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Thema: Hat er Bindungsangst? - immer wenn es am schönsten wird, nimmt er reiß aus...

  1. #1
    Neuling
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    Unglücklich Hat er Bindungsangst? - immer wenn es am schönsten wird, nimmt er reiß aus...

    Liebe Foris,

    ich hoffe, einige unter euch zu finden, die Erfahrung mit ängstlichen Männern haben oder ähnliches schon erlebt haben, denn ich bin am verzweifeln.

    Ich bezeichne es mal als Affäre, oder Freundschaft mit Sex. Er (Ende 30) hat mir von Anfang an klar gemacht, dass er nicht mein Partner sein will. (Wir sind übrigens Kollegen und sehen uns ab und zu im Gebäude. Dass wir Kollegen sind, ist aber definitiv nicht der Grund für sein Verhalten. Wir treffen wir uns heimlich, was aber eher von mir ausgeht, denn so ist es mir lieber.)
    Das ganze geht jetzt ein Dreivierteljahr. Zwischen uns besteht beiderseitig eine starke sexuelle Anziehungskraft. Er ist ein sehr guter und einfühlsamer Liebhaber. Diese intensive Nähe lässt er jedoch nur auf der sexuellen Ebene zu. Wir führen keine Beziehung, keine Zukunftsplanung. Das ist für mich ok, denn ich habe ein Kind und führe ebenfalls ein sehr eigenständiges Leben. Das habe ich ihm auch gesagt. Ich lasse ihm seinen Raum und dränge mich ihm nicht auf.

    Dennoch verhält er sich so, als ob er nach jeder Nacht mit mir davon laufen müsse. Vor allem dann, wenn es besonders schön und harmonisch war und wir uns auf menschlicher Ebene sehr nahe gekommen sind.

    Wenn wir ein oder zwei schöne Nächte verbracht haben, meldet er sich am nächsten Tag noch mal, dann folgt eine Abstandsphase von einigen Tagen bis mehreren Wochen. Mittlerweile meldet er sich manchmal wochenlang nicht mehr, ganz selten eine SMS, was er so alles am jeweiligen Tag erledigt hat.

    Wenn ich einmal Sehnsucht nach ihm hatte und selbst die Initiative zu einem Treffen übernommen habe, ging es jedes Mal nach hinten los. Ein Mal, sagte er von einer Stunde auf die andere ein Treffen ab, nachdem ich Vorschläge zur Abendgestaltung gemacht habe. Er träfe eine andere Frau (mit zwei Frauen gleichzeitig würde er nicht schlafen), was sich dann wohl eine Woche später wieder erledigt hatte. Dann kam er wieder an und verstand überhaupt nicht, was mit mir los sei, ich müsse doch auch einmal 'zurückstecken' können, er habe ja auch dauernd Sehnsucht nach mir, wenn ich keine Zeit habe.

    Ich nehme Rücksicht auf ihn und bedränge ihn nicht, aber es kostet unglaublich viel Kraft und Selbstbewußtsein. Durchleide jedes Mal eine Art Liebeskummer, wenn er sich wochenlang nicht meldet. Irgendwann werde ich wütend auf ihn, was mir gut tut, denn das ist er erste Schritt für mich, loszukommen. Gerade wenn ich es geschafft habe, taucht er wieder auf. Entweder er sieht mich und ist Feuer und Flamme, oder er hat Sehnsucht, weil er sich 'langweilt'.

    Es ist eine ständige Abwechslung von 'Bagger'- und Abstandsphasen. In seinen Baggerphasen, die wochenlang andauern können, macht er mir viele Komplimente, kommt er mir auch gefühlsmäßig immer mehr entgegen, macht sogar Zukunftsplanung. Wenn wir dann zusammen sind, macht er mir auch viele Komplimente, sagt aber plötzlich, das zwischen uns sei reiner, klischeehafter Sex. Meine Reaktionen ihm gegenüber ist in beiden Fällen offen, aber zurückhaltend, da ich instinktiv seine Zerrissenheit spüre.

    Wenn wir uns auf der Arbeit über den Weg laufen, ist er immer freundlich und aufmerksam, egal in welcher Phase wir uns befinden.

    Er wirkt immer offen und zugänglich für alle Menschen, ist sehr charmant, einfühlsam und gutaussehend. Man könnte meinen, er ist ein Lebemann. Aber sobald man ihn näher kennenlernt, stellt man fest, dass er ganz anders ist: vorsichtig, häuslich, kulturell, geht seinen Hobbys nach, hat einige eher wenige Freunde. Er erzählt auch viel über sich, komischerweise aber immer über banale, alltägliche Dinge. Ich denke, er kann sich nicht in meine Lage hineinversetzen. Manchmal 'informiert' er mich regelrecht darüber, was er heute repariert hat oder alles geschafft hat, hält sich dabei immer sehr kurz.

