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Thema: Flucht vor mir selbst

  1. #1
    Neuling
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    Standard Flucht vor mir selbst

    Mit meiner Selbstdisziplin steht es nicht zum Besten... ich lerne kaum bis gar nicht für Prüfungen und zögere Prüfungsvorbereitungen und Arbeiten ständig hinaus. Wenn es dann nicht mehr anders geht, erledige ich die Dinge in Höchstgeschwindigkeit und komme damit auch durch - aber bringe keine Spitzenleistung.

    Mein Verhalten ist insofern irrational, als dass ich mich eigentlich stets in irgendwelche Lernmaterie flüchte!
    Wenn ich Ökonomik lernen sollte, lerne ich Chinesisch - wenn ich Chinesisch lernen muss, lese ich Philosophie. Ich verbringe Stunden täglich auf Wikipedia oder auf irgendwelchen Info-Websites mit Recherchen über Themen jedwelcher Art, sodass ich ein sehr breites Allgemeinwissen habe. Das Problem ist: an Prüfungen wird für eine gute Note oft einfach "lernmaterie" verlangt, für die man ein paar Stunden pauken sollte und die man drei Tage darauf wieder vergisst.

    Ich weiss, dass ich mein Potential nutzen solte, um gute Noten zu schreiben - aber sobald ich mich zwingen möchte, dies zu tun, besiegt mich einfach mein innerer Schweinehund und ich vertiefe mich in etwas anderes.
    Wie kann ich diese Problematik in den Griff bekommen und lernen, mich auf das zu fokussieren, auf das ich mich fokussieren sollte - auch wenn es mir im Moment keinen Spass macht? Gibt es eine Möglichkeit, mir anzutainieren, dass mir das, was ich tun sollte, Spass macht?
    Ich sehe mich selber als Kind, das mit einer Trotzrekation auf Pflichten reagiert und so seine Ziele nicht erreichen kann - und das schon seit meiner Kindheit. Das Kind in mir ist trotzig wie ein 5-Jähriger, sodass der Erwachsene in mir es kaum in den Griff bekommt - ein extrem frustrierendes Gefühl.

  2. #2
    Gast784
    Gast

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    Hallo Etchi,

    Als Erwachsener die Trotzphase eines 5jährigen zu pflegen, das muss einem erstmal möglich gemacht werden. d.h. Du scheinst es nicht unbedingt zu brauchen, mal Geld zu verdienen und ein eigenes, selbstbestimmtest Leben zu führen? Kann ich davon ausgehen, dass Du auch noch von den Eltern oder wem auch immer, sonst alles abgenommen kriegst?

    Warum muss alles Spaß machen? Mit dem Anspruch sind wir jetzt in der Pupertät. Da steckt ein Teil von Dir anscheinend auch noch drin.

    Es ist alleine Deine Motivation, ob Du nun für Prüfungen lernst oder nicht. Und eine Motivation schöpft sich aus den Zielen, Träumen, Wünschen, Sehnsüchten, die wir haben. Ich interessiere mich für einen bestimmten Beruf, also beiß ich dafür auch die Zähne zusammen und halte auch Stoff und Stress durch, der mir jetzt nicht gefällt. Ich will in einem bestimmten Bereich arbeiten, oder ich freue mich auf einen gut bezahlten, krisenfesten oder auch nur abenteuerlichen und abwechslungsreichen Job, also klemm ich die Ärschlesbacken zusammen und ziehe die absehbare Zeit durch.

    Dann muss ich mir nicht noch was schönreden und einen auf Spaß machen usw. Ich freue mich auf das Leben nach dem Stress und nach dem elterlichen Bedüddelt werden und schau, dass mir nix dazwischen kommt. Kein Chinesisch, keine Tante Wiki. Dafür hab ich mein ganzes Leben dann noch Zeit, wenn ich ne solide Grundlage gelegt hab.

    Das ist jetzt wahrscheinlich nicht die Antwort, die Du hören wolltest. Aber manchmal sind die Dinge einfacher, als es uns lieb ist.

