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Alt 08.01.2012, 21:55   #1 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 06.01.2012
Ort: Kiel Holtenau
Beiträge: 69
Standard Frage nach Leben und Tod?

Hallo Ihr lieben User vom Psychologieforum,

mich treiben zwei Fragen seit etlicher Zeit um, und ich bin davon überzeugt, dass ich ruhiger leben könnte, wenn ich eine Antwort bzw. eine echte Haltung hätte.

Wie besiege ich die Angst vor dem Tod?
Wie gehe ich mit der Möglichkeit einer Transplantation um?

Mein Hintergrund: ich leider unter einem Gen-Defekt, der Leber und Nieren angreift. Meine Mutter ist bereits Leber- und Nierentransplantiert. Seit über 30 Jahren sehe ich ihren mühevollen Weg mit der Krankheit. Rein ins Krankenhaus, raus aus dem Krankenhaus. Infekte, Bakterien, Lebensgefahr, Nebenerkrankungen, Nebenwirkungen.

Ich frage mich, ob man auch einen anderen Weg gehen könnte, nämlich loszulassen, bevor das alles zu einem so unwürdigen und schmerzhaften Kampf ausartet (so empfinde ich das häufig bei meiner Mutter).

Ich bin in der Kirche. Lange hat es mir geholfen zu glauben, dass Jesus im Leiden an meiner Seite ist. Warum hilft mir das nicht mehr?
Inzwischen bin ich mit Leuten zusammen, die an Wiedergeburt glauben. Ein hübscher Gedanke. Aber wirklich relevant?

Ich wäre einfach gern gelassener. Das Leben so genießen können wie es ist. Auch mit Schmerzen. Und Abschied nehmen können, wenn es sich noch natürlich anfühlt.

Zu mir: ich bin 44 Jahre alt. Meine natürliche Lebenszeit würde sich auf ca. noch höchstens ein Lebensjahrzehnt belaufen.
Vielen Dank schon mal.
LG, Petra
__________________
Sorge gut für dich selbst. Sonst tut es niemand!
JeffB. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.01.2012, 22:47   #2 (permalink)
Schreibkraft
 
Benutzerbild von Limia
 
Registriert seit: 28.10.2011
Beiträge: 121
Standard

Hallo Petra,

Ich kann deine Bedenken verstehen. Die Angst vor dem Tod, kann man nicht so einfach besiegen, aber warum siehst du so schwarz? Ich denke die Medizin vor allem im Transplantationsbereich ist relativ gut erforscht und erfahren. Ich kannte ein Mädchen mit einer Lungentransplantation. Sie ist früher gestorben, ja, aber sie hatte ein schönes glückliches und Lebenswertes Leben.
Außerdem verlässt dich Gott nicht! Warum dir der Glaube nicht mehr hilft, kann ich dir nicht sagen... vielleicht weil du in deiner Situation sehr verzweifelt bist? Ich glaube nicht, dass der Gedanke an die Wiedergeburt in deiner Situation sehr relevant ist, aber es verunsichert dich? Versuche mal in dich zu gehen und überlege ganz für dich was du glaubst, lasse dir Zeit dafür. Vielleicht hilft ein Gespräch mit einem Priester?
Keiner hält dich auf dein Leben zu genießen, da mag das Schicksal noch so groß sein, wir haben es nicht in der Hand.
Eine Transplantation heißt ja nicht, das du nicht mehr du bist!
Deine Gefühle und Empfindungen werden sich dadurch nicht verändern
Letztendlich musst du die Entscheidung treffen, ich kann es dir nicht abnehmen.

Meine Meinung ist, dass jeder Tag den man Leben darf ein Geschenk ist. Und wenn du mit einer Transplantation länger Leben kannst, finde ich das sehr schön.

Ganz Liebe Grüße
Limia
__________________
manchmal ist es das Beste, nach vorne zu schauen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen...
egal wie weh es tut und wie schwierig es ist. Kämpfe für dein Leben! Keiner hat das Recht es zu zerstöhren!