    Er hält immer irgendwie den Kontakt, wenn auch phasenabhängig in großen Abständen. Es ist immer wieder die sexuelle Anziehungskraft, die uns zusammenbringt. Ablehnendes Verhalten stachelt ihn um so mehr an. Das ganze geht von vorne los. Ist das Interesse einmal erweckt, lässt er nicht locker, bis er mich hat, ggf. wochenlang. Da ich ihn regelmäßig auf der Arbeit sehe, und er in seinen Baggerphasen mit unglaublicher Selbstverständlichkeit meine Abweisungen ignoriert, werde ich jedes Mal nach einigen Tagen schwach: Es ist wie Gehirnwäsche und ich werde immer unglaubwürdiger!

    Da es ohne Gefühle bei mir nicht geht, leide ich jedes Mal darunter, nicht zu wissen, wann ich mit ihm rechnen kann oder ob es nun gar ganz aus ist. Habe versucht, mit ihm darüber zu reden. Er redet offen über seine Bindungsängste, das Verhaltensmuster sei in vielen Jahren gewachsen. Leider versteht er mich gar nicht und kann sich nicht in meine Lage versetzen- Er ist der Meinung, ich würde ihn doch kennen und müsse ihn doch verstehen. Ausserdem sei ein bisschen Schmerz doch gar nicht so schlecht.

    In seiner Kindheit wurde er wie ein Prinz behandelt, war das Lieblingskind von 2 Kindern. Von Verlusterfahrungen in der Kindheit weiß ich nichts. Er meint nur, er habe sehr viel Schmerzen in vorangegangenen Beziehungen erlebt. Das war Anfang 20. Nun lebt er (Ende 30) schon seit vielen Jahren allein. Es gab wenige kurze Beziehungen, in denen er sich nach kurzer Zeit zu fremdbestimmt fühlte und es beendet hat. Er meint auch, er wolle ungern Verantwortung für eine andere Person übernehmen. Einerseits ist er unzufrieden mit seinem Leben, hätte gerne Kinder, denkt, er habe es 'verpasst'. Andererseits hat er Hoffnung, vielleicht doch noch die 'richtige' zu finden. Einen Fehler sieht er nicht bei sich nicht, er sagt, er habe alles richtig gemacht.

    Auch was den Job angeht, legt er sich nie richtig fest. Er hat mehrere Standbeine und rührt sehr viel an, aber er kann sich nie richtig für eine Sache entscheiden. Auch hier ist er manchmal unzufrieden, hätte gerne mehr im Leben erreicht.

    Er sagt, er sei oft müde und mache sich Gedanken, ob mit seiner Gesundheit alles ok sei. Prinzipiell aber wirkt er sehr selbstbewußt und hält er sich selbst für einen tollen, gutaussehenden Mann. Er wirkt sehr viel jünger als er ist, ich finde auch seine Körpersprache gleicht manchmal eher der eines Jugendlichen.

    Anfangs dachte ich, er will mich einfach nur nicht. Aber so einfach ist es nicht. Dann wäre das Thema schon längst vorbei und abgeschlossen. Aber es ist irgendwie nie richtig vorbei. Und dieses Hin und her wird jedes Mal intensiver - und - Hilfe, es verändert mich! Anstatt dass die Gefühle irgendwann abflachen, wie ich am Anfang vermutet hatte, leide ich jedes Mal mehr darunter.

    Ich merke schon selbst, dass ich ihm gegenüber genau so wankelmütig geworden bin wie er, also dass ich schon genau solche Schutzreaktionen aufbaue. Das eine Mal bin ich regelrecht süchtig nach ihm, ein anderes Mal denke ich "Arschloch". Versuche mich abzulenken, treffe mich mit Freunden. Ich habe sogar versucht, andere Männer zu treffen. Doch dieses Gefühlschaos vereinnahmt mich so sehr, dass ich mich einfach nicht auf jemand neues einlassen kann!

    Da wir zwangsläufig weiterhin miteinander in Kontakt sind, habe ich große Angst, dass es nicht besser wird, aber nicht endet und weiterhin mein Leben blockiert.

    Wer hat ähnliches schon einmal erlebt - und wie ist es ausgegangen?
    Geht es hier allein um Bindungsängste oder verstehe ich ihn vielleicht falsch?