    PS: Wie man sich und seinen Alltag strukturieren kann, dafür gibts viel Literatur und auch Kurse.
    Geändert von Gast784 (04.02.2011 um 05:37 Uhr)

  3. #3
    Neuling
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    Als Erwachsener die Trotzphase eines 5jährigen zu pflegen, das muss einem erstmal möglich gemacht werden. d.h. Du scheinst es nicht unbedingt zu brauchen, mal Geld zu verdienen und ein eigenes, selbstbestimmtest Leben zu führen? Kann ich davon ausgehen, dass Du auch noch von den Eltern oder wem auch immer, sonst alles abgenommen kriegst?
    Nein, das Gegenteil ist der Fall: ich betreibe bereits zwei (kleine) Unternehmen, sodass ich seit etwa einem Jahr vollkommen finanziell unabhängig von meinen Eltern bin, und lebe bereits seit ich 16 bin nicht mehr bei meinen Eltern.
    Das trotzige Verhalten äussere ich auch nie gegen Aussen - mein Umfeld nimmt mich stets als reife, verantwortungsbewusste Persönlichkeit wahr. Nur innerlich rebelliert dieses trotzige Ich (nennen wir es in Anlehnung an die Freudsche Terminologie "Es") ziemlich stark gegen mein Über-Ich, sobald es unter Zeitdruck gesetzt wird. Erst wenn es schon fast zu spät ist und es nicht mehr anders geht, gewinnt mein Über-Ich wieder die Überhand und die notwendige Arbeit wird erledigt.

    Das ist sowohl im Studium als auch im unternehmerischen Kontext ein grosses Problem. Wenn ich im Geschäftsleben nicht damit klarkomme und wieder einmal einen Durchhänger habe, schau' ich aber einfach, dass einer meiner Assistenten die Sache erledigt und kontrolliere, ob sie gut gemacht wurde. Bis jetzt liess ich noch nie einen Kunden hängen.
    Aber das geht im Studium natürlich nicht.

    Es stimmt aber, dass ich das Studium nicht unbedingt brauche, um Geld zu verdienen - ich studiere, weil es mir eben Spass macht, die Welt besser zu verstehen. Nur kann ich das Ziel, die Welt besser zu verstehen, nicht mit dem Ziel, besser in den Prüfungen abzuschneiden, vereinen.

    Die Motivation für gute Noten war für mich eigentlich bis jetzt die Überzeugung, dass ich das, was ich tue, richtig tun sollte und das reine Interesse, die Konzepte im Detail zu verstehen. Mein Traum ist, in den nächsten paar Jahren auf meinem Gebiet auch Forschung zu betreiben - und das bedeutet, dass ich gute Noten haben muss.
    Dabei setze ich mich unter extremen Druck, sodass ich vor den Prüfungen jeweils sehr gestresst bin und entsprechend eine Gegenreaktion provoziere, über die ich mich dann jeweils im Nachhinein ärgere - und mich das nächste Mal noch stärker unter Druck setze.

    Die Frage ist jetzt aber - wie kann ich verhindern, dass es zu dieser Trotzreaktion (und damit Negativspirale) kommt und ich vor der Welt flüchte?

    PS: Wie man sich und seinen Alltag strukturieren kann, dafür gibts viel Literatur und auch Kurse.
    Ich hatte bereits ein halbes Jahr Coaching in dem Bereich, aber das konnte mein Problem in diesem spezifischen Feld auch nicht lösen.
    Welche Literatur würdest Du mir dann empfehlen?

  4. #4
    Gast784
    Gast

    Standard

    Ich hatte bereits ein halbes Jahr Coaching in dem Bereich, aber das konnte mein Problem in diesem spezifischen Feld auch nicht lösen.
    Welche Literatur würdest Du mir dann empfehlen
    keine spezielle. Wenn Du das Problem mit Coaching nicht in den Griff gekriegt hast, kann es auch sein, dass das Problem eben doch tiefer und woanders liegt.

    Ich kann Dir nur schreiben, was von Deinem Post auf mich rüber kommt. Ich weiss nicht, ob Du was damit anfangen kannst. Auf mich wirkst Du sehr selbstverliebt, vll aber auch narzisstisch und es schwingt auch was mit, dass Du der Welt gegenüber mit einer gewissen Arroganz begnest. Du kleidest Dein Problem gern in psychologische "Terminologien"), was mir aber eher wie schönreden oder Ausweichen vorkommt, anstatt die Dinge einfach beim Namen zu nennen.

