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Thema: Ich bin doch komplett anders - ein hoffnungsloser Fall?!

  1. #17
    Neuling
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    Hallo!

    Hier bin ich wieder, immer noch der Alte mit meinen Problemen. Außerdem habe ich es noch geschafft sämtliche Schreiber hier aus meinem eigenen Thread zu vergraulen - Glückwunsch an den Kandidaten.
    Diesmal versuche ich etwas sachlichere konkrete Fragen zu stellen da mich das eher weiterbringen kann als mich auszuheulen.
    Weitergekommen bin ich noch nicht wirklich, Anruf bei einem Therapeuten fehlanzeige. Allerdings hat ein weiterer Kollege angefangen mit mir über mein Befinden zu reden da es doch sehr auffällt wie schrecklich traurig ich manchmal am Arbeitsplatz rumhänge und ihn das wohl beschäftigt.
    Da ich mir ja ständig einen Kopf mache (Ich wünschte man könnte von seinen Gedanken mal Urlaub nehmen - einfach abschalten für ne Weile) sind mir einige Dinge wieder mal bewusst geworden: Ich sehe mich derzeit in einer absolut Hoffnungslosen Situation, bin fast 30 und kann mir nicht vorstellen auch nur annähernd irgendwann ein normaler Mann zu sein. Selbst wenn ich anfange an mir zu arbeiten, wie realistisch sind meine Chancen dass ich in absehbarer Zeit eine Besserung meines Befindens herbeiführe?
    Thema Frauen: Wie soll ich jemals einer Frau näher kommen, sie beeindrucken? Ich habe absolut nichts zu erzählen da ich praktisch nicht exsitiere, Null Lebenserfahrungen gesammelt habe. Mein ganzes bisheriges Leben hat nicht stattgefunden, ich befinde mich total ausserhalb der Gesellschaft. Welche halbwegs vernünftigt Frau will mit so einem etwas zu tun haben? Das merke ich jedesmall wenn ich mit jemandem ins Gespräch komme wenn so Fragen kommen was ich am Wochenende mache? "Trinkst du nie Alkohol? Ja wie kann das sein dass du noch nie betrunken war? Hast du ne Freundin? Warum nicht? Echt noch nie eine gehabt? Aber f... tust du doch? Bist du schwul? Geh halt mal Raus! Unternimm was. Wohin fährst du in Urlaub?" Da ich immer wahrheitsgemäss antworte stoße ich damit Leute ganz schön vor den Kopf und ich merke was für ein Aussenseiter ich bin.
    Und jetzt kommt der Knackpunkt: Bei diesen ganzen Gedanken an eine Mögliche bessere Zukunft sehe ich derzeit eine Psychotherapie als meine wirklich allerletzte Hoffnung, das rettende Boot bevor ich vollends untergehe. Meine neueste Erkenntniss nun warum ich unter anderem mich nicht überwinden kann einen Therapeuten aufzusuchen ist dass ich Angst davor habe dass diese letzte Hilfe nicht das richtige ist, mir nicht aus meinem Dilemma helfen kann und ich dann vor dem absoluten Nichts stehe, es dann nichts mehr gibt was mir Hoffnung macht - und was dann? Dass solche Therapien oft genug nicht den gewünschten Effekt bringen ist wohl an der tagesordnung wenn man sich allein hier im Forum so umschaut?!

