psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: hallo, ich suche hilfe

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    30.09.2010
    Beiträge
    2
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard hallo, ich suche hilfe

    hallo,

    ich möchte demnächst einen arzt aufsuchen und mich in therapie begeben, aber der anfang ist schwer. ich habe bis zum heutigen tag nichts erreicht und das macht micht ziemlich fertig, dazu kommen auch noch andere probleme, die ich hier zu beginn nicht erwähnen möchte...

    ich brauche antworten und ich hoffe, dass mir jemand behilflich sein kann

    1. die notizen, die sich der psychologe macht, werden die an jemanden weiter gereicht? bekommt die krankenkasse oder auch der hausarzt die diagnosen / berichte mitgeteilt?
    2. nimmt der arzt die sitzungen auf tonband auf?
    3. wenn mir der arzt nicht gefällt und ich wechsle, wird dann meine akte weiter gereicht?
    4. was passiert sobald ich mich in behandlung gebe, kann ich das jeder zeit wieder beenden?
    5. muss man was unterschreiben?

    ich habe seit langem depressionen und manchmal auch suizidgedanken, die ich eigentlich gut unter kontrolle habe. es gibt keine selbstmordversuche oder ähnliches, aber was passiert wenn ich das dem arzt erzähle? hat er verständnis für sowas oder muss er mich dann direkt irgendwo einweisen?

    ich erhoffe mir bestimmte hilfe vom psychologen und weiß nicht ob das alles so erfüllt wird oder ich direkt nach der ersten sitzung enttäuscht zurück kehre. ich mag keine zwänge und ich habe angst davor, dass mich der arzt dazu zwingt einen job aufzusuchen oder etwas zu ändern, wofür ich momentan einfach keine kraft habe und ich dann aus angst den kontakt zum arzt abbreche und mich noch viel schlechter fühle als momentan

    ich frage mich auch ob medikamente einem wirklich helfen können oder ob das nur leicht die stimmung anhebt. falls mir der arzt etwas verschreibt, habe ich auch angst davor, dass es sich dabei nur um placebos handeln könnte.... und vieles mehr.......

    soviel zu mir

    mfg
    thomas
    Geändert von crazy99 (30.09.2010 um 13:28 Uhr)

  2. #2
    Verleger Avatar von Darkstar
    Registriert seit
    02.10.2009
    Ort
    in der kulturellen Diaspora
    Beiträge
    2.530
    Danke
    1.768
    1.105 mal in 640 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Thomas,

    eine Menge Fragen - und viele Ängste, die sich dahinter verbergen ...

    1. die notizen, die sich der psychologe macht, werden die an jemanden weiter gereicht? bekommt die krankenkasse oder auch der hausarzt die diagnosen / berichte mitgeteilt?
    Die Notizen, die er sich macht, sind in erster Linier für ihn selbst bestimmt: sie dienen dazu, Deinen Fall über die Wochen/Monate hinweg "greifbar" zu halten und das "Bild", das er sich von Dir und Deinen Problemen, Prozessen, Fortschritten etc. macht, so zu dokumentieren, dass er nichts Wesentliches "vergisst".

    An die KV gibt er dann Daten, wenn sie erforderlich sind: Beim Beantragen der Therapie (wg. der Kostenübernahme) eine Art "Grunddiagnose" mit Begründung, warum er eine Therapie als erforderlich ansieht (evtl. auch einen groben Therapieplan); und auch bei anstehenden Verlängerungen der bewilligten Sitzungsmengen. Hierbei werden aber keine Details weitergereicht, sondern es wird also mehr oder weniger eine Art Gutachten erstellt, das auch der Leistungskontrolle durch die KV dient.

    Sowohl der Therapeut als auch die KVs unterliegen gegenüber Dritten der Schweigepflicht und den Datenschutzgesetzen.

    2. nimmt der arzt die sitzungen auf tonband auf?
    Es mag Spezialfälle geben, in denen das vorkommen kann - aber ohne Deine Einwilligung ginge dies auch dann nicht.
    In einer normalen Therapie wird nichts aufgezeichnet! Dafür macht er sich ja auch die Notizen ...

