdienen. Geld für eine privat finanzierte
    Ausbildung für - Ihr ahnt es - X. Alle anderen Jobs sind für
    mich zweite Wahl. Ich wollte nie was anderes als X. Nicht im
    Büro versauern, nicht auf der Baustelle Steine von A nach B
    packen, nicht Tiere im Zoo füttern und auch nicht Leute mit
    ihren Macken behandeln.
    Jedenfalls kam ewig keine Einladung auf meine Bewerbungen.
    Bis zu dem Zeitpunkt, an dem aus einem 3.2er Diplom eine
    1.6 wurde. Photoshop machts möglich und ehrlich war es mir
    auch egal. Ich habe mich eh für was vollkommen neues beworben,
    was brauch ich da Psychologienoten. Wurde für ein Praktikum
    eingestellt, war halbwegs motiviert, habe den ganzen Tag irgendwelche
    Firmendaten im Excel hin und her geschoben und hatte halbwegs
    Freude an der Programmierung. Vielleicht kam die Freude daher,
    das ich 6 Monate vorher die Made war, vielleicht war es die
    Anerkennung meiner Arbeit, der Stolz dann doch nach wochenlangen
    Projekten ans Ziel gekommen zu sein... das gute Kantinenessen -
    ich weiß es nicht.
    Eines Tages eine Mail "alle die dieses Jahr eingestellt wurden, sollen
    als neue Companypolicy einen Backgroundcheck machen". Oha,
    die Vergangenheit holte mich wieder ein. Ich habe auf Zeit gespielt
    und bin letztendlich zur Persoabteilung gegangen und habe
    blank gezogen. Eine Stunde später saß ich auf der Straße. Großes
    Kino, Arbeitslosigkeit olé. Ich habe gut gearbeitet und keinen Mist
    verzapft, aber das mit dem Psychologieabschluss haben sie dann
    doch nicht verkraftet.
    Naja, mal wieder ganz von vorne anfangen. Hatte Glück.
    Irgendwo ohne Notenspiegel beworben, geht also auch.
    Habe den Job, 1500 netto, am Computer Angebote schreiben.
    1h Fahrzeit pro Weg. 8h Konzentration gefordert (fällt mir schwer).
    Komme abends um halb 8 heim, gehe aber auch früh ins Bett.
    Oder ich bleibe länger auf, kann mich nicht konzentrieren (ich
    vermute etwas ADHS hier), mache Fehler, meine Laune sinkt.
    Überhaupt ist der Job nur Vehikel, um X zu finanzieren. Das sollte
    meine Motivation sein. Ist es aber bisher nicht ausreichend,
    ich bin lustlos, genervt, finde es schade das mein Leben so
    an mir vorüberzieht.

    Gestern dann Aussprache mit meinem Vorgesetzten, 3 Monate
    rum. Liefere "gute" Ergebnisse, aber die fehlende Motivation
    macht sich bemerkbar. Okay, ich habe gesagt was mich motiviert,
    was mein Ziel ist. Aber letztlich ging es darum, das der Job
    Identifikation erfordert und eben intrinsische Motivation. Hat mich
    etwas vor den Kopf gestoßen, aber ist halt so.

    Nun sitz ich hier. Ich kann mir andere Jobs vorstellen, vielleicht auch
    einer der nicht so weit weg ist. Aber findet den mal. Ist sehr
    schwer. Weniger als 1500 netto will ich auch nicht, immerhin
    wird alles über 800 gespart und ich brauche mehrere zehntausend
    Euro.

    Ich denke "my best bet" wäre mich selbst für den Job zu motivieren.
    Nur ich weiß nicht, wie. Ich schaffe keine Werte, ist in meinen
    Augen sinnloser Kram. Selbstverwirklichung gibts kaum. Für jeden
    kleinen Sch***fehler werden mir die Ohren lang gezogen. Mein
    Chef ist soweit okay, etwas cholerisch aber sonst ganz netter Kerl.
    Kollegen sind auch okay. Nur bei denen sehe ich eben mehr Identifikation
    mit dem Job... ich weiß nicht wie... soll ich rumrennen und denken
    das ich ein neues Iphone brauche und mir sonst keine Gedanken
    machen, nur um dort zu "passen"? Ich wollte den Job für maximal
    6 Jahre machen... eine lange Zeit wie ich finde. Und mir kommt es
    vor, als müsste ich zum Gemüse werden um dort Erfolg zu haben.
    Oder mir einfach mal den Kopf waschen. Nur wie? Jetzt ein weiteres
    halbes Jahr Arbeitslosigkeit um sämtliche Pläne und Hoffnung aufzugeben
    und danach irgendeinen schlechter bezahlten Langweilerjob machen?

