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Thema: Fühle mich hilflos und weiß nicht, was ich tun soll

  1. #1
    Neuling
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    Standard Fühle mich hilflos und weiß nicht, was ich tun soll

    Hallo!

    Ich bin ganz neu hier im Forum und hoffe, dass ich hier Ratschläge und etwas Hilfe finden kann.

    Vielleicht mal vorab kurz meine Vorgeschichte: Ich hatte keine so schöne Kindheit. Meine Mutter hat mich öfters geschlagen, versucht, mich zu dominieren und zu kontrollieren. Fast täglich wurde ich von ihr wegen Nichtigkeiten niedergemacht. Mein Vater hat selbst schwere Depressionen, unter denen ich zusätzlich mitgelitten habe. In der Schule wurde ich seit der Grundschule bis zur Oberstufe gemobbt. Mit meinen Eltern konnte ich nicht drüber reden, genauso wenig wie mit den paar Freunden, die ich hatte, die ebenfalls keine wirklichen Freunde waren. Direkt nach dem Abitur bin ich 1.000 km weggezogen.

    Dann ging es mir erstmal sehr gut. Ich habe Abstand gewonnen, ein neues Leben angefangen und einen neuen Freundeskreis. Der Umzug war nicht nur eine Flucht, sondern auch die Verwirklichung eines Lebenstraums. Ich war und bin glücklich hier. Wenn ich zu meinen Eltern fuhr, war das dort aber mehr ein Gefängnis für mich als alles andere. Ich habe die Stunden gezählt, bis ich wieder zurück fahren konnte in meine neue Heimat. Weihnachten war für mich damals ganz schlimm und da schwor ich mir, nie wieder zu Weihnachten zurück zu kommen.

    Dann habe ich meinen Freund kennengelernt und er war der erste, mit dem ich über meine Gefühle reden konnte. Seit ich denken kann, habe ich darüber geschwiegen. Das tat gut. Er fuhr mit mir auch zweimal zu meinen Eltern und da war es aushaltbar für mich. Ich fühlte mich nicht mehr so alleine, schutzlos und ausgeliefert. Mein Freund will aber aus verschiedenen Gründen nicht mehr mitfahren, was ich auch verstehen kann.

    Jetzt muss ich alleine fahren. Letztes Jahr habe ich abgesagt am Abend vor dem Flug (fliege meistens). Ich habe die Tage zuvor nur noch geheult, hatte panische Angst und wollte einfach nicht dort hin. Im Januar dieses Jahres habe ich wieder einen Flug gebucht, diesmal nur drei Tage Aufenthalt. Ich dachte, das würde ich schaffen. Drei Tage sind ja nicht schlimm. Es war auch alles okay, ich dachte wirklich, ich schaffe das. Am Mittwoch soll es losgehen und seit Donnerstag bricht es in mir ein. Es war absolut belanglos, woran ich dachte, aber seitdem kann ich nicht mehr. Heute habe ich fast nur geheult. Ich will einfach nicht dahin. Ich will dies nicht noch einmal erleben. Ich habe so eine panische Angst davor.

    Gleichzeitig habe ich aber auch Schuldgefühle: Meine Eltern freuen sich auf mich und ich will sie nicht wieder enttäuschen. Wie soll ich ihnen das nur erklären? Ich habe Angst, dass sie sauer auf mich sind. Meine Oma möchte mich auch gerne wiedersehen, obwohl sie sich eigentlich nie für mich interessiert hat. Dazu habe ich Angst, dass ich es irgendwann bereuen werde, jetzt nicht gefahren zu sein.

    Ich würde so gerne jemanden dabei haben, der mir hilft und mir ein Rückgrat ist. Mein Freund will aber nicht mitkommen. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich bin total verzweifelt und kann nicht mehr. Ich würde auch gerne eine Therapie machen, doch kann ich mir das als Studentin nicht leisten.

    Was soll ich tun? Bitte helft mir!

    Liebe Grüße

  2. #2
    Schreiberling Avatar von Osterinsel
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    Hallo Sonnenblume,

    erstmal herzlich Willkommen im Forum!

    Ich wohne auch 500 km von der Heimat weg, bin ebenfalls abgehauen, weil es zu hause nix Gscheits mehr für mich gab und ich meinen Traum leben wollte, von daher kann ich Dich gut verstehen.

    Ich kenn das mit den Schuldgefühlen auch gut, hab das auch Jahre lang mitgemacht, und irgendwann für mich festgestellt: Aus Schuldgefühlen heimzufahren, nur weil es sich so gehört, bringt niemandem was.

