psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 8 von 11

Thema: Härter werden (sorry für langen Text...)

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    06.09.2010
    Beiträge
    6
    Danke
    3
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard Härter werden (sorry für langen Text...)

    Hallo!
    Melde mich mit folgendem Problem an euch: Ich muss härter werden…

    Jeder der mir an dieser Stelle schreiben möchte, dass das nichts erstrebenswertes sei und das nur Matchos und traumatisierte Menschen typisch "hart" seien, und mir weis machen wollen, ich solle dieses Ziel nicht verfolgen, der mag diesen Thread jetzt bitte verlassen - denn diese Hinweise helfen mir nicht weiter.

    Zu meiner Person: Ich bin 19, bald 20 Jahre alt, männlich, habe eine Schwester, Eltern leben zusammen, jedoch habe ich die meiste Zeit meines Lebens mit meiner Mutter verbracht. Ich verstehe mich mit meiner Mutter auch bedeutend besser als mit meinem Vater, zu beiden ist das Verhältnis aber gut.

    Ich habe jetzt im Juni mein Abitur abgelegt und war (wenn ich das mal rein objektiv so sagen darf) ein hochangesehener Schüler an der Schule. Meine Noten waren top, meine soziale Kompetenz ließ sich sehen und ich hab sehr sehr viel freiwillig für die Schule getan. Eigentlich bin ich niemand, der sonderlich viel Wert auf die Meinung von anderen Leuten gibt, aber klar ist es kein schlechtes Gefühl wenn man anerkannt wird (besonders für das, was man schafft).

    In der Schule war ich trotz meiner Leistungen und meiner Beliebtheit auch bei meinen Lehrern mit der dreisteste Schüler überhaupt. Ich hab ein extrem loses Mundwerk. Fast schon arrogant mache ich von diesem gebrauch. Ich wurde im Zuge verschiedener Wettbewerbe (Debattierclub der Universität an welchem ich teilgenommen habe) förmlich darauf ausgebildet in Gesprächen mit anderen Menschen diese

    - bewusst zu manipulieren
    - durch Körpersprache zu manipulieren
    - suggestiv Gedanken einzupflanzen
    - durch mein Auftreten immerzu die Überhand in meinen Konversationen zu halten

    Auch kann ich bei anderen Menschen (wenn ich klar bin, was ich in meinen Situationen die ich weiter unten beschreibe nicht bin) durchaus ihre Intentionen analysieren und gegebenenfalls intervenieren.

    Ich benutzte diese "Waffen" niemals im persönlichen Gebrauch. Da bin ich strikt, da missbrauche ich meine Fähigkeiten nicht.
    Ich behaupte auch nicht jedermann von etwas überzeugen zu können, kann das aber definitiv besser als die meisten in meinem Alter.

    Alles in allem würde ich mich zudem als ein fast schon zu selbstbewusster Mensch ansehen: Meine Abiturklausuren habe ich ohne einen Hauch von Aufregung geschrieben und als Klavierspieler spiele ich alle Zeiten einmal vor einem Publikum mit je nachdem 500-1200 Leuten ohne auch nur einem Hauch von Lampenfieber und zu meinen Lehren hab ich echt teilweise Sachen an den Kopf geschmissen, die ich heute fast schon bereue... Wenn ich einen Raum betrete, dann erscheint es mir (und andere behaupten das auch), dass mir ein Stück der Autorität des Raumes mir in die Hand gelegt wird... Ich strahle das irgendwie fast schon natürlich aus.

    Wenn man das hier alles so ließt, dann denkt man sich, dass ich es eigentlich nicht nötig habe "härter" zu werden (oder vll. doch, vll. sehe ich hier einen Zusammenhang zwischen Selbstbewusstsein und Härte der so gar nicht existieren muss). Aber dem ist leider nicht so. Ich habe das dringend nötig. Ich bin das, was man als Weichei oder als Pussy bezeichnen würde. Oft schiebe ich ohne Grund Panik, bin sogar in Situationen die sich klar zum guten Wenden werden pessimistisch mit meinen Vorhersagen und ich fühle mich direkt beleidigt, wenn jmd. auch nur zu laut mit mir redet..

