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Thema: Fühle mich kontrolliert und beobachtet...

  1. #1
    Neuling
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    Ausrufezeichen Fühle mich kontrolliert und beobachtet...

    Hallo!

    Ich bin Lesewichtel und neu im Forum.
    Muß mir dringend mal was von der Seele reden...

    Also ich bin weiblich, 36, verheiratet.
    Mein Mann und ich haben an das Haus meiner Eltern angebaut.
    Eigentlich hätte ich von Anfang an wissen müssen, daß das nicht gut gehen kann und schleunigst das Weite suchen.
    Da wir uns jedoch selbständig machen wollten (und auch haben-erfolgreich) haben wir das Angebot der Eltern ohne langes Nachdenken angenommen
    -und damit geht mein Problem los:
    Ich habe mich mit meiner Mutter noch nie gut verstanden.
    Habe mich von ihr immer kontrolliert und beobachtet gefühlt-dieses Problem besteht auch heute noch.
    Es geht so weit, daß ich mich-ich kanns nicht besser ausdrücken-irgendwie nicht traue, wirklich zu leben.
    Ich denke, eigentlich bin ich ganz anders, viel fröhlicher und lebendiger.
    Freundinnen haben mir bestätigt, daß ich mich völlig anders verhalte, wenn meine Mutter in der Nähe ist-nix mehr mit fröhlich und gesprächig usw.
    Für mich ist es irgendwie beschämend, in diesem Alter noch Probleme dieser Art zu haben-das würde ich eher bei einem Teenager verstehen.
    Meine Mutter ist ständig präsent; sie mischt sich ins Geschäft ein, in die Partnerschaft, in den Haushalt, usw...sogar eine Schwangerschaft wollte sie mir schon "befehlen".
    Schlimm ist auch ihr Verhalten gegenüber anderen:
    Alle anderen sind grundsätzlich böse, alle anderen sind grundsätzlich an allem schuld, Menschen werden sehr schnell ohne Hinterfragen als moralisch verwerflich hingestellt. Ich kann so eine Einstellung nicht ertragen-und derartige Auswüchse meiner Mutter kosten mich sehr viel Kraft.
    Ich hoffe, ihr könnt nachvollziehen was ich meine,bin momentan sehr aufgewühlt deswegen.
    Die eigentliche Frage ist: Was würdet ihr tun? Wegziehen oder bleiben?
    Wenn man wegzieht, wird es dann besser? Oder ist es nur eine Flucht?
    Außerdem ist es nicht einfach, wegzugehen wegen dem Geschäft und auch aus moralischen Gründen meinen Eltern gegenüber. Außerdem möchte mein Mann nicht weg-er hat keine Probleme mit meinen Eltern.
    Meine Schwiegermutter allerdings rät mir, mit meinem Mann wegzuziehen, da es uns dann mit Sicherheit besser ginge.
    Eigentlich möchte ich das auch und dann wieder nicht.
    Aber ich merke, daß es so nicht weitergehen kann, es macht mich kaputt.
    Ich fühle mich wie in einem unsichtbaren Gefängnis.
    Meine Mutter geht auch einfach ungefragt zu uns ins Haus-sie läßt keine Privatsphäre zu.
    Das Schlimme ist, daß sie nichts annimmt-habe schon alles mögliche versucht und bin nur noch resigniert.
    Bitte sagt mir, wie ihr darüber denkt.

    Vielen Dank schon mal.
    Liebe Grüße
    Lesewichtel

  2. #2
    Schreibkraft
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    Hallo Lesewichtel!

    Du scheinst ein Problem zu haben, welches ich von einer Freundin genau, wie du es beschreibst, kenne. Und ich muß mich auch bei ihr immer wundern, wie sehr sie eigentlich die Lösungswege schon erkennt, aber nur aus Liebe zu den Eltern diesen Schritt nicht geht.
    Du bist 36 Jahre alt, stehst eigentlich auf eigenen Beinen. Warum hängst du dich dann trotzdem noch an den Rockzipfel deiner Eltern? Was würde sich ändern, wenn du nicht mehr in dem Haus wohnen würdest? Für dich doch dann nur angenehmes...
    Deine Eltern hatten mal die Pflicht dich zu versorgen. Aber du hast jetzt nicht die Pflicht ihnen das zu danken in dem du immer greifbar bleibst.
    Du hast selbst geschrieben, daß du nie ein gutes Verhältnis zu deiner Mutter hattest. Hast du ihr denn mal gesagt, daß du ihr Einmischen in euer Leben nicht möchtest? Hast du ihr mal gesagt, daß sie bitte klingeln soll, wenn sie zu euch kommt? Schließlich habt ihr ein Recht auf Privatsphäre...
    Vor was hast du Angst?

