Hallo zusammen,

ich bin neunzehn Jahre alt, komme aus Hamburg und spiele leidenschaftlich Hockey. Früher in meiner Jugend habe ich den Sport nur sehr schwach ausgeübt und ohne Motivation. Meine damaligen Mitspieler spielen heute in der Bundesliga und zum Teil Nationalmannschaft. Ich weiß nicht, ob ich es hätte auch schaffen können, wenn ich mehr Willen gezeigt hätte. Ich frage mich das immer wieder. Heute kann ich den Sport leider nicht mehr richtig ausüben. Ich habe ein merkwürdiges Leiden seit etwa 7 Jahren. Beim Joggen werden meine Waden steinhart und fangen an zu schmerzen. Das Ganze hat sich so verschlimmert, dass ich nun keine 20 Sekunden mehr schmerzfrei laufen kann. Treppen steigen tut auch weh. Allerdings ist das kein Schmerz bei dem man einfach mal die Zähne zusammen beißen kann. Ich kann und will so nicht leben. Früher habe ich das gerne und bereitwillig als Ausrede genommen um nicht Kondition trainieren zu müssen. Heute hasse ich mich für dieses Verhalten und verachte es. Heute gäbe ich alles um joggen gehen zu können. Ich habe vor einem Jahr einen neuen Trainer (Nationaltrainer eines „kleineren“ Staates) bekommen. Seine Einstellung zum Sport ist für mich höchst bewundernswert. Er hat mich bis in die Haarspitzen motiviert und mir eine nie gekannte Freude an diesem Sport vermittelt, so dass ich diesen nun tatsächlich lebe. Eine Hausarbeit habe ich verfasst, sowie die Arbeit als Co-Trainer habe ich unter ihm wieder aufgenommen. Ich habe mich in diesen Sport total verliebt und einen nie gekannten Ehrgeiz entwickelt. Ich denke, ich kann von mir behaupten, dass Hockey wohl mehr oder weniger das wichtigste in meinem Leben ist.
Die Situation wird durch meine Erkrankung allerdings mehr als getrübt. Nach einer jahrelangen Odyssee habe ich nun endlich eine Diagnose. Borreliose. Diese Krankheit ist eventuell für die Waden, bzw. inzwischen Beinprobleme, verantwortlich. Ich bin nun seit vielleicht 1,5 Monaten in Behandlung. Ich merke keine Veränderung, ich habe weiterhin Schmerzen wenn ich Treppen steige. Mein größter Lebenswunsch ist wieder so gesund zu sein, dass ich im Hockey etwas erreichen kann. Mein Trainer, der sämtliche Nationaltrainer kennt, würde mich dem Nationalcoach Dänemarks (habe eine Doppelstaatsbürgerschaft) vorstellen. Das ist für mich ein enormer Ansporn. Ich wünsche mir nichts so sehr, wie dieses Ziel zu erreichen. Allerdings kritisiere ich mich gleichzeitig für das „Gejammer“. Mein Trainer, der für mich eine ungeheure Vorbildfunktion erfüllt, ist durch einen Verkehrsunfall querschnittsgelähmt worden. Für ihn bestand keine Hoffnung je wieder laufen zu können. Heute läuft er (55) die 10km in unter 1h. Das imponiert mir unheimlich. Leider schaffe ich das nicht. Ich habe einen Monat lang Antibiotika genommen und bin zurzeit auf einer Kur gemischt aus sämtlichen Mineralien und Spurenelementen, um mein Blut wieder hinzubekommen.
Ich bin durch das ganze schwer mitgenommen und den Tränen immer wieder so nahe wenn ich an meine Situation denke, allerdings breche ich nicht in sie aus. Ich bitte zu respektieren, dass ich zwar einigen von meinen Problemen erzählt habe, aber nicht voll und ganz drüber sprechen kann. Das Schreiben hilft mir schon ein wenig.
Meine Lebensfreude ist so ziemlich dahin. Die Stunden, die ich Spaß habe, sind eigentlich auf dem Hockeyplatz (als Trainer, Co-Trainer oder zum Zocken). Ich verbringe trotz Krankheit etwa 15-20h die Woche auf dem Platz. So kitschig das klingen mag, für mich ist es doch der schönste Platz der Welt, an dem ich mich gerne mit Leuten verabrede.

Vielen, vielen Dank fürs Lesen!