    3. wenn mir der arzt nicht gefällt und ich wechsle, wird dann meine akte weiter gereicht?
    Wenn der Wechsel während der Probesitzungen stattfindet: nein.
    Würdest Du den Therapeuten während einer laufenden (und von Deiner KV genehmigten) Therapie wechseln wollen, brauchst Du der Kasse gegenüber ohnehin eine stichhaltige Begründung, warum dieser Therapeut der falsche für Dich ist und Du jetzt einen anderen willst.
    Es existiert nämlich, nach Genehmigung der Therapie durch die Kasse, ein Therapievertrag zwischen Deinem Therapeuten und Dir.

    Der neue Therapeut kann dann natürlich die bisherigen Behandlungsdaten anfordern - aber auch hier gilt das gleiche wie oben: es ist eine Dokumentation der bisherigen Diagnose mit der entsprechenden Begründung sowie des bisherigen Therapieverlaufs.
    Die Details der Notizen bleiben, wo sie sind: beim alten Thera.

    4. was passiert sobald ich mich in behandlung gebe, kann ich das jeder zeit wieder beenden?
    Da eine Therapie freiwillig ist: Abbrechen kannste immer
    Was passieren kann (wenn Du dafür keine guten Gründe vorweisen kannst) ist, dass Dir seitens Deiner KV weitere Therapien befristet gesperrt werden.
    In meiner Zeit standen da mal 2 Jahre als Sperrfrist im Raum - ist aber einzelfallabhängig.
    Nur eines: einfach nicht zu vereinbarten Terminen erscheinen, würde ich vermeiden - die ausgefallene Sitzung würdest Du dann nämlich selbst bezahlen müssen ... Der Therapeut hat diese Zeit für Dich reserviert (verdient also nichts, wenn Du "einfach" nicht erscheinst) und bekommt sie von der Kasse auch nicht bezahlt: keine Sitzung = keine Leistung erbracht = keine Kostenerstattung durch die Kasse ...

    5. muss man was unterschreiben?
    Ja: eine Therapievereinbarung.
    Mit Bewilligung der Therapie kommt es nämlich zu einem Vertragsverhältnis zwischen dem Therapeuten, Deiner KV und Dir.
    Deine Unterschrift stellt dann Deine Genehmigung dar, diese Therapie auch durchführen und abrechnen zu lassen.
    Wie bei jedem Vertrag werden dann auch die jeweiligen Verpflichtungen geregelt:
    Therapeut: u.a. dass er den mit der KV vereinbarten Therapieplan auch einhält (= seine Leistung erbringt)
    KV: u.a. dass sie die Kosten, die in diesem Rahmen entstehen, auch übernimmt
    Du: u.a. dass Du die Therapie auch durchführst (= die Termine wahrnimmst und zumindest therapiewillig bist)

    ... und manchmal auch suizidgedanken, die ich eigentlich gut unter kontrolle habe. es gibt keine selbstmordversuche oder ähnliches, aber was passiert wenn ich das dem arzt erzähle? hat er verständnis für sowas oder muss er mich dann direkt irgendwo einweisen?
    Sicher wird er dafür "Verständnis" haben - es ist ja ein Teilaspekt Deiner Problematik.
    Ob er Dich deswegen einweisen wird? Nur dann, wenn er von der akuten Gefahr ausgehen muss, dass Du auch wirklich Suizid begehen könntest.
    Dann wäre er sogar dazu verpflichtet, da er dem Patienten gegenüber eine besondere Fürsorgepflicht hat.
    Es ist immerhin "nur" eine ambulante Therapie, mit entsprechenden Abständen zwischen den jeweiligen Einheiten: es diente also sowohl Deinem wie auch seinem Schutz, wenn er (auf Basis seiner Erfahrung) einen solchen Verdacht haben müsste.

    Außerdem: selbst wenn, dann muss es ja nicht gleich auf eine Einweisung in eine entsprechende geschlossene Einrichtung hinauslaufen ...
    Auch eine stationäte Therapie in einer "normalen" Psychosomatik kann da empfohlen werden.