    Ich nehme mir alles immer sehr zu Herzen und wenn man mir keinerlei Aberwehmöglichkeiten gibt oder gar doch die Überhand in einem Gespräch mit mir gewinnt, dann bin ich so am Ende mit den Nerven und kann für eine ganze Weile nicht abschalten…

    Ich überlege was ich für Beispiele nennen kann… So hab ich beim Autofahren einmal einen Fahrradfahrer wirklich nicht gesehen, konnte aber rechtzeitig Bremsen. Ich wollte mich gerade entschuldigen, da schlägt er mit voller Wucht gegen die Seitenscheibe vom Fahrer aus gesehen. Klar erschrickt man sich bei dem Knall welcher dabei entsteht, jedoch hat mich das so fertig gemacht… Ich hab Stunden danach noch daran gedacht, tu es manchmal immer noch und ich wollte am liebsten heulen.

    Aktuelleres Beispiel: Ich leiste gerade meinen Zivildienst ab und Wechsel sogar meine Dienststelle, weil ich den Umgang mit mir inakzeptabel finde. Okay, er ist wirklich inakzeptabel (das ist gar keine Hyper-Reaktion meiner Person, wenn man mich dort als "Nichtsnutz" etc. ohne triftigen Grund bezeichnet könnte ich auch so hart wie John Wayne sein und ich würde wechseln ), aber das geht mir alles trotzdem so nah. Ich leiste denen da bei der Dienststelle zwar während dessen Paroli, jedoch hauptsächlich durch paradoxe Intervention (was nicht unbedingt selbstsicher rüber kommt, meistens fast schon witzig…). Wenn ich nach Hause komme beschäftigt mich das was die mit mir machen noch den ganzen Tag, im Moment habe ich fast panische Angst, dass der Wechsel doch nicht funktioniert und kann keine Sekunde abschalten.

    Sobald jemand der älter ist als ich besonders laut, unhöflich oder Grob mit mir redet bleibt das so lange an mir hängen und zieht mich so runter… Einzige Ausnahme sind hier Lehrer (vll. weil die mich damals einfach wegen meiner Leistung einfach anerkennen mussten!) und gleichaltrige (wenn mich jemand an der Bushalte doof anmacht dann Prügel ich mich zwar nicht aber rede mich geschickt aus der ganzen Sache raus und danach beschäftigt mich das auch nicht mehr).

    Anderes Beispiel: Ich sitze im Zug auf dem Weg nach Hamburg (von Bonn aus). Schaffner kommt und stempelt mein Ticket ab.
    Eine Station später kommt eine extrem arrogante Schaffnerin rein und möchte die Tickets sehen. Ich fahre ziemlich oft mit der Bahn und kenne daher die Arbeitsweise der Schaffnerinnen und Schaffner. Normalerweise kommt bei einem Schaffnerwechsel die neue Schaffnerin/der neue Schaffner in das Abteil rein, fragt wer zugestiegen ist und geht auf Vertrauen, dass die Leute welche wirklich neu zugestiegen sind ihr Ticket "freiwillig" zeigen. Diese Dame wollte von JEDEM das Ticket sehen. Macht ja nix, ich fahre schließlich nicht schwarz und die Frage ist ja durchaus berechtigt.