    Hoffe auf viele Antworten!
    Ulli

  2. #2
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    Hallo Ulli,

    das liest sich ja echt nach ner Menge leiden..........

    Was würde es ändern, wenn es "nur" Bindungsängste sind? Glaubst Du, Du könntest die heilen od. diese würden einfach mit der Zeit verschwinden?

    Im Prinzip ist es egal, was es bei ihm ist. Fakt ist, dass er ein lockeres Verhältnis will und lebt.......kommt wann er will, nimmt sich was und wann er will und befriedigt einzig und allein seine Bedürfnisse ohne Rücksicht auf Dich.
    Du wiederum stellst Dich dem zur Verfügung, ermöglichst ihm also dieses Verhalten.

    Was möchtest Du? Eine feste und ernsthafte Beziehung mit einem Partner, der Dich liebt, zu Dir steht, Dich will und häufig bei Dir ist, auch auf Dich, Deine Wünsche, Deine Gefühle eingeht?
    Falls ja, so denke ich, solltest Du versuchen Dich von diesem Mann zu lösen, da er 180 % das Gegenteil will und lebt und sich wohl kaum ändern wird.
    Du kannst einen anderen Menschen nicht ändern, das kann dieser nur selber, wenn er es denn möchte. Aber Du kannst Dich, Deine Einstellung ändern.

    Was hier zu Anfang noch ganz aufregend und prickelnd war, ist nun aufgrund Deiner Gefühle zu einem Problem für Dich geworden und das kann ich sehr gut nachvollziehen. So ein ab und zu Bettprogramm wie dieser Mann das lebt wäre mir auch mehr als zu oberflächlich. Ich habe da schon auch einige Ansprüche mehr.
    Was mir bei Deiner Erzählung auch noch sauer aufstößt, ist, dass es wohl auch meist nur nach seinem Kopf, Willen, Zeitplan geht. Das wiederum lässt auch auf einen egozentrischen Charakter schließen, was unabhängig einer eventuellen Bindungsanst ein weiteres Desaster darstellen würde, dem ich mich an Deiner Stelle niemals ausliefern würde.

    Diesen Satz von Dir habe ich mal hie rreinkopiert:
    >>Wenn wir dann zusammen sind, macht er mir auch viele Komplimente, sagt aber plötzlich, das zwischen uns sei reiner, klischeehafter Sex. <<

    Hier sagt er Dir ganz klar und deutlich, für was er Dich benutzt. Sorry, wenn ich das so deutlich formuliere. Sex, wann immer der gnädige Herr danach verlangt. Überlege Dir bitte, ob Du Dich dafür hergeben möchtest. Ich lese ja, dass Du Gefühle für ihn hast und da wirst Du auf Dauer nur leiden.

    Ich hoffe sehr für Dich, dass Du hier mit Deinen Gefühlen klarkommst und Dir genau überlegst, was Du willst und was nicht.

    Lieben Gruß
    Thessa
    Geändert von Thessa (02.09.2011 um 19:00 Uhr)

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Thessa für den sinnvollen Beitrag:

    Maeggie (03.09.2011)

  4. #3
    Gast784
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    hallo,



    Ich merke schon selbst, dass ich ihm gegenüber genau so wankelmütig geworden bin wie er, also dass ich schon genau solche Schutzreaktionen aufbaue. Das eine Mal bin ich regelrecht süchtig nach ihm, ein anderes Mal denke ich "Arschloch". Versuche mich abzulenken, treffe mich mit Freunden. Ich habe sogar versucht, andere Männer zu treffen. Doch dieses Gefühlschaos vereinnahmt mich so sehr, dass ich mich einfach nicht auf jemand neues einlassen kann!
    Ich schließe mich Thessa in den Punkten an, dass es darum geht, dass Du für Dich heraus findest, was Du eigentlich willst. Nur dann wirst Du auch aus der Nummer sauber raus kommen. Denn im Moment sieht es doch so aus - siehe Zitat oben - dass ihr beide wohl aus irgendwelchen Gründen dieses "Spiel" braucht, also die klassische Leidenschaft, die Leiden schafft. Wieviel davon ist Nervenkitzel, Gier nach dem Anderen, und wieviel davon ist Verliebtheit, die sich nicht darauf begründet, dass der Andere nicht so leicht zu kriegen ist?