    Du stellst Dich gern als sehr interelligent, erfolgreich und wissbegierig dar, was ja auch alles bestimmt so ist, aber vll fehlt Dir auch etwas Bodenständigkeit. Denn wie Du selbst merkst - eine gewisse Trotzigkeit hast du trotz Deiner Genialität nicht überwunden. Vll auch deswegen.

    Was da hilft? Wenn jemand sehr abgehoben und sehr verkopft rüberkommt, dann hab ich oft das Bild, dass es gut wäre, sich mal in der Freizeit zum Ausgleich mit dem Gegenpol zu beschäftigen, um sich zu erden und in sich als ganzer Mensch zu landen. Egal, ob Gartenarbeit, oder sonst was mit den Handen zu arbeiten, oder körperliche Anstrengung in der Natur, Bewegung über Stunden, um in eine art trance zu kommen, in ein anderes Zeitgefühl und vor allem, weg vom Leistungsdenken. Solche Sachen eben. Je banaler und schlichter, je mehr gegenwärtige Präsenz gefordert ist, um so besser.
    Weniger ist oft mehr.

  5. #5
    Schreiberling
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    Idee

    Mit dem ersten Thread kann ich mich sehr gut identifizieren.

    1. Ich habe die Internetseitenplage zum Teil in den Griff bekommen, indem ich bestimmte Seiten gesperrt habe. Leider schaue ich in meine Emails beispielsweise 2 mal pro Tag und bin genervt, wenn ich Seiten schnell wieder entsperren muss. Ich bräuchte vielleicht auch einmal einen Timer dafür. Falls du Windows hast, geht der Kalender auch als Uhr.
    Hast du momentan ein schlechtes Zeitgefühl? Dann stell dir auf jeden Fall immer einen Wecker!

    2. Literatur und Ratgeber-Zeugs helfen dir nur, wenn du dich an Pläne halten kannst oder sehr unterwürfig bist. Du lässt dir quasi Befehle von einem Text geben. Ich habe verschiedene eigene Pläne ausprobiert, aber mir fehlt die Ausdauer und eine Person, die mich dabei unterstützt.
    Kann dich jemand kontrollieren? Wie viele Aufgaben hast du pro Tag? Sind diese nach Prioritäten geordnet?

    3. Ja, das Allgemeinwissen kann man komischerweise fast nie gebrauchen. Ich habe überlegt, ob ich einen Blog schreiben sollte, da mir gute Recherche sehr wichtig ist und ich dann gezwungen wäre, mich mit den Dingen zu beschäftigen, bevor ich sie hochlade. Dann gäbe es nämlich wieder Druck von außen und das hilft manchmal bei Aufschieben.
    Wie könntest du weiterhin Druck von außen bekommen? Wieso gibst du Arbeit an deine Assistenten ab? Was ist der Nachteil bei viel allgemeinwissen?

    4. Warum beschäftigst du dich lieber mit Dingen, die nicht wichtig sind? Ist es sinnvoll, ewig an etwas festzuhalten? Bist du generell chaotisch? Hast du genug Hobbies, die dich auspowern?
    Kannst du besser denken und planen, wenn es kurz vor 12 ist? Dann kannst du auch nicht viel ändern.

    再见 ^^

  6. #6
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    Hi,

    @Gabi: Sorry für meinen etwas zu ausführlichen Beschrieb meiner Situation - ich wollte nur Deine im ersten Post geäusserten Bedenken zerstreuen und dachte nicht daran, dass man meine Aussagen je nach Perspektive durchaus auch arrogant oder gar narzisstisch auffassen kann.

    Grundsätzlich denke ich eher, dass ein Auslöser meines Problems mangelnde Selbstsicherheit sein könnte, sodass ich zu sehr nach Perfektion streben will und am Ende mich davor fürchte, überhaupt anzufangen, bis es dann wirklich drängt.

