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Alt 16.10.2008, 14:33   #1 (permalink)
Nachwuchs Autor
 
Registriert seit: 24.05.2008
Ort: nrw
Beiträge: 893
Standard Gedankenzwänge

Ich würde gerne wissen, wie man mit zwanghaften Gedankenstrukturen umgehen kann: genauer: mit zwanghaften Gedanken an Selbstmord.
Das äußert sich bei mir in etwa so: Ich habe einen sehr anstrengenden Arbeitstag an der Uni und zwei Jobs und danach sitze ich zu Hause und habe Zeit, eine Weíle nachzudenken. Doch sobald ich nachdenke, kommen die Gedanken: Ich möchte sterben. Ich will eigentlich gar nicht mehr. Ich kann dem Leben nichts mehr abgewinnen. Ich finde das Leben kalt und habe das Gefühl trotz vieler Freunde ganz allein zu sein.
Ich muss immer arbeiten, arbeiten, arbeiten, dann geht es mir ganz gut, ich halte alles aus, fühle mich gut, wenn ich etwas geleistet habe und ich bin sehr leistungsfähig. Doch sobald ich fertig bin: Gedanken an sterben, Suizid, Nicht-mehr-da-sein, keine Lebensqualität. Ich bin in dem Sinne nicht suizidgefährdet, also ich denke nicht, dass ich in den nächsten Monaten mich ernsthaft umbringen werde, dazu fehlt mir der Mut, aber die Gedanken sind die ganze Zeit da wie ein "Hämmern" im Kopf.+
Ach ja: hab über längere Zeit Psychopharmaka genommen, aber die haben nichts gebracht, außer dass ich wirr im Kopf und total zappelig war.
SirWiwor ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2008, 14:54   #2 (permalink)
Verleger
 
Benutzerbild von Natz
 
Registriert seit: 02.01.2008
Ort: im Süden
Beiträge: 5.293
Standard

Was sagt denn Dein Therapeut/in dazu?
Es gibt auch Psychopharmaka, die besser gegen Zwänge wirken, vll. solltest Du nochmal mit einem Fachmann sprechen, ob es nicht eine Möglichkeit wäre, noch was anderes auszuprobieren.
Die Frage ist ja aber eigentlich, bist Du depressiv oder handelt es sich ausschließlich um Zwänge. Über Gedankenzwänge gibt es jede Menge Literatur, hier ein Beispiel:
http://www.amazon.de/Kobold-Kopf-Die...4161640&sr=1-1
Vll. konnte ich Dir damit etwas helfen.

Grüße,

Natz
__________________
LG, Natz




Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)
Natz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2008, 15:01   #3 (permalink)
Verleger
 
Benutzerbild von Waris
 
Registriert seit: 12.01.2007
Ort: Köln
Beiträge: 2.314
Standard

Ich würde auch gerne wissen: Bist du wirklich nicht mehr lebenswillig oder sind es wirklich "nur" Zwangsgedanken? Es gibt ein gutes Buch über Zwänge, es heißt "Wenn Zwänge das Leben einengen". Darin ist gur beschrieben, woher Zwänge und Zwangsgedanken kommen und wie man ihnen begegnet.
__________________
Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

Ich bin frei und ich l(i)ebe es!!!
Waris ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2008, 16:00   #4 (permalink)
Gast570
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Zitat:
Zitat von SirWiwor
Ich muss immer arbeiten, arbeiten, arbeiten,[...]
Die Sehnsucht nach ein wenig Ruhe ist sicher groß, wenn Du so zwanghaft(?) arbeiten musst. Warum ist es Dir nicht möglich, Dich gut zu fühlen, wenn Du einmal nicht arbeitest, nichts leistest?*Gruß*Harlequin
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Alt 16.10.2008, 23:15   #5 (permalink)
Gast784
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Hallo Sirwiwor,

so wie Du Deinen Alltag hier beschreibst, hab ich den Eindruck, dass Du sehr einseitig lebst. Vll wollen diese Gedanken Dich darauf hinweisen, dass Du SO eine Lebensführung eigentlich als nicht lebenswert erachtest. Die "Sehnsucht" nach dem Sterben könnte ja der Wunsch danach sein, dass Ungelebtes endlich geboren werden kann.

Mir kam bei Deiner Schilderung spontan der Gedanke, wie das wohl wäre, wenn so jemand mit diesem Lebenswandel für ein paar Wochen in ein Kloster geht. Ist ja inzwischen sehr beliebt. Und das nicht ohne Grund. Es geht vielen Menschen so. Auch die Pilgerwege sind nicht nur von religiösen "Spinnern" und "trendigen" Touristen so bevölkert, sondern auch von sehr vielen Menschen, die auf der Suche nach Sinnhaftigkeit, nach Ruhe im Gedankenkarusell, und eigentlich nach sich selbst sind.

lg Gaby
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Alt 17.10.2008, 00:03   #6 (permalink)
Nachwuchs Autor
 
Registriert seit: 24.05.2008
Ort: nrw
Beiträge: 893
Standard

Danke für eure Antworten, ich gehe sie Mal durch.