    Klar ist man auf einmal tierisch interessant, wenn man sich dem Einflußbereich erst mal entzogen hat, und dann wird es den Anverwandten auf einmal klar, wie gern sie einen doch haben
    Zuhause wär es ihnen bestimmt nicht so aufgefallen...

    Ich hab eigentlich (inzwischen) zu meiner Familie ein recht gutes Verhältnis, und die Entfernung spielt da bestimmt eine große Rolle...hehe...


    Ich würde Dir ganz ernsthaft raten, wenn Du keinen Bock hast, und sogar Panik schiebst, dann fahr nicht hin. Ganz einfach. Den "Egoismus" kannst Du Dir beruhigt gönnen, Du bist erwachsen und niemandem Rechenschaft schuldig.

    Hast Du denn mal mit Deiner Familie darüber gesprochen, warum Du nicht kommen willst?
    Mir scheint es ganz offensichtlich, Du bist vor der Dominanz Deiner Mutter und den Depressionen Deines Vaters mit gutem Recht geflohen (der Job des Kindes ist es ja, das Nest zu verlassen und zu entscheiden, welches Leben mit welchen Inhalten es führen möchte, und die Altlasten der Familie gehören bestimmt nicht dazu).
    Und wenn Du wieder nach Hause kommst, kommt alles wieder hoch und man fühlt sich genauso mies wie früher. Da ist es nur gesund, erst mal Abstand zu halten, bis man eine gewisse Stabilität aufgebaut hat.

    Das soll natürlich nicht heißen, fahr nie mehr heim, sondern: Arbeite (mit Deinen Eltern, wenn sie es zulassen) daran, eine vernünftige Beziehung aufzubauen, in der Du die Freiheit hast, über Nähe und Ferne selbst so zu entscheiden, wie es sich für eine gesunde Beziehung gehört.

    Dann wird es Dir auch irgendwann gelingen, freiwillig nach Hause zu fahren, und Dich vielleicht sogar darauf zu freuen und es als Bereicherung anzusehen.

    Kannst Du Deinen Eltern ganz sachlich sagen: Hört mal Leute, ich weiß, ihr freut euch auf mich, aber momentan bedeutet nach Hause fahren eine unheimlich große Belastung für mich, ich weiß selbst nicht genau, was los ist, ich weiß nur, daß es mich wahnsinnig unglücklich macht und ich wär froh, wenn ihr dafür Verständnis hättet?
    Sind Deine Eltern in der Lage, so etwas anzunehmen?
    Wenn sie darauf nicht mit Verständnis reagieren, weißt Du schonmal, daß sie auf jeden Fall nicht Dein Bestes im Sinn haben ... Dann mußt Du es für Dich im Sinn haben.

    Gibt es denn zuhause irgendwas, worauf Du Dich freust oder was Du vermißt?

    Wieso kannst Du Dir keine Therapie leisten? Studierst Du nicht in Deutschland und zahlt in Deinem Land die Krankenkasse nicht dafür?

    Man kann sich auch ganz gut mit Selbsthilfebüchern und -Gruppen (wie z.B. so ein Psycho-Forum) weiterhelfen, wenigstens ein Stück weit!


    Liebe Grüße von der Osterinsel!
    "Life is intrinsically, well, boring and dangerous at the same time. At any given moment the floor may open up. Of course, it almost never does; that’s what makes it so boring.” ~Edward Gorey

  3. #3
    Schreiberling Avatar von Finja
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    Hallo Sonnenblume,
    ich stimme Osterinsel (wieder einmal) vollkommen zu.

    Ich kenne das ebenfalls von meinem Elternhaus.
    Damals bin ich, so wie Du, direkt nach dem Abi ganz weit weg gezogen und es hat mir und meiner Entwicklung - genau wie Dir - unheimlich gut getan.

    Du sagst, dass 3 Tage bei Deinen Eltern nicht viel sind. - Doch, ich finde das durchaus sehr viel für Dich!!! Gerade, wenn Du so eine Panik verspührst. Du solltest da an Dich denken - und nicht an irgendwelche Schuld! Wem schuldest Du bitte etwas??? Und wofür??? Lass es sein - alles hat seine Zeit!

    Ich kenne dass mit dem 3-Tages-Elternbesuch nämlich so:
    Am ersten Tag könnte noch alles ganz klasse sein. Deine Eltern freuen sich, benehmen sich "normal", so dass Du fast glauben könntest, es hätte sich alles geändert / sie hätten sich geändert. Du beginnst voller Erwartung neu zu vertrauen. Da Du aber dem Verhalten Deiner Eltern gegenüber sensibilisiert bist, könntest Du automatisch und unbewusst ihr altes Verhaltenmuster wieder wachrufen, ohne es zu wollen. So kann es also schon am zweiten, spätestens am dritten Tag zum üblichen Niedermachen und Fehlverhalten kommen.
    Kein Wunder, dass Dir davor graut!

