Mein Freund ist fast 30 Jahre alt und seit einigen Monaten in einer leicht depressiven Phase. Wir sind seit fast 10 Jahren ein Paar. Jeder von uns hat sich im Laufe der Zeit etwas beruflich aufgebaut.
Nun haben wir bzw. er ein Problem mit dem, was man sich aufgebaut hat. Er fühlt sich als Mann vor mir und seiner Familie wie ein Versager, weil alles in der Wohnung ich bezahlt habe und auch ansonsten finanziell besser gestellt bin als er. Früher war das nie ein Thema, aber irgendwann kam bei ihm der Punkt, wo er sich wohl unterlegen (oder sowas) gefühlt hat.
Für mich persönlich war das nie ein Problem, im Gegenteil - ich teile gerne mit dem Menschen, den ich liebe.
Er hat einen super Job, der ihm auch viel Spaß macht. Aber jetzt kommt das große Aber: ich habe nun nach all den Jahren den Eindruck bekommen, dass seine Eltern ihm nie das Gefühl gegeben haben, etwas gut gemacht zu haben. Oder ihn gelobt haben. Sein Bruder hingegen wird vergöttert und immer auf ein Podest gestellt - warum auch immer. Er hat meiner Meinung nichts besseres geleistet, im Gegenteil.
Aber das ist bei denen so ein Familiending. Mein Freund bettelt förmlich um deren Anerkennung, die er aber niemals bekommen wird. Das geht soweit, dass er seine Eltern mir vorzieht, obwohl ich ihn noch nie hängen hab lassen - im Gegensatz zu denen.
Hinzu kommt, dass er auch kaum Freunde hat, weil er sehr schüchtern und zurückhaltend ist. Er klammert sich immer nur an den Bruder, der ihn nur ausnutzt und ihn braucht, wenn niemand besseres in der Nähe ist.
Versteht mich nicht falsch - ich möchte keinen Keil reintreiben. Aber er muss sich endlich mal - um seiner selbst Willen - etwas von der Familie lösen. Er ist ein erwachsener Mann und kein Kind mehr, das immer Liebe und Zuwendung der Eltern und Geschwister braucht. Unserer Beziehung tut das auch nicht gut. Er kennt das Problem im Grunde ja, aber er ist nicht fähig, sein Leben mal selbst in die Hand zu nehmen und eigene Wege zu gehen. Immer müssen die Eltern eingebunden werden, die ihm immer nur die kalte Schulter zeigen und ihn links liegen lassen.
Ich sehe ja, wie er leidet. Aber sie haben ihm als Kind nicht die Liebe und Anerkennung gegeben, die er gebraucht hätte und werden es auch jetzt mit fast 30 nicht tun. Sie sind halt einfach so.
Manchmal hat er dann Phasen, wo er sich auch wie ein kleiner hilfloser Junge verhält. Das ist aber erst seit knapp 1 Jahr so. Er ist so verschlossen und redet einfach nicht über seine Gefühle.
Ich bin echt ratlos, schließlich liebe ich ihn, aber langsam zerrt das enorm an uns und es wird immer schlimmer statt besser.
Ich hab ihm ja schon vorgeschlagen, sich professionelle Hilfe zu holen, um sich diese Last nehmen zu lassen. Aber das lehnt er vehement ab. Ich kann doch nicht zusehen, wie er immer weiter in diesen Strudel gerät.


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren


Lesezeichen