psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 7 von 7

Thema: Ich brauche Hilfe, um selbst helfen zu können.

  1. #1
    Neuling Avatar von Altmeister
    Registriert seit
    16.03.2010
    Ort
    Wuppertal
    Beiträge
    6
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Ich brauche Hilfe, um selbst helfen zu können.

    Es gibt da draußen ein wundervollen Menschen, der mir sehr am Herzen liegt.
    Eine Freundin von mir leidet an Depressionen. Ich möchte gerne helfen, aber ich brauche dafür selbst Hilfe, weil es mich total überfordert.

    Sie leidet an dieser Krankheit schon sehr lang, ca. 10 Jahre.
    In unseren letzten Gespräch offenbarte sie mir einige Dinge, die mich sehr aufgewühlt und besorgt haben.
    Es gibt Momente, in denen sie, dem eigenen Leben gleichgültig gegenübersteht.
    Und in einen dieser Momente, hat sie wirklich Glück gehabt, sie hätte sterben können.
    Bei diesen Gedanken schnürt es mir die Kehle zu.

    Sie hat sich jetzt selbst in therapeutische Behandlung begeben und bekommt Antidepressiva.
    Es hat mich wirklich gefreut das zu hören, da gehört Mut zu diesen Schritt.

    Ich möchte ihr gerne helfen, helfen diese Krankheit zu überstehen oder erträglicher machen.
    Nur weiß ich nicht wie. Meine Unkenntnis über diese Krankheit überfordert mich.

    Wie geht man auf jemanden zu der an Depressionen leidet?
    Offensiv? Also man meldet sich so oft wie es geht, bietet Unternehmungen an und der gleichen.
    Oder soll man warten bis der jenige sich selbst meldet?

    Was hilft den Betroffenen, also welches verhalten der Freunde?

    Kann man überhaupt etwas tun, als außenstehender?

    Was sagt man jemanden, der gerade depresiv ist, das alles gut wird? Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.

    Ich hoffe ihr könnt mir helfen. Gruß.

  2. #2
    Schreibkraft
    Registriert seit
    15.01.2011
    Ort
    Kleinstadt mit Herz
    Beiträge
    219
    Danke
    13
    38 mal in 36 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo,
    Deine Freundin ist in der Klinik in guten Händen. Sie erhält Therapie. Es kommt die Zeit, dass sie über ihre Freundschaften berichtet, dass sie ihre Beziehungen beleuchtet. Du wirst vielleicht auch mal am Gespräch teilnehmen dann.
    der Umgang mit Depressiven, sollte nicht vorwurfsvoll sein (reiß Dich mal zusammen) und nicht von übergroßem Mitleid (Du tust mir so leid, dass es Dir so schlecht geht) bestimmt sein.
    Eine Annahme der Situation, einfach zu sagen: Es ist jetzt so und Du bekommst hier Hilfe", ist bestimmt das Beste. Deine Rolle könnte sich auf Besuche, Spaziergänge, wenn sie rausdarf (hat sie auch Ängste?), Brettspiele, Gespräche, die nicht problembelastet sind, beschränken. Sie sollten nicht zu lange dauern. Aber, wenn Du unsicher bist, kannst Du auch mal in der Klinik fragen. Wenn es ihr sehr schlecht geht, lassen die eh keinen zu ihr.
    Aber, mach Dir nicht zu viele Sorgen, denn sie hat schon Hilfe für sich organisiert, deshalb ist auch eine gewisse Stärke in ihr.

    Viel Glück
    Ibag

  3. #3
    Neuling Avatar von Altmeister
    Registriert seit
    16.03.2010
    Ort
    Wuppertal
    Beiträge
    6
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Danke für deine Antwort.

    So schlimm das sie in eine Klinik muss ist es nicht.
    Hab ich mich da falsch ausgedrückt?
    Fange erst an mich in das Thema einzulesen und schlau zu machen

    Soweit ich es beurteilen kann, hat sie keine Ängste.
    Aber genau weiß ich das nicht.
    Und ob sich Gespräche vermeiden lassen die problembelastet sind, ist unwahrscheinlich.
    Wir teilen eine gemeinsame Vergangenheit und kennen uns dementsprechend gut, ich denke sonst hätte sie mir nicht so viel anvertraut.

    Den Teil mit "vorwurfsvoll sein und übergroßem Mitleid" ist sehr interessant.

    Gruß.

  4. #4
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Altmeister,

    ich kann deine Hilflosigkeit und Betroffenheit gut nachvollziehen. Und ich denke, das ist das beste, was Du tun kannst: bei Deinen eigenen Gefühlen zu bleiben´.

    Die Frau ist in fachlichen Händen. (ich habs ja hoffentlich richtig verstanden, dass sie in Psychotherapie mit medikamentiver Unterstützung ist?) d.h. Du brauchst kein Fachwissen, um ihr zu "helfen". Menschlichkeit und vor allem Freundschaft wäre das wichtigste. Denn darum geht es Dir doch oder? Und das ist es doch, was euch beide verbindet, oder nicht?

