psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Hilfe! Angst!

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    09.08.2011
    Beiträge
    2
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Hilfe! Angst!

    Hallo ihr lieben,

    ich weiß nicht ob ich hier ganz richtig bin, aber ich schreibe es einfach mal!

    Mein Lebensgefährte leidet unter Depressionen aufgrund seiner Vergangenheit! Mit mir spricht er darüber gar nicht!

    Vor kurzem hat er sich in einer Klinik vorgestellt und wird in diese auch wohl gehen!!

    Ich habe ungeheure Angst davor, dass unsere Liebe daran zerbricht oder er sich womöglich dadurch so sehr verändert, dass wir danach einfach nicht mehr miteinander klar kommen!

    Kann mir jemand von euch über Erfahrungen damit berichten? Sowohl Angehörige als auch Betroffene?

  2. #2
    Verleger Avatar von Darkstar
    Registriert seit
    02.10.2009
    Ort
    in der kulturellen Diaspora
    Beiträge
    2.530
    Danke
    1.768
    1.105 mal in 640 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Trude,

    es ist eine verzwickte Situation, in der Du da drinsteckst.
    Eigentlich wollte ich ja jetzt nicht mit der Standard-Banalität solcher Foren wie diesem hier antworten (): "ich kann das sehr gut nachempfinden" ...
    ... manchmal passt sowas aber wohl doch ganz gut

    Du nennst die Dinge, die Dich bewegen, ja bereits beim richtigen Namen: Ängste.
    Und weil es Ängste sind, sind sie auch ernst zu nehmen - selbst wenn sie vielleicht der Grundlagen entbehren, mit denen sie sich gerade bemerkbar machen: sie haben schon so "Gründe", die nicht einfach "weggewischt" werden können oder dürfen.
    Andererseits bringt es auch nichts, sie jetzt ungewollt zu befördern.

    Vielleicht als kleiner Einstieg mal ein Link (sorry, ich will das nicht einfach so hier rein kopieren - es aber völlig neu zu formulieren ... ist auch sehr anstrengend)?
    Es ist zwar die Perspektive desjenigen, der sich in eine Klinik begibt und an eine TE gerichtet, die mit ihren Ängsten vor diesem Schritt zu kämpfen hatte, aber einige Punkte können da vielleicht auch für Dich interessant sein.

    Ich will nicht, dass dies alles so furchtbar theoretisch und unpersönlich klingt, daher, falls es für Dich okay ist, auch ab und an mal ein Schwenk in die Ich-Erzählperspektive.

    Ich bin damals in die Klinik gegangen (gut, beim ersten Mal niicht unbedingt "freiwillig"), weil ich "gemerkt" habe, dass ich mit meinen bisherigen "Lösungsstrategien" immer nur an einer Wand endete.
    An den Problemen ließ sich im "normalen" Leben nichts ändern - es fehlte mir jegliches Handwerkszeug hierfür.

    Sich in Therapie zu begeben, weil man so nicht länger weitermachen kann (weil auch die Angehörigen unter den eigenen Problemen immer mehr leiden müssen): es ist ja gerade der Zweck eines solchen Schrittes, eine Veränderung herbeizuführen.
    Es ist für beide Seiten (für den, der diesen Schritt geht, als auch für den, der "zurückbleiben" und auf das warten muss, was dann irgendwann einmal als "Ergebnis" vor der Tür steht) eine Reise ins Ungewisse - und damit auch etwas, das Ängste auslösen kann.

    Dein Mann wird, wenn er sich auf die Therapie einlassen kann, sicherlich als ein "anderer Mensch" zurückkehren - aber: muss das denn zwangsläufig auch negativ für die Beziehung sein?
    Es wäre gelogen, wenn ich jetzt behaupten würde, dass diese Möglichkeit nicht bestünde - aber ebenso Wahrscheinlich ist es doch, dass Du einen Mann "zurückbekommen" wirst, der wieder fester mit beiden Beinen auf dem Boden des Lebens stehen kann.
    Jemanden, der nicht von seinen ungelösten Problemen getrieben wird (die sich ja ebenfalls negativ auf die Zukunftsfähigkeit Eurer Beziehung auswirken!) sondern eine neue Klarheit gewonnen haben kann, die Euch beiden (und Eurer Beziehung!) nutzen wird.