    Deine Mutter rät dir selbst mit deinem Mann wegzuziehen. Dann geh den Schritt und du wirst merken, daß sich auch das Verhältnis zu deiner Mutter wieder bessert

    Denk nicht an Moral. Denk an dich!
    Jamie
    Wer Schmetterlinge lachen hört, weiß wie Wolken riechen.

  3. #3
    Neuling
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    Hallo Jamie,

    vielen Dank für Deine Antwort.
    Hab diese Art von Antwort schon befürchtet , denn eigentlich weiß ich es ja selbst.
    Es ist nur so furchtbar schwer für mich...
    Zunächst müßte ich mal meinen Mann überzeugen. Er versteht mich zwar im Prinzip, aber er meint, ich solle das alles lockerer nehmen.
    Wenn`s so einfach wär.
    Ich habe versucht, meiner Mutter klarzumachen, daß ihre Einmischung nicht erwünscht ist-das hilft aber, wenn überhaupt, nur sehr kurzfristig...
    Um auf Deine Frage zurückzukommen:
    Ich hänge mich nicht an den Rockzipfel meiner Eltern, ganz im Gegenteil, ich will ja weg vom Rockzipfel, aber ich darf nicht...
    Für mich persönlich wärs sicher gut, wenn wir wegziehen werden.
    Ich denk mir halt nur, daß es schwierig wird, geeignete Geschäftsräume und eine annehmbare Wohnung zu finden. Soll ja alles bezahlbar sein...
    Na ja, und unser Haus ist eigentlich sehr schön, wär schon schade drum (da häng ich irgendwie schon emotional dran, weil wir es mit viel Liebe eingerichtet haben).
    Desweiteren habe ich Angst vor der eventuellen Willkür eines Vermieters.
    Im eigenen Haus kann man zumindest nicht rausgeworfen werden-außer man kann die Raten nicht bezahlen.
    Meine Schwiegermutter hat mir geraten, wegzugehen, nicht meine Mutter.
    Lieber Jamie, ich weiß, daß Du vermutlich oder sogar ziemlich sicher Recht hast, aber ich hab Angst-vor der ganzen Situation.
    Was ist, wenn ich es hinterher bereue?

    Liebe Grüße
    Lesewichtel

  4. #4
    Schreibkraft
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    Hallo Lesewichtel!

    Ich hoffe, ich habe nicht geschrieben,daß es einfach ist, das Elternhaus zuverlassen
    Jedenfalls nicht bei jedem... Für mich war es damals eine Rettung abzuhauen.
    Bei dir empfinde ich beim Lesen eine Mischung aus Angst,Schmerz und auch Sehnsucht. Und bei so einem Durcheinander ist es schwer eine Entscheidung zu treffen.

    Mach doch mal eine Liste. So eine einfach Pro-und-Kontra-Liste. Schreib alles rein, was dir einfällt, was dir wichtig ist. Du bist ja in einer psychischen Zerrissenheit. Einerseits willst du weg, andererseits nicht. So eine Liste kann bei einer Entscheidung helfen.
    Rede dann mit deinem Mann. Er erlebt ja auch das Verhalten deiner Mutter. Ihr müßt eure Mutter ganz langsam, nach und nach, abnabeln. Ich denke, sie hat ,auch wenn ihr euch immer nur gestrittenn habt, ein großes Problem damit, dich "gehen zu lassen". Warum sie so verbittert ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber ist es vielleicht Angst?

    Es ist vielleicht ein banaler Gedanke, aber wenn ihr euer Haus vermietet, könnt ihr mit dre Einnahme doch eine Wohnung finanzieren. Sicher ist ein eigenes Dach über dem Kopf etwas angenehmes, aber ist das Haus angenehm für dich, wenn ständig deine Mutter in der Tür steht?

    Noch eine andere Idee... Würden kleine Geschäftsräume außerhalb eures Hauses reichen? Ich meine, wenn deine Mutter sich auch dort in euer Leben einmischt, wäre wenigstens dann schon mal eine kleine Last beseitigt. Geschäftliches und Privates unter einem Dach sehe ich sowieso kritisch

    Mich würde jetzt noch interessieren, was dir Angst an der Situation macht.
    Und vielleicht magst du mir noch erzählen, was du bereuen könntest. Darfst du keine Fehler machen? Was würde passieren, wenn du etwas änderst? Wie würde es dir dabei gehen? Was erwartest du von deiner Mutter dabei?