    Was ich bisher noch nie erwähnt habe ist dass ich zu allem Übel wohl noch an Erythrophobie leide, das bedeutet ich erröte sehr schnell bei auch in Situationen wo es keinen Grund dafür gibt. Ist ein wirklich im Alltag sehr belastendes Phänomen was mich eben auch dazu bringt so viele Situationen zu meiden. Am Arbeitsplatz ist das ein ständiges Problem wobei ich ziemlich stark die Reaktionen meiner Mitmenschen bemerke. Der Gesichtsausdruck meines Gegenübers der völlige Unsicherheit und Überforderung ausdrückt spricht Bände wenn ich mal wieder mit knallrotem Kopf dastehe. Dank meiner echt supercoolen und korrekten Arbeitskollegen die mein Rotwerden immer wieder direkt ansprechen hat sich das Problem glaube ich bei mir doch etwas gebessert, ich schaffe es eher aus mir rauszukommen in manchen Situationen. Ich hoffe irgendwann einen Weg zu finden das noch besser in den Griff zu bekommen.
    Was mir aber wirklich schwer zu schaffen macht ist meine sonstige körperliche Reaktion, nämlich wenn ich nervös bin. Ich weiß nichtmal ob ich das erklären muss. Ja soziale Phobie kenne viele Menschen, da weiß ich dass ich nicht alleine dastehe und das groß erklären muss. Aber wenn ich eben in für mich unangenehme Situationen komme (und das fängt ja bekanntlich schon bei unbedeutenden Kleinigkeiten im Alltag an, z.B. das wöchentlich Tanken an der Tankstelle) bin ich wie wohl jeder andere Mensch der sich bei bestimmten Situationen überwinden muss sofort Nervös. Ich habe eine extreme innere körperliche Anspannung, im Bauch ein flaues Gefühl, wie verliebtsein nur halt negativ. Es sind keine Schmerzen aber das so ziemlich übelste Gefühl das ich kenne, leider nicht wirklich mit Worten zu beschreiben, ich glaube aber man nennt es Lampenfieber. Vor allem fällt mir das Essen dann schwer, ich bin wie zugeschnürt. Mit ein Grund warum ich auch nicht zunehme was kein Fehler wäre bei meinen mageren 63 kg bei über 1,80m Höhe.
    Das ist der nächste Knackpunkt welcher es mir so schwer macht mich zu überwinden an mir zu arbeiten. Um meine sozialen Ängste anzugehen muss ich mich diesen ausliefern, unter Leute gehen, etwas unternehmen usw. Nur bin ich im Vorfeld schon dermaßen nervös und aufgewühlt, das kann sich in schlimmsten Fällen über Wochen ziehen, in der Regel sind es aber nur Tage oder Stunden, dass mein Alltagsgeschehen zur Qual wird. Ich bin total durch den Wind und mir fällt es schwer meinen Tag zu bestreiten. Ablenkung ist absolut nicht Möglich, dies innere Anspannung ist dann fest verankert in mir bis zu diesem "Event" weshalb ich so Nervös bin. Keine Ahnung ob jemand verstehen kann was ich jetzt versucht habe zu erklären daher ein konkretes Beispiel: Von einem ehemaligen Klassenkameraden wurde ich zu seiner Hochzeit eingeladen. War für mich natürlich ein riesen Schock weil ja großes Fest, viele Leute dort - und ich muss jetzt dort mitten drin sein mit meiner riesen Angst vor Menschen. Absagen mit einer blöden Ausrede wollte ich auf keinen Fall da ich beeindruckt war von ihm als einziger aus unserer Klasse eingeladen worden zu sein. Zu der Hochzeit dauerte es dann noch etliche Monate, aber vielleicht zwei Wochen davor schon fing ich an deswegen nervös zu werden. Das zog sich Tag für Tag bis zum Tag der Hochzeit eben, ab da ging alles über die Bühne und ich war wieder von dem schrecklich belastenden Gefühl erlöst.
    Meine Kollegen und vor allem mein Kumpel aus der Firma laden mich ständig ein mitzugehen zum Feiern und ich sage immer ab, erkläre manchmal sogar warum wenn einer sehr neugierig ist und nachbohrt was mit mir los sei. Ich denke ich bin wirklich bereit öfters was zu unternehmen, denke sogar mittlerweile darüber nach einen Tanzkurs zu besuchen. Nur weiß ich ganz genau sobald ich so etwas beschließe bekomme ich keinen ruigen Tag mehr an dem ich nicht nervös bin. Wie soll ich damit nur umgehen? Demnächst stehen mir etliche Dinge bevor die ich machen MUSS, da wären Zahnarzt, Führerschein machen und andere Dinge. Das ist jedesmal auf's neue Horror für mich weil ich Tage davor vor Anspannung kaum mehr klar komme. Durch das Ganze hatte ich sogar schon mal einen leichten Autounfall der hätte mit etwas weniger Glück (40 Meter weiter auf der Straße) tötlich enden können. Außerdem bin ich mir fast sicher meine grauen Haare dich ich mit meinen jetzt 27 Jahren schon habe! von genau diesem ganzen Streß kommen.
    Da Frage ich mich wenn ich eine Therapie anfangen würde (wobei ich überhaupt nicht weiß ob das das Richtige ist für mich) wie ich das überstehen soll, da bin ich ja dauerhaft durch den Wind wegen meiner Nervosität. Würde da wohl noch weiter abmagern und viele Alltagssachen vernächlässigen.