    Ihr seid schon längst in einer Beziehung (im wörtlichen Sinne, ihr bezieht euch ständig aufeinander mit eurem Nähe- Distanzspiel) und je ehrlicher Du dir selbst auf den Grund gehst, was Dir diese Art der Beziehung bringt, und was Du dafür für einen Preis bezahlst, um so eher schaffst Du es, einen klaren Standpunkt zu finden, und von dort aus eine Änderung herbei zu führen. Vermutlich geht das eher in Richtung loslassen. Denn auch wenn so ein Mann eigentlich ganz ähnliche Sehnsüchte hat, ist meine Erfahrung die, dass er die dann lieber mit einer neuen Frau umsetzt, anstatt zu gucken, ob man eine schwierige Beziehung vll auch klarer und damit leichter gestalten könnte. Es ist generell schwer, den Charakter einer Beziehung grundlegend zu ändern. Nicht selten trennt sich ein Paar aus den Gründen, die es mal zusammen geführt hat...

    Eine Sexbeziehung kann gut funktionieren, wenn man sich nicht verliebt, aber sich dennoch freundschaftlich verbunden fühlt. So was gibt es. Aber das liegt nicht jedem. Sich mit dem Kopf so was vornehmen ist jedenfalls Quatsch. Entweder es funktioniert so, oder eben nicht. Und wenn sich bei Einem der beiden was verändert, dann verändert sich die Beziehung und das Paar sollte neu drauf schauen. Das braucht Ehrlichkeit, auch sich selbst gegenüber. Und ich glaube, davon habt ihr beide nicht gerade viel.

    Vll brauchst Du noch ein bißchen das Versteckspiel, die Jagd und die Leidenschaft. Aber Du bist in der Zeit, wie Du selbst bemerkst, von Herz und Aufmerksamkeit her gebunden. Vll brauchst Du es ja deshalb?

    Das ist für mich ok, denn ich habe ein Kind und führe ebenfalls ein sehr eigenständiges Leben. Das habe ich ihm auch gesagt. Ich lasse ihm seinen Raum und dränge mich ihm nicht auf
    Ich glaube, Du machst einen großen Denkfehler, den viele Menschen inzwischen machen: Du denkst bei Beziehung an die klassische konventionelle Beziehungskiste: Mein Männe, meine Kinder, mein Haus, mein Auto... blabla. Dabei bestimmst Du doch selber, welche Art von Beziehung Du brauchst und geben kannst, um Verbindlichkeit und Liebe leben zu können. Das schließt doch nicht aus, sich viel Raum zu geben und eigenständig zu sein! Im Gegenteil! Es ist halt die Frage, ist es wirklich so, dass Du eigenständig bist und viel Raum brauchst, oder ist das nur ein vorgeschobener Schutz und Du (genauso wie er) versteckst Dich dahinter, um in Deiner Sehnsucht nach Nähe nicht enttäuscht und verletzt zu werden?

    Also das einzige, was mir in solchen Situationen geholfen hat, war das Entkoppeln der Thematik von der Person, die diese Fragen, Sehnsüchte und Bedürfnisse in mir ausgelöst hat. Wenn ich die mal begriffen und mir eingestanden habe, dann hab ich die Person dazu meist nicht mehr gebraucht, die mir das alles vorenthält, statt dessen habe ich dann Menschen und Möglichkeiten gefunden, diesen Bedürfnissen gerecht zu werden.
    Geändert von Gast784 (02.09.2011 um 19:29 Uhr)

  5. Die folgenden 4 Benutzer bedankten sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    Maeggie (03.09.2011),Physalis (04.09.2011),Rainer-JGS (05.09.2011),Tänzerin (07.09.2011)

  6. #4
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    Hallo,

    darf ich hier mal einen Büchertipp anbringen?

    Ich weiß, es gibt eine Bücherecke hier. Aber vielleicht ist der Tipp in diesem Thread besser angebracht. Mit dem Thema Beziehungsangst hatte ich auch schon viel zu tun, habe dazu viel gelesen. Und mir hat das Buch "Nah und doch so fern" von Carter und Sokol sehr geholfen.
    Die ganze Problematik und Dynamik von solchen "Beziehungen" in ein paar Beiträgen zu erklären, scheint mir unmöglich. Dieses Buch war für mich lange Zeit wie eine Bibel, lag immer auf meinem Nachttisch und hier bekommt man Antwort auf alle Fragen.

    Grüße

    Maeggie
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  7. #5
    Neuling
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    Hallo,

    und vielen Dank für eure lieben Antworten. Sicher hat es Mühe gemacht - bei diesen langen Text...

    Eure Meinungen fand ich (jede einzelne!) sehr hilfreich!!