    Bei allen Leuten schaut sie sich das Ticket an, sieht dass es bereits abgestempelt ist und sagt danke. Mein Ticket (welches bereits abgestempelt war) stempelt die noch mal ab... Ich hatte keine Ahnung und dachte, dass jetzt im Prinzip eine Fahrt ungültig gemacht wurde.
    Da meinte ich "Darf ich sie fragen, wieso sie das jetzt noch mal abgestempelt haben? jetzt sieht das doch so aus, als hätte ich eine Fahrt mehr als erlaubt angetreten... " (ich hab das ganz höflich und in ruhigem Ton gemacht, ich war in dem Moment auch eher neugierig als irgendwie angepisst von ihrer Aktion, wollte ja nur was dazu lernen...)
    Plötzlich antwortet diese Schaffnerin wie eine hochaggressive Furie mit "UND WENN ICH 200 MAL HIER ANKOMME, DA WIRD JEDES MAL ABGESTEMPELT!", schreit mich unangemessen an und dachte mir nur "Okay...".
    Ich hab dann glücklicherweise schnell reagiert und meinte nur "Man wird ja wohl noch fragen dürfen, was ist das denn für ein Umgang bitte?"
    Demonstrativ geht die Dame zu dem nächsten Fahrgast und sagt extra laut damit ich es noch schön höre "GUTEN TAG, DIE FAHRKARTEN BITTE " nach dem Motto "Halt du mal jetzt die Fresse" (und nein, ich interpretiere da nix rein, die ist eiskalt auf meinen Einwand nicht eingegangen. Ich meinte eiskalt danach noch "Hallo!" und die hat nix gesagt).

    So was beschäftigt mich dann und in dem Moment bekomm ich ne leichte Panik + ein Schauer läuft mir den Rücken runter....


    Ich habe jahrelang Kampfsport betrieben und immer meine Meisterin dafür bewundert wie sie im Einklang mit sich und der Welt gelebt hat. Sie war wirklich "hart", die konnte vieles einfach abprallen lassen. Ich will das auch...

    Ich bewundere die Leute wenn ich Filme schaue wie sie ohne jede Angst sich in Situationen bringen, in welchen sie einfach zur Sau gemacht werden und das trotzdem wegstecken als sei es nichts. Ich bewundere es zu sehen wie Soldaten oder Agenten eiskalt bleiben, obwohl grad jemand ne Knarre an ihrer Schläfe hält. Um in die reale Welt zurück zu kommen: Ich bewundere nachts wenn ich weg bin Taxifahrer, welche den pöbelnden besoffenen mitnehmen und sich von dem teilweise Sachen anhören die wirklich krass sind, ohne dass es denen nahe geht… Etwas zum Schmunzeln: Irgendwo bewundere ich sogar Gangsta-Rapper: Die beleidigen die halbe Welt, sagen jedem die Meinung (fast schon kindisch) ins Gesicht und wenn sie dann Morddrohungen nach Hause bekommen ist denen das *******gal... (so macht es uns nach außen zumindest den Anschein...).

    Ich MUSS so einen Schutzschild auch endlich aufbauen, ich muss lernen etwas lockerer zu werden und ja, vor allem will ich lernen hart zu werden.
    Am liebsten würde ich mich freiwillig zu irgend einem dreckigen Training bei der Armee melden, aber das geht leider nicht so einfach und private Schulen wollen hierfür gute 2500-10.000€. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man mich für ein paar Wochen foltern müsste... Dann würde mich nichts mehr schocken.

    Ich bin ein sehr, fast schon zu emotionaler Mensch. Ich zeige für jeden ****** Empathie. Wenn ein/e Verkäufer/in im Supermarkt unhöflich wird, dann denke ich mir nur "Die/Der hatte sicher keinen leichten Tag " und versuche es dann zu vergessen. Nie haue ich mal auf den Tisch und sage "Drauf geschissen was für nen ****** Tag sie heute hatten, so redet man einfach nicht", zumal von mir immer erwartet wird die Fassung zu bewahren. Bin ich mal schlecht drauf, dann heißt es direkt "Was soll das?!"

    Was kann ich tun? =(
    Danke fürs Durchlesen... Ich brauche ernsthaft Hilfe. Meine Mutter nimmt mich bei dieser Problematik nicht ernst und Psychologe... Der frühste Termin den ich erwischen konnte war im Januar bei einem Diplom-Pädagoge, wo ich mich als (bis dahin) 20 järhiger ernsthaft Frage, ob dass das richtige für mich ist...