    Hier mal eine kleine Zusammenfassung meiner Fragen auf die vielleicht jemand bezug nehmen kann:

    -Sind die meisten Psychotherapien wirklich nachhaltig erfolgreich?
    -Wie realistisch ist es dass ich meine Situation tatsächlich verbessern kann?
    -Wie kann ich mit meiner bisherigen jämmerlichen Vergangenheit in Zukunft umgehen? Wie kann ich akzeptieren dass ich keine Jugend hatte und diese wichtigste Zeit für einen Menschen nicht mehr nachholen kann?
    -Kann ich meine Nervosität in den Griff bekommen?

    Zu allem Überfluss scheint es keine Therapeuten in meiner Nähe zu geben, die sind alle mindestens 100km weit weg. Da jedesmal hinzufahren wird eine extreme Zeit und Kostenbelastung. Vor allem würde ich meiner Familie gegenüber nicht erwähnen können/wollen dass ich zu einer Therapie gehe - ich habe keine Vorstellung wie das funktionieren kann da die jeden einzelnen Handgriff den ich mache kommentieren und alles wissen sollen.

    Eine positive Sache möchte ich noch erwähnen: Ich bin fest entschlossen mir ein Haus zu kaufen wenn ich denn endlich ein passenes finden würde (meine vielleicht hohen Ansprüche erschwerden das). Darin liegt auch meine Hoffnung dass ich mich weiterentwickeln kann.

    Servus
    Markus

  2. #18
    Verleger Avatar von mops
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    Hallo Markus

    Ich beschäftige mich gerade mit dem Thema: Persönlichkeitsstörungen - Woher kommen sie - Besteht das Leben nur aus Arbeit?

    Dein Vater ist kein Einzelfall.
    Sein Leben besteht nur aus Arbeit, Freizeit kennt er gar nicht. Es ist ein häufiger Konflikt zwischen der älteren und jüngeren Generation.





    "Ich bin nicht normal!"
    Wenn ich vor einer Runde von Frauen stehe bin ich nicht normal.
    Die Frauen verbindet etwas, was sie für normal empfinden.
    Als Mann sind dabei auch Probleme die für mich nicht normal sind. Als Mann habe ich andere Probleme

    Ich habe keine festen Vorstellungen, was ist normal.
    Wie auch die die Erfahrung, etwas verbindet die Gruppe der Menschen, auch Fragen die für sie normal sind.
    Die Frage der Integration in die Gruppe, um von der Gruppe akzeptiert zu werden. Als dazugehörig gesehen zu werden.
    Fast so, jetzt bin ich normal. Also als nicht störend gesehen zu werden.

    Wie weit bringen wir aus der Erziehung feste Vorstellungen von normal mit?
    Die Frage des sich in das einbringen in eine Gruppe.

    Fast:
    Psychologie - Philosophie

    Das Geschäft mit der Freizeit boomt - die ältere Generation kennt so gut wie keine Freizeit. Ein Generationskonflikt?
    Die Integration, nicht nur für die Ausländer, sondern auch in anderen Bereichen unseres Lebens, zB in ein neues Kollektiv.


    gruß mops

  3. #19
    Moderator Avatar von siddhi
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    Hallo fw139,

    So ganz spontan denke ich an eine Brücke, die Du vielleicht schlagen solltest.
    Ein Therapeut ist ja offenbar nicht verfügbar.