    Ich hätte noch viele Fragen, aber ich belasse es erstmal dabei
    Jamie
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  5. #5
    Neuling
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    Guten Morgen Jamie!

    Vielen Dank für Deine ausfühliche Antwort.

    Es gibt nichts schwierigeres, als das Elternhaus zu verlassen, finde ich.
    Wie ist es Dir damals ergangen als Du abgehauen bist? Haben sie Dich auch nicht gehen lassen?
    Mit der Mischung aus Angst, Schmerz und Sehnsucht hast Du völlig recht.
    Genau so geht es mir.
    Pro-und-Kontra-Listen habe ich über die Jahre schon viele gemacht-Du kannst Dir sicher denken, was dabei herauskam...
    Natürlich könnten wir das Haus vermieten oder verkaufen, aber das wäre eben für meine Eltern ganz fürchterlich, mit fremden Menschen nebenan.
    Weißt Du, es ist sehr schwer, Dir zu erklären, was in mir vorgeht.
    Meine Eltern haben sehr viel dafür geopfert, damit wir das Haus bauen konnten.
    Sie haben z.B. auf ihren schönen großen Garten verzichtet und an ihrem Haus einige Abstiche hinnehmen müssen, da die Häuser ja zusammengebaut sind.
    Außerdem haben sie beide überdurchschnittlich viel beim Bauen mitgeholfen.
    Ich käme mir einfach so undankbar vor.
    Mein Mann befürchtet auch, daß vielleicht Patienten ausbleiben, wenn wir wegziehen, und das können wir uns absolut nicht leisten.
    Geschäftsräume außerhalb des Hauses sind aus diesem Grund eher ungünstig.
    Außerdem haben wir das Haus ja gerade wegen der Geschäftsräume gebaut.
    Was mir an dem Ganzen Angst macht, kann ich gar nicht so genau sagen-ist eher eine diffuse Angst...
    Und bereuen...Vielleicht würden wir nichts Passendes finden und wir müßten dann irgendwie in einem "Loch" dahinfristen, außerdem weiß man nicht, was man für Nachbarn kriegt usw...Man könnte vom Regen in die Traufe kommen.
    Natürlich gestehe ich mir Fehler zu-aber wer macht schon gerne Fehler.
    Besonders wenn es um solche "großen" Entscheidungen geht. Das will wohlüberlegt sein.
    Wenn ich etwas ändere, könnte es mir wohl besser gehen-aber ich habe auch Angst vor dem Unbekannten.
    Puh, ich glaub, ich muß mir jetzt erstmal ne Tasse Kaffee machen-das Thema wühlt mich derartig auf...
    Ich denke, daß das Ganze derartig tief sitzt bei mir-werde wohl um eine Therapie nicht herumkommen.
    Wenn Du Fragen hast-nur zu. Beantworte ich Dir gerne.

    Liebe Grüße
    Lesewichtel

  6. #6
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    Hallo Lesewichtel!

    Was meinen Abschied von meinen Eltern angeht, war es für mich mehr eine Erlösung. Wir hatten kein gutes Verhältnis zueinander und durch die Distanz ist aus mir ein ganz anderer Mensch geworden. Ich bin freier und kann jetzt ab und zu den Teenager rauslassen, der so lange unterdrückt wurde. Ich brauche meine Eltern nicht und ich denke, sie brauchen mich nicht. Es war kein Problem, alles zu verlassen und meiner Ex-Heimat den Rücken zu kehren.

    Was mir auffällt bei dir ist, daß du nur an deine Eltern, aber nie an dich denkst. Klar haben sie dir geholfen, mit dem Haus und sicher auch bei vielen anderem. Bestimmt bist du dankbar für das, was sie alles für dich getan haben. Und du willst ihnen alles zurückgeben , was sie dir gegeben haben? Du willst sie nicht enttäuschen, in dem du mal nicht auf ihre Wünsche eingehst ? Du willst dein Leben unterordnen und immer nur für deine Eltern exsistieren? (Ich schreibe jetzt extra "exsistieren", weil mit "leben" hat das ja dann nicht mehr viel zu tun...)
    Es ist leider so, daß man es nie schaffen kann, das was die Eltern für einen getan haben, zurückzugeben. Das ist unmöglich. Es geht nur, wenn man selbst nicht lebt und auch dann stellt sich die Frage, ob das möglich ist.
    Normalerweise wollen die Eltern auch keine Gegenleistung. Sie sind doch froh, wenn die Kinder auf eigenen Beinen stehen können, wenn sie quasi "gut geraten" sind.
    Im Prinzip bist du dabei, dein Leben zu verschenken, ohne zu beachten, daß du nur diese eine hast