    Du hast ihn ja bisher eher in seiner Krankheit erlebt - danach erlebst Du ihn als den Menschen, der ein gutes Stück weiter auf dem Weg zu sich selbst gekommen ist.
    Du hast die Chance, mit ihm zu leben ... und nicht länger mit seinen Defiziten.
    Wenn Du Dir vielleicht mal folgende Frage stellen könntest: wie sicher könntest Du sein, dass Eure Beziehung nicht in einem sich gegenseitig aufreiben enden würde, wenn er diesen Schritt eben nicht ginge?!

    Ja, es bleibt ein "Risiko" bestehen, dass dieser Aufenthalt dazu führen kann, dass er sich "umorientiert" - geht alles aber den bisherigen Weg weiter, dann sind die Chancen für eine gemeinsame Zukunft, die auch für Dich lebenswert ist/bleibt, sehr sehr viel geringer.

    Ich will es nicht unter den Tisch kehren:
    Er wird sich neu (oder auch: zum ersten Mal) kennenlernen - und Ihr werdet Euch beide dann ebenfalls neu kennenlernen müssen (es wird sich ja etwas verändern).
    Die Liebe muss ja deswegen nicht verschwinden - es kann ebenso gut das genaue Gegenteil eintreten: sie bekommt eine viel stabilere Basis

    Nimm Deine Ängste ernst, aber fixiere Dich nicht auf sie - sonst bekommen sie ein Eigenleben, gegen das Du nicht wirklich ankommen kannst.
    Vielleicht hilft es Dir, Dich über die Klinik und das zu informieren, was dort an Therapieformen angeboten wird, was da warum und mit welcher Zielrichtung "mit ihm gemacht wird".
    Oft nimmst das schon die Angst, weil dieser Aufenthalt so nicht länger ein "schwarzes Loch" bleibt, in das er, aus Deiner Sicht gesehen, hinein fällt und irgendwann dann auch wieder "ausgespuckt" wird.

    Ooops, der Post ist wieder viel länger geworden, als ich beabsichtigt habe
    Das Thema hat zu viele Facetten ...


    "Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
    (mongolisch)
    -----------------------------
    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
    (Immanuel Kant, 1724 - 1804)

  3. #3
    Neuling
    Registriert seit
    09.08.2011
    Beiträge
    2
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Danke :)

    Hallo Darkstar,

    vielen Dank für Deine Antwort!!!!! Hat mir schon ein wenig weitergeholfen!!

    Ich denke, ich werde mir jetzt mal eine Beratungsstelle suchen um mich *aufklären* zu lassen! Mein Mann möchte mir einfach nicht über dieses Thema sprechen bzw. über die Klinik und ich fühle mich mittlerweile ziemlich ausgeschlossen..!

    Hattest Du während deines Auffenthaltes denn zumindest regelmäßigen telefonischen Kontakt zu deiner Familie/Freunden?

  4. #4
    Verleger Avatar von Darkstar
    Registriert seit
    02.10.2009
    Ort
    in der kulturellen Diaspora
    Beiträge
    2.530
    Danke
    1.768
    1.105 mal in 640 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Trude,

    das mit meinem Telefonkontakt ...
    Ja, hatte ich. Regelmäßig und jeden Tag - im Nachhinein gesehen: leider.
    Hört sich jetzt furchbar an, vor allem vor dem Hintergrund Deiner Sorgen, sorry.
    Dieses "leider" hat aber ausschließlich mit meiner damaligen Situation zu tun gehabt und darf daher nicht verallgemeinert werden!
    Es hängt eben von den Umständen ab und davon, was aus therapeutischer Sicht sinnvoll ist, um den Therapieeinstieg nicht unnötig zu erschweren.