    Wie wäre es z.B. mit einem (ein-)wöchigen Kurs in Selbsterfahrung oder Selbstentfaltung, wo Du mit Gleichgesinnten zusammen wärst? Alles Leute, die auch Probleme haben. Dort werden auch Tipps gegeben, wie man mit gewissen „Schwächen“ umgehen kann. Du hättest so mal ein gewisses (externes) Feedback.

    Ich denke, Feedback von anderen Menschen ist enorm wichtig. Vor allem, wenn man eine relativ festgefahrene Meinung von sich selber hat.

    Du hast den Mut gehabt, Dich hier im Forum zu öffnen. Einen solchen Kurs zu belegen, braucht auch Mut. Ich denke, Du könntest ihn haben.
    Jeder Mensch verändert sich zum Besseren, wenn er nur will. Die Wege dazu sind unterschiedlich. Wie lange das dauert, sollte einem nicht interessieren. Hauptsache, man ist auf dem Weg. Der Anfang ist vielleicht schwierig. Fortschritte sind enorm beglückend und erleichtern diesen Weg, der sich auf jeden Fall lohnt.

    Alles Gute Dir!

    Liebe Grüsse

  4. #20
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    Standard Täglich eine böse Tat ...

    ... zu tun, wäre der Weg für Dich!

    Mit anderen Worten, lieber Markus, du müßtst Dich zwingen, trotz starker innerer widerstände jeden Tag etwas zu tun, daß Du nach alter Muttersöhnchen-Manier nicht tun würest z.B.:

    1. Bei der Volkshochschule zu einem Kurs für Persönlichkeitsentwicklung, Selbstbewußtsein, freie Rede usw. anmelden!

    2. Jeden Tag einen fremdem Menschen ansprechen, um ihn z.B. nach den Weg, nach der Uhrzeit oder an der Kaufhallenkasse nach einem Produkt zu fragen.

    3. Du behauptest nichts zu erzählen zu haben und schreibst hier die längsten Texte, die ich je im Forum gelesen habe!

    Also übe Dich in Wahrhaftigkeit und bekenne Dich mutig zu Deiner Unvollkommenheit, denn Fehler einzugestehen, bedeutet wahre Größe zeigen!

  5. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Rainerjg für den sinnvollen Beitrag:

    siddhi (30.05.2015)

  6. #21
    Schreiberling Avatar von Traumakind
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    Lieber Markus,
    Ungeduld ist ein sehr schlechter Ratgeber. Du bist bereits auf dem Weg, Du willst Veränderungen. Aber Veränderungen brauchen ihre Zeit. Es gilt, einen Schritt nach dem anderen zu tun - nicht alle zugleich. Das überfordert Dich nur und funktioniert eigentlich nie.

    Zu Deinen Fragen:
    -Sind die meisten Psychotherapien wirklich nachhaltig erfolgreich?
    Es kommt darauf an, was es zu therapieren gilt und wie bereit der Patient ist. Ich glaube daran, dass Therapie wirkt, ja. Nicht immer - aber das liegt in der Natur der Sache. Wenn Du von vornherein zweifelst, kann es nicht wirklich klappen.
    -Wie realistisch ist es dass ich meine Situation tatsächlich verbessern kann?
    Sehr realistisch. Du willst es und das ist mindestens die halbe Miete.
    -Wie kann ich mit meiner bisherigen jämmerlichen Vergangenheit in Zukunft umgehen? Wie kann ich akzeptieren dass ich keine Jugend hatte und diese wichtigste Zeit für einen Menschen nicht mehr nachholen kann?
    Indem Du lernst, mit Deiner Vergangenheit abzuschließen. Deinen Eltern und Dir selber zu vergeben. Nach vorne schaust und Dich auf Deine Zukunft freust.
    -Kann ich meine Nervosität in den Griff bekommen?
    Ja. Dafür gibt es hervorragende verhaltenstherapeutische Trainings.
    Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht zu Ende.

