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Thema: Gedankenbucheintrag #523

  1. #1
    Neuling
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    Standard Gedankenbucheintrag #523

    Ursprünglich sollten die nachfolgenden Gedanken bloß ein weiterer Eintrag in meinem höchst privaten Gedankenbüchlein sein. Aus irgendeinem mir noch unerklärlichen Grund verspürte ich das Bedürfnis, mir "Feedback" hierzu einzuholen. Was ich mir hierdurch erhoffe, kann ich auch kaum sagen.
    Das Unterforum "Depressionen" habe ich ausgewählt, weil es, obwohl es nicht gänzlich treffend ist, doch am ehesten passt.

    ---

    Es ist anstrengend, immer stark zu bleiben, wenn man ständig allerlei Grobheiten, Dummheiten und Sticheleien zu ertragen hat. Ich möchte nicht zu tief ins Detail gehen, da ich sonst viele Zeilen mit den ärgsten Lächerlichkeiten und Widerlichkeiten füllen müsste, wonach mir nun wirklich nicht der Sinn steht, daher belasse ich es bei der Feststellung, dass ich es als bemerkenswert empfinde, wie das Leben es nicht lassen kann, mich immer und immer wieder zu verhöhnen. Ich höre das Schicksal rufen: „Sieh her! Dir bürde ich die Last auf, in einer widerlichen Welt zu leben. Dich setze ich in diese Welt!“. Nun verstehe ich immer mehr, was Nietzsche mit „unzeitgemäß“ meinte. Empirisch, am eigenen Leib und dies immerfort!
    Vielleicht ist das alles auch gut so? Nur wer schlechte Menschen und die schlechtesten der schlechten kennengelernt hat, hat die Welt wirklich kennengelernt. Andererseits stellt sich mir die Frage: „Wie viel Schmerz kann man ertragen, bevor der Faden reisst?“, um es in den Worten der Musik Minas Morguls auszusprechen. Wenn ich ehrlich bin, überwiegt letzterer Gedanke. Ich sorge mich um meine Gesundheit. Dass ich ohnehin nicht sehr belastbar bin und oft genug vor der endgültigen Verzweiflung stand, steht außer Frage, auch wenn kein einziger Mensch je ernsthaft Rücksicht darauf genommen hat. Ich habe noch nie von einem Menschen, der nicht Leidensgenosse ist, zu hören bekommen, dass ich mich mehr schonen soll. Offensichtlich haben Menschen, welche nie selbst ausgebrannt waren, keinerlei wirkliche Empathie für soetwas. Hiermit will ich auch sagen: Auf Scheinheiligkeit kann ich verzichten. Ich könnte mich auch gar nicht schonen, solange gegenteilige Forderungen bestehen, nämlich: Man soll sich nicht so anstellen, soll die Fortbildung machen, also diesem widerlichen Ungeist folgen, nämlich dem Geld hinterher rennen, soll Arbeit über Gesundheit stellen, soll unter Menschen gehen, soll nicht trinken, soll „normal“ sein. Dabei, vor allem auf der Arbeit, stets lächeln, sich trotz allem Grunde nicht krank schreiben lassen, und, nicht zu guter letzt, stets die Form beibehalten.
    Obwohl ich nicht mehr im Loch der Depressionen stecke - nehme ich an -, muss ich ähnliche Worte, wie ich sie damals genutzt hätte und habe, nutzen: Ich bin es leid. Das alles hier. Wären nicht die sozialen Verpflichtungen - man muss doch ein guter Sohn sein -, ich hätte das Handtuch schon längst hingeworfen.

    -----

    Da ich bezweifle, dass mein Geschreibsel auf Anhieb verständlich ist und ich wohl einen halben Roman schreiben müsste, um alles verständlich zu machen, warte ich einfach ab, was für Antworten kommen - sofern jemand überhaupt etwas hierauf zu antworten weiß.