    Wenn Deine Depressionen eh schon so stark sind, wie Du es hier andeutest, dann wäre dies ohnehin eine Sache, die zu überlegen sich lohnen würde (also: komplett weg von Aspekt einer Suizidgefäherdung).
    Sie böte den Vorteil, dass Du für eine begrenzte Zeit mal komplett aus dem gewohnten Umfeld rauskommen würdest. Ohne die ständigen Einflüsse von außen hättest Du so auch die Chance, Dich ausschließlich auf Dich und Deine Probleme konzentrieren zu können.
    Vieles stellt sich dann plötzlich ganz anders dar: es kommen Perspektiven auf, die zu sehen vorher (fast) unmöglich waren.

    Außerdem kann dort mit verschiedenen Therapiemethoden parallel gearbeitet werden: die klassische Gesprächstherapie muss ja nicht unbedingt den effektivsten Zugang zu Dir darstellen - alle anderen Ansätze wirst Du aber in einer ambulanten Therapieform eher aus eigener Tasche zahlen müssen ...

    ... ich mag keine zwänge und ich habe angst davor, dass mich der arzt dazu zwingt einen job zu aufzusuchen oder etwas zu ändern ...
    Therapie, wenn sie etwas bewegen will, kann nie mit Zwang verbunden sein: entweder Du begibst Dich freiwillig dahin und arbeitest freiwillig an den Problemen, weil Du etwas für Dich selbst verändern willst - oder Du lässt es besser bleiben.
    Therapie soll Dir helfen, wieder die Freiheit zu finden, selbst entscheiden zu können, was gut für Dich ist und was nicht ...
    Sie stellt dann die professionelle Begleitung auf Deinem Weg dar.
    Nenne es ruhig "Hilfe zur Selbsthilfe" ...

    ... ich erhoffe mir bestimmte hilfe vom psychologen und weiß nicht ob das alles so erfüllt wird oder ich direkt nach der ersten sitzung enttäuscht zurück kehre ...
    Von der ersten Sitzung alleine wirst Du nicht viel ableiten können - da geht es eher um eine erste Bestandsaufnahme (der dann noch weitere folgen werden, bis sich Dein Therapeut überhaupt erst einmal ein halbwegs stimmiges Bild von Dir und den Prozessen in Dir machen kann).
    Eine Therapie entwickelt sich mit jeder Sitzung weiter - es soll ja schließlich eine individuell auf Dich abgestimmte Angelegenheit werden ... und kein 08/15-Serienmodell ...

    Welche Hoffnungen oder Erwartungen hast Du denn an ein Therapie?
    Hast Du Ziele, die Du im Laufe der Therapie erreichen willst oder sind es Punkte auf einer Checkliste, die Du abgehakt sehen willst?

    Den Kurs und die Ziele bestimmst Du nämlich selbst. Kein Thera wird Dir "fertige" Lösungen bieten und Dich quasi nach eigenen Vorstellungen "umbauen".
    Die Ziele können sich ändern, die Wege dahin auch: es geht ja um Prozesse, die erst einmal erkannt, überprüft, hinterfragt werden wollen - und dann erst geht es ans große Ändern.
    Es ist eine permanente Rückkopplung ... und damit auch Arbeit, die Du selbst leisten musst. Mit Hilfe des Theras natürlich, aber immer noch Deine eigene Arbeit, die Du nicht abgenommen bekommen kannst - und die Dir auch niemand abnehmen darf ...

    ...
    ich frage mich auch ob medikamente einem wirklich helfen können oder ob das nur leicht die stimmung anhebt ...
    Das Thema hatten wir hier im Forum regelmäßig - plus die entsprechenden Glaubenskriege darüber ...
    Medis sind definitiv keine Lösung der Probleme - sie können aber dabei helfen, Dir den Raum zu geben, Dich überhaupt erst einmal Deinen eigentlichen Problemen weit genug annähern zu können, ohne dass sofort wieder Verdrängungsmechanismen oder Fluchtgedanken dazwischen funken.
    Kritisch hinterfragen sollte man deren Verordnung schon - aber auch das ist etwas, was man mit dem Thera thematisieren kann.
    Du kannst nicht dazu gezwungen werden, welche zu nehmen!