  7. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Traumakind für den sinnvollen Beitrag:

    Rainerjg (30.05.2015),siddhi (01.06.2015)

  8. #22
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    Hi Markus,
    Also so komplett anders bist du nicht, ich erkenne da ziemlich viele Parallelen zu mir, und es gibt noch viele andere Leute mit solchen Problemen.

    Zitat Zitat von fw139 Beitrag anzeigen
    Aber wenn ich eben in für mich unangenehme Situationen komme (und das fängt ja bekanntlich schon bei unbedeutenden Kleinigkeiten im Alltag an, z.B. das wöchentlich Tanken an der Tankstelle) bin ich wie wohl jeder andere Mensch der sich bei bestimmten Situationen überwinden muss sofort Nervös. Ich habe eine extreme innere körperliche Anspannung, im Bauch ein flaues Gefühl, wie verliebtsein nur halt negativ. Es sind keine Schmerzen aber das so ziemlich übelste Gefühl das ich kenne, leider nicht wirklich mit Worten zu beschreiben, ich glaube aber man nennt es Lampenfieber. Vor allem fällt mir das Essen dann schwer, ich bin wie zugeschnürt.
    Das kenne ich, war bei mir in der gesamten Schulzeit so. Immer angespannt, mulmiges Gefühl im Magen, man kann nicht viel essen. So auf die Art "Ich muss jetzt voll da sein, ich darf nichts falsch machen, es könnte gleich was passieren." Das ist eine Angstreaktion. Das Gehirn meldet Gefahr, schüttet Adrenalin aus, Kampf-Flucht Reaktion - aber leider in den meisten Situationen einfach eine Fehlmeldung. Betrachte es als Mentalen Kurzschluss.

    Dein Verstand kennt die gefürchtete Situation (Feier, Unternehmungen,..) nicht und versucht ständig irgendwelche konstruierten, surrealen Befürchtungen zu basteln. Dadurch entsteht die Angst, das Gegrübel und das "x Wochen vorher aufgeregt sein". Und wenn jemand unter Angst steht, kann dieser zu dem Zeitpunkt nicht mehr klar denken, er steht so zusagen "im Nebel". Das ist generell bei jedem Menschen so. Der Fehler ist nur, dass die Angst in absolut harmlosen Situationen ausgelöst wird.

    Ziel ist es, dem Gehirn klar zu machen, dass die Situation wirklich harmlos ist, dass man sich keine unnötigen Gedanken mehr darüber machen braucht. Ich habe mir dazu eine Technik angeeignet, die ich dir auch empfehlen würde:

    Schritt 1: Spiele die Situation von Anfang bis Ende durch und schreibe diese Story auf. Schreibe es so, wie du es gerne haben möchtest, wenn du keine Angst hättest.

    Dabei kommen dir sicher irgendwelche hinderlichen Gedanken in den Sinn, Befürchtungen oder ähnliches. Schreibe die irgendwo anders hin auf.

    Schritt 2: Schau dir jetzt die Gedanken, die du gesammelt hast an und frage dich bei jedem einzelnen:
    - Ist der Gedanke begründet oder nur irrational?
    - Ist das wirklich so schlimm?
    - Und was passiert danach?
    - Hast du schon ähnliche Erfahrungen gemacht, die das widerlegen?
    - Wie hoch ist die Chance, dass dies wirklich eintritt?
    - Kann ich etwas dagegen tun?
    - Ist es hilfreich, in dieser Situation so etwas zu denken?

    Schreibe unter jeden Gedanken drunter, warum der Gedanke schwachsinnig ist und was du stattdessen denken solltest - was in der Situation sinnvoll ist zu denken.

