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Minderwertigkeitsgefühle Sich aussprechen und Erfahrungen austauschen.

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Alt 09.12.2011, 16:17   #1 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 09.12.2011
Beiträge: 76
Standard Hallo

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Als ich damals in die 5te Klasse kam, fing das Mobbing an. Ich wurde ausgelacht, beleidigt, rumgeschubbst und musste teilweise auch körperliche Gewalt. Besonders in Erinnerung habe ich noch, dass man mir einmal probierte, die Luft abzudrücken. Dabei geholfen hat mir überhaupt niemand und irgendwelche Sanktionen hat es auch nie gegeben.

Darüber reden konnte ich auch mit niemandem. In meinem Elternhaus gab es viel Streit und später haben sich meine Eltern dann auch getrennt. Emotionale Erpressung gegenüber mir gab es von Seiten meiner Mutter auch, teilweise auch der üblen Art.

Mit der Zeit hat sich dann Feigheit, Egoismus und teilweise auch Unehrlichkeit in meinen Charakter eingeschlichen. Generell mag ich mich auch selbst nicht.

Mein derzeitiges Problem ist schwer auszudrücken. Es ist irgendwie das Gefühl, dass man irgendjemand unter sehr vielen ist, ziemlich unbedeutend eigentlich. Es fällt mir auch sehr schwer zu meiner Kindheit und Jugend zu stehen. Gegenüber anderen Leuten funktioniert das überhaupt nicht. Durch mein einzelgängerisches Verhalten komme ich zwar eher selten in de Verlegenheit, darauf angesprochen zu werden. Wenn es aber dennoch passiert, muss ich mir mit einer Lüge aushelfen. Irgendwo ist mir die ganze Sache peinlich und ich schäme mich einfach dafür.

Auf der einen Seite habe ich das Gefühl, dass ich nur so weitermachen müsste. Auf der anderen Seite ist es ein Gefühl der Leere. Ich habe einen Realschulabschluss, Ausbildung, Fachhochschulreife und Studium im 3. Semester. Bis auf ein paar Blätter Papier hat mir das aber nichts weiter gebracht. Dieses Selbstwertgefühl und die Selbstachtung sind einfach nicht da.

Gruß
kulle ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.12.2011, 11:27   #2 (permalink)
Schreibkraft
 
Benutzerbild von free 93
 
Registriert seit: 07.10.2011
Beiträge: 211
Standard

Hallo kulle,

Wie du selbst schon schreibst ist dein problem schwer in worte zu fassen.

Aber ich werds mal versuchen:

Aufgrund deiner vergangenheit in der du keine akzeptanz bei anderen leuten

bekommen hast fühlst du dich wahrscheinlichunsicher was deinen charakter

angeht, da du wohl nie bestätigung deiner person erfahren hast (oder?)


ich kann gut verstehen dass du jetzt das gefühl hast dass etwas nicht mit dir

stimmt, da sich dein selbstwertgefühl im umgang mit anderen menschen nicht

aufbauen konnte...


Es ist schwer anderen menschen sich anzuvertrauen wenn man nicht zu

seiner vergangenheit stehen kann, und der erste schritt ist immer der

schwerste. Wichtig für dich ist wohl dass du dich konkret mit dem problem

auseinander setzt und dir klar machst das du nie schuld warst. dein leben

findet jetzt statt und nicht in der vergangenheit, wenn du das alles also als

ein teil deines lebens akzeptieren könntest, denn du hast es überstanden,

fällt es dir vielleicht leichter kontakte zu knüpfen. oder bist du gern ein

einzelgänger? wenn ja, muss es dir ja eig nicht peinlich sein...oder?


Um das mobbing zu verarbeit ist therapeutische hilfe vielleicht ganz sinnvoll,

wenn du sonst mit niemandem darüber reden kannst.


ich glaube das was dir am meisten zu schaffen macht ist, das du nie

unterstütung bekommen hast, das also nie jemand aufgedeckt hat, dass dir

unrecht angetan wurde. Aber das wurde es!


