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Thema: Flasche Erwartungen an die Liebe?

  1. #1
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    Standard Flasche Erwartungen an die Liebe?

    Hallo miteinander,

    mich beschäftigt das Gefühglsleben meines Freundes nun schon seit über einem Jahr überdurchschnittlich. Er sagte mir im September vorigen Jahres, dass er mich nicht lieben würde. Seid dem hat mich das Thema Liebe nicht mehr losgelassen, ich habe Bücher von Peter Lauster studiert, sie sind meine Bibel. Wir sind immernoch zusammen - allerdings auf eine Art und Weise, die mich ziemlich unglücklich macht.

    Meines Freundes Erzählungen zu Folge ging er eine Stunde lang allein durch die Stadt, bevor er mir gestand, nichts für mich zu empfinden. Und das nach zwei Jahren. Damals kam er gerade von einem frisch verliebten Freund. Ich fragte ihn, ob ich trotzdem mit zu ihm fahren solle und er antwortete mit ja. Wir haben beide geweint - und sind zusammengeblieben. Es gab eine von mir ausgehende Pause und ich habe mich von ihm so ungeliebt gefühlt, dass ich etwas mit einem anderen hatte. Trotzdem blieben wir die besten Freunde, die wir auch vor und während unserer Beziehung waren - und auch körperlich blieb alles beim Alten.

    Nun ist es so, dass ich mich mit der Situation zurecht komme, denn wir wissen, dass wir uns gegenseitig wichtig sind. Wir verstehen uns wunderbar, wir wohnen so gut wie zusammen, schlafen jeden Tag in einem Bett. Wir fühlen uns zusammen wohl und sicher. Und trotzdem sagt er, er liebt mich nicht. Ich sagte ihm, dass die oben genannten Gefühle, also Ruhe und Sicherheit, die Liebe ausdrücken. Aber er würde das nicht als "Liebe" bezeichnen. Andererseits weis er selbst nicht, was er von der Liebe erwarten soll.

    Nun kommen noch erschwerend einige Faktoren hinzu: Wir habe weder gemeinsamen Freundeskreis, noch gemeinsame Hobbys. Wir sehen uns quasi nur im Alltagsleben, bei ihm in der Bude. Da meckert er über meine Macken und ich über seine, wir sind trotzdem zusammen und glücklich.
    Allerdings ist er nicht sehr zärtlich - die ganze Romantik hat die erste Freundin abfassen dürfen- ich glaube er hat es damals übertireben undich darf es nun ausbaden, in dem ich gar keine Romantik bekomme.

    Und genau aus diesem Grund, weil ich ihn mit Liebe überschütte und er mir nun Brotkrumen zuwirft, an denen ich mich festhalten kann (mal ein Arm um meine Schulter), hat er ein schlechtes Gewissen und hat Angst, meine Zeit zu verschwenden.

    Nun meine Frage: Wenn da keine Liebe wäre, würde er doch anders mit mir umgehen und mich doch zumindest nicht jede Nacht in seinem Bett schlafen lassen, oder?

    Wir kuscheln nur, wenn ich damit anfange. Sex hat für ihn nichts mit Liebe zu tun. Ich verzweifel langsam. Und habe Angst, dass er Recht hat und meine Zeit verschwendet. Ich bin 20 und sehe mich auch nicht mit ihm Kinder bekommen. Aber ich möchte auch nicht mein Leben damit verbringen, Angst vor der Zukunft zu haben, sondern im Augenblick glücklich zu sein! Mit der ständigen Befürchtung er könnte mich wirklich nicht lieben, ist das aber nicht so einfach.

    Ich hoffe ihr habt einen Rat für mich.