    Gruß
    Amon
    Geändert von Amon (19.10.2011 um 09:49 Uhr)
    "Die Welt ist eben die Hölle, und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin.
    - Arthur Schopenhauer

  2. #2
    mad
    Gast

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    Guten Morgen,

    ich beginne mal mit einem Zitat von Dir:

    "(...) dass ich mich mehr schonen soll"

    Ich könnte nun fragen, was Du darunter verstehst, "Dich schonen", aber ich nehme an, es bedeutet das Gegenteil von dem, was Dich also belastet; so schreibst Du weiter:

    "Man soll sich nicht so anstellen, soll die Fortbildung machen, also diesem widerlichen Ungeist folgen, nämlich dem Geld hinterher rennen, soll Arbeit über Gesundheit stellen, soll unter Menschen gehen, soll nicht trinken, soll „normal“ sein."

    Heißt "schonen" somit, diesen Dingen aus dem Wege zu gehen? Schauen wir mal, ob das machbar ist: Ich lasse die Arbeit mal raus ...

    Dem Ungeist folgen, also dem heutigen Zeitgeist, dem oberflächlichen, primitiven, widerlichen Geist, den meinst Du? (Ja ... das Problem kenne ich - nicht zu unterschätzen, für viele nicht verstehbar, wie eklig die Menschen sein können ...)

    Weshalb aber das: "(...) unter Menschen gehen (...)" - muss nicht sein! Nun könntest Du oder wer anders einwenden, man solle das aber tun, damit man Mitglied der Gesellschaft ist, etc. usw.; aber mal ganz ernst gefragt: Selbst wenn Du es tätest, wärest Du wirklich "Mitglied"? Ich zweifle ...
    Du hast (wie ich) eine Schopenhauer-Signatur angehängt. Schopenhauer schreibt, das kleinere Übel ist die Einsamkeit, wenn man sich zwischen Gesellschaft und Einsamkeit entscheiden möchte.

    Und "normal" - ich kenne gar keine normalen Leute, für mich ist der "Ungeist" (wie Du es nennst) sehr grotesk, ich käme nicht auf die Idee, dort nach "Normalität" zu suchen, da mir diese Norm fremd ist.

    Du sprichst von "sozialen Verpflichtungen" und schreibst dann von Deinem "Sohn-Dasein" - man muss ein guter Sohn sein? Was ist denn ein "guter" Sohn? Ich nehme an, damit ist keine Moral gemeint, sondern eher eine gesellschaftliche Anforderung bzgl. Arbeit/Geld/Haus/Frau/Kind? Ja?

    Und was macht Dich zu einem "schlechten" Sohn? Was verlangt Dein Vater von Dir, damit er Dich als "gut" ansieht?

    Bis dahin erst einmal.

    LG

  3. #3
    Neuling
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    Hallo auch.

    Heißt "schonen" somit, diesen Dingen aus dem Wege zu gehen? ...
    "Schonen" war vielleicht ein wenig ungenau. "Den eigenen Idealen folgen" und "ehrlich mit sich selbst sein" passt auch.
    In erste Linie dachte ich mit "schonen" daran, dass ich oft an die Grenzen meiner psychischen Belastbarkeit komme. Auf der Arbeit wäre da die grauenhafte Vorgesetzte, welche die Arbeit zur Qual macht. Hierzu fällt mir allerdings auch keine Möglichkeit ein, mich zu schonen - daher auch meine "Notlage" und der Grund für das Bedürfnis, hier zu schreiben. Außerdem die Erwartungen meiner Mutter, bspw. dass ich nächstes Jahr die Weiterbildung beginne. Ehrlich gesagt bereitet mir dies jetzt schon Bauchschmerzen, da ich meine ohnehin schon kurze, freie Zeit nicht mit dem Erlernen kommunaler Kleingeisterei (ich arbeite in der Verwaltung) und Prüfungsängsten füllen möchte, nur um am Ende einen noch unliebsameren Job zu haben - Ganz abgesehen davon, dass mich der materielle Anreiz dessen gar nicht reizt.