Ein unstabiles elternhaus ist bei alledem auch nicht hilfreich, da du so keinen

rückhalt, bzw. sicherheit in deinem leben hattest.


dass du jetzt irgendwie zerrissen bist kann ich sehr gut nachvollziehen und

ich denke, um mal zum ende meines beitrags zu kommen, du musst dich ein

paar dinge fragen und dir ehrlich beantworten:


Will ich freunde haben denen ich vertrauen kann?

was müsste passieren damit ich mich öffnen kann?

habe ich ein ziel im leben, oder wenigstens eins für die nächsten jahre?

Was sind die eigenschaften meines charakters?

was gibt mir hoffnung?

Will ich so weiterleben, oder was müsste sich ändern?

und zu guterletzt: wie sieht das leben aus das ich mir wünsche?


du solltest versuchen dich selbst lieben zu lernen und es dir dann ermöglichen

ein leben nach deinen wünschen aufzubauen. ich finde du hast ziemlich viel

erreicht! viele menschen haben probleme mit ihrem selbstwertgefühl( siehe

mich ) das sollte kein grund sein zu verzweifeln. wenn du mal ohne angst und

ohne das gefühl etwas verstecken zu müssen auf die welt zu gehst wirst du

merken das alles möglich ist und dass du etwas zurückbekommst: freude am

leben. denn das ist meiner meinung nach das wichtigste überhaupt. also

versuche dich selbst nicht zu ernst zu nehmen, aber trotzdem wichtig und

liebenswert. wenn du einfah mal den kopf ausschaltest wirst du vielleicht

merken dass das hier und jetzt entscheident ist nicht das gestern!

ich wünsche dir, dass du erkennst das du ein toller mensch bist und es nie zu

spät ist.
( dieser smiley bringt mich echt zum lachen^^)

grüße free
free 93 ist offline   Mit Zitat antworten
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mops (01.02.2012)
Alt 10.12.2011, 18:58   #3 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 09.12.2011
Beiträge: 76
Standard

Vielen Dank für die Antwort Du triffst es ziemlich genau auf den Punkt.

da Du die Sache mit dem Einzelgänger angesprochen hast, muss ich wohl noch ein bisschen weiter ausholen, um Dir auch ehrlich zu antworten. Mein Vater und meine Mutter haben sich bereits sehr heftig gestritten, als ich noch ein Kind war. Einmal hat meine Mutter sogar damit gedroht, dass sie sich etwas antun würde und ist dann gegangen. In den weiteren Jahren hat sie sich dann auch weitere, teils sehr heftige Eskapaden geleistet. Mit ihren Sorgen ist sie dann auch immer wieder an mich getreten. Diese Eskapaden mitzuerleben war sehr schwer für mich. Ich habe früh gelernt, dass ich mich so handzahm wie möglich verhalten sollte, um kein Auslöser für weitere Eskapaden zu sein. Diese Angst hatte ich praktisch über Jahre hinweg.

Wenn ich mir dann doch mal erlaubt habe, mal wieder ich selber zu sein, ließ die nächste Eskapade nicht lange auf sich warten. Als ich mich einmal doch quer gestellt habe, hat sie mir gesagt, dass es ihr aufgrund meines Verhaltens jetzt so schlecht gehe. Schließlich habe ich mich wieder so verhalten, dass sie damit glücklich war. Dazu gab es über die Jahre immer wieder Vorwürfe, an die mich genau auch nicht mehr erinnern kann.

Das Mobbing in der Schule war abseits der chaotischen Zustände im Elternhaus nur ein weiteres Problem. Dieses Gefühl, sich 100% korrekt verhalten zu müssen, was mir nicht immer gelungen ist, schlägt sich auch in meiner Entwicklung nieder. In zwischenmenschlichen Beziehungen ist die permanente Angst dabei, dem anderen weh zu tun, was ich auf keinen Fall möchte. Es fällt mir auch so schwer, etwas negatives zu einem anderen Menschen zu sagen. Sehr häufig verhalte ich mich dann so angepasst wie möglich.

