Meine Freundin ist weg und ist immer noch da... (...und weiß nicht ob sie bleiben soll)
Aber mal die ganze lange Geschichte von vorn:
Ich habe meine derzeitige Freundin vor ca. 2 1/2 Jahren als neue Freundin meines kleinen Bruders kennen gelernt. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt seit sieben Jahren in einer Beziehung (eher Freundschaft als Liebe meinerseits). Nachdem wir uns ein paar Mal gesehen haben, haben wir uns Hals über Kopf ineinander verliebt und sind, bevor wir selbst wussten, was los ist, zusammen im Bett gelandet. Kurze Zeit darauf hat uns mein Bruder in eindeutiger Situation erwischt. Sie trennte sich.
Es begann eine heiße Affäre, die wir trotz aller Widrigkeiten (sie war damals 17, ich war 30; Abneigung meiner Familie, weil sie die Ex meines Bruders ist; kein Einkommen ihrerseits (Schüler), drohende Arbeitslosigkeit meinerseits und noch diverser anderer wilder Dinge) öffentlich machen wollten.
Nach gut einem halben Jahr trennte ich mich von meiner damaligen Freundin und zog (aus verschiedenen praktischen Gründen) mit der Neuen ins Nachbarhaus. Da unsere Wohnung und ihre Schule/Elternhaus ca. 100 km auseinander liegen, war sie nur an einigen Tagen (hauptsächlich Nächten) in der Woche da. Auf meine Initiative hin hat sie sich zu einem Drittel an den Miet- und Haushaltskosten beteiligt und auch ihrerseits einige Möbel in der Wohnung bezahlt. Um das Geld aufzubringen, musste sie an den Wochenenden (abends) und teilweise in der Woche neben der Schule arbeiten. Ich wiederum hatte an den Samstagen tagsüber keine Zeit. Wir sahen uns also recht wenig (fast nur in den Nächten), und wenn hatten wir keine Zeit für einander.
Obwohl ich diese Situation hauptsächlich zu verantworten hatte, war ich damit permanent unzufrieden und habe sie das auch deutlich spüren lassen und ihr Vorwürfe gemacht, wenn sie keine Zeit für mich hatte, weil sie arbeiten musste. Ich habe ihr nie das Gefühl gegeben mir wirklich wichtig zu sein, habe alles besser gewusst, habe ihr mehrfach mit Trennung gedroht und wurde irgendwann fast schon gewalttätig. Des weiteren ging meine Ex in unserer Wohnung ein und aus und jegliche (auch berechtigte) Kritik die meine Neue an meiner Ex äußerte, wurde von mir abgeschmettert. Ich habe all meine Sorgen und Probleme versucht, von ihr fern zu halten, habe sie (wenn überhaupt) mit meiner Ex besprochen und somit ohne es zu merken der neuen Freundin gegenüber eine perfekte Fassade aufgebaut und mich damit selbst auf einen Sockel gestellt, so dass sie sich einfach nur wahnsinnig klein und makelbehaftet mir gegenüber vorkam (ihre Aussage). Sie hat sich dann auch mir gegenüber verschlossen, was ich ihr wiederum zum Vorwurf machte. Da ich so viel in mich rein gefressen habe, war ich ziemlich launisch und unzufrieden, was ich wiederum an ihr ausließ. Ich habe ihre wirklich tiefe Liebe zu mir mit Füßen getreten und sie musste verdammt viel einstecken...
Es war ein Teufelskreis: Wir redeten immer weniger miteinander und wenn doch, machten wir uns nur Vorwürfe. Es war soweit, dass sie nen Horror hatte in die gemeinsame Wohnung zu kommen und ich wollte sie da eigentlich auch nicht mehr haben. Wenn sie nicht da war, vermisste ich sie aber dennoch.