    Dem Ungeist folgen, also dem heutigen Zeitgeist, dem oberflächlichen, primitiven, widerlichen Geist, den meinst Du?
    Korrekt. Hier kommen wir der Sache mit dem "ein guter Sohn sein" schon ein wenig näher. Meine Mutter lehnt mich als Menschen ab, weil ich nicht in ihr Weltbild passe. (Meinem Vater ist alles familiäre sowieso egal). Sie ist höchst irrational, emotional, bildungsfern, engstirnig und stets giftig, wenn man versucht, etwas gegen ihr Weltbild zu argumentieren. Schon dass ich keinerlei Interesse an irgendwelchen gesellschaftlichen Aktivitäten mit Menschen habe ist eine unüberwindbare Meinungsverschiedenheit. Ich soll doch endlich "ganz normal" sein... Ich glaube, du verstehst.

    Kurzum: U.a. die Quälerei auf der Arbeit und der innere Zwist wegen den Erwartungen meiner Mutter führen zu Depressivität, Burn out, was auch immer. Allerdings sei gesagt, dass ich ohnehin schon immer psychische Probleme hatte. Vielleicht muss ich mich damit einfach abfinden. Vor meiner Therapie 2008 war da bspw. Soziale Phobie, selbstverletzendes Verhalten, schwere depressive Krisen, emotionale Instabilität, bis hin zu Suizidalität (bin auch schon im Krankenhaus aufgewacht). Zumindest dem Problem mit meiner Mutter werde ich aus dem Weg gehen können, sobald ich in etwa 1-2 Jahren eine eigene Wohnung beziehe.

    Was Schopenhauer angeht, kann ich noch sagen, dass ich immer wieder zur "Beruhigung" in seinen Werken lese, wenn meine Psyche wieder versucht, mit mir Achterbahn zu fahren. Seine Worte könnten meine Gedanken bisher am beschreiben. Dabei habe ich vor allem Zitate wie folgende im Sinn:

    "Dennoch aber sind die Menschen tausend Mal mehr bemüht, sich Reichthum, als Geistesbildung zu erwerben; während doch ganz gewiß was man ist, viel mehr zu unserm Glücke beiträgt, als was man hat."

    "Noch kommt hinzu, daß was wirklichen Werth hat in der Welt nicht geachtet wird, und was geachtet wird keinen Werth hat. Hievon ist die Zurückgezogenheit jedes Würdigen und Ausgezeichneten der Beweis und die Folge. Diesem Allen nach wird es in Dem, der etwas Rechtes an sich selber hat, ächte Lebensweisheit seyn, wenn er, erforderlichen Falls, seine Bedürfnisse einschränkt, um nur seine Freiheit zu wahren, oder zu erweitern, […]"

    "Der geistreiche Mensch wird vor Allem nach Schmerzlosigkeit, Ungehudeltseyn, Ruhe und Muße streben, folglich ein stilles, bescheidenes, aber möglichst unangefochtenes Leben suchen und demgemäß, nach einiger Bekanntschaft mit den sogenannten Menschen, die Zurückgezogenheit und, bei großen Geiste, sogar die Einsamkeit wählen. Denn je mehr Einer an sich selber hat, desto weniger bedarf er von außen und desto weniger auch können die Uebrigen ihm seyn. Darum führt die Eminenz des Geistes zur Ungeselligkeit. Ja, wenn die Qualität der Gesellschaft sich durch die Quantität ersetzen ließe; da wäre es der Mühe werth, sogar in der großen Welt zu leben; aber leider geben hundert Narren, auf Einem Haufen, noch keinen gescheiten Mann."

    "Denn, um nicht sehr unglücklich zu werden, ist das sicherste Mittel, daß man nicht verlange, sehr glücklich zu seyn."


    Gruß
    Geändert von Amon (20.10.2011 um 17:35 Uhr)
    "Die Welt ist eben die Hölle, und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin.
    - Arthur Schopenhauer