    @Thessa

    Dass er egozentrisch sein könnte, daran habe ich noch nicht gedacht. Vielleicht ist da was dran, obwohl ich bisher eher an Depressionen gedacht hatte. Er behauptet, er müsse sich immer nach mir richten. Das sehe ich anders. Ich habe Verpflichtungen. Er hingegen meldet sich 'nur' nicht, weil er Abstand von mir braucht. Aber das sieht er nicht, ihm fehlt aus meiner Sicht jegliche Empathie und das Verständnis, das im Leben nicht alles spontan sein kann, wenn man ein Kind hat.

    @Gabiannarele
    Zitat Zitat von Gabiannarele Beitrag anzeigen
    Denn im Moment sieht es doch so aus - siehe Zitat oben - dass ihr beide wohl aus irgendwelchen Gründen dieses "Spiel" braucht, also die klassische Leidenschaft, die Leiden schafft. Wieviel davon ist Nervenkitzel, Gier nach dem Anderen, und wieviel davon ist Verliebtheit, die sich nicht darauf begründet, dass der Andere nicht so leicht zu kriegen ist?...
    ...Vll brauchst Du noch ein bißchen das Versteckspiel, die Jagd und die Leidenschaft. Aber Du bist in der Zeit, wie Du selbst bemerkst, von Herz und Aufmerksamkeit her gebunden. Vll brauchst Du es ja deshalb?
    Da ist was dran. Verrückt ist: Meine Einstellung zu ihm ändert sich komplett, je nachdem, ob er sich meldet oder nicht. Meldet er sich nicht, bin ich traurig, unsicher, habe Sehnsucht, manchmal wütend oder regelrechten Liebeskummer.

    Sobald er sich wieder meldet, ich mir seiner wieder sicher bin, bin ich zufrieden, die Sehnsucht verschwindet, aber treffen will ich ihn erst mal nicht, weil ich Zeit brauche. Normal ist das nicht....

    Zitat Zitat von Gabiannarele Beitrag anzeigen
    Es ist halt die Frage, ist es wirklich so, dass Du eigenständig bist und viel Raum brauchst, oder ist das nur ein vorgeschobener Schutz und Du (genauso wie er) versteckst Dich dahinter, um in Deiner Sehnsucht nach Nähe nicht enttäuscht und verletzt zu werden?
    Auch hier hast du vermutlich gar nicht mal so unrecht. Reflektiere gerade selbst, wieso ich so empfänglich für ihn bin, wieso mich das gefühlsmäßig so berührt und ich mich weiterhin auf ihn einlasse. Möglicherweise haben wir beide ähnliche Probleme…

    Zitat Zitat von Gabiannarele Beitrag anzeigen
    Denn auch wenn so ein Mann eigentlich ganz ähnliche Sehnsüchte hat, ist meine Erfahrung die, dass er die dann lieber mit einer neuen Frau umsetzt, anstatt zu gucken, ob man eine schwierige Beziehung vll auch klarer und damit leichter gestalten könnte.
    Kann mir bei ihm nicht vorstellen, dass er überhaupt zu einer liebe- und verantwortungsvollen Beziehung zu einer Frau in der Lage ist. Sehe ihn vor meinem inneren Auge weiterhin irgendwie als Einzelgänger. Doch da kann ich mich natürlich sehr täuschen, wie du aus deinen Erfahrungen wahrscheinlich richtig vermutest. Wenn nämlich plötzlich eine andere Frau an seiner Seite ist, wird's heftig für mich. Das geht ans Ego, gerade, wenn man so viele Nerven investiert hat...

    Früher habe ich immer gedacht: Bindungsangst, so ein Quatsch. Er will einfach nicht und schiebt Ängste vor. Aber das kann doch alles keine Schauspielerei sein...

    Ich weiß, ich weiß, ich muss erst mal über meine Bedürfnisse klar werden und sollte mir nicht so viele Gedanken über IHN machen. Trotzdem würde mich noch eines interessieren, in der Hoffnung, dass es leichter zu verkraften ist, wenn man die Hintergründe besser versteht: Thema Entscheidungsschwäche... Sein Kühlschrank ist immer leer. Wenn er Hunger hat, besorgt er sich was, denn er weiß ja nicht, worauf er heute Abend oder morgen Appetit hat. Genau so ist es in vielen Lebensbereichen bei ihm, Liebe, Job… kann sich nie richtig für eine Sache entscheiden. Wenn er sich doch mal entscheidet, schmeißt er bald alles wieder über den Haufen. Hat er möglicherweise einfach nur ein Problem, sich festzulegen und steht sich damit selbst im Weg? Gibt es so etwas?

