Hallo,
ich bin neu hier und muss meinen Sorgen direkt Luft machen, denn es gibt eine Sache, die mich schon sehr beschäftigt und vor allem in letzter Zeit nicht mehr in Ruhe lässt.
Ich habe in Kindheit und Jugend eine schlimme Behandlung von meiner Mutter erfahren. Sie hat mich manchmal körperlich, aber vor allem psychisch schwer misshandelt. Ich leide deswegen noch immer unter Depressionen und litt auch lange unter sozialer Phobie. Seit Sommer 2009 bin ich therapeutischer Behandlung.
Vor 6 Jahren, kurz vor meinem Abitur, habe ich meinen aktuellen Partner kennengelernt. Die Beziehung mit ihm war für mich das genaue Gegenteil der Beziehung zu meiner Mutter: Er war liebevoll, bemüht, es hat einfach perfekt gepasst. So geborgen habe ich mich zuvor noch nie bei jemandem gefühlt.
Nach meinem Abitur bin ich daher sogar zum Studieren in die gleiche Stadt wie er gezogen.
Wir waren nicht mal ein Jahr zusammen, da begannen plötzlich unsere sexuellen Probleme. Vorher war in dem Bereich alles bestens. Doch auf einmal begann ich Schmerzen dabei zu haben. Ich gehe jetzt im Nachhinein davon aus, das diese psychosomatisch waren. Zum einen wurde zu dieser Zeit meine Depression schlimmer, weil ich realisierte, dass auch trotz des Auszugs von zu Hause große Schwierigkeiten im Leben hatte, andererseits begann damals eine Unzufriedenheit mit der Beziehung. Er schien sich nicht mehr so viele Mühe zu geben, versetzte mich oft usw.
So musste ich den Sex meistens mittendrin abbrechen, weil es mir einfach zu sehr weh getan hat. Am Anfang hatte mein Freund noch etwas Verständnis, doch je öfter das passierte, desto grober wurde er zu mir. Nicht körperlich, aber verbal. Er setzte mich unter Druck, wurde oft richtig sauer, wenn ich nicht mit ihm schlafen konnte. Dadurch wurde das ganze natürlich nicht besser, die Schmerzen hörten nicht auf. Aber trotzdem "versuchte" ich ihm zuliebe oft noch mit ihm zu schlafen, damit er nicht sauer wird. Irgendwann kam es dann so weit, dass ich ihn unter starken Schmerzen bitten musste, aufzuhören, was er aber einfach nicht tat. Zumindest dieses eine Mal schlief er also gegen meinen Willen weiter mit mir.
Diese Erfahrungen haben meine Vertrauen zu ihm in sexueller Hinsicht so zerstört, dass ich nicht mehr mit ihm schlafen konnte. Ich habe in unserer Beziehung seitdem alles, was in diese Richtung geht vermieden. Ich merke, dass ich mich total verkrampfe, wenn er schon meinen nackten Bauch oder meine nackten Beine berührt. Selbst leidenschaftliche Küsse gibt es keine mehr. Damals habe ich die Schuld irgendwie bei mir gesehen. Ich habe auch versucht, auf ihn zuzugehen, ihn gebeten die Sache langsam angehen zu lassen und nicht sofort wieder miteinander zu schlafen, sondern uns erst mal anders wieder sexuell anzunähern, worauf er damals wiederholt sagte: "Wenn es nicht sofort klappt, dann können wir es auch gleich komplett lassen."
Heute würde ich jemanden wegen so etwas sofort verlassen, ich bin aber bei ihm geblieben. 2008 habe ich mich von ihm getrennt. Es fällt mir schwer im Nachhinein zu beurteilen, warum alles so gelaufen ist, damals waren meine Depressionen auch am allerschlimmsten.
2009, nach fast genau einem Jahr Trennung, kamen wir wieder zusammen. In der Zwischenzeit hatte ich eine Art Affäre, in der der Sex (nicht immer, aber meistens) gut funktionierte. Ich hatte die Hoffnung, dass es mit meinem Freund nun auch wieder funktionieren könnte. Wir hatten uns beide verändert. Aber das blieb aus. Ich konnte und kann mich ihm seitdem in der Hinsicht nicht mehr öffnen, bis heute nicht.
Wir haben das Thema beide ziemlich verdrängt und selten angesprochen. Seit einem halben Jahr wohnen wir zusammen. Mein Therapeut sprach das Thema Sex vor einiger Zeit zum ersten Mal an und ich erzählte zum ersten Mal überhaupt jemandem davon. Seitdem schwirrt es mir ständig im Kopf herum. Davor hatte ich es einfach verdrängt.
Mein Freund und ich haben seitdem öfter darüber geredet. Er sagt, dass es ihm leid tut und dass er sich unglaublich schämt dafür, wie er war. Ich glaube ihm. Aber ich kann mir einfach nicht mehr vorstellen mit ihm zu schlafen. Erst jetzt, wo das angesprochen wurde, spüre ich eine unglaubliche Wut und Enttäuschung darüber, wie er so zu mir sein konnte.
Und jetzt weiß ich nicht mehr, was ich machen soll, wie ich mit dem Problem umgehen soll. Wie gesagt, heute würde ich sowas nicht mehr mitmachen, aber ich habe es mitgemacht. Und das ist schon Jahre her. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir das wieder hinkriegen könnten. Wir können es ja nicht ewig weiter verdrängen. Ich bin mir sogar sicher, dass mein Freund sich bemühen würde, liebevoll zu mir zu sein, aber das lasse ich ja noch nicht mal zu.
Ich weiß gar nicht, wie es mit der Beziehung weiter gehen soll. Es gibt auch einige andere Kleinigkeiten, die mich stören in der Beziehung. Aber wenn dieser dicke Klotz mit den sexuellen Problemen nicht wäre, dann wären diese nicht so schlimm, denke ich.
Noch vor kurzem habe ich mich entschlossen, mit ihm zusammen zu ziehen, und jetzt auf einmal gerät für mich alles ins Wanken.
Ich hoffe, dass mir irgend jemanden einen Rat geben kann, oder auch einfach nur schreiben mag, was er dazu denkt.
Liebe Grüße,
noir


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