    Ich sehe ein, daß die Sache mit dem Haus nicht einfach ist. Wenn euer Geschäft damit verbunden ist, bauen sich noch mehr Schwierigkeiten auf. Vielleicht ist der Schritt ganz wegzugehen noch zu groß, oder vielleicht irgendwann nicht mehr möglich, wenn...
    Deine Mutter braucht ganz klare Regeln. Auch wenn es schwerfällt, mußt du ein deutliches Wörtchen reden. Sie darf sich nicht einfach so in eure Räumlichkeiten begeben. Schließlich seid ihr alt genug und braucht Privatsphäre. Zur Not richtet eine feste Zeit ein, wann ihr euch treffen wollt, oder sag ihr doch, daß du zu ihr kommst, wenn Zeit da ist.
    In eure Geschäftsräume würde ich sie gar nicht mehr reinlassen. Das geht sie nichts an, so hart es auch klingt. Sag ihr doch mal, daß du es schön findest, wie sehr sie sich interessiert aber das du diese Angelegenheiten gerne alleine bewältigen würdest. Wenn du Hilfe brauchst, würdest du dich an sie wenden.Irgendwie so...

    Könntest du dir vorstellen, so eine Familiensitzung einzuberufen?
    Mich würde ja mal sehr interessieren, wie deine Mutter so lebt. Gibt es deinen Vater noch? (Sorry, für die plumpe Frage...) Hat sie Freundinnen? Es muß ja einen Grund geben, warum sie sich so an dich klettet...
    Und was fühlst du, wenn du an deine Mutter denkst? Du hattest geschrieben, daß ihr kein gutes Verhältnis habt...
    Wenn du deinem Mann von deiner Aufgewühltheit erzählst, wenn du ihm erzählst, daß du so nicht leben kannst, was sagt er dann zu dir? Was tut er um dir das Leben wieder erträglich zu machen?

    Ich hoffe, die Fragen gehen nicht zu weit ins Persönliche.
    Jamie
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  7. #7
    Neuling
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    Hallo Jamie,

    Du schreibst, Du brauchst Deine Eltern nicht?
    Genauso gehts mir auch-eigentlich (und das habe ich noch nie jemandem gesagt) möchte ich gar nichts mit ihnen zu tun haben.
    Wie findest Du das?
    Daß ich nur an meine Eltern denken und mein Leben verschenken würde, hat man mir schon öfter gesagt, ja.
    Andererseits wurde mir aber auch schon gesagt, ich wäre egoistisch...
    In meinem Fall ist es eben schon so, daß die Eltern eine Gegenleistung verlangen-ich soll gefälligst hierbleiben und sie möglichst auch noch pflegen, wenn sie alt sind (aber DAS kann ich nun wirklich nicht!!).
    Im Übrigen will zumindest meine Mutter nicht, daß ich erwachsen und selbständig bin-ganz im Gegenteil: Ich soll möglichst hilflos und unmündig bleiben!! (Vermutlich hat sie dann eine Daseinsberechtigung.-Sie hat sicherlich ihre Probleme, die vermutlich aus einer unschönen Kindheit resultieren, aber diesen Schuh ziehe ich mir nicht an).
    Meinen Vater gibt es noch, aber er kann sich auch nicht recht gegen meine Mutter durchsetzen. Er ist eher der weiche Typ. Früher hatten wir ein gutes Verhältnis, das sich aber eigenartigerweise seit einigen Jahren in Gleichgültigkeit meinerseits gewandelt hat.
    Mein Vater respektiert größtenteils unsere Privatsphäre und kommt so gut wie nie rüber. Das Problem ist nur, daß meine Mutter ihn mit ihrem andauerndem Gejammer und Gemecker ganz irre macht und er dann manchmal auch ganz unausstehlich ist.
    Ich denke, das Problem meiner Mutter ist einfach, daß sie nichts mit sich anzufangen weiß und dann muß ich eben herhalten.
    Wenn ich an meine Mutter denke, bin ich eher zwiespältig, denn sie kann ja auch ein netter Kerl sein. Meist überwiegt aber mein Ärger über sie.
    Mein Mann ist total lieb und versucht mir das Leben so schön wie möglich zu machen. Ich denke aber, das Problem mit meiner Mutter ist mein Job, das muß ich selbst machen. Ich rede eigentlich selten mit ihm darüber, außer wenn mich wieder etwas besonders nervt.
    Ich möchte meinen Mann einfach nicht mit diesen Sachen belasten-er kann ja ohnehin nichts ändern.
    Das mit den festen Regeln für meine Mutter ist ziemlich unmöglich, da sie sich an nichts hält. Wenn ich was durchsetzen möchte, muß ich dies mit Brachialgewalt tun, aber das wollte ich bisher immer vermeiden.
    Ich denke mir, es muß doch eine andere Lösung geben, aber mir fällt keine ein.
    Wenn ich weggehe, kann sie mir immer noch hinterhertelefonieren oder unaufgefordert vor der Tür stehen.
    Das Schlimmste für mich ist einfach, daß sie so überpräsent ist.
    Ich habe immer so das Gefühl, daß sie beobachtet, ob ich arbeite oder mir einen schönen Lenz mache. Eigentlich soll ich immer nur funktionieren...
    In letzter Zeit wehre ich mich öfter und laß ihr auch schon mal einen Brocken hin, aber das strengt mich furchtbar an...
    Mein Mann ist ein sehr gutmütiger Mensch, er sagt immer: "Laß sie doch, Du weißt doch, wie sie ist". Ja, das weiß ich nur zu gut, hilft mir aber auch nicht weiter.
    Manchmal denke ich mir, ich gebe dem vielleicht zu viel Gewicht, weil ich beruflich nicht so ausgefüllt bin, wie ich möchte und aus diesem Grund zu viel nachdenke??