    LG Ulli

  8. #6
    Gast784
    Gast

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    hallo Ulli,

    Reflektiere gerade selbst, wieso ich so empfänglich für ihn bin, wieso mich das gefühlsmäßig so berührt und ich mich weiterhin auf ihn einlasse. Möglicherweise haben wir beide ähnliche Probleme
    Auch wenn Du darauf noch keine Antworten hast, aber die Fragestellung geht schon mal in ne gute Richtung, nämlich in DEINE. Anstatt einer Antwort kannst Du auch erstmal sagen, egal ob und warum es so ist. Aber es tut Dir nicht gut und Du entscheidest Dich deshalb dagegen. d.h. Du ziehst Dich zurück und guckst lieber mal, was Dir gut tut und was Du eigentlich willst.

    Ganz oft heißt der erste Schritt zu dem, was man möchte, erstmal zu festzustellen, was man NICHT will und entsprechend die Konsequenzen zu ziehen. Dann kann auch mal was anderes an dessen Stelle treten

    Dabei wird oft der Fehler gemacht zu sagen: "ich will das nicht, also ändere dich". Es kann aber nur heißen: "ich will das nicht, also ziehe ich die Konsequenz". Nur das hast Du in der Hand.

    Früher habe ich immer gedacht: Bindungsangst, so ein Quatsch. Er will einfach nicht und schiebt Ängste vor. Aber das kann doch alles keine Schauspielerei sein
    Naja, ganz daneben liegst Du aber auch nicht. Auch wenn das oft eine Art "Automatismus" ist, und weniger eine bewusste Willenssache. Die Gründe, warum jemand so bindungsängstlich ist, können verschieden sein. Vll ist es das Ende einer Kette von weit zurück reichenden Kränkungen und Verletzungen, vll ist es aber auch eine Folge bewährter Bequemlichkeit und Weigerung, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen (und dadurch auch für seine Beziehungen). Aber auch dahinter steht eine ganze Biografie.

    Aber egal, warum ein Mensch bindungsängstlich ist - wenn er es nicht auch "wollen" würde, in dem Sinne, dass er irgend einen (scheinbaren) Nutzen davon hat, dann würde er Mittel und Wege finden, dies zu ändern, z.B. mit professioneller Hilfe.

    Das ist seine Entscheidung und wenn er die in die Richtung trifft, dass er eben nix dafür tun wird, um dies zu ändern, dann sollte er die Konsequenzen dafür tragen. Wenn es keine Konsequenzen gibt, weil er immer wieder welche findet, die das alles viel zu lange mitmachen und mit seiner "Krankheit", oder wie immer sie es auch nennen, entschuldigen, warum soll er dann was daran ändern?

    Zumindest bin ich nicht mehr bereit, dies für so einen Menschen austragen. Dabei gibt es nur Verlierer. Wenn Du dies aber tust, dann frag Dich, was Du davon hast, z.B. weil Du selbst vll Ängste hast, Dich auf eine verbindliche Beziehung einzulassen? (siehe Post oben)

    Ich weiß, ich weiß, ich muss erst mal über meine Bedürfnisse klar werden und sollte mir nicht so viele Gedanken über IHN machen. Trotzdem würde mich noch eines interessieren, in der Hoffnung, dass es leichter zu verkraften ist, wenn man die Hintergründe besser versteht
    Bleib lieber bei dem ersten Satz. Der zweite ist nichts anderes, als die Hoffnung, irgend etwas zu finden, um ihn nicht loslassen zu müssen.

    letztlich wirst Du die Hintergründe nicht besser verstehen können, weil alles nur Spekulation bleiben kann und weil es für Dich im Grunde keinen Unterschied macht, warum er so ist, wie er ist. Besser verkraften wirst Du es dann, wenn Du Deine eigenen Hintergründe verstehst, die Dich in diese Liebe gebracht haben und Dich so schwer daraus aussteigen lassen. Denn nur das ist relevant, auch wenn Du es jetzt noch nicht akzeptieren kannst.

    Kann mir bei ihm nicht vorstellen, dass er überhaupt zu einer liebe- und verantwortungsvollen Beziehung zu einer Frau in der Lage ist. Sehe ihn vor meinem inneren Auge weiterhin irgendwie als Einzelgänger. Doch da kann ich mich natürlich sehr täuschen, wie du aus deinen Erfahrungen wahrscheinlich richtig vermutest.
    zwei Sachen:

    1. vermutlich hat er noch ein paar Jahrzehnte vor sich und niemand kann wissen, was die ihm noch bereit halten. Und wahrscheinlich willst Du es nach einer gewissen Zeit auch gar nicht mehr wissen Unabhängig davon ist das überhaupt nicht relevant für Dich, denn ihr werdet dann nicht mehr gegenseitig Teil eures Lebens sein, also grüble nicht darüber.

