Ein Tag, an dem nichts so recht klappen wollte. Leistungen, die anerkannt wurden, ja, aber doch nicht geschätzt. Physikaufgaben, die ich mit größter Sorgfalt erledigt habe, was NIEMAND sonst getan hat (es war ja zu schwer, man hat es nicht verstanden, also erst gar nicht versucht), es hat meinen Lehrer nicht gejuckt, er ging davon aus, dass ALLE zu blöd dazu waren, er ignorierte mich.
Dann das Mädchen, das ich früher als eine meiner besten Freundinnen bezeichnete, ich kann es nicht sagen, bereits der Gedanke an sie bereitet mir Übelkeit, ihr bloßer Anblick, es nervt mich, es nervt mich sogar unbeschreiblich, sie ist ein verlogenes Miststück, künstlich, kein Charakter, reiner Mitläufer, heuchlerisch, ich kann diese Art von Mensch nicht ausstehen, ich weiß nicht warum sie so geworden ist. Fühlt sich geil weil sie blond ist, weil sie was "Besseres" ist, macht mit jedem Kerl rum, verletzt die Gefühle so vieler Menschen, Jungs wie auch Mädchen, macht sich an den Freund ihrer Freundin ran, was ist das nur für eine falsche Schlange?! Keinerlei Rücksichtnahme, glaubt so unheimlich intelligent zu sein, dabei geht sie den Lehrern auf den Keks, weil sie glaubt, sie könnte immer zu spät kommen und müsste nicht mitschreiben, irgendjemand wird es schon für sie haben, glaubt sie. Ich hasse sie.
(Anmerkung: Vielleicht möchtest du auch so künstlich sein, schonmal daran gedacht? Ihre Probleme haben, die gar keine sind? - Ha ha. Sie ist eine Schlampe.)
Der Vorfall in Winnenden. So viele Tote. Wegen eines Menschen, der nicht mehr mit seinem Leben klar gekommen ist. Was man dazu sagen kann? Ich weiß es nicht. Es ist zu unbeschreiblich, dieses Grauen, wenn Menschen verrückt werden. Ich habe Mitleid mit den Opfern, den Angehörigen, und trotzdem frage ich gleichzeitig, wie sich der Täter wohl fühlte. Was ihn dazu brachte, diesen letzten Schritt zu wagen und es durchzuziehen.
Wo hört Normalität auf? Wo fängt Wahnsinn an?
Auf unserer Schule wurde vor kurzem ein Amoklauf verhindert. Es sollte alles vertuscht werden, nichts davon durfte an die Öffentlichkeit. Auch wir Schüler wurden hingehalten. Es spricht sich aber trotzdem rum, wenn plötzlich alle Schüler nach Hause geschickt werden und die Polizei durch die Klassenzimmer läuft. Auch, wenn man uns für dumm verkaufen will. Wir kennen den Grund, warum ein Schüler jetzt nicht mehr auf die Schule kommt ebenso wie die Lehrer. "Es besteht kein Grund zur Sorge, es wurde alles geregelt." Ja, geregelt. Die Waffen wurden entfernt. Aber ihr habt euch immer noch nicht gefragt, wie es dazu kommt. Warum die Jugend so den Bach runtergeht.
Heute mein dritter Nervenzusammenbruch.
Ich hatte noch nie in meinem Leben ein derartiges Gefühl. Das erste Mal, vor genau einem Monat und einem Tag, das schlimmste, was ich je erlebt habe.
Sie mussten mich von der Straße kratzen, ich schrie und schlug mit meinen Handflächen auf die Straße, die nasse, kalte Straße, so lange, immer und immer wieder, bis sie bluteten. Ich schrie ununterbrochen, was weiß ich nicht mehr, es waren zusammenhangslose Dinge, ich schaute ihm hinterher, er war fort, er ging fort von mir, ich schloss die Augen und hämmerte weiter sinnlos auf den Asphalt, schrie vor Schmerzen, die Qualen, mein Kopf so laut, alles um mich herum nur eine verschwommene Masse, belanglos, es hielt mich nichts mehr. Ein Busfahrer musste anhalten, die Insassen schauten verwundert, entsetzt, angewidert. Sie sahen die Überreste eines Menschen, etwas, wo man lieber wegschauen möchte oder aber geradezu übermäßig interessiert hinschaut, damit man was zum Lachen hat oder zum Erzählen. Oder damit man sich selbst nicht mehr ganz so schäbig vorkommt. Der Busfahrer stieg aus und wollte mir aufhelfen, ich wollte ihn fortstoßen, sprang auf und rannte weg, blind, ich nahm nichts wahr außer meinem eigenen unregelmäßigen Atem und die Schneeflocken, die unbeteiligt zu Boden fielen.