Jeder hat dann im letzten halben Jahr versucht auf seine Weise mit der Situation klarzukommen: Ich habe mir die Bestätigung, die ich bei ihr nicht mehr bekam, in diversen Singlebörsen geholt. Sie hat sich mit ihren Problemen einem Kollegen anvertraut, der mit seiner Frau ähnlichen Kummer hatte. Es kam, was kommen musste: Sie und ihr Kollege kamen sich über die Zeit immer näher.Die Gefühle zu mir nahmen langsam aber sicher ab. Er hat sich in sie verliebt und sie hat sich nach eigener Aussage in die Art, wie er sie behandelte und scheinbar über alles andere stellte verliebt, und somit auch in ihn. Alles in allem völlig verständlich...
Zur gleichen Zeit hatte ich ein einschneidendes Erlebnis, worauf hin ich alles, was ich bis dahin getan hatte, in Frage stellte und plötzlich ganz klar sah, wie vernagelt ich in der Vergangenheit war, welche Fehler ich gemacht habe, welche völlig falschen Prioritäten ich gesetzt hatte und wie ich mit alldem den Menschen zutiefst verletzt habe, den ich eigentlich über alles liebte...
Als alle Liebe dem Kollegen gehörte und für mich keine Gefühle mehr da waren, beschlossen die beiden sich von ihren jeweiligen Partnern zu trennen und eine gemeinsame Zukunft zu beginnen. Er trennte sich von seiner Frau und zog aus. Sie redete am gleichen Abend mit mir, gestand mir ihre Liebe zu ihm. Zwei Tage zuvor hatte ich ihr einen langen Brief geschrieben, in dem ich all meine Versäumnisse, die ich bis zu diesem Zeitpunkt erkannt hatte, einräumte und mich dafür entschuldigte. Dieser Brief wurde zum Mittelpunkt unseres Trennungsgesprächs, weil ich genau die wunden Punkte getroffen hatte. Wie sie mir unter Tränen sagte, habe ich sie aber leider zu spät erkannt.
Ich bat sie um einen Monat Aufschub, um zu sehen, ob es für uns doch noch eine Chance gibt und ob ihre Gefühle wiederkehren. Sie ließ sich darauf ein und blieb vorerst in der Wohnung.
Wir begannen dann verschiedene Versäumnisse aufzuarbeiten. Wir haben über diverse Situationen aus der Vergangenheit geredet und was da falsch gelaufen ist, haben in der Wohnung dringend notwendige Renovierungsarbeiten begonnen bzw. abgeschlossen. (Wir lebten dort seit 1 ½ Jahren in einem Provisorium zwischen Kisten und abgerissenen Tapeten.) Nebenher hat sie zu ihrem Kollegen Kontakt per SMS und teilw. auch per Telefon. An zwei Tagen in der Woche arbeitet sie mit ihm zusammen. Aus dem vorherigen „Krieg“ zwischen uns wurde ein wirklich harmonisches Miteinander, nur ohne Gefühl von ihrer Seite, da ihr Herz für ihn schlägt. Bei der Renovierung haben wir Klasse zusammengearbeitet und man spürte einfach, dass man doch sehr vertraut ist. (Früher hätten/haben wir uns bei solchen Gelegenheiten nur angezickt und gestritten.) Sie sagte auch selbst, dass wir uns bei den Arbeiten näher waren als je zuvor...
Inzwischen sind 1 ½ Monate seit der Trennung vergangen und sie ist immer noch da. Nach eigener Aussage gibt sie einer weiteren Beziehung mit mir inzwischen die gleichen Chancen zu funktionieren wie einer mit ihm. Gegen eine Beziehung mit ihm sprechen Umstände, die mit seiner Frau, den Kindern und der Arbeit zu tun haben. Gegen die Beziehung mit mir spricht die Tatsache, dass sie ihn liebt und mich eben nicht mehr.
Man merkt ihr in vielen Momenten an, dass sie durchaus Gefallen an dem Gedanken findet bei mir zu bleiben. Wir planen gemeinsam die Wohnungseinrichtung, setzen die Pläne derzeit um. Sie stopft die Wohnung mit Dekokram voll, bringt ihren Geschmack und ihre Wünsche bei der Gestaltung ein...