    Ein stationärer Aufenthalt dient ja auch dazu, den Patienten zuerst einmal aus seinem bestehenden Beziehungsgeflecht heraus zu nehmen und ihn von allen äußeren Einflüssen, soweit sinnvoll und möglich, abzuschirmen.
    Ein Teil des Therapieprozesses besteht ja auch darin, ihm erst einmal den Rahmen zu verschaffen, den er braucht, um sich auf sich selbst und seine Prozesse konzentrieren zu können: zu sich selbst finden, ohne dabei abgelenkt zu werden.
    Die eigenen Anteile (nur an denen kann man selbst arbeiten) von denjenigen trennen, die von außen kommen (und an denen dann eben andere arbeiten müssten).
    Das kann eine (anfängliche, zeitweilige) Kontaktsperre erfordern, es kann ebenso gut reichen, den Kontakt auf Unverfängliches zu reduzieren.
    Diese Therapie ist Arbeit, die einen voll und ganz beansprucht.

    Das "leider" in meinem Fall: jeder Anruf hat mich wieder ein gutes Stück weit (oft sogar: ganz) in das zurückgerissen, aus dem ich mich gerade zu befreien versuchte.
    Nicht etwa, weil meine Familie dies etwa "gewollt" hätte, nicht falsch verstehen. Ein Teil meiner Problematik war, dass ich mich in all den (realen oder nur eingebildeten) Verpflichtungen, "Verantwortungen", "man macht" und "Erwartungen" (denen ich 150%ig gerecht werden zu müssen glaubte) völlig verloren hatte - und eigentlich überhaupt kein Gefühl mehr dafür hatte, wer ich eigentlich bin, was meine eigenen Bedürfnisse waren etc.

    Jeder Anruf trug aber genau diese "Welt", die mich an meinem alten Platz halten wollte, wieder in meine Therapie hinein - das fühlte sich dann so an, als ob jemand in meinen geschützten Raum eindringen wollte.

    Auf diese Weise kann sich sehr leicht etwas hochschaukeln, das keinem der Beteiligten wirklich nützt, im Gegenteil.
    Mich hat dieser Kontakt von der Therapie abgehalten (mich zumindest massiv dabei behindert) - und meine damalige Frau hat Frust geschoben, weil keine "Veränderung" bei mir zu spüren war. Und noch mehr Frust, weil sie meine Versuche der Abgrenzung als Abweisung ihrer Person auffassen musste.
    Mit ein paar Wochen "Funkstille" zu Beginn, bis mal eine erste "stabile" Plattform gefunden gewesen wäre, wäre vieles erst gar nicht aufgekommen, was sich im Nachhinein dann als destruktiv für unsere Beziehung herausgestellt hat.

    Wie gesagt: das ist aber nur vor meinem persönlichen Problemhintergrund so gewesen.
    Mein Zimmergenosse kam aus einem völlig intakten und funktionierenden Umfeld: für ihn war der tägliche Kontakt daher sogar hilfreich

    Heute, mit dem zeitliche Abstand und den Erfahrungen, die ich seither gemacht habe, kann ich verstehen und nachvollziehen, was damals abgelaufen ist und warum bestimmte Dinge so waren (teilweise auch so sein mussten), wie sie dort stattfanden (das gilt gerade auch für die Prozesse, durch die man dabei läuft) - damals habe ich vieles aber auch selbst nicht wirklich verstehen können.
    Wie soll das dann erst ein Angehöriger können, der, zwangsläufig, alles nur von außen verfolgen kann?!
    Vor allem dann, wenn er mit sowas noch nie selbst, "an der eigenen Seele", in Berührung gekommen ist ...

    Ich würde es vielleicht nicht als "Rat" bezeichnen - nenne es mal einen Tipp:
    Du wirst vielleicht immer mal wieder verunsichert werden, Fragen haben, Dinge nicht verstehen können: nicht in Dich hineinfressen oder mit Spekulieren anfangen! Auch nicht unbedingt Deinen Partner damit konfrontieren (er wird es eher selten selbst erklären können ) - das kann ungewollt Druck auslösen, mit dem er u.U. nicht umgehen kann.
    Suche Dir für solche Momente Unterstützung und Begleitung. Menschen, die Deine Fragen nachvollziehen und auf sie antworten können.