    Grüße

  2. #2
    Gast5147
    Gast

    Standard

    Hallo Josh,

    ich musste nun wirklich überlegen, was ich dazu schreiben soll/kann, denn ich möchte dazu etwas schreiben.
    Ich sehe das folgendermaßen: Du bist ein sehr emotionaler Mensch (was Du selbst ja weißt!), versteckst das hinter Deiner "ach, ich trete auf ohne Lampenfieber, schreibe Klausuren ohne Angst"-Fassade, und wünschst Dir nun, dass Du Dich nicht mehr über unfreundliche Leute aufregst, ja?

    Eine "gesunde" Meinung dazu: In dem Moment, wo man akzeptiert, wie man ist (in Deinem Fall "sensibel" in Bezug auf die Umgebung), nimmt das viel an Druck weg. Du akzeptierst Dich nämlich nicht, das ist Deine Problematik, nehme ich an.

    Aber Dein Ziel ist es, distanziert, kalt, kalkulierend zu werden? Bist Du denn bereit für das Einzelgängertum?
    Vielleicht möchtest Du Dich gerne abheben von den anderen und Deine Aufregung bezieht sich darauf, dass Du Dich überhaupt so aufregst?
    Vielleicht geht es einfach nur darum, dass Du nicht verstehen kannst, warum Menschen unfreundlich sind, obwohl Du in deren Situation freundlich wärst? Da kann ich leider nur sagen: So sind die meisten Menschen nun mal ...

    LG

    P.S.: Ich habe auch so eine ähnliche Sozialproblematik ...

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast5147 für den sinnvollen Beitrag:

    Josh (06.09.2010)

  4. #3
    Neuling
    Registriert seit
    06.09.2010
    Beiträge
    6
    Danke
    3
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard

    Hallo! Erst mal danke für deine Antwort Madness!

    Ich bin wirklich ein extrem emotionaler Mensch. Da muss ich dir uneingeschränkt recht geben. Ich zeige für alles Empathie, kann (will ich behaupten) sehr gut zuhören und mir fallen in meinem Leben nur eine Hand voll Situationen ein wo ich wirklich arg taktlos war. Normalerweise habe ich das richtige Feingefühl bei so was...

    Meine nicht vorhandene Angst bezüglich Klausuren und anderen Auftritten (Vorträge etc. da hatte ich auch nie n Problem mit!) ist aber ernsthaft keine Fassade. Ich merke richtig wie ich in diesen Situationen aufblühe, mein Körper und mein Kopf gar keine Probleme damit haben im Mittelpunkt zu stehen und ich auch psychisch kein Stückweit blockiere. Ich wünsche mir einfach, dass ich generell härter werde, mir das Herz nicht direkt bis zum Hals pocht wenn mich jemand dumm von der Seite anmacht oder mich unfreundliche Leute tagelang in meinem Kopf noch beschäftigen...

    Bereit für das Einzelgängertum, dazu sage ich eindeutig Ja. Das ist mein voller Ernst.
    Ich habe zwar viele Freunde und viele soziale Kontakte, aber irgendwie bin ich bereit das radikal einzuschränken zu Gunsten meiner "Härte". Das soll jetzt gar nicht besonders männlich sein, ich merke einfach, dass ich das zum Überleben nötig habe (falls ich das überhaupt will, Suizidgedanken plagen mich so oder so...).

    Dass sich meine Aufregung auf meine Aufregung bezieht finde ich ist ein interessanter Erklärungsansatz. Wenn ich so drüber nachdenke: Ja, ich rege mich zum Teil auch darüber auf, dass wenn ein Freund von mir doof angemacht wird er nur einmal "Drauf geschissen" sagt und nie wieder daran auch nur einen Gedanken verschwendet, während dessen ich davon erschüttert werde.

    Über die Menschen, dass sie so reagieren (und ich es ehrlich niemals tue...) rege ich mich so oder so auf... Ich persönlich finde so ein Verhalten fast schon krank...

    Dir mal alles Gute von mir, wo du auch eine ähnliche Problematik hast. Das ist echt ein Fluch...