  2. #2
    Bestseller Autor Avatar von glasheuler
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    Standard Hallo Philia,

    wenn Du Peter Lausters Werk "Die Liebe" noch in Erinnerung hast wirst Du
    einsehen müssen was er uns dort näher bringen will : Liebe kann nur dort
    auf fruchtbaren Boden fallen wenn sie ohne äusseres Zutun geschenkt wird-
    ohne Kalkül-ohne wenn und aber. Sie jeden Tag aufs neue herbeisehnen wollen,
    bald zwanghaft entspricht nicht seiner Intention. Stets ist Liebe etwas freiwilliges, hat eine eigene Dynamik, jede Art von Zwang ist mit Liebe niemals
    vereinbar. Somit wärest Du gut beraten alle Gedankenspiele aussen vor zu lassen. Oft braucht Liebe auch viel Zeit um zu reifen.

    Sei erstmal froh darüber dass er Dir die Wahrheit sagt, geheuchelte Liebe (um evtl. ein Ziel zu verfolgen) würde Dich viel mehr verletzen als die jetzige Situation. Warte in Geduld ab, oft wendet sich alles zum Guten.


    Liebe Grüsse
    glasi
    Das Wort "Glück" würde seine Bedeutung verlieren hätte es nicht
    den Widerpart in der Traurigkeit.
    C.G.Jung

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    Philia (14.01.2011)

  4. #3
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    Hallo glasheuler
    und danke erstmal für die Antwort.

    Ich hoffe sehr, dass die Zeit alles richtet. Und "die Liebe" liegt aufgeschlagen neben mir. Die Lausterschen Ratschläge versuchte ich jetzt ein ganzes Jahr so gut es ging zu befolgen. Ich war auch glücklich damit. Nur wenn man dann darauf aufmerksam gemacht wird, dass dies ja Zeitverschwendung für mich sei und er mich nach wie vor nicht mehr liebe... ist da ein wenig zweifel nicht verständlich? Denn dieser Punkt macht mich unglücklich. In seiner Nähe denke ich nicht daran, aber wenn ich mich mit mir selbst befasse, zu Hause. Dann fällt mir auf, was alles schlecht ist. Und so ein Tag war heute wieder. Ich frage mich ob es Sinn macht. Und das obwohl ich Sinn nicht als Grundlage für die Richtigkeit von Taten sehe.

    Vielleicht noch zur Vorgeschichte: Seine Eltern trennten sich, als er so 7 war, hatten nen Rosenkrieg, er lernte seine Gefühle zu verstecken. Das musste er. Nach jeweils noch einem anderen Partner sind die Eltern dann wieder zusammengekommen. Das war kurz nachdem wir zusammenkamen.
    Und zu mir: Meine Eltern ließen sich scheiden als ich 12 war und mein stiefvater behandelt mich wie ein Stück *******. Ein Jahr bevor ich ausziehen konnte kam ich dann bei meinem Liebsten unter.

  5. #4
    Bestseller Autor Avatar von glasheuler
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    Standard Morgen Philia,

    ich glaube nicht dass Peter Lauster seine Gedanken als "Anleitung" für eine
    glückliche Liebe verstanden wissen möchte, viel mehr sind es Inspirationen
    die in eigenes Leben einfliessen können.
    Eure Eltern haben diesbezüglich ein Schicksal (?) erleben müssen dass keineswegs mit dem von Euch beiden Paralellen haben muss. Besser wäre
    es gedanklich und auf der Gefühlsebene damit abzuschliessen.

    Lausters Buch "Wege zur Gelassenheit" könnte Dir auf dem Weg dorthin eine
    grosse Stütze sein.


    Liebe Grüsse
    glasi
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    C.G.Jung