    Wenn sie darüber reden will, höre ihr zu. Sei aber auch Deinen eigenen Gefühlen und Gedanken gegenüber genauso achtsam und offen und äußere die auch. Ich glaube nicht, dass Menschen in der Situation geholfen ist, wenn man sie "schont". Viel mehr ist Normalität wichtig, und Alltag. Eben damit sie sich nicht ausgegrenzt fühlen und weil der tägliche Kontakt mit Menschen und die Alltagsverrichtungen ihre gesunden Anteile, die sie ja nach wie vor haben, stützen.

    Es gibt auch Selbsthilfegruppen für Angehörige psychisch Kranker. Du kannst danach mal im Netz suchen und bei euch in der Region nachfragen (Stadtverwaltung, Gemeinde, Caritas, etc). Du musst mit Deinen Ängsten und Befürchtungen (dem nicht gewachsen zu sein) ja auch irgendwo hin. Und das sollte nicht sie sein.

    Ich selbst habe es einmal erlebt, dass gewisse Dinge, die in meiner Biografie verankert sind, bei meinem damaligen Lebenspartner Ängste herauf beschworen haben, das sich da was fürchterliches dahinter verbergen könnte, dem er dann nicht gewachsen ist. DAS ist dann belastend. Und ein Überaktionismus kann genau das vermitteln und einen als Betroffenen total kirre machen. Vor allem, weil das einfach spürbar ist, dass dieser Aktionismus sich aus den eigenen Ängsten heraus speist.

    Es ist ok, wenn Du Bücher liest zu dem Thema. Ich hab grad mal kurz gegoogelt nach Angehörige von psychisch Kranken bzw. Depressiven. Zu beiden Schlagworten kamen einige Ratgeber.

    Da wirst Du vermutlich Antworten auf all Deine Fragen bekommen (Ich finde es wirklich gut, dass Du die Fragen so offen stellst).

    Aber ansonsten denke dran, was euch verbindet, was Du an ihr liebst und schätzt als Mensch. Die Krankheit muss euch nicht dominieren, sie will integriert werden, d.h. nicht ausgeblendet oder verdrängt, sondern wahr-genommen, da sie nicht aus dem Nichts kommt, sondern irgendwann Selbstschutzaufgaben hatte. Sie ist Teil ihres Lebens, aber nicht alles. Sonst würde sie nicht noch mitten im Leben stehen.

    Viel Kraft euch beiden.
    Geändert von Gast784 (20.02.2011 um 13:51 Uhr)

  5. #5
    Neuling Avatar von Altmeister
    Registriert seit
    16.03.2010
    Ort
    Wuppertal
    Beiträge
    6
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hi, Gabiannarele.

    Ja das hast du richtig verstanden

    Genau das ist es, ich will mich schlau machen, um Aktionismus meinerseits zu vermeiden.
    Ich habe auch vor mich weiter in das Thema einzulesen, hab mir da schon einige Bücher rausgesucht.

    Da wir uns leider nur selten sehen, eher schreiben wir uns, würde ich sagen das die Krankheit nicht unsere Beziehung zu einander dominiert. Dies war auch nicht der Fall, als wir noch zusammen waren. Aber vielleicht habe ich das damals nur falsch wahrgenommen, ich war mit meiner eigenen Situation schon überfordert und konnte ihr nicht wirklich helfen. Aber das ist ein anderes Thema.

    Gruß.

  6. #6
    Gast784
    Gast

    Standard

    Altmeister, die beste Hilfe ist oft einfach nur die, zu zeigen, dass es den menschlichen Wert einer Person nicht berührt, ob sie nun krank ist oder nicht, oder ob jemand nun Schei... baut, oder nicht. Du musst nicht ihre Probleme lösen. Das kannst Du auch nicht. Es ist wichtig, dass sie lernt, selbst die Verantwortung für sich zu übernehmen, indem sie sich professionelle Hilfe holt. Und das hat sie ja getan.

    Ein Buch etwas ausserhalb der Reihe hab ich in die Bücherecke gestellt: http://www.psychologieforum.de/das-g...pers-3373.html
    Ich finde es sehr mutmachend, weil es Neurobiologie und Psyche verbindet und die Prozesse aus neurobiologischer Sicht erläutert, ebenso auch deutlich macht, wie und warum z.B. Therapie wirkt und dass nichts "irreparabel" ist. Nichtmal genetische Faktoren.

  7. #7
    Neuling Avatar von Altmeister
    Registriert seit
    16.03.2010
    Ort
    Wuppertal
    Beiträge
    6
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Danke für den Buchtipp, habe es bei amazon gesehen, sieht sehr interessant aus.
    Mir ist vollkommen bewusst, daß ich nicht ihre Probleme lösen kann, wäre auch sehr anmaßend

Ähnliche Themen

  1. Hilfe, mir selbst zu helfen
    Von Lullaby im Forum Minderwertigkeitsgefühle
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 28.04.2010, 19:34
  2. Können sich Psychologen selbst therapieren?
    Von Gast2971 im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 22
    Letzter Beitrag: 21.07.2009, 17:38
  3. Antworten: 31
    Letzter Beitrag: 10.02.2009, 15:56
  4. Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 27.11.2008, 22:18
  5. Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 18.02.2008, 08:52

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!