  5. #4
    Lib
    Lib ist offline
    Schreiberling
    Registriert seit
    26.05.2010
    Beiträge
    432
    Danke
    224
    292 mal in 164 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Josh,
    Du erinnerst mich an jemanden aus meinem direkten Umfeld, von daher weiß ich nicht so genau, ob ich da nicht etwas mit reinmische beim Schreiben. Ich tue es trotzdem mal.

    Zum einen ist mir der Gedanke gekommen, dass Menschen schlicht neidisch auf Dich sind. Wenn Du so ein Überflieger in allem bist, gehören Dir viele Herzen - und genauso oft wirst Du gehasst. Das führt glaube ich aber eher oft zu Intrigen im Hintergrund als zu offener Anfeindung, von daher bist Du vielleicht auch schlicht nicht gewöhnt, dass Dir der Wind mal ein bisschen härter ins Gesicht bläst. Das was Du schreibst, klingt nach sehr behüteter Kindheit mit stets allerbester Förderung. Jetzt bist Du erwachsen und musst Dein Ding selbst machen. Das ist sicher erst mal nicht so einfach, aber Du wirst Dich darüber automatisch verändern, glaub ich. Härte braucht es da nicht, sondern die Kompetenz mit Situationen, die man durchlebt, kompetent umgehen zu können. Und dazu gehört, Erlebtes nochmal zu reflektieren und daraus für ähnliche Ereignisse in der Zukunft zu lernen, vielleicht jemanden zu haben, mit dem man darüber sprechen kann...

    Dann dachte ich mir noch, ob Dein Selbstbild und das Bild, das manche Mitmenschen sich von Dir machen, so kongruent ist?
    Du schreibst, Du hast ein super Sozialverhalten.
    Bei dem hier:
    In der Schule war ich trotz meiner Leistungen und meiner Beliebtheit auch bei meinen Lehrern mit der dreisteste Schüler überhaupt.
    würde ich Dir dies als Dein Lehrer nicht attestieren. Ich glaube, Du wirkst sehr unterschiedlich auf Menschen und polarisierst darin vielleicht sogar ein bisschen.

    Just my two cents:
    Lib

    Es gibt zwei Wege aus der Dunkelheit:
    Entweder Du machst Licht, dort wo Du bist,
    oder Du gehst in die Sonne.


  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Lib für den sinnvollen Beitrag:

    Josh (06.09.2010)

  7. #5
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Josh,

    nicht Härte, sondern Abgrenzung ist das Zauberwort.

    So hab ich beim Autofahren einmal einen Fahrradfahrer wirklich nicht gesehen, konnte aber rechtzeitig Bremsen. Ich wollte mich gerade entschuldigen, da schlägt er mit voller Wucht gegen die Seitenscheibe vom Fahrer aus gesehen. Klar erschrickt man sich bei dem Knall welcher dabei entsteht, jedoch hat mich das so fertig gemacht… Ich hab Stunden danach noch daran gedacht, tu es manchmal immer noch und ich wollte am liebsten heulen.
    Ihr seid beide erschrocken. Er hat spontan mit Agression reagiert. Du könntest auch so damit umgehen, dass Du es Dir nach diesem Schreck zugestehst, fertig zu sein und Dir sagst, der Radfahrer hat das selbe Recht dazu und zum Glück für euch beide ist es nochmal gut gegangen.

    Sobald jemand der älter ist als ich besonders laut, unhöflich oder Grob mit mir redet bleibt das so lange an mir hängen und zieht mich so runter.
    Warum machst Du seine Launen und Dummheiten zu Deinen? Du kannst Dir denken, schlechte Kinderstube, schlechten Tag oder sonst was, das aber nicht Deins ist - und ihn ignorieren bzw runterbremsen, falls er es an Dir auslässt. Dazu braucht es keine Härte, sondern Abgrenzung.

