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Thema: Gesucht: Mut und Zuversicht! Abzugeben: Angst

  1. #1
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    Standard Gesucht: Mut und Zuversicht! Abzugeben: Angst

    Hallo liebe Community,

    ich habe mich heute hier registriert, um euch einerseits meine Geschichte zu erzählen und euch andererseits zu bitten mir Mut und Zuspruch oder auch einfach nur einen Rat bei der Bewältigung meiner Angst zu geben.
    Ich habe eine speziellere Mischung aus verschiedenen Angststörungen. Sie setzt sich zusammen aus der Angst vor Nähe, der Angst vor Trennung, der Angst verletzt zu werden und der Angst vor einer bestimmten Person, zu welcher ich keine positiven Emotionen entwickeln möchte, aus Angst meine große Liebe zu verlieren. Daraus resultierten Zwangsgedanken und Depressionen. (So viel mal kurz und kompakt )

    Ich freue mich auf eure Kommentare und entschuldige mich falls es an der ein oder anderen Stelle zu lange wird. Möchte jemand einfach nur Zuspruch geben, der springt mit dem Lesen unter die gestrichelte Linie im ZWEITEN Post (Der Beitrag ist doch etwas länger geworden, sodass ich ihn aufteilen musste). Wer Zeit und Lust hat, der liest meine ganze Geschichte. Ich hoffe, dass sich einige Zweifelnden wiederfinden.

    ---------------------------------------------------

    Hier meine Geschichte:

    Im Sommer 2007 ging ich für ein Jahr ins Auslandsstudium. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit meiner Freundin schon 10 Monate zusammen und wir liebten uns sehr. Die Entscheidung ins Ausland zu gehen traf ich schon vor unserer Beziehung und war somit nie zur Debatte gestanden. Nichts desto trotz eine extrem schwere Trennungszeit, besonders für sie, die zurückbleiben musste. Nach 8 Monaten folgte die Trennung als ich sie in der Heimat besuchte. Sie verließ mich aus heiterem Himmel, wusste nicht mehr ob sie mich noch liebte und hatte auch einen anderen Kennengelernt (was ich später erfuhr). Es folgte die Rückkehr ins Ausland und die wohl schwersten Wochen Liebeskummer meines Lebens. Nach einiger Zeit entschloss ich mich, mich abzulenken. Ich ging feiern, baute ein Schutzschild um mich herum und beschloss, mir keine negativen Gedanken mehr zu machen. Ich hatte ja noch 6 Wochen die ich genießen wollte. So lernte ich ebenso Frauen kennen mit denen ich mich ablenkte. Eine von diesen Frauen war eine gute Freundin, welche ich schon im ganzen Jahr kannte. Nach einer durchzechten Nacht landeten wir zusammen im Bett. Danach war auch alles weiterhin in Ordnung zwischen uns und es entwickelte sich eine kurze unverfängliche Affäre. Liebesbekundungen, Zärtlichkeiten oder gemeinsame Abendessen Fehlanzeige - es beschränkte sich auf Sex und sonst ein distanziert freundschaftliches Verhältnis. Meine letzte Nacht im Ausland wollte ich aus symbolischen Gründen des Abschieds unbedingt alleine verbringen. Doch wie es so ist mit dem Alkohol...auch in der letzten Nacht landete ich in der Kiste mit ihr. Dies bereue ich bis heute zu tiefst.
    Kurz zuvor führten wir über skype ein Gespräch, in dem wir beide klar definierten, dass wir uns symphatisch sind uns gut verstehen aber eine Beziehung nicht in Frage kommt. Wie man dann so schön immer sagt: "Vielleicht zu anderer Zeit, unter anderen Umständen". Und damit ging es beiden gut. Zu solch einer Erkenntnis kommt man nicht sofort, man macht sich auch Gedanken darüber, ob eine Beziehung in Frage kommen würde. Sex ist etwas sehr intimes und Gefühle und Emotionen gehen damit einher. Ich würde lügen, wenn ich sage, ich fand sie nicht interessant. Ich denke das ist ganz normal bei einer Affäre. Sie hatte mehr oder weniger genau die Eigenschaften, die meine Freundin nicht hatte (was aber nicht bedeutet, dass ich diese Eigenschaften vermisst habe...).