    Oft spielen dabei immer wieder die selben Denkfehler eine Rolle:
    - Schwarz-Weiß-Malerei, denken in Extremen
    - Übergeneralisieren, Verallgemeinern
    - Niedrige Frustrationstoleranz
    - Katastrophisieren, Negatives überbewerten
    - Positives abwerten
    - Personalisieren, auf sich selbst beziehen
    - Selbstabwertung
    - Falsche Gedanken von anderen lesen

    Meistens ist es ja so, dass man die Gedanken selbst relativieren kann, weil man weiß, dass die Angst davor irrational ist. Was soll dir z.B. an der Supermarktkasse schon groß passieren? Hast du Angst, dass dir die Leute ihre Einkaufswägen in den Rücken rammen und dich abdrängen wollen? Und selbst wenn das passieren würde - wüsstest du dann nicht, dass Leute, die sich so verhalten einfach total gestört sind?

    Schritt 3: Die meisten Gedanken und Befürchtungen sind wohl irrational. Aber manchmal gibt es auch welche, die begründet sind. Dann fragst du dich, kann ich etwas dagegen tun? Wenn du z.B. irgendwo hinfahren willst und du weist den Weg nicht, musst du dir ja auch vorher ne Karte anschauen oder ein Navi mitnehmen. Also tu das auch! Wenn du irgendeine Fertigkeit brauchst um in der Situation zu bestehen, dann eigne sie dir an. Und übe vorher, mach einen Plan. Das nimmt dann wirklich die Angst weg. Es gibt für jedes Problem eine Lösung.


    Und am Schluss fragst du dich nochmal "Habe ich jetzt alle Gedanken?". Wenn im Laufe der Zeit noch andere auftreten, machst du mit denen dasselbe wie oben beschreiben. Wenn du wirklich alles hast, wird sich die Grübelei und Nervosität im Voraus von selbst abstellen. Dann braucht sich dein Verstand nicht mehr mit dem Thema beschäftigen, weil du jetzt weist, dass du alles bedacht hast, was dir eingefallen ist. Mehr kannst du nicht tun.

    Durch Schritt 1 planst du die Situation. Das lenkt dich auf die richtige Bahn, weil: Was du erwartest, tritt meistens ein. Wenn du Sachen erwartest, die dir nicht gefallen, ist die Chance höher, dass sie eintreten. Also erwarte das, was du willst, dann ist auch die Chance höher, dass das eintritt, was du willst.

    Durch alle drei Schritte tritt auch zu einem gewissen Grad eine Desensibilisierung ein. Wenn du die Situation durchspielst und daran denkst, kommen womöglich die selben Gefühle hoch, als wenn du tatsächlich in der Situation wärst. Das ist gut, zwar unangenehm, hilft aber viel. Ein Gefühl ist nur Gefühl. Weiter nichts. Lasse es zu, verdränge es nicht, akzeptiere einfach, dass es jetzt im Augenblick noch da ist. Erkenne, dass es nur eine Fehlmeldung ist, dann wird es bald verschwinden.

    Und lies dir alles, was du aufgeschrieben hast, jeden Tag einmal durch - solange, bis du das Ereignis hinter dir hast. Damit du nichts vergisst, es soll sich im Kopf festsetzen, deswegen musst du es oft wiederholen.

    Mit dieser oder ähnlichen Techniken arbeiten übrigens auch Psychotherapeuten. Wenn du eine machen kannst, mach sie. Aber du kannst jetzt schon damit anfangen, musst nicht warten bis du einen Platz bekommst.


    Wenn du noch Fragen dazu hast, frage ruhig. Ich helfe dir gerne dabei, musste mich auch mit solchen Dingen rumschlagen.

    MfG

  9. #23
    badera
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    Was ist heutzutage nur los mit den Leuten? Denken ewig über jede Kleinigkeit, jeden Mist nach, Grübeln, Jammern, Lamentieren, sind unzufrieden mit tausend Sachen. Und letztlich scheitern sie an einer einfachen Sache: Dem "Machen". Warum tun sie nichts, wenn sie Dinge doch eigentlich ändern wollen? Es liegt doch auf der Hand, dass man durch Grübeln usw. nichts ändert, sondern nur durch Handeln. Also warum tun sie nichts? Aus Angst? Wovor? Geht die (eigene) Welt unter, wenn mal was schief läuft? Nicht im geringsten. Dann macht man es eben noch mal oder anders. Wo ist das Problem? Es gibt keins. Ich verstehe nicht, wieso immer mehr Leute so ticken. Ich habe letztens noch gehört "ich kann nicht heißt ich will nicht". Das stimmt fast immer. Also Markus, fang einfach an, mach etwas, sonst ändert sich nie etwas.