    Eine Station später kommt eine extrem arrogante Schaffnerin rein und möchte die Tickets sehen
    Du wertest schon von vornherein, entsprechend wirst Du alles, was dann kommt, auch so verstehen. Dabei kann es Dir auch hier schnurz sein, ob sie arrogant ist oder nur schlecht gelaunt, überlastet oder sonst was. Du kannst ihr sagen, was Sache ist, und wenn sie daraus ne Show machen will, ist das zwar nervig (mich nerven diese Beamtentypen auch), aber ihr Problem. Wenn sie schreit, dann kannst Du sie runterholen, indem Du sie daran erinnerst, dass sie die sachliche Ebene gerade verlässt, dass ihr Ton unangebracht ist, oder einen Witz machen. Egal. Aber es geht um Abgrenzung!

    Etwas zieht sich hier durch den ganzen Post, warum ich erst auch gar nicht antworten wollte: eine Mischung zwischen Überheblichkeit und Unsicherheit. Bezüglich der Beschreibung Deines Auftretens, wie Deiner Manipulationskenntnisse dachte ich mir nur, dass Arroganz eben doch eng mit Unsicherheit und Minderwertigkeitsgefühlen verflochten ist. Sonst braucht man die nicht, sry.

    Ich habe jahrelang Kampfsport betrieben und immer meine Meisterin dafür bewundert wie sie im Einklang mit sich und der Welt gelebt hat. Sie war wirklich "hart", die konnte vieles einfach abprallen lassen
    Mir scheint, Du hast die Prinzipien des Kampfsports nicht begriffen. Beweglichkeit und Flexibilität sind da wichtig, nicht Härte.

    Ich bewundere die Leute wenn ich Filme schaue wie sie ohne jede Angst sich in Situationen bringen, in welchen sie einfach zur Sau gemacht werden und das trotzdem wegstecken als sei es nichts
    Das Leben ist nicht Hollywood. In echt wird das Weggesteckte beim Therapeuten wieder ausgepackt und/ oder in Krankheiten ausagiert. Oder man ist so ne Dumpfbacke, dass man es gar nicht richtig mitkriegt.

    Ich bewundere es zu sehen wie Soldaten oder Agenten eiskalt bleiben, obwohl grad jemand ne Knarre an ihrer Schläfe hält. ...
    ... um in Wirklichkeit danach traumatisiert an meinem Arbeitsplatz zu landen...

    Ich bewundere nachts wenn ich weg bin Taxifahrer, welche den pöbelnden besoffenen mitnehmen und sich von dem teilweise Sachen anhören die wirklich krass sind, ohne dass es denen nahe geht…
    Woher willst Du das wissen? Haben sie eine Wahl? Sie verdienen ihre paar Kröten auf die Weise. So wie auch die Bäckereiverkäuferin, die früh morgens schon lächeln und den ganzen Tag freundlich sein muss. Darüber macht sich auch niemand Gedanken. Cool sind die alle nicht. Und Du weisst nicht, wie es innen drin aussieht.

    Irgendwo bewundere ich sogar Gangsta-Rapper: Die beleidigen die halbe Welt, sagen jedem die Meinung (fast schon kindisch) ins Gesicht und wenn sie dann Morddrohungen nach Hause bekommen ist denen das *******gal...
    Dann versauf und verkiff Dein Hirn, kauf Dir ein Goldkettchen, zieh nachts an die Tankstelle (der natürliche Lebensraum des Checkertiers) und werd glücklich

    Am liebsten würde ich mich freiwillig zu irgend einem dreckigen Training bei der Armee melden
    vll tuts auch schon Erlebnispädagogik. Da ist die Gefahr der Traumatisierung durch Desillusionierung nicht so groß.

    Wenn ein/e Verkäufer/in im Supermarkt unhöflich wird, dann denke ich mir nur "Die/Der hatte sicher keinen leichten Tag " und versuche es dann zu vergessen.
    Na also, es geht doch. Verständnis ist auch eine Form von Abgrenzung.

