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Thema: Frage zu Narzissmus

  1. #1
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    Standard Frage zu Narzissmus

    Hallo zusammen,

    mich bewegt momentan aufgrund einer aktuellen Situation die Frage, wie man krankhaften Narzissmus erkennen kann (also keine gesunde Eigenliebe).

    Ich möchte im Moment nur die "Merkmal"-Frage in den Raum werfen und noch keine konkreten Hintergründe schildern, weil ich die Antworten durch die Schilderung der Situation vielleicht beeinflussen könnte.

    Was ich aber konkret sagen kann ist, dass ich -soweit ich mich erinnere- keinerlei Erfahrungen mit "krankhaftem Narzissmus" habe und momentan vor einem zwischenmenschlichen Rätsel stehe.


    Über weiterbringende Antworten von Teilnehmern hier, die ganz konkrete Erfahrungen haben und die mir die Merkmale ganz nüchtern und sachlich schildern könnten, würde ich mich sehr freuen.

    Ich habe auch vor, noch konkreter zu werden.
    Viele Grüße

    "Klee"



  2. #2
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    Standard Nur das Konkrete bringt uns weiter!

    Liebe Frau Klee,

    es ist Mühsam Narzismus, oder sonst etwas, im abstrakten Raum zu erläutern, oder zu definieren. Schön der alte Geheimrat von Goethe sagte:

    "Grau mein Freund ist alle Therie, doch grün des Lebens lebendiger Baum!"

    Also erzähl uns mal Deine Geschichte, dann läßt es sich schon besser weiter führen!

  3. #3
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Klee,

    ich finde Deine Fragestellung völlig in Ordnung

    Denn sie ist absolut nicht gestelzt theoretisch auf pseudowissenschaftlichem Niveau, und auf die Weise von sich weg weisend, sondern ich verstehe sie als durchaus persönlich, jedoch entpersonalisiert.

    das ermöglicht mir auch, meine subjektiven, laienhaften Erfahrungen aus dem Alltag wieder zu geben. Ob es bei diesen Menschen, mit denen ich da zu tun habe/hatte um diagnostizierte Narzissten handelt, weiss ich natürlich nicht. Die für die Diagnose relevanten Merkmale kannst Du sowieso in der Fachliteratur nachschlagen, die müssen wir hier doch daher gar nicht abhandeln

    Ich werde immer dann hellhörig, wenn mir mein Gegenüber manipulativ erscheint. Wobei die Manipulation meist mit dem Einsatz seines ganzen charmes versucht wird. narzisstische Menschen können sehr charmant sein, so meine Erfahrung. Wenn sie damit aber auflaufen und das nicht bekommen, was sie wollen, kann es passieren dass Du urplötzlich nicht mehr mit dem Ar.. angeguckt wirst.

    Auch können sie oft monologisieren, ohne dass Du es erstmal merkst. Sie haben ja durchaus ihre unterhaltsamen, lebendigen Darstellungsmöglichkeiten. Jedoch sind sie ständig Mittelpunkt allen Geschehens, der Bauchnabel der Welt. Durch den Unterhaltungswert kann es jedoch ne Weile dauern, bis man als Gegenüber das merkt.

    Da sie viel von dem verkörpern, was in unserer Leistungsgesellschaft Tugend ist (Durchsetzungskraft, Ichbezogenheit), bekommen sie auch sehr lange Bestätigung für ihre Art des Umgangs mit anderen Menschen.