  4. #4
    Neuling
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    "Schonen" war vielleicht ein wenig ungenau. "Den eigenen Idealen folgen" und "ehrlich mit sich selbst sein" passt auch.
    In erste Linie dachte ich mit "schonen" daran, dass ich oft an die Grenzen meiner psychischen Belastbarkeit komme. Auf der Arbeit wäre da die grauenhafte Vorgesetzte, welche die Arbeit zur Qual macht. Hierzu fällt mir allerdings auch keine Möglichkeit ein, mich zu schonen - daher auch meine "Notlage" und der Grund für das Bedürfnis, hier zu schreiben. Außerdem die Erwartungen meiner Mutter, bspw. dass ich nächstes Jahr die Weiterbildung beginne. Ehrlich gesagt bereitet mir dies jetzt schon Bauchschmerzen, da ich meine ohnehin schon kurze, freie Zeit nicht mit dem Erlernen kommunaler Kleingeisterei (ich arbeite in der Verwaltung) und Prüfungsängsten füllen möchte, nur um am Ende einen noch unliebsameren Job zu haben - Ganz abgesehen davon, dass mich der materielle Anreiz dessen gar nicht reizt.
    Was sind deine Ideale? Hast du ein Ziel oder weißt du nicht was du willst? Was hindert dich deinen Idealismus zu leben? Warst du seither unehrlich mit dir, mit deiner Umwelt? Gönnst du dir ausreichend Erholung, Schlaf? Warum hat deine Mutter noch so viel Einfluss auf dich?
    Was hindert dich aus deinem beruflichen Umfeld auszusteigen, etwas neues zu beginnen?
    Gruß
    joli

  5. #5
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    Was sind deine Ideale?
    "Die goldene Regel" und "suum cuique - Jedem das Seine". Für mich wären das: Ruhe, Muße und Freiheit. Natürlich ist das kaum möglich, da jeder seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Im kärglichen Rest der Freizeit versuche ich dann möglichst viel Stille, Ruhe und Einsamkeit zu genießen.

    Hast du ein Ziel oder weißt du nicht, was du willst?
    Ziel im üblichen Sinne? Nein. Ansonsten: Mein o.g. Ideal zu verfolgen.

    Was hindert dich, deinen Idealismus zu leben?
    Gute Frage. ... Nachdem ich einige Minuten darüber nachgedacht habe, komme ich zu folgendem Ergebnis:
    - Besagte Erwartungen, welche meinem Idealismus zuwider laufen.
    - Ich selbst, weil ich armseliger Thor immer noch Wert auf die Meinung anderer lege. Die einzig richtige Lösung wäre: Einen Dreck auf die Erwartungen anderer zu geben, doch dass wäre ein sozialer Selbstmord. Hier bereiten einem die urmenschlichen, genetisch bedingten sozialen Veranlagungen Probleme. Das ist, wenn der Verstand vom Menschen in einem gefesselt ist. Einem Menschen aber daraus einen Vorwurf zu machen, dass er an seiner Menschlichkeit leidet, wäre etwas skuril, nicht?

    Warst du seither unehrlich mit dir, mit deiner Umwelt?
    Früher war ich es. Heute bin ich ehrlicher und das tut gut.

    Gönnst du dir ausreichend Erholung, Schlaf?
    Angesichts der beruflichen Dauerbelastung und meiner ohnehin sehr geringen Stresstoleranz ist es nur schwer möglich, überhaupt von Erholung zu reden. Der Mensch ist keine Batterie, welche man beliebig aufladen und entladen kann. Wenn man an einem Sonntagabend schon Furcht vor dem nächsten Morgen hat, ist das keine Sache der Erholung, sondern der Abartigkeit unserer Arbeitswelt.
    Ausreichend Schlaf? Natürlich nicht. Ich muss, wie wohl jeder arbeitstätige Mensch, früh aufstehen, obwohl ich noch einige Stündchen länger schlafen wollen würde. Einfach ein wenig früher schlafen zu gehen läuft aber meinem Biorhythmus zuwider - und ein solcher hat tausendfach mehr Wert als die Erwartungen unserer modernen Gesellschaft.

    Warum hat deine Mutter noch so viel Einfluss auf dich?
    Weil ich ein Idiot bin. [PS: Ich bewundere die Ehrlichkeit dieses Satzes o.O]

    Was hindert dich aus deinem beruflichen Umfeld auszusteigen, etwas neues zu beginnen?
    Krankheitsbedingte Antriebs- & Motivationslosigkeit, persönlichkeitsbedingte Faulheit und die Angst, es nicht zu schaffen.
    Geändert von Amon (23.10.2011 um 20:12 Uhr)
    "Die Welt ist eben die Hölle, und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin.
    - Arthur Schopenhauer

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