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Thema: Fokussierung auf Lidschlag ( gibt es auch auf Atmung und andere Körperfunktionen)

  1. #1
    Neuling
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    Standard Fokussierung auf Lidschlag ( gibt es auch auf Atmung und andere Körperfunktionen)

    Hallo

    Da mein Leidensdruck so hoch ist, habe ich mich entschieden, diesen Weg zu gehen.
    Ich bin 44 Jahre alt und selbständiger Musiker und Lehrer.
    Mein Problem ist, dass mir ständig von morgens bis abends mit wenigen Ausnahmen mein Lidschlag bewusst ist.
    Ich versuche im folgenden zu schildern, wie es dazu gekommen ist:

    Ich habe als ca. zwanzigjähriger während einer Zugfahrt zu meiner Ausbildung zum Kaufmann ( die ganz schrecklich für mich war und eigentlich nur von meinen Eltern gewollt war) "zufällig" an meinen Lidschlag gedacht.
    Da ich gerade über eine Brücke fuhr, stellte ich eine Verknüpfung her.
    Am nächsten Morgen, als ich wieder über diese Brücke fuhr, musste ich sofort wieder an meinen Lidschlag denken und ich spürte einen Anfall von Panik in mir aufkommen, weil ich diese Verknüpfung als Bedrohung ansah, da ich schließlich täglich über diese Brücke fahren musste, und der Gedanke täglich an diesen vermaledeiten Lidschlag erinnert zu werden, unerträglich war.
    Die Ausbildung war kurz darauf beendet, so dass ich diesem Anker nicht mehr ausgesetzt war.

    Wenige Jahre später hatte ich wieder "rein zufällig" diesen Gedanken an meinen Wimpernschlag während ich ein für mich wichtiges Notenbuch in der Hand hielt und zack - ein neuer Anker hatte sich gesetzt.
    Jetzt bekam ich richtig Panik und musste ungefähr eine Woche ununterbrochen an mein Blinzeln denken. Leider habe ich da den Fehler gemacht, mir nicht konsequent therapeutisch helfen zu lassen, sonder ich habe alles mit mir selbst ausgemacht. Ich war ja froh, wenn ich mit diesem Problem gerade nicht konfrontiert war.
    Um die Geschichte ein wenig abzukürzen:
    In den folgenden Jahren hat mein Unterbewusstsein mit mir Katz und Maus gespielt und ein immer perfideres System entwickelt, mich mit irgendwelchen Ankern zu konfrontieren, so dass ich immer wieder an meinen Tik erinnert wurde. Diese Anker waren natürlich so gewählt, dass sie möglichst auffällig waren und mir möglich oft über den Weg liefen.

    Über die Jahre gab es längere und kürzere Perioden, an denen ich von der Fixierung befreit war. Aber das Damoklesschwert hing ständig über mir und konnte in jedem Moment runter schnellen.
    Ich entwickelte Anker-Vermeidungsstrategien, um nicht konfrontiert zu werden. Das hat seine Blüten soweit getrieben, dass ich mit meiner Familie nicht in einer Ferienwohnung Urlaub machen konnte, wenn ich im Internet ein Foto von der Wohnung sah, und ein rotes Sofa in dieser stand, da nur die Farbe rot schon ein potenzieller Anker war. Oder ich verweigerte meinem Sohn ein rotes Auto zu kaufen, weil ich mir kein Anker nach Hause holen wollte.
    Überhaupt war Urlaub immer ganz schlimm, da ich ja Zeit hatte nachzudenken und einfach mal entspannt Freude haben; nein das konnte mein Unterbewusstsein nicht zulassen.
    Ich hatte mich in den letzten Jahren irgendwie mit meinem Tik arrangiert, da es kam aber auch immer wieder ging.
    Aber nun kam der Morgen des 3. Oktobers. Eine unserer Katzen weckte mich morgens um 6 Uhr 30. Ich lag wach im Bett. Das Wetter war toll. Wir hatten alle frei. Wir wollten eine Radtour machen und den Tag genießen. Genießen? Moment, das kann doch nicht sein.

    Also ging im Bett die Ankertombola los, wie ich es nenne, und die dreht sich solange, bis ein netter Anker rausspringt; und so war es auch.
    Es war etwas, mit dem ich mich täglich intensiv beschäftige. Ich bekam eine innere Panik und von dem Moment an bis heute hat sich diese Fixierung wie ein Dämon in meinem Kopf festgefressen, und ich habe das Gefühl, ich kann nichts dagegen tun.
    Ich habe schon ein paar Hypnose-Sitzungen gemacht- hat noch nichts gebracht.
    Ich arbeite mit Selbssuggestionen- hat noch nichts gebracht.
    Auf eine Gesprächstherapie muss man zur Zeit ein halbes bis dreiviertel Jahr warten.
    Ich kann mir aber auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein einwöchiger Gesprächstermin irgendwas ändert.
    Pharmazeutische Produkte möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nehmen. Heilpraktiker konnten mir bis jetzt auch nicht helfen.