    Je krankhafter ein Mensch im Narzissmus drin ist, um so mehr wirst Du zurückstecken müssen und um so mehr bist Du auf die Rolle begrenzt, ihn nur ständig als toll zu spiegeln. Letztlich hat das aber keinen wirklichen Nährwert bei diesen Leuten, selbst wenn sie es bekommen. Sie erscheinen mir immer als getrieben: noch größer, toller, weiter. Weil es eben nicht gesund ist, sondern krankhaft und daher den Kern nicht erreicht.

    soweit erstmal als Anfang. Vll fällt mir später noch mehr dazu ein, was ich in dem großen bunten Tiergarten um mich herum diesbezüglich schon erlebt habe

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  5. #4
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    Moin Klee, während meines Klinikaufenthalts habe ich einen diagnostizierten Narzissten kennengelernt. Der war sehr beliebt, unterhaltsam, wo der war war immer "Party" angesagt. Er hatte eine mitreißende, sehr charmante Art. Allerdings: wenn er jemanden fand, den er für "besser" hielt als die Leute, mit denen er sich umgab, konnte er sie eiskalt im Regen stehen lassen. Fiel im Klinikrahmen nicht sehr auf, aber ich glaube nicht, daß er wirklich emotionale Bindungen eingegangen ist. Schwer zu beschreiben.

    Widerspruch vertrug er nicht, da konnte er sehr schnell zum aggressiven "Zicker" werden. Entschuldigungen oder Erklärungen kamen bei ihm nicht an, einmal gekränkt hieß: nie wieder ein freundliches Wort von ihm.

    Ich habe ihn selten wirklich emotional erlebt, aber diese Seite gab's an ihm auch. Einmal hatte ich das Gefühl, sein "unverfälschtes Gesicht" zu erleben, war erschütternd, wie klein und unwert er sich da gefühlsmäßig zeigte. Danach hat er nie wieder ein Wort mit mir geredet - Spekulation meinerseits: er konnte den Gedanken nicht ertragen, daß jemand seine ängstliche, verlorene Seite zu Gesicht bekommen hat. Kann ich aber nur gefühlsmäßig so deuten, ich bin kein Experte.

    Naja. Hilft dir vielleicht nicht weiter, solche Leute laufen auch als "ganz normal" rum.

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  7. #5
    Schreiberling Avatar von Schatten
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    Hallo Klee.

    Krankhaften Narzissmus erkennst Du neben dem was meine Vorrednerin bereits ausführte, daran, dass sie eine recht präzise Vorstellung von den eigenen Gedanken und Gefühlen haben (die allerdings immer etwas grandios, also abgehoben und urealistisch sind), die sie auch darstellen können und gleichzeitig eine immense Unfähigkeit die Gedanken und Gefühle anderer Menschen zu erfassen.
    Diese erscheinen, wenn überhaupt, immer nur grob, oberflächlich und klischeehaft als entweder ganz wunderbare Menschen (wobei nicht erklärt werden kann, worin denn das Wunderbare oder Einzigartige dieser Menschen besteht, außer vielleicht weiteren sehr pauschalen Angaben: „Wir verstehen uns blind“, „Er weiß genau was ich brauche“, „Sie ist einfach immer für mich da“ „Er ist einfach ein ganz außergewöhnlicher Mensch“) oder als bösartige Monster, denen alle schlechten Eigenschaften dieser Welt zuzukommen scheinen. Vor allem ist ein allgemein entwertender Zug in vielen Ausführungen von pathologischen Narzissten zu bemerken, die meisten anderen Menschen sind für sie schlicht nicht der Rede wert, dumme Herdentiere, die ohnehin keine Beachtung verdienen.
    Narzissten fokussieren sich gerne auf das Besondere, Skurrile und haben ein Abneigung gegen jede Art von Durchschnittlichkeit und mindestens größere Schwierigkeiten mit der Normalität des Lebens. Das was andere als selbstverständlich empfinden ist für sie eine gefühlte Beleidigung.

    Neid ist der zentrale Affekt, der sie leitet und der auch im Hintergrund der Entwertungen steht. Neid, etwas nicht zu besitzen oder zu können, was jemand anderes hat oder kann und die Unfähigkeit das zuzugeben und darüber zu trauern, statt dessen wird das was andere haben zerstört und entwertet, verspottet und lächerlich gemacht.
    Sie können Menschen auch stark idealisieren, wenn sie sich mit ihnen identifizieren, typisch ist auch, dass man bei Widerspruch gerne von der Kategorie der guten Freunde in jene der Feinde umgetopft wird.
    Narzissten empfinden auch tendenziell wenig echte Freude (können sich vor allem nicht mit anderen mitfreuen), ihre Freude hat immer etwas von Triumpf und Häme.