    Die Idee mit der Bewegung ist aber sehr gut - ich bin tatsächlich nur noch selten ans Sonnenlicht gekommen und wohl etwas aus dem Gleichgewicht...


    @Fernsehturm:
    Zu 1.: Naja, wenn das Internet nicht zu Verfügung steht, vertiefe ich mich eben in irgendwelche Bücher...
    Das Problem besteht eher darin, dass ich die natürliche Tendenz habe, Wissen passiv anzueignen (=lesen, verstehen) anstatt mich auf die Prüfung vorzubereiten (üben). Und eben, dass ich mich vor der Realität flüchte und, um dem Druck zu entkommen, mich mit einem Thema auseinandersetze, das garnicht für die Prüfung relevant ist.

    Zu 3.: Allgemeinwissen konnte ich bisher gerade bei Tätigkeiten im Finanzwesen (Portfolioverwlatung) schon gut gebrauchen - besser jedenfalls als die unsäglichen Chartanalysen, die bei der heutigen Marktlage reine Teesatzleserei sind. Aber das ist auch das einzige Teilgebiet und ich brauchte das nur während einem Praktikum...
    Sonst ist das Allgemeinwissen tatsächlich eher nutzlos - besonders da es die Zeit konsumiert, in welcher ich tiefergehende Analysemethoden erlernen könnte.

    Zu 4.: Ich denke, dass ich mich mit Unwichtigem auseinandersetze, da ich es hasse, unter Druck gesetzt zu werden - und eine Deadline ist für mich Druck. Dieser "innerliche Trotz" ist wohl so etwas wie ein Fluchtreflex - doch was kann ich dagegen tun?
    Ich war früher sehr chaotisch, habe das aber inzwischen in den Griff bekommen; ich brauche ein aufgeräumtes Umfeld, um den Überblick bewahren zu können, sonst geht vieles verloren...

    Meine Hobbys sind eigentlich alle Denk-Sachen, Sport trieb ich nur jeweils einmal pro Woche und die Musik musste ich aus Zeitgründen auch aufgeben. Wie bereits Gabi bemerkt hatte, sollte ich nicht nur mit "Hirn", sondern auch mit "Hand und Herz" tätig werden.

  7. #7
    Schreiberling
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    Was würde passieren, wenn du mit dem Studium aufhören würdest?

  8. #8
    Neuling
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    Was würde passieren, wenn du mit dem Studium aufhören würdest?
    Ich würde meine derzeitige Lebensaufgabe aufgeben und mich zu Hause langweilen. Das Studium macht mir eigentlich Spass, mein Studienfach fasziniert mich und ich kann mir nicht vorstellen, mein Leben nur noch auf das Geld oder die Freizeit auszurichten - das wäre so frustrierend.

    Mein Problem besteht auch eher darin, dass ich eine riesen Abneigung gegen Deadlines habe, die mich förmlich paralysiert! Ich lerne nicht auf die Prüfungen, weil ich lernen muss. Dabei interessiert mich die Materie eigentlich.

    Einmal hatte ich eine Prüfung über Film-Theorie, einen compulsory course. Unter dem Semster habe ich viel gearbeitet und kannte die theoretischen Konzepte gut - ich hätte nur noch die Filme schauen müssen als Prüfungsvorbereitung. Das "müssen" war jedoch so ein Problem für mich, dass ich das Filmeschauen herausgezögert habe und schliesslich nur kurz durch die Filme zappte. So fehlte mir das notwendige Detailwissen und ich schrieb nur eine durchschnittliche Note, obwohl ich weitaus besser hätte abschneiden können (und wollen).

    Genau dieses Verhalten ist für mich so unlogisch und inakzeptabel. Filme schauen macht mir doch sonst Spass, das ist doch wirklich nichts anstrengendes oder schlimmes - aber nur weil ich "muss", machte ich es nicht und zögerte es hinaus!
    Das mag ziemlich dumm, vielleicht sogar lächerlich klingen... aber für mich ist das extrem frustrierend.
    Wie kann ich lernen, trotz einer Deadline in einen Flow-Zustand zu kommen? Wie kann ich mich besser unter Kontrolle halten? Woher kommt so ein Verhaltensmuster überhaupt?

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