Liebe Foris,
ich hoffe, einige unter euch zu finden, die Erfahrung mit ängstlichen Männern haben oder ähnliches schon erlebt haben, denn ich bin am verzweifeln.
Ich bezeichne es mal als Affäre, oder Freundschaft mit Sex. Er (Ende 30) hat mir von Anfang an klar gemacht, dass er nicht mein Partner sein will. (Wir sind übrigens Kollegen und sehen uns ab und zu im Gebäude. Dass wir Kollegen sind, ist aber definitiv nicht der Grund für sein Verhalten. Wir treffen wir uns heimlich, was aber eher von mir ausgeht, denn so ist es mir lieber.)
Das ganze geht jetzt ein Dreivierteljahr. Zwischen uns besteht beiderseitig eine starke sexuelle Anziehungskraft. Er ist ein sehr guter und einfühlsamer Liebhaber. Diese intensive Nähe lässt er jedoch nur auf der sexuellen Ebene zu. Wir führen keine Beziehung, keine Zukunftsplanung. Das ist für mich ok, denn ich habe ein Kind und führe ebenfalls ein sehr eigenständiges Leben. Das habe ich ihm auch gesagt. Ich lasse ihm seinen Raum und dränge mich ihm nicht auf.
Dennoch verhält er sich so, als ob er nach jeder Nacht mit mir davon laufen müsse. Vor allem dann, wenn es besonders schön und harmonisch war und wir uns auf menschlicher Ebene sehr nahe gekommen sind.
Wenn wir ein oder zwei schöne Nächte verbracht haben, meldet er sich am nächsten Tag noch mal, dann folgt eine Abstandsphase von einigen Tagen bis mehreren Wochen. Mittlerweile meldet er sich manchmal wochenlang nicht mehr, ganz selten eine SMS, was er so alles am jeweiligen Tag erledigt hat.
Wenn ich einmal Sehnsucht nach ihm hatte und selbst die Initiative zu einem Treffen übernommen habe, ging es jedes Mal nach hinten los. Ein Mal, sagte er von einer Stunde auf die andere ein Treffen ab, nachdem ich Vorschläge zur Abendgestaltung gemacht habe. Er träfe eine andere Frau (mit zwei Frauen gleichzeitig würde er nicht schlafen), was sich dann wohl eine Woche später wieder erledigt hatte. Dann kam er wieder an und verstand überhaupt nicht, was mit mir los sei, ich müsse doch auch einmal 'zurückstecken' können, er habe ja auch dauernd Sehnsucht nach mir, wenn ich keine Zeit habe.
Ich nehme Rücksicht auf ihn und bedränge ihn nicht, aber es kostet unglaublich viel Kraft und Selbstbewußtsein. Durchleide jedes Mal eine Art Liebeskummer, wenn er sich wochenlang nicht meldet. Irgendwann werde ich wütend auf ihn, was mir gut tut, denn das ist er erste Schritt für mich, loszukommen. Gerade wenn ich es geschafft habe, taucht er wieder auf. Entweder er sieht mich und ist Feuer und Flamme, oder er hat Sehnsucht, weil er sich 'langweilt'.
Es ist eine ständige Abwechslung von 'Bagger'- und Abstandsphasen. In seinen Baggerphasen, die wochenlang andauern können, macht er mir viele Komplimente, kommt er mir auch gefühlsmäßig immer mehr entgegen, macht sogar Zukunftsplanung. Wenn wir dann zusammen sind, macht er mir auch viele Komplimente, sagt aber plötzlich, das zwischen uns sei reiner, klischeehafter Sex. Meine Reaktionen ihm gegenüber ist in beiden Fällen offen, aber zurückhaltend, da ich instinktiv seine Zerrissenheit spüre.
Wenn wir uns auf der Arbeit über den Weg laufen, ist er immer freundlich und aufmerksam, egal in welcher Phase wir uns befinden.
Er wirkt immer offen und zugänglich für alle Menschen, ist sehr charmant, einfühlsam und gutaussehend. Man könnte meinen, er ist ein Lebemann. Aber sobald man ihn näher kennenlernt, stellt man fest, dass er ganz anders ist: vorsichtig, häuslich, kulturell, geht seinen Hobbys nach, hat einige eher wenige Freunde. Er erzählt auch viel über sich, komischerweise aber immer über banale, alltägliche Dinge. Ich denke, er kann sich nicht in meine Lage hineinversetzen. Manchmal 'informiert' er mich regelrecht darüber, was er heute repariert hat oder alles geschafft hat, hält sich dabei immer sehr kurz.