    Wenn nämlich plötzlich eine andere Frau an seiner Seite ist, wird's heftig für mich. Das geht ans Ego, gerade, wenn man so viele Nerven investiert hat
    2. das ist das Problem mit den Problembeziehungen. Du investierst und merkst auch, dass Du investierst, weil es Dich Kraft KOSTET (das ist der Unterschied zu erfüllten Beziehungen, da investiert man und bekommt, Geben und Nehmen ist gefühlt ausgeglichen). Und da man sich nicht eingestehen kann und will, dass es umsonst ist, wird weiter daran festgehalten und weiter investiert und man verliert immer noch mehr Kraft und sich selbst.

    Mir hat ein Bekannter mal in so einer Situation gesagt: Boah, was Du alles mit dieser Energie anfangen könntest, die Du da rein investierst..

    Den Satz hatte ich nie mehr vergessen (und u.a. schätze ich auch deshalb Rückmeldungen, die ich aus dem gar nicht nahen Umfeld kriege ). Ich sehe heute darin den Keim, dem noch ein paar weitere Begegnungen und Einsichten folgten und am Ende dieser Kette die Lösung aus dieser Problemschlonze stand. Und obwohl ich dann erstmal auf nem Scherbenhaufen saß, hab ich es nicht bereut.

    Ja, ich hatte auch sehr viel investiert und aufgegeben, aber ich nahm diese Investitionen und Verluste als Lehrgeld und es waren im Nachhinein gute Investitionen, denn dadurch habe ich gelernt, gut für mich selbst zu sorgen und schöne Beziehungen aufzubauen. Das loslassen und auch das Aktzeptieren des Verlusts und der scheinbar vergeudeten Investitionen waren für mich eine Erleichterung, weil endlich die ganze Energie mir zur Verfügung stand und ich anschauen und ändern konnte, was mich EIGENTLICH umtrieb und letztlich in so eine Beziehung trieb. Ich war wieder Herrin in meinem eigenen "Haus" (in meinem eigenen Leben).

    Ich musste da übrigens durch diesen ganzen Wulst von Scham und Wut mir selbst gegenüber, und Traurigkeit über erstmal geplatzte Träume usw. Aber das alles war mir meinen eigenen Seelenfrieden wert. Und letztlich war der die Motivation zu gehen und nicht mehr auf ihn, sondern auf mich zu blicken. Es ging mir nicht mehr um die Beziehung, sondern um meinen Frieden.

    Wenn Du den Blick nicht von ihm wenden kannst, dann beziehst Du Dich immer noch auf ihm, bist in Bezug auf ihm, in Beziehung mit ihm. So was kann auch über Jahre weiter existieren, ohne dass man realen Kontakt hat. Dann schleppt man auch die Verletzungen mit den Erwartungshaltungen, die sich daraus ergeben, in die folgenden Beziehungen (machs besser als Dein Vorgänger, heile meine Wunden, die ein Anderer gerissen hat...)

    Bleib mit Deinen Reflektionen lieber bei Dir. Und wenn Du nach ihm fragst, nach seinen Motiven und Hintergründen, dann nutze das, um wieder auf Dich zu kommen, indem Du Dich fragst, warum Du wieder auf ihn gucken willst. Vll ist das ein Anfang?
    Geändert von Gast784 (04.09.2011 um 14:51 Uhr)

  9. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    Physalis (04.09.2011)

  10. #7
    Neuling
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    Liebe Ulli,

    meinen Vorrednern kann ich mich nur anschließen und verstehe Dich sehr gut.

    Momentan befinde ich mich in einer ähnlichen Phase der Ablösung nach 7(!) Jahren Ehe und 13(!) Jahren Beziehung von meiner bindungsängstlichen Partnerin. Leider habe ich diese Tatsache erst vor einigen Wochen wirklich in dieser Klarheit realisiert, nachdem ich mich zuerst - entgegen meiner treuen Natur - in eine Affäre gestürzt habe und seitdem ständig auf der Suche nach dem "Warum?" bin.