  6. #5
    Verleger Avatar von Natz
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    Ich sehe das etwas anders. Ich glaube nicht, dass sich an diesem Zustand noch viel ändert und möglicherweise vertust Du da nur Deine Zeit. Das er mit Dir in einem Bett schläft, kann-wie Du auch schon erahnt hast-einfach Bequemlichket und Sicherheit sein. Wenn allein Sicherheit für Deine Definition Liebe bedeutet, muss er für einen anderen noch lange nicht so sein. Ich denke auch nicht, dass es eine Patentbeschreibung für Liebe gibt. Für den Einen ist es so, der Andere empfindet es wieder ganz anders. Es gibt null Garantie, wie es sich entwicklen wird. Allerdings muss Dir auch klar sein, dass hier Stillstand der Tod bedeuten kann. Er hats gemütlich und muss auch nichts tun, da Du ja jeden Krumen aufschnappst. Würdest Du vll. mal eine Kosequenz ziehen, würde sich vielleicht was ändern. So kaum-wieso sollte er. Ich weis, das ist leicht gesagt aber zu denken, "das richtet sich von allein" und das vielleicht noch in 20 Jahren zu denken, wird nur dazu führen, dass Du weiter bettelnd nach Krumen an seinem Bein hängst.
    Lausters Buch "Wege zur Gelassenheit" könnte Dir auf dem Weg dorthin eine
    grosse Stütze sein.
    Warum sollte sie sich mit der Sitauation mit 20 Jahren abfinden und stagnieren???
    Vll. wäre es sinnvoller, mal andere Bücher zu lesen und zu hinterfragen, wieso sie sich an so einen Typen klammert.
    Geändert von Natz (14.01.2011 um 09:50 Uhr)
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Natz für den sinnvollen Beitrag:

    Philia (14.01.2011)

  8. #6
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    Vielen, vielen Dank für eure Antworten! Ich bin erstaunt, dass ich hier wirklich so viel Hilfe bekomme.

    Wie Lauster alles meint, ist mir schon klar. Ich habe einfach nur versucht, meine Schlüsse daraus zu ziehen. Ich suchte nach einer Definition für die Liebe. Aber ja, dafür gibt es keine Patentlösung. Ich wundere mich grad über meine eigenen Scheuklappen.

    Das Schicksal der Eltern MUSS natürlich keinen Einfluss darauf haben. Ich glaube aber, dass es das durchaus kann. Und ich sehe Parallelen. Denn mein Freund hat irgendwie auf eine ziemlich komplizierte Weise die Rolle der Vaterfigur übernommen, war immer für mich da und hat mich mit offenen Armen empfangen und mir geholfen und mich aufs Leben vorbereitet. Deswegen klammer ich mich wahrscheinlich so an ihn.

    Das einzige, was ich weiß, ist eben, dass es mir jetzt gerade mit dieser Situation beschissen geht. Ich unterwerfe mich völlig, aus Angst vor Zurückweisung und das widerstrebt mir gleichzeitig unglaublich. Und es macht mich fertig. Trotzdem ist mir die Person auch als Mensch unglaublich wichtig.

    Ich glaube inzwischen, dass nurnoch ein Gespräch diese Spannung lösen kann. Vielleicht indem man sich auf 100prozentige Ehrlichkeit einigt? Gefühle äußert? Doch dann ist es wieder so gezwungen und ich seh ein, dass Liebe flüchtet, wenn man sie einsperrt.

    Er weiß jetzt, dass es mir schlecht geht und wir reden heute abend darüber. Ehrlich gesagt glaub ich kaum, dass sich danach viel ändern wird. Was soll ich denn für eine Konsequenz ziehen? Eine Konsequenz ziehen, das würde wieder bedeuten, den Kopf entscheiden zu lassen. Ich weiß aber jetzt schon, dass ich nicht gehen werden will, nachdem wir geredet haben. Das Gespräch wird auch nicht im Streit enden. Wir sind ja irgendwie beide darauf bedacht, irgendwie beieinander bleiben zu können. Sollte ich ihn vielleicht nochmal vor die Wahl stellen und auf sein Gewissen zurückverweisen? Eigentlich ist er nicht der Typ Mensch, der einen aus Bequemlichkeit ausnutzt. Im Gegenteil. Doch vor die Wahl stellen wird nicht bringen. Deswegen wird sich an seinen Gefühlen nichts ändern.