    Dass Du jetzt Angst vor dem Schritt in Richtung Therapie hast: ist völlig normal (hab sie ja auch gehabt ... ) - und auch vielleicht ein Teil Deiner eigentlichen Problematik.
    Manchmal hilft da schon eine Frage, die man sich stellen kann: gibt es denn eine sinnvollere, erfolgversprechendere Alternative (sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen hat ja auch nicht wirklich funktioniert)?
    Wenn nein, dann kann man auch mal, ab einem bestimmten Punkt, die Augen zumachen ... und reinspringen

    Es kann ja nichts passieren - außer, dass man dann plötzlich feststellt, dass man sich doch bewegen kann und alles im Vorfeld beängstigender aussah, als es dann wirklich war.
    Ich hab mich selbst mein Leben lang davor gedrückt, eine Therapie als Möglichkeit anzunehmen, aus dem Depri-Schlamm rauskommen zu können - und frage mich heute immer wieder: warum eigentlich ... hätte ich es mir nur doch schon viel früher erlaubt ...


    lg

  3. #3
    Neuling
    Registriert seit
    30.09.2010
    Beiträge
    2
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    du hast meine fragen sehr ausführlich beantwortet, ich danke dir dafür!

    Zitat Zitat von Darkstar Beitrag anzeigen
    Welche Hoffnungen oder Erwartungen hast Du denn an ein Therapie?
    Hast Du Ziele, die Du im Laufe der Therapie erreichen willst oder sind es Punkte auf einer Checkliste, die Du abgehakt sehen willst?
    ich habe eigentlich keine checkliste, dachte jedoch daran, dass vielleicht der therapeut etwas sieht, was ich nicht sehe und mir dann helfen kann, aber ich habe wahnsinnige angst vor einem vertrauensbruch, nur wie eine sache behandelt zu werden oder nur patient nr. 248 zu sein. wenn du die wahrheit wissen willst, ich dachte mir, dass ich zum therapeut gehe, nach einer diagnose ein medikament bekomme und sich dadurch vieles in meinem leben ändern wird. so ist es wohl nicht.........

    Zitat Zitat von Darkstar Beitrag anzeigen
    Manchmal hilft da schon eine Frage, die man sich stellen kann: gibt es denn eine sinnvollere, erfolgversprechendere Alternative (sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen hat ja auch nicht wirklich funktioniert)?
    Wenn nein, dann kann man auch mal, ab einem bestimmten Punkt, die Augen zumachen ... und reinspringen
    wie du nur recht hast....

  4. #4
    Neuling
    Registriert seit
    22.06.2011
    Ort
    76829
    Beiträge
    36
    Danke
    0
    3 mal in 2 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Thomas
    Ich weiß nicht, ob das Thema noch aktuell ist, oder du deinen Weg schon gefunden hast.
    Du hast Probleme. ok. Ich weiß aber nicht, warum du den Namen CRAZY gewählt hat. Du bist nämlich nicht crazy ( = verrückt).
    Du bist ein (ich vermute) junger Mann, der Probleme hat. Wie jeder von uns.

    Über bestimmte Bereiche willst/wolltest du noch nicht sprechen (oder schreiben). Auch das ist völlig in Ordnung. Obwohl ich denke, dass gerade darin wichtige Lösungsansätze für deine Probleme zu erkennen sein könnten.

    Medikamente sind - wie der Mame schon sagt (Medi = Mitte) Mittler, Vermittler, die dir Zeit geben in dem Problembereich zu wachsen und Veränderungen vorzunehmen. Also nicht ablehnen aber auch nicht überbewerten.

    Wie geht es dir nach der damals ersten Sitzung beim Psychologen? Ist mittlerweile
    Ruhe in dir eingekehrt?

    Wenn dieses Thema vom September 2010 noch ein wichtiges Thema für dich ist, dann melde dich.

    mfg
    Dankwart

Ähnliche Themen

  1. Neu und auf der Suche nach Hilfe
    Von moon442 im Forum Neu bei Psychologieforum.de?
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 01.07.2010, 08:51
  2. Suche Hilfe und Gedankenaustausch
    Von Paule im Forum Depression
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 06.06.2010, 22:08
  3. suche hilfe für einen freund
    Von Marge im Forum Mobbing
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 06.01.2010, 08:50
  4. Ich suche...
    Von Christian71 im Forum Neu bei Psychologieforum.de?
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 15.07.2007, 15:25
  5. auf der suche nach dem ich
    Von Gast28 im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 22
    Letzter Beitrag: 21.09.2006, 13:51

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!