Geändert von Limia (08.01.2012 um 22:53 Uhr)
Limia ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.01.2012, 23:05   #3 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 06.01.2012
Ort: Kiel Holtenau
Beiträge: 69
Standard

Limia,

danke für deine Überlegungen. Interessant finde ich, dass du schreibst, ich soll nicht so negativ denken. Mit dem Wort negativ habe ich meine Überlegungen noch gar nicht in Verbindung gebracht. Aber vielleicht klingt es für andere so.
Und - natürlich helfen Transplantationen, das Leben zu verlängern. Aber vielleicht könnte das Leben ja so wie es natürlich ist, so schön sein, dass es ausreicht, wie es ist und man dann vielleicht gar keine Transplantation braucht? Ist das Leben denn wertvoller, wenn man es verlängert?

LG, Petra
__________________
Sorge gut für dich selbst. Sonst tut es niemand!
JeffB. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.01.2012, 03:51   #4 (permalink)
Gesperrt
 
Registriert seit: 07.01.2011
Ort: südlich
Beiträge: 358
Standard

Hallo Petra !

Wie geht es Dir zur Zeit ?
Was ist Dein grösstes Problem ?

Ist es mehr das Körperliche oder ist es mehr die Angst vor dem ,was kommen wird ?
Ist es vielleicht auch eine Wut über die Ungerechtigkeit des Lebens ?
Traurigkeit ?

Würdest Du sagen ,dass Du bis jetzt das Beste aus Deinem Leben gemacht hast ?
Jeden Traum erfüllt ,der erfüllbar ist ?

Es gibt da diesen Spruch: "Es geht nicht darum ,dem Leben mehr Jahre zu geben ,sondern den Jahren mehr Leben ."

Wenn ich selber in so einer Situation wäre ,die nur noch aus Krankheit und Schmerz besteht ,würde ich an einem Punkt vielleicht eher loslassen wollen .

Aber es hängt von verschiedenen Faktoren ab .

Wie sieht es aus mit Kindern und guten Freunden ,die Dich vielleicht nicht gehen lassen können oder wollen ?

Und dann ist es schwierig eine endgültige Entscheidung im voraus zu treffen .
Vielleicht hängst Du im Endeffekt doch mehr am Leben als Dir jetzt klar ist ?

Hast Du Dich mal mit Deiner Mutter über diese Fragen unterhalten ?

Wenn Dir diese Gedanken an das Loslassen eine Art von Erleichterung verschaffen ,solltest Du sie auf jeden Fall zulassen .

Hast Du Dich schon mit den praktischen Gesichtspunkten befasst ,oder ist es mehr ein Gedankenspiel ?

Ich hoffe,dass Dir meine Gedanken etwas weiter helfen konnten.
Loewenzahn ist offline   Mit Zitat antworten
Folgende 4 Benutzer sagen Danke zu Loewenzahn für den nützlichen Beitrag:
honeymoon (10.01.2012), JeffB. (09.01.2012), martinspin (09.01.2012), Todai94 (09.01.2012)
Alt 09.01.2012, 07:59   #5 (permalink)
Nachwuchs Autor
 
Registriert seit: 06.05.2011
Beiträge: 809
Standard

Ich bin in einer grob ähnlichen Situation und muss Entscheidungen dieser Art treffen.
"ich würde ..." von Menschen zu hören, die es nicht kennen, hilft meist nicht.
Aber ich hab eins gelernt: in der Situation, wenn die Entscheidung dann fällig ist, dann weiß man es.

Ích bin nicht gläubig, war es nie und brauche da auch keine Stütze. Lieber sehe ich zu, mir das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.

LG, Kaja
__________________
Jeder hat gesagt "das geht nicht", bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach gemacht hat.
Kaja ist offline   Mit Zitat antworten
Folgender Benutzer sagt Danke zu Kaja für den nützlichen Beitrag:
Darkstar (09.01.2012)
Alt 09.01.2012, 14:13   #6 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 06.01.2012
Ort: Kiel Holtenau
Beiträge: 69
Standard