    Das können Freunde sein, die sowas selbst kennengelernt haben, das können Therapeuten oder Beratungsstellen sein - manchmal gibt es auch seitens der Kliniken "Informationsangebote" für Angehörige (in meiner fand einmal im Monat ein entsprechender "allgemeiner" Vortrag zum Thema "psychische Erkrankungen" mit Fragemöglichkeiten statt).

    Erwarte aber bitte nicht von Dir selbst, auch alles verstehen zu müssen - kannst Du gar nicht wirklich.
    (Müsste das Darkele von heute dem Darkele von damals erklären, was da alles abläuft - er wäre damit überfordert und würde seinen Gegenüber ebenfalls überfordern )

    Dein Partner kann ja jetzt noch gar nichts über die Klinik und die Therapie dort erzählen: er hat davon ebenso wenig "Ahnung", wie Du auch.
    Wenn es so weit ist, dass er freiwillig erzählen kann und will, wenn er erst einmal genügend eigene Klarheit (und Sicherheit) gewonnen hat, um selbst damit umgehen zu können, dann wird er es auch machen.
    Bis dahin bleibt Dir leider nur, Geduld zu haben.

    Versteh dies jetzt bitte nicht falsch (ist eher ein allgemeines in den Raum stellen):
    Bei allem verständlichen Interesse und aller positiver Neugier/Anteilnahme - Finger weg von allem, was sich für ihn danach anfühlen könnte, als ob Du Dich in seine Therapie "einmischen" wolltest!

    Eine Klinik ist eine Ausnahmesituation - da bekommt man Dinge sehr leicht auch mal in den falschen Hals, gerade weil man sehr dicht an den eigenen wunden Punkten dran ist, denen man sich dort auch nicht entziehen kann.
    Und das Telefon ist nicht unbedingt das geeignete Instrument, solch heikle "Probleme" zu klären

    Dass es Dich belastet, dass Du Dich jetzt von allem ausgeschlossen fühlen musst: das ist doch mehr als nur nachfühlbar. Aus Deiner Position heraus stimmt es ja leider auch irgendwie.
    Versuche es vielleicht einmal etwas anders zu sehen: gerade dieses "Ausgeschlossensein", soweit es Dich betrifft, gibt ihm aber auch eine weitere Chance, Dich später umso mehr wieder "einschließen" zu können - dann aber auf einer viel tragfähigeren Plattform!
    (In gewisser Weise warst Du ja auch vorher schon ein Stück weit "ausgeschlossen" - durch seine Krankheit, die immer mehr zwischen Euch zu stehen begann, gegen die er jetzt aber angehen kann).

    Ich denke, ich werde mir jetzt mal eine Beratungsstelle suchen um mich *aufklären* zu lassen!

    Das ist das beste, das Du für Dich machen kannst - und somit, indirekt, auch für ihn und Eure Beziehung.
    Vielleicht kannst Du ja auch so diese Zeit dazu nutzen, etwas von dem "Schutt" wegzuräumen, der sich durch die ganze Vorgeschichte bei Dir angehäuft haben kann.


    Ich drücke Dir fest die Daumen!


    "Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
    (mongolisch)
    -----------------------------
    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
    (Immanuel Kant, 1724 - 1804)

  5. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Darkstar für den sinnvollen Beitrag:

    Tänzerin (12.08.2011)

Ähnliche Themen

  1. Hilfe, meine Angst frisst mich auf!
    Von Oktan im Forum Ängste
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 24.06.2011, 11:10
  2. Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 15.02.2011, 00:28
  3. Depression und soziale Angst. Hilfe!
    Von kielersprotte92 im Forum Depression
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 03.12.2010, 08:23
  4. Angst, Nervosität, Hemmung - HILFE!
    Von socceroo im Forum Ängste
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 26.07.2010, 22:09
  5. Angst...HILFE !!! Weiss nicht mehr weiter
    Von Palmarium im Forum Ängste
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 04.08.2009, 20:51

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!