    Über die Menschen, dass sie so reagieren (und ich es ehrlich niemals tue...) rege ich mich so oder so auf
    so sehr, wie Du von Reaktion und Meinungen anderer Menschen abhängst, und davon, dass Du sie angeblich manipulieren kannst - da träumst Du von Einzelgängertum? Dann lauf doch im nächsten Urlaub einfach mal 2-3 Wochen für Dich alleine irgendwo hin, über die Alpen oder Pilgerweg oder sonst was. Da hast Du dann ein gutes Training fürs allein sein, wirst das, was wirklich wichtig ist, wieder schätzen zu lernen und einige Probleme weniger haben. Du bist dann danach vll nicht härter, aber sicherlich zäher und innendrin großzügiger mit Dir und der Welt.
    Geändert von Gast784 (06.09.2010 um 15:24 Uhr)

  8. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (06.09.2010),Josh (06.09.2010)

  9. #6
    Neuling
    Registriert seit
    06.09.2010
    Beiträge
    6
    Danke
    3
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard

    Zitat Zitat von Lib Beitrag anzeigen

    Zum einen ist mir der Gedanke gekommen, dass Menschen schlicht neidisch auf Dich sind. Wenn Du so ein Überflieger in allem bist, gehören Dir viele Herzen - und genauso oft wirst Du gehasst. Das führt glaube ich aber eher oft zu Intrigen im Hintergrund als zu offener Anfeindung, von daher bist Du vielleicht auch schlicht nicht gewöhnt, dass Dir der Wind mal ein bisschen härter ins Gesicht bläst. Das was Du schreibst, klingt nach sehr behüteter Kindheit mit stets allerbester Förderung. Jetzt bist Du erwachsen und musst Dein Ding selbst machen. Das ist sicher erst mal nicht so einfach, aber Du wirst Dich darüber automatisch verändern, glaub ich. Härte braucht es da nicht, sondern die Kompetenz mit Situationen, die man durchlebt, kompetent umgehen zu können. Und dazu gehört, Erlebtes nochmal zu reflektieren und daraus für ähnliche Ereignisse in der Zukunft zu lernen, vielleicht jemanden zu haben, mit dem man darüber sprechen kann...

    Dann dachte ich mir noch, ob Dein Selbstbild und das Bild, das manche Mitmenschen sich von Dir machen, so kongruent ist?
    Du schreibst, Du hast ein super Sozialverhalten.
    Bei dem hier:

    würde ich Dir dies als Dein Lehrer nicht attestieren. Ich glaube, Du wirkst sehr unterschiedlich auf Menschen und polarisierst darin vielleicht sogar ein bisschen.

    Just my two cents:
    Lib
    Hey
    Danke erst mal für deine Antwort! Ich wirke tatsächlich sehr unterschiedlich auf Menschen. Allerdings war ich zu den Lehrern niemals ohne Grund so dreist, meistens lief es darauf hinaus, dass Schüler systematisch gemobbt wurden und ich so was nicht ab kann...

    @Gabiannarele

    Wow, danke für die wirklich detaillierte Antwort! Ich geh mal kurz drauf ein:

    Warum ich die Launen und Dummheit anderer zu meinen mache weiß ich eben nicht... Ich zeige einfach viel zu viel Empathie in jeder Situation. Ich habe keinen Killerinstinkt, ich hab schon Leuten die mich echt mies behandelt haben (im Freundeskreis) trotzdem geholfen...
    Abgrenzung ist ein gutes Wort - darüber werde ich nachdenken...

    Die Schaffnerin war insofern arrogant, weil sie sich im Recht gefühlt hat obwohl sie dies nicht war. Als sie das Abteil betrat hab ich weder über sie geurteilt noch irgendwie sonderlich darüber nachgedacht ob ich sie sympathisch finde oder nicht Das kam etwas missverständlich in meiner Beschreibung rüber.

    Diese Mischung scheint ja genau das Problem zu sein... Gut erkannt. Darüber muss ich auch noch mal nachdenken. Abgrenzung und irgendwie ein "normalisieren" meines Ich-Bildes.