(...) Was sagt denn Dein Therapeut/in dazu? (...)

Ich hab mit ihr bisher darüber nicht wirklich geredet. Ich hab das Gefühl, sie nimmt schon den Rest, den ich ihr erzähle, nicht wirklich ernst bzw. sie versteht oft gar nicht, was ich meine. Außerdem weiß ich meist eh, was sie antworten wird, sie kommt immer nur mit der Kindheitsnummer als wäre ich blöd und unfähig zu erkennen, dass meine jetzige Situation etwas mit der Kindheit zu tun haben könnte.
Trotzdem möchte ich sie behalten, denn eine andere finde ich nicht, die Therapeuten vorher hatten meist 5 Sitzungen mit mir und mich dann weitergeschickt.

(...) Warum ist es Dir nicht möglich, Dich gut zu fühlen, wenn Du einmal nicht arbeitest, nichts leistest? (...)

Ich weiß nicht - vielleicht geringer Selbstwert. Oder weil ich dann Zeit habe zum Nachdenken und dann denke ich monoton nur darüber nach, wie leer das Leben ist und wie unwichtig meine Gedanken.


(...) Ich würde auch gerne wissen: Bist du wirklich nicht mehr lebenswillig oder sind es wirklich "nur" Zwangsgedanken? (...)

beides, glaub ich, aber wie gesagt: umbringen werd ich mich in nächster Zeit nicht, trau ich mich einfach nicht.

(...) so wie Du Deinen Alltag hier beschreibst, hab ich den Eindruck, dass Du sehr einseitig lebst. Vll wollen diese Gedanken Dich darauf hinweisen, dass Du SO eine Lebensführung eigentlich als nicht lebenswert erachtest. (...)

Das mit der Einseitigkeit stimmt schon. Nur irgendwie bringt es doch auch nichts, das zu ändern und ich weiß nicht wie. Ein Beispiel; ich esse fast nichts am Tag (meist ein belegtes Brötchen oder einen Döner), aber ich ekle mich, sobald ich mehr esse, komme mir dann vor wie ein Mastschwein oder finde es einfach sinnlos.
SirWiwor ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.10.2008, 13:21   #7 (permalink)
Gast784
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Zitat:
Zitat von SirWiwor Beitrag anzeigen
Das mit der Einseitigkeit stimmt schon. Nur irgendwie bringt es doch auch nichts, das zu ändern und ich weiß nicht wie. .
Hallo SirWiwor,

warum soll das nix bringen, wenn Du andere Seiten ne Chance gibst? Was hast Du zu verlieren? So wie es jetzt ist, ist es ja anscheinend nicht die Glückseeligmachung

Das "ich-weiss-nicht-wie" brachte mich grad auf nen gewagten Gedanken, den ich einfach mal äußere: Wie wärs, wenn Du versuchst das Gegenteil zu machen von dem, was Du bisher gemacht hast? Soweit das möglich ist. Also mal aktiv in die Fülle gehen und aus dem Mangel heraus. Gut, beim Essen ist das wahrscheinlich nicht so einfach möglich, weil Du mit Ess-Störungen Deiner Angehörigen aufgewachsen bist, wenn ich das richtig verstanden habe. Aber wenigstens mal versuchen, großzügig zu Dir selbst zu sein, Dir was gönnen usw.

Auf der anderen Seite Rückzug in Dich selbst und in die Stille und Langsamkeit, da wo Du vll zu sehr flüchtest, ablenkst usw. durch z.B. Freizeitaktivitäten, Freunde.

Gibt es eigentlich so etwas wie Spiritualität in Deinem Leben?

Bezüglich Therapeuten: welche Einstellung und welche Erwartungen hast Du zu ihnen? Vertust Du vll viel Zeit bei ihnen mit Selbstdarstellungen, anstatt zum wesentlichen zu kommen? Erwartest Du von ihnen, dass sie Dir sagen, wer Du bist und was Du zu tun hast? Könnte es vll ein möglicher Ansatz sein, sie wirklich im Sinne von Weg-Begleiter zu sehen, also dass Du derjenige bist, der die Arbeit macht, und sie lediglich Helfer dabei sind? Eigentlich gehts nämlich nur so
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Alt 17.10.2008, 13:52   #8 (permalink)
Verleger
 
Benutzerbild von Natz
 
Registriert seit: 02.01.2008
Ort: im Süden
Beiträge: 5.293
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Ich habe auch das Gefühl, dass Dein Leben sehr aus Selbsthass und Geisselung basiert aber ich denke-wie Du ja auch selbst gesagt hast-bist Du Dir darüber schon im Klaren.
Wieso haben Dich denn die anderen Theras weggeschickt? Ich weiß nicht, Sirwiwor, wenn man mit einem Thera nicht weiterkommt, sollte man vll. doch nochmal schauen, ob dass das Ende der Fahnenstange ist. Ich würde doch nochmal schauen, ob ich nicht was finde, dass mich weiterbringt, sonst vergeudest Du ja mehr oder weniger die Zeit dort.

Grüße,

Natz
__________________
LG, Natz




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Natz ist offline   Mit Zitat antworten
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