  10. Der folgende Benutzer bedankte sich bei badera für den sinnvollen Beitrag:

    Rainerjg (02.06.2015)

  11. #24
    Amor&Psyche
    Gast

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    Zitat Zitat von badera Beitrag anzeigen
    Was ist heutzutage nur los mit den Leuten? Denken ewig über jede Kleinigkeit, jeden Mist nach, Grübeln, Jammern, Lamentieren, sind unzufrieden mit tausend Sachen. Und letztlich scheitern sie an einer einfachen Sache: Dem "Machen". Warum tun sie nichts, wenn sie Dinge doch eigentlich ändern wollen? Es liegt doch auf der Hand, dass man durch Grübeln usw. nichts ändert, sondern nur durch Handeln. Also warum tun sie nichts? Aus Angst? Wovor? Geht die (eigene) Welt unter, wenn mal was schief läuft? Nicht im geringsten. Dann macht man es eben noch mal oder anders. Wo ist das Problem? Es gibt keins. Ich verstehe nicht, wieso immer mehr Leute so ticken. Ich habe letztens noch gehört "ich kann nicht heißt ich will nicht". Das stimmt fast immer. Also Markus, fang einfach an, mach etwas, sonst ändert sich nie etwas.
    Ich denke, ein weit verbreiteter Gedanke ist: Wäre die Menschheit (Welt) anders (schöner/lieber/netter) würde es mir besser gehen - ICH bin das "Opfer" dieser Gesellschaft (Welt) => also müste sich dort etwas (ver)ändern -> nicht bei mir.

    Habe viele Leute schon so reden hören, sie glauben tatsächlich daran.
    Wenn man von diesem Gedanken überzeugt ist, wird sich niemals etwas (ver)ändern lassen.

    Also ist es erst einmal wichtig, von diesem "Opfer - Gedanken" weg zu kommen.
    Aber das muss man wirklich wollen und da sehe ich eben oft das "Problem".

    Es ist mit Arbeit und Anstrengung verbunden, mit negativen Gefühlen die hochkommen etc.
    Diesen Dingen muss man sich stellen wollen.

    Zitat: Markus
    Zu allem Überfluss scheint es keine Therapeuten in meiner Nähe zu geben, die sind alle mindestens 100km weit weg. Da jedesmal hinzufahren wird eine extreme Zeit und Kostenbelastung.
    Eine positive Sache möchte ich noch erwähnen: Ich bin fest entschlossen mir ein Haus zu kaufen wenn ich denn endlich ein passenes finden würde (meine vielleicht hohen Ansprüche erschwerden das). Darin liegt auch meine Hoffnung dass ich mich weiterentwickeln kann.
    Hallo Markus!

    Ich glaube, Du solltest Dir Prioritäten setzen.
    Therapie bedeutet eine finanzielle Belastung - ein Haus bekommst Du aber wahrscheinlich auch nicht geschenkt.

    Was ist Dir wichtiger? Deine ganzen "Probleme" in den Griff zu bekommen, mit Therapie - oder Dein eigenes Haus?
    Vielleicht glaubst Du, ein eigenes Haus macht Dich glücklich und löst Deine Probleme?

    Ich denke, es könnte viel eher der Fall sein das Du irgendwann völlig fertig und total isoliert in Deinem eigenen Haus sitzt und Dich fragst: "Wozu eigentlich - was habe ich mir dabei gedacht...die Probleme sind noch immer vorhanden..."(?)

    Es ist natürlich Deine Entscheidung und Du musst wissen was Du tust, aber wie gesagt, ich würde da schon überlegen in was ich da lieber investiere, in mein Wohlbefinden oder in ein Haus - außer Du glaubst eben, dieses Haus steigert Dein Wohlbefinden...

    LG
    Psyche

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