Sie würde sofort bleiben, sobald sich auch nur ein Hauch an Gefühl zu mir einstellen würde. „Gefühl“ stellt sie in diesem Zusammenhang mit dem Wunsch nach körperlicher Nähe gleich. (Derzeit haben wir keinen körperlichen Kontakt, abgesehen von der Tatsache, dass wir zusammen unter einer Decke schlafen, wenn wir bei ihr sind; Wir küssen uns nicht mal) Die von uns beiden empfundene Nähe bei den gemeinsamen Arbeiten sehe ich als Vorstufe zu den von ihr vermissten Gefühlen, sie jedoch nicht...
Ein wichtiger Punkt ist glaube ich folgender: Sie ist wahnsinnig ehrgeizig und reifer, als ihr Alter vermuten lässt. Gerade aus ehemals meinem - jetzt unserem - Freundeskreis kennt sie einige (Karriere-)Frauen, sie mit gut 30 weder Mann noch Kind haben und noch nicht einmal ne Aussicht auf eines von beiden. Sie sagte mir erst kürzlich, so nicht enden zu wollen. Sie hat Angst ihr Leben zu verschwenden, wenn sie sich trotz momentan fehlender Gefühle für mich entscheidet, weil ihr keiner garantieren kann, dass (ich zitiere) „diese Sch... Gefühle wiederkommen“. Sie meint damit die Liebe zu mir. Sonst würde sie es tun...
Ich möchte nun mal von euch - als psychologisch interessierte Außenstehende - wissen, was ihr über die ganze Sache denkt: Gibt es eine Chance, dass sie wieder Liebe zu mir empfindet? Was müsste hierzu evtl. geschehen? Müsste sie den Kontakt zu dem anderen abbrechen oder wäre das genau verkehrt und sie müsste trotz Kontakt zu ihm zu mir zurück finden, da es sonst keinen Wert hätte. Könnte sie aber zu mir zurück finden, so lange sie ihn sieht? Sie sagt, sie könne nicht vergessen, was war (die teilw. heftigen Streits, meine Aggression dabei). Gibt es eine Chance, dass die guten Dinge den ganzen alten Sch... vergessen lassen? Sollte man sie vergessen? Eine Freundin gab den Rat, mal mit einer Heilpraktikerin zu sprechen, da sie so einiges aus ihrer Vergangenheit für sich abschließen konnte. Ist das übertrieben? Sinnlos? Aber irgendwas muss doch sein, dass sie nach 1 ½ Monaten noch da ist.
Vielleicht sollte ich kurz erwähnen, warum ich an uns glaube: Schon besagte Freundin meinte nach der Trennung, dass wir als Paar „der absolute Hammer“ waren. Wir hatten einfach etwas ganz besonderes an uns. Wir hätten „pure Erotik“ ausgestrahlt... Ich glaube auch, dass unsere Liebe zueinander etwas besonderes, viel stärkeres war, als das was sie mit ihm verbindet, da sie ihn dafür liebt, wie er sie behandelt, und sie mich 2 Jahre abgöttisch liebte und mich angehimmelt hat, obwohl ich sie schlecht behandelt habe (sie ist kein Masochist!!!). Auch sind wir nie im körperlichen Sinne fremdgegangen.
Last but not least ist es so, dass Szenen, wie sie sich in der Vergangenheit abgespielt haben, nie mehr vorkommen würden, da ich wirklich eine grundlegende Wandlung vollzogen habe, ich bin wie ausgewechselt. Ich bin wieder der, in den sie sich mal verliebt hat. Das alles ist nicht aufgesetzt oder gespielt, sondern kommt aus meinem tiefsten Inneren und es geht mir dabei viel besser, ich bin mit mir selbst viel zufriedener und fühle mich wie befreit...


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