Er hält immer irgendwie den Kontakt, wenn auch phasenabhängig in großen Abständen. Es ist immer wieder die sexuelle Anziehungskraft, die uns zusammenbringt. Ablehnendes Verhalten stachelt ihn um so mehr an. Das ganze geht von vorne los. Ist das Interesse einmal erweckt, lässt er nicht locker, bis er mich hat, ggf. wochenlang. Da ich ihn regelmäßig auf der Arbeit sehe, und er in seinen Baggerphasen mit unglaublicher Selbstverständlichkeit meine Abweisungen ignoriert, werde ich jedes Mal nach einigen Tagen schwach: Es ist wie Gehirnwäsche und ich werde immer unglaubwürdiger!
Da es ohne Gefühle bei mir nicht geht, leide ich jedes Mal darunter, nicht zu wissen, wann ich mit ihm rechnen kann oder ob es nun gar ganz aus ist. Habe versucht, mit ihm darüber zu reden. Er redet offen über seine Bindungsängste, das Verhaltensmuster sei in vielen Jahren gewachsen. Leider versteht er mich gar nicht und kann sich nicht in meine Lage versetzen- Er ist der Meinung, ich würde ihn doch kennen und müsse ihn doch verstehen. Ausserdem sei ein bisschen Schmerz doch gar nicht so schlecht.
In seiner Kindheit wurde er wie ein Prinz behandelt, war das Lieblingskind von 2 Kindern. Von Verlusterfahrungen in der Kindheit weiß ich nichts. Er meint nur, er habe sehr viel Schmerzen in vorangegangenen Beziehungen erlebt. Das war Anfang 20. Nun lebt er (Ende 30) schon seit vielen Jahren allein. Es gab wenige kurze Beziehungen, in denen er sich nach kurzer Zeit zu fremdbestimmt fühlte und es beendet hat. Er meint auch, er wolle ungern Verantwortung für eine andere Person übernehmen. Einerseits ist er unzufrieden mit seinem Leben, hätte gerne Kinder, denkt, er habe es 'verpasst'. Andererseits hat er Hoffnung, vielleicht doch noch die 'richtige' zu finden. Einen Fehler sieht er nicht bei sich nicht, er sagt, er habe alles richtig gemacht.
Auch was den Job angeht, legt er sich nie richtig fest. Er hat mehrere Standbeine und rührt sehr viel an, aber er kann sich nie richtig für eine Sache entscheiden. Auch hier ist er manchmal unzufrieden, hätte gerne mehr im Leben erreicht.
Er sagt, er sei oft müde und mache sich Gedanken, ob mit seiner Gesundheit alles ok sei. Prinzipiell aber wirkt er sehr selbstbewußt und hält er sich selbst für einen tollen, gutaussehenden Mann. Er wirkt sehr viel jünger als er ist, ich finde auch seine Körpersprache gleicht manchmal eher der eines Jugendlichen.
Anfangs dachte ich, er will mich einfach nur nicht. Aber so einfach ist es nicht. Dann wäre das Thema schon längst vorbei und abgeschlossen. Aber es ist irgendwie nie richtig vorbei. Und dieses Hin und her wird jedes Mal intensiver - und - Hilfe, es verändert mich! Anstatt dass die Gefühle irgendwann abflachen, wie ich am Anfang vermutet hatte, leide ich jedes Mal mehr darunter.
Ich merke schon selbst, dass ich ihm gegenüber genau so wankelmütig geworden bin wie er, also dass ich schon genau solche Schutzreaktionen aufbaue. Das eine Mal bin ich regelrecht süchtig nach ihm, ein anderes Mal denke ich "Arschloch". Versuche mich abzulenken, treffe mich mit Freunden. Ich habe sogar versucht, andere Männer zu treffen. Doch dieses Gefühlschaos vereinnahmt mich so sehr, dass ich mich einfach nicht auf jemand neues einlassen kann!
Da wir zwangsläufig weiterhin miteinander in Kontakt sind, habe ich große Angst, dass es nicht besser wird, aber nicht endet und weiterhin mein Leben blockiert.
Wer hat ähnliches schon einmal erlebt - und wie ist es ausgegangen?
Geht es hier allein um Bindungsängste oder verstehe ich ihn vielleicht falsch?
Hoffe auf viele Antworten!
Ulli


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und hier bekommt man Antwort auf alle Fragen.




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