    Ich weiß nicht wie es in diesen Leuten die ich aufgezählt habe ausschaut, aber ich kann ja folgendes Beispiel kurz beschreiben: Bei der Zivistelle wo ich (noch) eingeteilt bin arbeitet eine Reinigungskraft die mir erzählt, dass sie ähnlich schlecht behandelt wird wie ich. Wegen dem Geld hält sie es schon 7 Jahre durch.
    Ich kann da nicht mal mehr einen einzigen Tag arbeiten, die macht seit 7 Jahren da dasselbe... Ich könnte das niemals. Sie ist insofern "härter" als ich... Und das macht mir Angst, ich glaube einfach ich bin zu weich...

    Zu den Rappern: Ich bin kein Fan von so was nicht falsch verstehen :-D Wollte nur deren Verhalten als Beispiel nehmen, aber du hast schon recht...

    Und zäher werden... Vll. ist härter das falsche aber zäher das richtige Wort.

    Gaby, ich bin dir wirklich sehr dankbar. Auch wenn es mir immer noch beschissen geht, deine Worte weisen mich glaube ich step by step in die richtige Richtung.

    Ich werde jetzt erst mal dafür sorgen, dass ich meine Dienststelle gewechselt bekomme und dann wird das schon klappen...

    Grüße und danke an alle

  10. #7
    Gast784
    Gast

    Standard

    Bei der Zivistelle wo ich (noch) eingeteilt bin arbeitet eine Reinigungskraft die mir erzählt, dass sie ähnlich schlecht behandelt wird wie ich. Wegen dem Geld hält sie es schon 7 Jahre durch.
    Ich kann da nicht mal mehr einen einzigen Tag arbeiten, die macht seit 7 Jahren da dasselbe... Ich könnte das niemals. Sie ist insofern "härter" als ich...
    das hat nix mit härter sein zu tun, Josh.

    Kennst Du den Spruch lieber das bekannte Elend als das Elend des Unbekannten?

    Es gibt soo viele Menschen, die jahrelang jammern und leiden und leiden und jammern, und trotzdem sich anscheinend kein bißchen weiter bewegen. Als junger Mensch hat mich das auch furchtbar mitgenommen. Inzwischen hab ich aber kapiert, würde man diesen Menschen ihr Elend nehmen, dann hätten sie... NICHTS

    Und Menschen ticken leider grundsätzlich so, dass man lieber in dem bleibt, was man kennt, auch wenn es noch so mies ist. Aber so krotesk es klingt, es bietet, da man es eben kennt, Sicherheit. Und Sicherheit ist eine bevorzugte (Über-)lebensstrategie von dem Tier Mensch.

    Es ist nicht immer alles so, wie es scheint...

    Zu den Rappern: Ich bin kein Fan von so was nicht falsch verstehen :-D Wollte nur deren Verhalten als Beispiel nehmen, aber du hast schon recht...
    na da bin ich ja froh *schweissabwisch*. Echte "Gangsters" fallen sowieso nachts vom Baum. Anders kann ich mir die rasante Vermehrung von dieser hirnlosen Spezies jedenfalls nicht erklären
    Geändert von Gast784 (06.09.2010 um 19:51 Uhr)

  11. #8
    Neuling
    Registriert seit
    06.09.2010
    Beiträge
    6
    Danke
    3
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard

    So, ich hab noch mal ein bisschen über alles nachgedacht und möchte mal einen anderen (viel viel) passenderen Begriff als "Härte" verwenden, welcher mein Problem beschreibt:

    Ich bin extrem leicht kränkbar. All die Beispiele zeigen eigentlich, dass ich einfach nur schnell und einfach zu kränken bin. Etwas, was für mich unverständlich ist, weil ich eigentlich ein sehr starkes und ausgeprägtes Selbstbewusstsein habe...


    Kann man mir helfen? =( Danke für alles schon mal...

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 21.08.2010, 15:28
  2. Ich vergass mich erst vorzustellen. Sorry!
    Von Falaan im Forum Neu bei Psychologieforum.de?
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 20.07.2010, 21:59
  3. Liebe macht mich krank... sorry langer Text
    Von daniel_noname im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 30.01.2009, 16:35
  4. text mit lücken
    Von simon im Forum Gedächtnis und Lernen
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 08.03.2008, 17:36
  5. Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 04.03.2008, 20:17

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!