@Loewenzahn:
ich glaube, du hast irgendwie ins Schwarze getroffen. Ich bin jetzt 44 Jahre alt. Meine Mutter ist krank, seitdem ich 8 Jahre alt bin. Eigentlich bin ich aufgewachsen für sie. Sie brauchte immer jemanden. Ich habe dann irgendwann als junge Erwachsene wohl entschieden: okay, das ist wohl so. Erst sie, dann ich. Leider bin ich inzwischen aber eben auch recht krank und sie lebt aufgrund der Transplantationen und viel Glück immer noch. Es sei ihr gegönnt. Aber ich habe mich halt nie abgenabelt, z. B. nicht mal mein Studium beendet, weil es meiner Mutter, als ich in den 20ern war, besonders schlecht ging.
Ich habe immer gedacht, dass das Leben außerhalb von Krankenhäusern noch bevorsteht. Gestern bin ich auf ein Tagebuch von 1980 gestoßen, wo ich schon von Krankenhausbesuchen und der täglichen Organisation neben der Krankheit geschrieben habe. Ich glaube, wenn ich gewusst hätte, dass ich 2012 noch in einer äquivalenten Situation lebe, hätte ich mir entweder die Kugel gegeben oder mich umorientiert.
Ich muss einfach akzeptieren, dass das jetzt bisher mein Leben war. Nix mit Träume erfüllen. Immer nur Pflichterfüllung. Im Moment z. B. liegt meine Mutter wieder in der Klinik. Mir geht es auch nicht gut, aber immer noch besser als ihr. Also funktioniere ich weiter. Sie hat niemanden sonst.

Ich glaube, ich würde unheimlich gern ein Sabbatjahr machen!

@Kaja:
Ich weiß nicht, ob es mir hilft, wenn Menschen mir schreiben, "ich würde...". Aber ich glaube, ich habe einfach immer funktioniert und bin jetzt dankbar, wenn andere Menschen ein wenig mit mir mit überlegen. Natürlich muss ich meinen Weg nachher allein finden. Aber ich glaube, ich könnte ruhiger sein, wenn ich jetzt schon eine Haltung gewinnen könnte und nicht erst, wenn es dann tatsächlich um Leben und Tod geht. Vielleicht ist das auch ein Irrtum. Wie gesagt, ich habe mich eigentlich gerade erst mental auf die Strümpfe gemacht, obwohl sie Situation schon lange so ist, wie sie ist.
Und ich würde mich freuen zu hören, wie deine Haltung heute ist, zumal du schreibst, dass du in einer ähnlichen Situation bist.

Ganz liebe Grüße an euch
Petra
__________________
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JeffB. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.01.2012, 14:40   #7 (permalink)
Gesperrt
 
Registriert seit: 07.01.2011
Ort: südlich
Beiträge: 358
Standard

Hallo Petra !

Das macht mich jetzt echt betroffen ,dass ich ins Schwarze getroffen habe .

Ich bin davon ausgegangen ,dass Du schon Zeit hattest Dein Leben zu leben ,aber diese Situation ändert natürlich vieles .

Das Naheliegende wäre jetzt natürlich wirklich alles aus dem Leben rauszuholen ,im Jetzt alles zu geniessen was da ist , die schwierigen Zeiten kommen schon von alleine .

Aber Du kannst Deine Mutter nicht im Stich lassen ,oder ?
Wie nahe steht Ihr Euch ?
Wie krank ist sie ?
Kann sie noch alleine zurecht kommen ?

Hast Du noch andere Verwandtschaft ,die sich vorübergehend kümmern könnte ?
Oder ein Pflegedienst ?
Wenn Du selber krank bist ,kannst Du vielleicht Ansprüche geltend machen ?

Du warst solange für sie da ,wenn Du nicht jetzt Dein Leben leben kannst ,wann dann ?

Es ist wirklich sehr schwierig Ratschläge zu geben .

Ich kann Dir momentan nur mein Mitgefühl senden .
Loewenzahn ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.01.2012, 16:18   #8 (permalink)
Schreiberling
 
Registriert seit: 24.11.2011
Beiträge: 422
Standard

Ich sage immer, man soll so leben, dass man jederzeit sterben kann und sagen kann "Ich bereue nichts". Genau dann braucht man auch keine Angst vor dem Tod zu haben, weil er einfach etwas Unausweichliches ist, was am Ende des "richtigen Pfades" steht.

Ich persönlich gehe übrigens nie zum Arzt und würde mich auch nicht operieren lassen. Wenn meine Zeit gekommen ist, ist sie halt gekommen. ^^
Rya.Reisender ist offline   Mit Zitat antworten
Folgender Benutzer sagt Danke zu Rya.Reisender für den nützlichen Beitrag:
martinspin (09.01.2012)
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