Das war das erste Mal, dass ich die Kontrolle verloren habe.
12. Februar.
Dann, zwei Wochen später das Blackout zuhause. Es fing auf dem Heimweg an, ein kleiner Auslöser, Nachbarn riefen mir etwas zu, es wurde plötzlich so laut, so lästig, alles begann sich zu drehen, Musik so laut, plötzliche Angst vor etwas, was gar nicht da war, das Gefühl, vollkommen abgeschnitten zu sein, vollkommen weg. Ich stolperte ins Haus, kein Gefühl der Sicherheit, Angst, Panik, ich begann zu schreien, nur zu schreien, mein Kopf war so laut, ich hielt es nicht aus. Ich begann gegen Wände zu schlagen, meinen Kopf gegen den Spiegel zu hauen, immer wieder, mein Spiegelbild zu beschimpfen, obwohl es mir nichts getan hatte, ich begann alles und jeden zu verfluchen, abgrundtief zu hassen, vor allem mich selbst und Gott, falls es ihn gibt. Allerdings habe ich Respekt und so widersprach ich mir immer selbst, ich beschimpfte ihn und bat ihn um Verzeihung, mein Kopf ein einziges Chaos. Dann schwarz. Ein Sprung. Ich kam zu mir über der Kloschüssel im Bad, es sah wüst aus. Ich hatte mich übergeben. Ich weiß nicht mehr, wie es dazu kam. Dann setzte die Taubheit ein.
Sie hielt bis heute. Dritter Zusammenbruch. Ich habe mich zusammengerissen. Im Fußball. Es wurde mir alles zu viel. Sie töteten mich mit Kritik, die ich normalerweise sehr gut vertrage, ich hasste sie alle, obwohl sie meine Freunde sind, ich hasste jeden Menschen, all die die glauben, sie sind glücklich, die nicht sehen, wie es ist, das Leben. Es begann wieder, das Kreisen der Gedanken, ich begann zu weinen, sie wussten nicht warum, ich ging vom Platz, mein Verstand setzte aus, ich legte den Kopf zwischen die Knie und begann zu summen, um zu übertönen, was meine Gedanken mir erzählten. Dann immer wieder die Bilder, ich weiß nicht woher sie kommen, warum sie mich verfolgen, warum es mich verfolgt. Es kommt immer wieder, Tag und Nacht. Ich hasse Gesellschaft, sie treiben mich in den Wahnsinn mit ihrer Banalität, doch allein sein halte ich nicht aus.
Ich versprühe Gift, lasse alles und nichts daran teilhaben, denn sie sehen, doch sie verstehen nicht. Ich zeichne, sie sagen, es ist schön. Dabei ist es grausam, es ist die reine Verzweiflung, sie sehen nur ein Bild. Dann immer diese Nervosität, ständig das Gefühl zu krepieren, zu verrecken, doch ein schönes Gesicht, immer wieder ein schönes Gesicht machen, um die Illusion der okayen Welt nicht zu zerstören. Was ist nur los? Warum sieht es denn niemand? Es treibt mich in den Wahnsinn, ich verliere den Verstand, es beginnt wieder zu hämmern...was ist nur passiert?
Angst vor meinen Gedanken, Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Fallen, denn Aufstehen ist nicht mehr drin, niedergetrampelt wird man nur von Gleichgültigkeit, vielleicht auch Trotz.
Ich versuche jetzt einmal, der Sinnlosigkeit zu trotzen.
Ha. Gerade, weil es sinnlos ist, werde ich es tun. Werde ich verbissen weitermachen. Es kostet mich alles. Doch ich habe nichts mehr zu verlieren.
Welch geistreiche Worte.
Morgen wieder Schule. Nachhilfe geben. Kunsttheorie ertragen. Der Mann weiß nicht, worum es geht. Soetwas schimpft sich Kunstlehrer. Ein Mensch, der stur auswendig gelernt hat, dass er bei der und der Bildart sagen muss "Seht ihr, wie wunderbar ausdrucksvoll es ist? Seht ihr es leben?" Er sieht es nicht leben. Er tut nur so, weil es sein Job ist. Dieser Mann hat in etwa die Begabung einer Digitalkamera. Er zeichnet eins zu eins, kein Mackel. Aber er zeichnet ohne Leben. Kein Gefühl.
Durch eine Freundin erfuhr ich von Nietzsche. Ich möchte mehr über ihn wissen. Morgen habe ich Zeit. Wenn ich nicht gerade so tue, als ob ich für eine Arbeit lerne.
Ich bin so müde. Ich brauche Schlaf. Obwohl ich Angst davor habe, vor den Träumen der Nacht, ich komme nicht drum herum.
Gute Nacht Welt.
Ein weiterer Tag.
Heute sind es 28 Tage.


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