    Am meisten verunsichert mcih der Fakt, dass ich wahrscheinlich nur ich selbst bin, sobald ich mit mir allein bin. Nur dann kommen meine innersten Gefühle hoch. Dass ich im Alltagsleben eine Maske aufhabe, ist mir durchaus bewusst. Ich dachte aber immer, bei ihm wäre die Maske unten. Ist es nun Liebe, die mich in seiner Anwesenheit alles vergessen lässt oder ist es die Maske, die die Gefühle einfach verdrängt?

  9. #7
    Verleger Avatar von Natz
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    Vll ist es auch eher Abhängigkeit. Wie war denn das Verhältnis zu Deinem Vater, dass Du jetzt in ihm die Rolle suchst? Wenn Du Dir darüber im Klaren bist, kannst Du die Sache vll. auch mit mehr Abstand sehen.
    Ich spreche da aus Erfahrung, ich habe auch so einen bevaternden Freund, der auch immer da ist und das schätze ich auch. Aber die Frage ist eben: ist das Liebe oder einfach eine tiefe Zuneigung mit einem Schuss Abhängigkeit Was seine Gefühle angeht, damit muss er sich auseinander setzen. Wichtig ist, dass Du Deine Mal unter die Lupe nimmst.
    LG, Natz




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  10. #8
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    Japp, das versuche ich schon seit ner ganzen Weile.

    Also zu meinem Vaterproblem: Ich kenne meinen leiblichen Vater als allein im Schlafzimmer sitzenden Biertrinker. Als ich klein war, wollte ich immer mit ihm spielen und hab ihn solange genervt, bis er böse wurde. Einmal "prügelte" er mich mit einem Kleiderbügel aus dem Schlafzimmer - das empfand ich aber als nicht sehr schlimm, da auch meine Mutter nichts dagegen unternahm. (Hang zum Masochismus??)

    Dann kam die Scheidung, ich redete mir ein, es wäre mir egal. Dann kam der Stiefvater. Wie gesagt, für ihn war ich ein Stück Dreck. Ich hab die Schule geschwänzt, wollte mich umbringen (aus Liebe zu meinem damaligen Freund ist dies nicht passiert) und hab irgendwann meinem Stiefvater das Handy geklaut und bin in den Zug gestiegen. Hab meinen 12 Jahre älteren Bruder angerufen und bin kurz bei ihm untergekommen. Nachmittags fuhr ich aber immer heim, damit sich meine Mutter keine Sorgen machte. Mein Bruder spielt glaube ich eine wichtige Rolle (denn Liebling sieht im sehr, sehr ähnlich). Auch jetzt gerade haben wir auch viel Kontakt. Damals war er der letzte Ausweg gewesen.

    Das nächste, was ich noch weiß, ist, dass ich dann für ein halbes Jahr bei meiner Oma gewohnt habe. Da war alles toll. Danach ging es dann zurück zu Mama und Stiefvater (Dass ich ihn hasse ist denke ich klar...). Dort ging es dann immernoch nicht besser, aber ich hatte mich bei Oma erholt und neues Selbstbewusstsein gefasst. Dann kamen auch die sozialen Beziehungen wieder und ich konnte mich immer mit relativ langen Liebesbeziehungen über Wasser halten.

    Und dann kam er. Er tröstete mich bei meiner Trennung, kurz darauf ich ihn bei seiner. Wir wurden beste Freunde. Zu Hause ging jeden Tag etwas schief und ich fand mich eben irgendwann jeden Abend bei ihm wieder. Bis ich von seinem Vater den Schlüssel für das Haus bekam. Vor einem Jahr sind wir dann beide ausgezogen. Ich war nichtmehr abhängig von ihm und dafurch änderte sich natürlich etwas. Er konnte wegen der Katzenallergie immer noch nicht zu mir kommen und so war ich eben wieder jeden Tag bei ihm... Ja und der Rest steht schon da.


    Außer der Verbindung zwischen Freund und Bruder finde ich da nicht viel... vielleicht siehst du da mehr?

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