    Gruß,

    Schatten
    Geändert von Schatten (06.08.2011 um 10:05 Uhr)

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  9. #6
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    An der Stelle schon mal ein ganz, ganz herzliches Dankeschön für Eure bisherigen und hilfreichen Beiträge.
    Es gibt tatsächliche etliche Parallelen zu dem Menschen, bei dem ich den krankhaften Narzissmus vermute.

    Er hält praktisch einen ganzen Verein "auf Trab" und scheint (latent) einige Leute dort zu instrumentalisieren, Dinge für ihn zu tun, die er genauso gut selbst tun könnte und greift mit einer unbeschreiblichen (und mir nicht ganz nachvollziehbaren) Anspruchshaltung und Selbstverständlichkeit besonders nach den Titel- und Würdenträgern.
    Ich stehe mit diesem Verein in freundschaftlicher Beziehung (einige Leute stehen mir dort sehr nahe und ich habe sie mal beiseite genommen, weil ich gemerkt habe, wie sie dem Betroffenen immer Gutes tun wollten und m.E. immer mehr in die Schlinge gekommen sind, gnadenlos ausgenutzt zu werden. Persönlich habe ich zu dem Betroffenen auch eine Beziehung, aber ich grenze mich teilweise "knallhart" ab und weise ihn immer wieder in die Schranken wenn er eine "selbstüberzeugte Eigenmächtigkeit" signalisiert, die ggf. auch über Leichen geht).


    Was ich gerne noch mehr verstehen würde:
    wie kann das mit dem Neid aussehen? Bisher hatte ich den Eindruck, dass der Betroffene gar nicht neidisch sein kann, weil er so von sich selbst überzeugt ist.
    Viele Grüße

    "Klee"



  10. #7
    Schreibkraft Avatar von Maeggie
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    Hallo,
    ich hatte selbst mal einen Narzissen kennengelernt und war ein paar Wochen mit ihm zusammen.
    Neid konnte er schwer zugeben. Es war eher so, dass er diesen Personen angedichtet hat, doof zu sein, ihn nicht zu mögen oder ihm nicht zu gönnen, dass er es zu etwas gebracht hat. Eigentlich hat er seinen Neid auf andere projeziert.
    Was auch in dieser Beziehung sehr vorherrschend war, war sein Bemühen, mich kleinzuhalten, also so ne Art Sklavenhaltung. Und das alles, um selbst größer dastehen zu können.
    Grüße
    Maeggie
    Ich hab keine Macken! Das sind Special-Effects!

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    Klee (06.08.2011),Lib (06.08.2011),Quo Vadis? (10.08.2011)

  12. #8
    Schreiberling Avatar von Schatten
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    Hallo Klee.

    Ein großes Überzeugtsein von den eigenen Fähigkeiten gehört durchaus ins Bild, zudem eine gefühlte Selbstverständlichkeit im Mittelpunkt zu stehen und das größte Stück vom Kuchen zu bekommen (es gibt allerdings auch „stille“ Varianten von Narzissmus).