Für mein Umfeld ist das positiv, weil ich mir fast alles gefallen lasse. Ich selber würde mir wünschen, mal eine eigene Persönlichkeit zu sein, auf die ich dann stolz bin.

Gruß
kulle ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.12.2011, 20:27   #4 (permalink)
Schreibkraft
 
Benutzerbild von free 93
 
Registriert seit: 07.10.2011
Beiträge: 211
Standard

echt witzig.
wenn du das jetzt so schreibst, fühle ich mich fast verpflichtet dir mitzuteilen, dass ich ziemlich ähnliche probleme wie du habe^^.

und ich geb dir auch noch ratschläge, aber ich denke viele verstehen ihr problem in der theorie doch die praxis ist das problem....

also was ich dir jetzt mit der antwort auf den weg geben will, ist dass wissen dass du nicht alleine dastehst mit deinem problem, da ich das "zu seiner vergangeheit nicht stehen können" oder " allen recht machen wollen und ja nicht verletzen" sehr gut kenn. leider.

wünsch dir was
free 93 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.12.2011, 11:39   #5 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 09.12.2011
Beiträge: 76
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Endlich habe ich es geschafft, dass Problem bei meinem Hausarzt anzusprechen. Mein Hausarzt hat mir auch gleich einen Termin beim Psychiater gemacht, der gleich am Donnerstag ist. Jetzt schäme ich mich wieder, dass ich professionelle Hilfe annehme Das wird jetzt aber durchgezogen.

Danke free. Ohne die Bestätigung, dass es auch noch andere Menschen gibt, die ähnliche Probleme wie ich haben, hätte ich mir das nicht getraut.

Gruß

Geändert von kulle (12.12.2011 um 11:52 Uhr)
kulle ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.12.2011, 17:38   #6 (permalink)
Schreibkraft
 
Benutzerbild von free 93
 
Registriert seit: 07.10.2011
Beiträge: 211
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Toll das du das gemacht hast. der erste und der wichtigste schritt wenn es alleine nicht mehr zu bewältigen ist. du musst dich auf keinen fall dafür schämen, was denkst du warum alle psychologen und psychater so überlaufen sind??
Steh zu deinem problem und du wirst es angehen können...

grüße
free 93 ist offline   Mit Zitat antworten
Folgender Benutzer sagt Danke zu free 93 für den nützlichen Beitrag:
mops (01.02.2012)
Alt 15.12.2011, 14:35   #7 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 09.12.2011
Beiträge: 76
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Jetzt habe ich es endlich geschafft. Die Anspannung und die Sorge, dass ich nach dem ersten Gespräch wieder weggeschickt werde, waren ziemlich groß. Als ich im Wartezimmer saß und kurz davor war aufgerufen zu werden, wäre ich am liebsten geflüchtet. Das Gespräch mit dem Psychiater war aber sehr gut, auch wenn ich das Problem, dass ich nicht zu meiner Vergangenheit stehen kann, nicht mehr angesprochen habe. Ich konnte einfach nicht mehr. Das werde ich beim nächsten Termin im Januar aber nachholen.

Er meinte, dass überwiegend soziale Ängste (resultierend aus meinen Erfahrungen) im Spiel sein. Ich bin jetzt völlig kaputt.

Gruß
kulle ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.01.2012, 11:42   #8 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 09.12.2011
Beiträge: 76
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Ich glaube, dass mir in den letzten 2 Tagen selbst etwas klar geworden ist. Ich denke, dass ich gar nicht auf der Suche nach einem Freund / Freundin bin, sondern eher einen "Fürsorger" für mich suche. Da ich mir bewusst bin, dass dies niemand für mich leisten kann, schlage ich soziale Kontakte von vornherein selbst aus.

Es ist eine harte Erkenntnis, aber so schaut es meiner Meinung nach aus.

Gruß
kulle ist offline   Mit Zitat antworten
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