    In meiner Ehe lief seit Jahren eigentlich nichts mehr - und doch glaubte ich immer an die große Liebe zu dieser Frau (und in schwachen Momenten tue ich das auch heute noch manchmal). Sie hat mich betrogen, nachdem wir gerade geheiratet hatten - ich habe verziehen. Sie wollte nie über die Zukunft reden, weil sie das angeblich nicht kann (aber es eigentlich nicht will, weil es ihre Freiheit raubt) - ich habe es verstanden. Sie wollte keinen Sex, wenn wir eine gute Zeit zusammen hatten (weil es ihr dann zuviel Nähe wurde) - ich habe es normal gefunden. Sie wollte unsere 13jährige Wochenendbeziehung aufrecht erhalten (weil sie damit ausreichend Distanz hatte) - ich fand das plausibel.

    Als eine andere Frau in mein Leben trat, habe ich mich gefragt, warum das passiert ist. Und habe mich endlich mit mir selbst beschäftigt, nach 38 Jahren das erste Mal ... Und habe herausgefunden, daß ich ein völlig anderes Leben will: Eines mit Kindern und einem Haus im Grünen und einem Hund statt ein egoistisches mit großer Karriere und Wochenendbeziehung. Ich musste verstehen, daß ich erst einmal mich selbst finden muß - das habe ich weitestgehend geschafft. Es war ziemlich anstrengend, aber es hat sich gelohnt.

    Im zweiten Schritt habe ich meine Frau damit konfrontiert - zum ersten Mal seit Jahren konnte ich ihr überhaupt sagen "Ich will x und y". Zuvor hatte ich mich komplett untergeordnet und alles getan, was sie wollte - nur um das kleine bißchen Liebe zu bekommen, das ich mir so von Ihr gewünscht habe. Sie hat auf meine Pläne wie immer reagiert ... "man kann nichts im Leben planen und muß alles nehmen, wie es kommt"

    Dann habe ich das Buch "Jein" von Stefanie Stahl gelesen - und das ganze komplizierte Puzzle war auf einmal vervollständigt. Meine Frau war und ist beziehungsphobisch und fand unsere Situation vermutlich perfekt. Der Beweis: Noch vor einigen Tagen erzählte sie mir, die sich angeblich mich so sehr zurück wünscht, wie toll ihr Ryhthmus in Sachen schlafen und essen ohne mich als "Störfaktor" (wörtlich!) wäre und fragte ganz optimistisch, ob sie jetzt weiterhin Single sein dürfe ...

    Mein Fazit lautet, daß ich bei aller "Liebe" diese Beziehung zu meiner Frau nicht mehr will. Ich kann sie nicht ändern - und will aber mit dieser Situation nicht leben. Eine distanzierte Beziehung dieser Art steht im Widerspruch zu meinem Lebensplan. Ich werde mich von meiner Frau trennen, auch wenn mein Herz mir immer wieder Signale sendet, die ich als "die große Liebe" fehlinterpretiere.

    Ich kann nicht sagen, ob mein Weg der Richtige ist und ich habe große Angst, daß ich irgendwann feststelle, falsch gehandelt zu haben. Aber nach allem, was mein Verstand mir sagt, weiß ich, daß ICH keine Beziehung zu einer Frau haben will, die immer wieder vor mir flüchtet ... und werde das durchziehen, so weh das auch alles tut.

    Ich glaube, das ist der einizige Weg. Vielleicht gibt es noch den, diese Situation für ein ganzes Leben auszuhalten, aber den will ich jedenfalls nicht.

    Viel Erfolg!

  11. #8
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Stickinho,

    Aber nach allem, was mein Verstand mir sagt, weiß ich, daß ICH keine Beziehung zu einer Frau haben will, die immer wieder vor mir flüchtet ...
    Meinst Du wirklich, dass das Dein Verstand sagt? Ich tippe eher auf Dein Herz. Und ich glaube, aufgrund dieser klaren Erkenntnis und Entscheidung wirst Du auch nichts bereuen. Selbst wenn Enttäuschungen folgen und sich Dein Lebenstraum doch nicht so umsetzen lässt. Aber es sind diese inneren Entscheidungen, die uns im Außen flexibel, da handlungsfähig, werden lassen.

    Es wird seinen Grund gehabt haben, dass Du so lange in dieser Beziehung warst und es als selbstverständlich genommen hast, dass der geliebte Mensch Dir gegenüber Vorbehalte hat. Aber die Zeit ist nun vorbei und es ist so gesehen auch nicht mehr wichtig, warum Du das so lange gelebt hast.

    Wichtig finde ich aber auch, zu sagen, was man will. Wenn man mal weiss, was man nicht will. Denn die Kraft fließt dahin, woran man denkt und was man sich wünscht. Wenn ich denke, was ich NICHT will, dann gebe ich genau dem Kraft und Aufmerksamkeit. Darum - besser denken und sagen, was Du willst

  12. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    invalid username (22.09.2011)

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