    So viel zur Vorgeschichte. Das Desaster begann nach meiner Rückkehr nach Deutschland im zweiten Post:
    Geändert von Martinez (16.10.2011 um 21:53 Uhr)

  2. #2
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    Standard

    Als ich zurückkam war noch eine Euphorie zu spüren, mir ging es gut und ich war gespannt was mich in Deutschland beim Antritt meines Reststudiums erwarten würde. Nach einer Woche stand ein Treffen mit meiner "Ex" an, da ich noch Sachen bei ihr deponiert hatte. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, Knie schlotterten als ich ihr wieder gegenüber stand. Ich merkte schnell, dass ich noch unglaublich viele Gefühle für sie hatte.
    Es folgte eine Annäherungsphase und letztendlich die Wiederaufnahme unserer Beziehung. Ich fühlte, dass das die richtige Entscheidung war, denn ich liebte sie immernoch sehr. Doch dann entstand ein merkwürdiges Gefühl in mir, ein Gefühl der Angst. Der Fehler war, dass wir uns nie richtig ausgesprochen hatten, kein Tabula Rasa, wir dachten wir könnten einfach weitermachen. Die Tatsache, dass es "Angst" war die ich fühlte, erkannte ich damals noch nicht, sodass mir dieser merkwürdige Klops im Hals und das Drücken in der Brust völlige Unsicherheit bescherte. Angst schafft Zweifel und Unsicherheit. Da dieses Gefühl eng mit der Präsenz meiner Freundin zusammenhing war für mich zunächst die Frage im Raum, ob ich sie überhaupt noch liebe. Ich steigerte mich in den Gedanken schrecklich rein und er belastete mich unglaublich. Doch trotz allem Schmerz und Zweifel wollte ich sie nicht verlassen weil es irgendetwas in mir gab was mir doch den richtigen Weg wies.
    Die zweite Baustelle, welche die erste Baustelle noch extrem getriggert hat war meine Affäre aus dem Ausland. Nach ca 3 Wochen schrieben wir uns das erste mal wieder über skype und ich berichtete ihr, dass ich und meine Freundin uns dazu entschlossen haben, noch einmal die Beziehung einzugehen. Sie machte einen enttäuschten Eindruck. Doch plötzlich geschah etwas, was mich noch unsicherer machte, als ich eh schon war. Ich verspürte unglaubliche Panik beim schreiben mit ihr. Adrenalin schoss durch meinen Körper bei jeder Zeile die sie schrieb. Mein Herz schlug bis zum Hals und ich wollte in keinem Fall den Kontakt zu ihr halten. Ich sah plötzlich Gefahr in ihr, Gefahr dass ich meine Freundin wieder verlieren könnte. Ich löschte sie umgehend aus meiner Kontaktliste und dachte, ok das geht vorbei. Doch ich hatte damals keine Erfahrung mit Angststörungen. Die von mir oben genannten Sympthome von Angst ähneln sehr denen des "verliebtseins"...und ich dachte dass ich doch noch in meine Affäre verliebt sein könnte ohne dass ich es gemerkt hatte. Dies war der Beginn, dass meine erste Baustelle, gepaart mit meiner zweiten Baustelle zum Teufelskreis der Angst wurde. Das Emotionschaos nahm seinen lauf. Ich wurde Depressiv, nahm unendlich viel ab, libidoverlust, Heulkrämpfe...die Angst hatte mein Leben eingenommen. Ich beschloss die Situation anzugehen und mich innerhalb meiner momentanen Situation behandeln zu lassen.
    Ich begang mich in tiefenpsychologische Therapie und nahm AD (Stangyl). Nach 5 Monaten fühlte ich mich besser und verließ die Therapie zurück in mein Leben.
    Meine Freundin und ich gingen gemeinsam durch die schwere Zeit, sie war und ist mir immer ein riesen Halt gewesen und in den Momenten der Angstfreiheit spürte ich die unglaubliche Liebe zu ihr. Sie ist meine große Liebe und wir führen die großartigste und respektvollste Beziehung die man sich nur wünschen kann. Es gibt nichts negatives, was ich darüber sagen kann. Doch etwas in mir ging nicht weg. Ein kleiner Funken Bedrückung. Doch was war es? Die Zwangsgedanken an meine Affäre schwirrten immernoch in meinem Kopf und weiterhin breitete sich Adrenalin aus, wenn ich auch nur annähernd über drei Ecken (bspw. über Facebook) etwas von ihr kommentiert sah. Die Verdrängungsphase hatte eingesetzt, ohne dass ich es gemerkt hatte.
    Mit weiser Voraussicht auf das was mir bevorstehen könnte und dann auch tatsächlich bevorstand, begab ich mich 2 Jahre nach meiner letzten Thera in eine neue (vor 3 Monaten). Eine erneute Trennung stand an, diesmal ging meine Freundin für 4 Monate ins Ausland. Diesmal in eine Verhaltenstherapie. Wir arbeiteten alles auf und mein Problem der Angststörung wurde besser herauskristallisiert (als in der tiefenpsychologischen Therapie).
    Nun ging jedoch eine neue, mindestens genauso schlimme Phase los. Als meine Freundin ging, fiel ich in ein ganz schlimmes Loch. Die Ängste wurden unerträglich, ich bekam Zwangsgedanken. Aggressive zu beginn, später gegen alles was abnormal war, Angst Todkrank zu sein, Angst vor einer Psychose, usw. usw. Ein wahrer Höllenritt mit all ihren Sympthomen (Adrenalin, Herzrasen, Derealisation ...). Nach 6 Wochen der Trennung besuchte ich meine Freundin im Ausland. Wir hatten einen wunderschönen Urlaub, doch selbst in den perfektesten Momenten spürte ich den Klos im Hals. Ich setzte mich immer bewusster mit meiner größten Angst auseinander - der Angst vor meiner Affäre. Und nach drei einhalb langen Jahren der Verdrängung, beschloss ich mir meiner Angst zu stellen. Ich entschloss mich, den Kontakt zu meiner Affäre wieder aufzunehmen, um zu begreifen, dass ich keine Angst haben muss, dass irgendwelche nie vorhandenden Gefühle auffachen könnten, die MICH dazu bewegen würden, meine Freundin zu verlassen. Denn wenn man ja jemanden anderen lieben würde, kann man ja nicht mit einer Person zusammen sein. Das ist meine Angst. Angst dass meine (möglicherweise entstehenden) Emotionen zu jemand anderen dazu führt, meine Freundin zu verlassen und ich sie deswegen verliere. Ein unglaublich zehrender und schlimmer Zustand.