    Danke fürs lesen & nachdenken.

    r

  2. #2
    Neuling
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    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard

    Hallo Raspad,

    ich habe offen und ehrlich meine Gedanken aufgeschrieben und hoffe, dass sie dir nützlich sind.

    mein erster Eindruck von dir: du erscheinst mir sehr verbissen. Dein Leben dreht sich um X und um einen besserbezahlten Job. Du sagst, dein Psychologiestudium langweilte dich, dennoch hast du weitergemacht. Warum?

    Man könnte sagen, du wärst zielstrebig und würdest dich von keinem Hindernis von deinem Ziel abbringen lassen. Jedoch muss man nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip auch die Grenze ziehen.

    Es ist doch klar, dass du unglücklich bist, wenn du die Faktoren, welche dein Unglück bewirken (Psychologiestudium, Streben nach X) nicht ausschaltest, sondern dich an sie klammerst. Warum klammerst du dich an etwas, was total unsicher ist? Wenn mein Studium so mühevoll verlaufen würde, würde ich entweder wechseln oder dieses Studium so annehmen wie es ist und das Beste daraus machen. Außerdem würde ich mir einen Ausgleich schaffen (Hobbys, Freunde treffen, usw.).

    Wenn man etwas trotz aller Mühen nicht schafft, sollte man es erkennen und akzeptieren. Es gibt sicherlich genügend andere Sachen, die du locker schaffst.


    Liebe Grüße,
    Nassim

  3. #3
    Neuling
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    Moin,

    danke für Deine Antwort.
    Warum ich das Psychologiestudium weitermachte? Weil ich vorher schon bei manchen Dingen zu schnell aufgab. Ich kam mir vor wie ein Loser. Und die Ausbildung bei X hat ja auch nicht geklappt. Meine Eltern konnten und wollten kein weiteres Studium finanzieren. Half nur: durchbeißen oder unter der Brücke hausen.
    Warum ich sonst so verbissen bin.. das Leben ist eine einmalige Chance. Betonung auf "einmalige". Ich habe einen sehr konkreten Plan im Kopf. Ich weiß das ich es schaffen kann. Nur meine Methoden hinken. Beispiel Weihnachtsfeier der Firma:
    Ich war gerade drauf und dran zu gehen, immerhin hatte ich einen langen Heimweg. Auch schon bisschen einen im Tee. Madame Maria (alle Namen frei erfunden) arbeiten sonst in einer anderen Stadt, ist seit 7 Jahren dabei, identifiziert sich dementsprechend mit der Firma. Fragt mich, ob es so mein Traumjob ist. Was für eine Frage ist das?! Ich habe ihr gesagt das es nicht so ist, das ich lieber X machen möchte. Sie dann "also möchtest du bald gehen?". Meinte ich, dass ich den Job ein paar Jahre machen möchte, um Geld für X zu sparen. Wollte nicht, dass sie es in den falschen Hals bekommt, habe ihr das auch so gesagt.
    Jedenfalls vermute ich das genau das im Meeting mit meinem Chef wieder hochkam, mir fehle ja die Motivation. Warum kann ich nicht einfach mal ehrlich sein, ohne das es gegen mich ausgelegt wird?
    Ich weiß nicht, was sich andere Leute vormachen, oder wie sie sich mit einem Bürojob soweit identifizieren können, dass sie mit einem Lächeln arbeiten gehen. Ich kanns nicht. Ich habe X im Kopf, da könnte ich mit einem Lächeln arbeiten gehen. Das ist für mich Identifikation, das ist für mich Motivation. Bis dahin möchte ich halbwegs ordentlich meinen Job machen, was auch immer es ist. Aber dieses Heucheln von Interesse, dieses Vormachen eines allzu schmalen Horizontes, das nervt mich tierisch.

    Man lebt ja gern die Rollen weiter, die einem als Kind vorgegeben wurden. Mein Vater wollte auch X, aber nicht ernsthaft genug. Jedenfalls war er nie der Erfolgsmensch. Mal böse behauptet: ein Stürzer. Und ich sehe bei mir selbst die Tendenzen eben genau so ein Stürzer zu werden. Ich will es nicht. Muss ich deshalb aufhören nach den Sternen zu greifen? Ich möchte wirklich nur irgendwie soweit klarkommen das ich ein paar Jahre einen halbwegs soliden Job habe und dann ists gut. Diese "Identifikation" fehlt mir, na und, soll das jetzt der Genickbruch sein?
    Wie machen es denn andere Leute, wie motivieren die sich? Mit Iphones?
    Geändert von raspad (31.12.2011 um 18:03 Uhr)

  4. #4
    Neuling
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    Standard

    Ich bin in mich gegangen. Entweder es klappt, oder eben nicht. Das liegt
    nicht an mir, nur das ich eben kein Verkäufer bin und sein möchte.
    Wirkliche intrinsische Motivation für den Job abzuverlangen geht nicht,
    dann müsste ich mein Hirn gegen ein Brötchen austauschen lassen.

    Von daher... jede Woche eine Bewerbung und durchbeißen.

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