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Thema: Gefühllos

  1. #1
    Neuling
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    Standard Gefühllos

    Hallo, mein Sohn starb vor 3 wochen im Alter von 39, ein Sekunden Tod. Die ersten 2 wochen war ich sehr wüten und habe jeden angeschrien, ich konnte aber nicht weinen. Und jetzt fühl ich gar nichts! Was ist los mit mir? Ich habe meinen Sohn sehr geliebt, warum brech ich nicht zusammen und weine? Ich habe Angst vor dieses nichts fühlen. Kann mir jemand helfen?

  2. #2
    Gast9159
    Gast

    Standard

    Hallo Tremont,

    das tut mir sehr leid mit deinem Sohn.
    Mit der Verarbeitung von Trauer geht jeder Mensch anders um, hier gibt es kein "üblich" oder "unüblich" im Verhalten. Wenn du nicht weinst, dann ist das so, das heisst ja nicht, dass du nicht trauerst. Vielleicht meinst du nur, du musst weinen, eventuell weil du denkst, das "gehört sich so" (meinst du, andere erwarten das vielleicht?), das ist aber nicht so.

    Nach so einem Todesfall gehen einem alle möglichen Gefühle durch den Kopf, und je nach dem, wie man den Fall verarbeitet, durchlebt man auch bestimmte Phasen der Trauer. Man man redet von Trauerphasen, in denen viele Menschen ähnlich reagieren (von Schock und Nicht-glauben wollen über Verzweiflung/Wut bis zum Annehmen irgendwann). Das Ganze kann bis zu mehreren Jahren dauern und trotzdem ist jeder einzelne Fall sehr individuell und kann ganz anders verlaufen. Es gibt also schon eine Art "Katalog", mit dem versucht wurde darzustellen, wann und wie lange welche Reaktionen (Trauerphasen) vorkommen und bei den meisten Menschen üblich sind, aber diese Auflistung heisst auch nicht, dass es so ablaufen MUSS.

    In der Trauer sind alle Reaktionen "richtig", denn jeder ist verschieden. Du musst das vor allem auch nicht erklären, warum du nicht weinst. Wenn du vorher schon selten geweint hast, bist du vielleicht einfach jemand, der seine Trauer eher nach innern trägt. Vielleicht kommt das noch später, vielleicht aber auch nicht, es hat einfach nicht die große Bedeutung, wie du vielleicht denkst und ist kein "Beweis" für Trauer.

    Aber besonders wichtig ist, dass du dich nicht nach Katalog oder nach fremden Vorgaben verhalten musst, das betrifft deine Nachbarschaft, Freunde und Verwandte, denn jeder reagiert anders, wie gesagt. Wenn du aber etwas darüber wissen willst, dann lies dich etwas durch bei Verena Kast, etwa hier die Trauerphasen:
    http://www.lacrima-muenchen.de/servi...rena-kast.html

    Heisst aber nicht, dass man unbedingt auch immer genauso reagieren muss. Es hilft aber, besser zu verstehen, warum man so reagiert, wie man reagiert. Und es macht Hoffnung, weil man sehen, kann, dass dieser Prozeß auch irgendwann ein Ende hat, denn auch wenn einem der Angehörige immer im Herzen bleiben wird, wird es doch die Zeit nach der Trauer geben.

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