    Der Neid muss nicht immer offen gezeigt werden und wird auch oft verborgen.
    Narzissten können sehr schlecht mit Lob umgehen. Das ist eine etwas komische Geschichte. Sie wollen zwar bewundert werden und gieren nach nichts so sehr, wie nach Lob und Anerkennung (und können es deshalb nicht ertragen, wenn ein anderer im Mittelpunkt steht, warum und womit auch immer), können diese aber zugleich nicht wirklich annehmen, da dazu gehören würde, sich über Lob und Anerkennung des anderen zu freuen – was an sich eine normale Reaktion wäre.
    Aus der Sicht eines pathologischen Narzissten hat derjenige, der den Narzissten lobt – der durchaus überzeugende Fähigkeiten haben kann, charismatisch oder attraktiv sein kann – aber etwas, was der Narzisst nicht hat, denn der kann andere nicht loben, der kann sich nicht mit anderen und an deren Leistung freuen. Insofern kann er das Lob auch nicht richtig annehmen, was dazu führt, dass er die Menschen, die ihn loben, postwendend entwerten muss, als Leute, die ja ohnehin keine Ahnung haben und nicht gar nicht einschätzen können, welche außerordentliche Leistung man da abgeliefert hat. Dadurch ist das empfangene Lob aber auch nichts mehr wert (wer will schon von Idioten gelobt werden) und ihre Gier nach Lob und Anerkennung wird unstillbar.

    Eine Parallele ist die immense Undankbarkeit der Narzissten. Wenn man etwas für sie tut, ist das in ihren Augen eine Selbstverständlichkeit (man ist ja nicht irgendwer und die anderen können froh sein, diesem bedeutenden Menschen, der sich die Ehre gibt, zu dienen), die Leistung anderer als etwas Besonderes anzuerkennen, bringt sie wieder in die oben erwähnte Misere, dass sie es nicht aushalten können, wenn neben ihnen noch jemand großartig ist.
    (Eine Ausnahme ist, wenn Narzissten sich über den Köpfen des Restes der Welt mit anderen unterhalten, die sie für kongeniale Partner halten, die einzigen, die sie wirklich verstehen, der Austausch von Genie zu Genie, dort wo die anderen ohnehin nicht mehr mitkommen.)

    Ein weiterer Punkt sind die Entwertungen. Narzissten sind in aller Regel Spezialisten, d.h. sie können etwas im Leben sehr gut, der Rest interessiert sie nicht. Nun kann es aber sein, dass andere Menschen sich nicht nur für Rudern, Börse oder Status interessieren, sondern für andere Dinge.
    Das merken Narzissten auch und basteln gerne Geschichten, warum ihr Spezialgebiet das bedeutendste der Welt ist, womit zugleich alles andere mehr oder minder überflüssiger Mist ist, oder eben nette Spielerei, die nicht sonderlich ernst zu nehmen ist.
    Wenn Narzissten es in einem Gebiet nicht zum Weltmeister schaffen, suchen sie sich manchmal Ersatz in Kombinationen von Eigenschaftten, in denen sie überdurchschnittlich gut sind und diese (und nur diese) Kombination ist es dann, die einen durch und durch überlegenen Menschen kennzeichnet, das kann skurril wirken, die stark zu sein, alle Briefmarken zu haben und gut Posaune spielen zu können, in aller Regel orientieren sich Narzissten aber in Richtung prestigeträchtiger Bereiche, Macht, Wissen, Einfluss, Geld usw.
    Jeder der sich nicht dafür interessiert ist in ihren Augen ein Idiot, der nicht weiter zu beachten ist.

    Entsprechend schräg sind auch intime Beziehungen mit Narzissten, die oft nicht gut hinhauen. Der Narzisst verlangt auch hier schrankenlose Bewunderung, kann diese aber selbst nicht geben (oder er idealisiert den Partner über alle Maßen). Gleichberechtigte Partnerschaften gibt es nicht.
    Typisch für Narzissmus ist noch die emotionale Kälte, mit Narzissten wird man im wahrsten Sinne des Wortes nicht warm. Sie können durchaus gewinnend und oberflächlich charmant sein, aber es ist schwer mit ihnen eine Beziehung aufzubauen, die nicht daraus besteht, sie bewundern zu müssen oder von ihnen bewundert zu werden.

    Gruß,

    Schatten

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    Klee (06.08.2011),Lib (06.08.2011),Quo Vadis? (10.08.2011)

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