    -----------------------------------

    Das war vor zwei Wochen. Nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub erklärte ich meiner Psychologin meinen Entschluss mich meiner Angst zu stellen. Sie signalisierte mir ihre Freude und erklärte mir, dass sie das als erstes Ziel für unsere Therapie erhofft hat. Doch nie hat sie mich dazu gedrängt oder dies forciert, was ich ihr sehr hoch anrechne.

    Doch nun steh ich da. Ich möchte meine größte Angst besiegen indem ich mich mit der Person konfrontiere, die mir Angst macht. Doch der Klassiker ist in mir präsent: Die Angst vor der Angst. Eine Exposition ist schlecht möglich, ich muss tatsächlich alleine durch. Doch was wird passieren? Werde ich Rückfälle haben? Wie soll ich das alleine (ohne die Anwesenheit meiner Liebe) aushalten? Werden die Zweifel wieder schlimmer? Wird sich doch meine größte Angst bewahrheiten?? 1000000 Szenarien die permanent in meinem Kopf ablaufen und mir die Kehle zuschnüren. Doch nie zuvor hatte ich das Gefühl, dass mich etwas weiter voranbringen könnte - ja, mich vielleicht sogar "heilen" könnte. Ein unglaublich euphorisierendes Gefühl. Doch die Angst und das Wissen, wie schlecht es mir phasenweise in den letzten drei Jahren ging und auch momentan wieder geht, hemmen mich.

    Ich habe einen tollen Satz gelesen, an diesem Versuche ich mich heranzuhangeln:

    "Das sinnvolle Gegenteil von Angst ist nicht „keine Angst mehr haben“, sondern Vertrauen, Mut und Zuversicht."

    Ich möchte gerne Vertrauen haben, dass ich den richtigen Weg gehe.
    Ich möchte Mut haben mich der Angst zu stellen.
    Ich möchte Zuversicht haben, dass alles gut wird!

    Ich wünsche mir von Antworten Zuspruch, Motivation, Mut oder vielleicht auch Erfahrungen zur Konfrontationstherapie. Was glaubt ihr wie lange es dauert, bis sich die Angst normalisiert hat und wie intensiv eine Konfrontation (auch mit anderen Angstgegenständen) sein sollte.

    Ich danke euch und dass es solche Möglichkeiten des Austauschs gibt. Ich werde euch auf dem Laufenden halten und hoffe diesen Thread irgendwann unter "Genesung" verschieben zu lassen

    LG

    Euer Martinez

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