    Mit ratlosen Grüßen
    Lesewichtel

  8. #8
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    Hallo Lesewichtel!

    Es freut mich, daß meine Vermutungen scheinbar richtig sind und noch besser ist, daß du deine Situation auch selbst erkennst.
    Du hast in einem Abschnitt sehr gut geschrieben, was du alles nicht willst
    Und ich frage mich nun, warum läßt du das dann doch einfach zu, warum wehrst du dich nicht, warum schreist du nicht alles zusammen und machst jedem klar, wie du es dir vorstellst.
    Ich kenne dich nicht, weiß nur wenig über dich und irgendwie würde ich dich jetzt schon am liebsten schütteln, dir Mut machen, dich anfeuern...

    Deine Mutter scheint eine sehr dominante , schon fast neurotische Person zu sein. Schade, daß dein Vater nur kleinbeigibt, wohl schon aufgegeben hat mal dagegen zu halten.
    Ich denke gerade daran, daß ein Familientherapeut wohl jede Menge Freude bei euch empfinden würde. Weil es ist ,glaube ich, eine klassische Situation und doch scheinbar nicht leicht zu enträtseln. Ich habe irgendwie das Gefühl, daß ganz viel Verbittertsein bei deiner Mutter ausschlaggebend ist. Und dieses Verbittertsein kann mit Minderwertigkeitsgefühlen zusammenhängen.Aber die Analyse würde dir nicht unbedingt weiterhelfen, zumal sie ja auch aus der Distanz nicht zutreffend wäre

    Ich denke, wenn du etwas ändern willst, brauchst du ganz viel Kraft. Du mußt bereit sein, für einen Weg, der nicht einfach ist (wenn ich Xavier Naidoo mal zitieren darf).
    Ich denke, daß du nicht darüber hinauskommst, deiner Mutter immer wieder "auf die Finger zu hauen". Du mußt ihr immer wieder sagen, daß sie nicht ständig in eurem Haus herumturnen soll, daß sie nicht überall die Nase hineinstecken soll, daß sie an eurem Arbeitsplatz nichts zu suchen hat, daß sie in einem vernünftigen Ton mit dir zu reden hat...
    Ich habe jetzt extra so geschrieben, als würdest du ein Kind erziehen wollen. Aber so ähnlich ist es letztendlich auch. Deine Mutter scheint ihre Grenzen nicht zu kennen und die muß man ihr aufzeigen. Und das ganz klar, auch mal laut und deutlich.

    Dein Mann macht es sich schön einfach. Mit Sätzen "Du weißt doch, wie sie ist!" schiebt er dein Problem einfach nur zur Seite, ohne sich weiter damit zu beschäftigen. Er ist sicher auch hilflos. Ich will ihm ja nicht vorwerfen, daß ihm dein Problem egal ist...

    Du leidest unter der Situation und leidest weiter, wenn du den einfacheren Weg wählst.


    Hast du eigentlich noch mehr Geschwister?
    Wie war deine Mutter früher, in deiner Kindheit? War sie eher eine liebe gefühlvolle Mutter, oder eher kalt und distanziert?
    Was könnte sie von dir ablenken?

    Jamie
    Wer Schmetterlinge lachen hört, weiß wie Wolken riechen.

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