    Ich bin ein lebensfroher Mensch, aber akut habe ich eine Endzeit-Stimmung, da ich mit diesem Bewusstsein nicht noch Jahrzehnte leben kann oder möchte. Es gab Momente, in denen ich stundenlang weinte, weil ich komplett überfordert bin mit meiner Situation.
    Ich bin kaum arbeitsfähig .
    Aber ich habe eine Verantwortung und muss für Frau und Kind da sein.
    Ich würde mich sehr freuen über viel Feedbacks von Leidensgenossen oder Professionellen, die vielleicht den entscheidenden Tip haben.
    Da ich möchte, dass mein Text viele erreicht, werde ich unter diesem Text einige Schlagwörter ( auch Atmung oder ähnliches) plazieren, damit die Googlequote höher ist.

    Vielen Dank fürs Lesen und viele Grüße




    Denke immer an Blinzeln Zwinkern Lidschlag Lidschluss Wimpernschlag
    Mir ist ständig mein Blinzeln Lidschlag Wimpernschlag bewusst
    Muss immer an Atmung Schlucken denken
    Zwang Fixierung Fokussierung auf Körperfunktion

  2. #2
    Neuling
    Themenstarter

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    Standard

    Hallo
    Bin sehr enttäuscht, dass innerhalb eines Monats nach meinem Seelenstriptease nicht eine einzige Antwort kam.

    Kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es in so einem Forum wie diesem mehr um das voyeuristische Element geht, denn um einen authentischen Austausch.
    Mir geht es sehr schlecht. Komme morgen für 4 Wochen in die akute Krisenintervention einer Klinik. Aber wen interessiert es schon.


    Frohe Weihnachten
    Geändert von soulful guy (19.12.2011 um 23:34 Uhr)

  3. #3
    Erwin
    Gast

    Standard

    Ich denke die fehlenden Antworten sind eher auf Ratlosigkeit zurückzuführen.

    Das folgende ist eine Selbsthilfeanleitung.

    http://www.uke.de/kliniken/psychiatr...ltung_2009.pdf

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Erwin für den sinnvollen Beitrag:

    soulful guy (19.12.2011)

  5. #4
    Erwin
    Gast

    Standard

    Ich kann Dir übrigens sagen, daß die Beschreibung auf mich äußerst beängstigend gewirkt hat und ich noch lange darüber nachgedacht habe. Ich hab den Abend, und den nächsten Tag Deinen Zustand selbst gehabt, immer auf meinen Augenschlag geachtet und mich dabei unbehaglich gefühlt. (Später nicht mehr.)

    Und ich hab mich ernsthaft gefragt, wie es sein kann, daß man wütend ist auf sich, so seinen Augenschlag zu spüren, wie das stören kann.

    Ich habe mich dann jedesmal, als ich so an meine Augen dachte, mir gesagt, ok, jetzt denkst Du also auch dran, wie in diesem Bericht, ok, gut. Und bin dann ganz bewußt bei meinen Augen geblieben und hab gespürt wie gern ich sie hab.

    Wie gesagt ich habe mich gefragt, wieso einen das stören kann, ich habe mich gewundert, weil ich z.B. Übungen kenne bei denen man ganz bewußt die Aufmerksamkeit auf alle Körperteile lenkt, im Liegen, und das genießt. Es ist als ob Dein Beitrag die perfekte Anleitung transportiert, die gesamte Denkstruktur, so etwas zu haben. Wie eine Wut, eine Rastlosigkeit, ein Selbsthaß, stelle ich mir da vor. (Ich habe auch Selbsthaß, nur daß der sich anders ausdrückt.)

    Es liegt eine gewisse Hilflosigkeit darin jemandem etwas zu raten der 40 Jahre das Problem hatte, aber hast Du jemals ganz bewußt nicht versucht den Gedanken wegzudrängen sondern immer wenn er kommt, Dich ihm ergeben, und Dir Zeit für Dich genommen, es bewußt hingenommen.

    Aber wahrscheinlich denkst Du das alles ganz anders.

    Wie gesagt, es hat mich betroffen gemacht und beängstigt.

  6. #5
    Neuling
    Themenstarter

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    Standard

    Wenn auch verspätet lieber Erwin danke für deinen netten Beitrag.

    Ich war ein paar Wochen in einer Psychosomatischen Klinik. Ich war für diese Zeit fast komplett von meiner Fokussierung befreit. Tja und dann kam ich nach Hause und nach ein paar Wochen geht´s mir fast wieder wie vorher. Nehme an, dass ich dort im Krankenhaus einfach komplett abgelenkt war mit anderen Menschen und einer anderer Lebenssituation.
    Jetzt bin ich wieder im Alltag und hab mir wieder einen einzigen Anker-Wald gebildet, sodass ich das Gefühl habe, die Schlinge zieht sich immer weiter zu. Ich weiss echt nicht mehr weiter. Ich kann mich doch nicht mein ganzes Leben so einem Stress aus setzen, nur damit ich genug abgelenkt bin und nicht mehr auf diesen vermaledeiten Lidschlag achte.
    Selbst meine Arbeit reicht meistens zur Ablenkung nicht mehr aus. Ich zerbreche daran bald.