    Lösungsvorschlag:
    Was hältst Du davon, zusammen mit Deinem Freund nur in der Nähe Deiner Eltern (einer netten Nachbarstadt mit schönen Freizeitmöglichkeiten) ein paar Tage Urlaub zu machen und Deinen Eltern nur mal zum Kaffee oder Abendessen einen Besuch abzustatten?
    Vielleicht hätte ja sogar Dein Freund Lust dazu? Er müsste ja nicht einmal beim Essen dabei sein, wäre aber quasi in Deiner Nähe und könnte Dich vor und nach dem Besuch in die Arme schließen und Dir Kraft geben.

    Du solltest allerdings immer daran denken, dass Du Deine Eltern nicht ändern können wirst! Du kannst Dich lediglich mit ihnen arrangieren und umgehen lernen.
    Erwarte also nicht hoffnungsvoll das Verhalten, was Du Dir von ihnen wünschst, sondern versuche so gut es geht neutral zu bleiben. (Ich weiß, dass fällt schwer.)
    Wenn sie sich wider Erwartens dann positiv benehmen, glaube bitte nicht gleich an die totale Veränderung, denn Du beginnst automatisch wieder zu hoffen und dann könnte die Entäuschung noch stärker über Dich hereinbrechen.

    In Deinem Fall finde ich allerdings, dass Du Deinen Besuch einfach noch etwas verschieben könntest. Und ich finde, dass hier durchaus mal eine kleine Notlüge angebracht ist.

    Menschen, die sich ihrem eigenen Kind gegenüber so mies verhalten haben, sehen es nicht aus heiterem Himmel einfach ein.
    Und schon gar nicht, wenn das besagte Kind dies selbst anspricht.

    Grund: Das Thema impliziert immer Vorwürfe, denen sich die Eltern automatisch erwehren - wie: "Ihr ward/seid schlechte Eltern", "Es gibt etwas gut zu machen", "Ihr habt Schuld an allem Unglück, dass mir widerfahren ist" usw. - eben mögliche Interpretationen, die Eltern so haben können, wenn das "Kind" das Thema anspricht.
    Auch wenn es "nur" um einen Besuch geht.
    Verständnis wird man hier wohl in den aller wenigsten Fällen finden.

    Aber es gilt auch immer: Die Zeit heilt (fast) alle Wunden!
    Hab Geduld und gehe Schritt für Schritt vor.
    Auch ganz kleine Schritte können ganz große Erfolge bewirken.

    LG, Finja

    Ach, und noch ein kleiner Tipp von mir:
    Sollten sich Deine Eltern Dir gegenüber wieder einmal verletzend fehlverhalten, überwinde Deine anfängliche Schockstarre und sage klipp und klar:
    "Das hat mich jetzt wirklich sehr verletzt! Tut mir leid, aber dass kann ich so nicht mehr hinnehmen. Vielen Dank für das Essen. Ich werde mich jetzt verabschieden." und dann gehst/fährst Du konsequent weg.
    Vielleicht schaffst Du dadurch sogar Deine Eltern zum Nachdenken anzuregen.
    Geändert von Finja (29.03.2010 um 09:57 Uhr) Grund: Ergänzung

  4. #4
    Neuling
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    Danke euch beiden für eure Antworten und Hilfe!

    Ich versuche gerade, meine Eltern zu erreichen und ihnen zu sagen, dass es mir wieder nicht gut geht und ich nicht weiß, ob ich kommen kann. Sie hatten letztes Jahr auch Verständnis dafür gehabt. Mein Papa weiß ja selbst, wie einen die Depressionen kontrollieren können und wie schlimm das sein kann.

    Der Ratschlag, dass ich mit meinem Freund woanders wohnen könnte, ist super! Da werde ich gleich einmal mit ihm drüber reden. Dann könnte ich den Flug vielleicht nur verschieben . Es gibt ja einige nette Orte in der Umgebung, die wir uns anschauen könnten. Er sagte mir auch gestern, dass er mitkommen würde, wenn es nur der Flug wäre und er sich auch die Zeit dafür nehmen würde.

    Ich lebe in Österreich und bin hier auch krankenversichert und die übernimmt nur einen kleinen Teil selbst. Das wären so 21€, den Rest (ca. 60-70€) müsste ich selbst tragen. 70€ pro Therapiesitzung ist schon hart für eine Studentin, da ich eigentlich nur so 500€ im Monat zur Verfügung habe. Ich denke nämlich, dass eine Therapiesitzung im Monat jetzt auch nicht unbedingt gut ist, oder?

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