    Ich bitte um Eure Hilfe, was ich noch tun kann.

    Grüße und Danke

  7. #6
    Sonnenkraut
    Gast

    Standard

    Hallo soulful guy

    Ich hatte Deinen Startpost gelesen und möchte Dir mitteilen, dass ich den Eindruck von einem Übermaß angestauter Aggressionen hatte.

    Ich entwickelte Anker-Vermeidungsstrategien, um nicht konfrontiert zu werden. Das hat seine Blüten soweit getrieben, dass ich mit meiner Familie nicht in einer Ferienwohnung Urlaub machen konnte, wenn ich im Internet ein Foto von der Wohnung sah, und ein rotes Sofa in dieser stand, da nur die Farbe rot schon ein potenzieller Anker war. Oder ich verweigerte meinem Sohn ein rotes Auto zu kaufen, weil ich mir kein Anker nach Hause holen wollte.
    Nach dieser Aussage kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, Du würdest ein frühes Ereignis verdrängen. Mittels Selbsttherapie dürfte sich das Problem nur verschieben und an anderer Stelle erneut zutage treten. Die tieferen Schichten sind mE für Dein Bewusstsein unsichtbar.

    Bin sehr enttäuscht, dass innerhalb eines Monats nach meinem Seelenstriptease nicht eine einzige Antwort kam.

    Kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es in so einem Forum wie diesem mehr um das voyeuristische Element geht, denn um einen authentischen Austausch.
    Sorry, auf Deine Vorleistung magst Du Erwartungen aufbauen, doch auf eine Enttäuschung herablassend zu antworten...
    Welche Erwartungen/Forderungen wurden von Deinen Eltern an Dich gestellt, an die Du Dich konkret erinnern kannst?

    Gruß
    Geändert von Sonnenkraut (02.03.2012 um 07:42 Uhr)

  8. #7
    Exot
    Gast

    Standard

    Hallo soulful guy,

    Zitat Zitat von Sonnenkraut Beitrag anzeigen
    Ich hatte Deinen Startpost gelesen und möchte Dir mitteilen, dass ich den Eindruck von einem Übermaß angestauter Aggressionen hatte.
    das bestätige ich. Ich habe einen ähnlichen Eindruck.

    Selbsttherapie ist meistens erfolglos, wenn man unter Problemen leidet - und oft umso mehr, je weiter die Ursache in die Vergangenheit reicht.

    Was ich Dir empfehle, ist eine Psychotherapie. In einer psychosomatischen Klinik kannst Du Ruhe bei akuter Symptombildung bilden, die Ursachenbekämpfung reicht dafür aber in der Regel nicht aus. Was Du brauchst, ist ein kompetenter Fachmann, der Dich von außen betrachten kann. Du versuchst Dich halt sozusagen selbst zu betrachten und das geht leider nur mit einem Spiegel. Was Du in einem Spiegel siehst, sieht zwar von außen genauso aus wie Du, aber das bist eben nicht Du in gesamter Person.

  9. #8
    Neuling
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    Hallo

    Tja Jetzt ging es mir einige Monate relativ gut, war von meiner Fokussierung weitgehend befreit, obwohl es wie ein Damoklesschwert über mir hing, dass ich mir jederzeit einen Erinnerungsanker aufhalsen könnte. Nun ist es wieder passiert. Vor einer Woche hat sich bei mir wieder so ein vermaledeiter Erinnerungsanker eingefressen, so dass ich seit einer Woche wieder fast immer in der Fokussierung auf meinen Lidschlag bin. ich bau gerade täglich ab, schlimmer und schneller als vor einem halben Jahr. Es nimmt einem jegliche Lebensenergie und ich seh nach nur einer Woche aus wie der Tod, da sich meine Nerven um die Augen so verkrampfen, dass es schon von aussen sichtbar wird, wie es mir geht. Es kotzt mich einfach nur an. Ich war so guter Dinge, dass ich es ganz gut im Griff habe, tja das Monster ist mit aller Macht zurückgekommen. Jeder einzelne Augenschlag wird wieder von mir registriert und ich habe das Gefühl, dass sich das Bewusstsein darauf immer tiefer eingräbt. Ich glaub, ich werde nie mehr befreit sein von diesem Wahnsinn....

    Freu mich natürlich über Feedbacks, aber mein Lebensmut ist danieder. Ich habe und hatte so viel vor. Es ist wie eine Geißel.

    Grüße

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