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Thema: Ich brauche wohl Hilfe?

  1. #1
    Neuling
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    Standard Ich brauche wohl Hilfe?

    Ich brauche wohl dringend Hilfe?

    Hallo!

    Ich bin mitte zwanzig und momentan auf der Suche nach therapeutischer Hilfe. Dies scheint jedoch ein schwerers Unterfangen zu sein, als ich dachte. Habe bislang mehrere Telefonate mit Therapeuten geführt, die jedoch nichteinmal zu einem Erstgespräch führten. Ich werde immer damit vertröstet, dass keine freien Plätze vorhanden sind. Neulich wurde mir jedoch der psychologische Dienst der Universität empfohlen (bin Student), den ich dann wohl in Anspruch nehmen werde. Dennoch stelle ich mir die Frage, ob meine Probleme vielleicht einfach nicht akut, im Vergleich zu denen anderer, sind? Daher schildere ich mal meine Probleme hier, vielleicht kann mir wer helfen.

    Meine größte Sorge ist die Einsamkeit. Diese fühle ich schon mein ganzes Leben. Ich lebe nun schon ettliche Jahre und war noch niemals verliebt. Ich habe auch nicht das Gefühl gehabt, jemals von irgendjemanden geliebt zu werden. Auch seitens meiner Eltern kenne ich das Gefühl nicht. Auch kann ich mich nicht erinnern, dass sie sich wirklich liebten. Sie kamen zwar miteinander aus, aber mehr scheinbar auch nicht. Meine Mutter hat eine sehr kühle und distanzierte Natur. Mein Vater war das Gegenteil. Er ist vor 8 Jahren gestorben. Suizid. Ein episches Drama. Ich habe damals nicht um ihn
    geweint. Ich habe bis heute nicht um ihn geweint. Er war irgendwo eine Art Vorbild für mich, auch wenn ich ex ante sagenkann, dass er eklatante persönliche Defizite hatte. Damals sah ich sie jedoch mangels eigener Jugend und Erfahrung noch nicht.

    Jedoch begannen meine Probleme gewiss nicht erst mit dem Tod meines Vaters. Schon als Kind habe ich sehr viel Aufmerksamkeit eingefordert. Ich war stets nervös, konnte nicht stillsitzen. Ich habe mich störend verhalten, nur um die Aufmerksamkeit anderer zu erhalten. In der Schule gab des deswegen nur Probleme. Schließlich wurde ich sogar zeitweilig
    der Schule verwiesen, weil mein Verhalten nicht tragbar war. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich in den Augen Einiger ein toller Hecht, der "Rebell", der sich auflehnt. Aber damals war schon klar, dass ich seelisch "defekt" war. Das wussten auch meine Eltern, jedoch waren sie nicht im stande mir zu Helfen. (Ich war nur einmal im Alter von ca. 9 Jahren bei einem Psychologen. Ich empfand es damals als Verat. Ich habe aber einfach die Auflagen für eine Zeit erfüllt und musste dann nach ein paar Monaten nicht mehr hin) Nach diesem Verweis war ich sehr erschüttert. Ich habe verloren. Es hat mein schon
    sehr geschwächtes Selbstvertraun massiv erschüttert.

    Danach wurde ich ruhiger. Mein Verhalten dennoch gestört. Schon damals empfand ich es als Ding der Unmöglichkeit, Kontakt zu Frauen aufzubauen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Das Gefühl der Unzulänglichkeit, der Scham vor dem eigenen Körper und dem Gefühl eine Zumutung zu sein, waren schon damals imanent.

    Ich habe im Alter von 8 Jahren angefangen eine "sureale" Welt zu spinnen. Als Kind habe ich mich sehr oft zurückgezogen um zu denken. In dieser habe ich mich geschaffen wie ich wollte. Mir die Welt geschaffen wie ich wollte. Ausgelebt all das, was ich hier nicht konnte. Ich habe mich zeitlebens für Naturwissenschaft interessiert. War begeistert von Science Fiction. Liebte den Weltraum. Aber auch Politik und Weltgeschehen waren für mich als Kind sehr aufregend. Ich lebte jedoch in einem Umfeld, indem ich diese Neigungen nicht ausleben konnte. Daher habe ich das wohl in meiner Gedankenwelt getan. Ich habe verdammt viel gedacht. Auch heute denke ich noch sehr viel. Ich weiß noch, wie ich schon mit 14! anfing an meinen Gefühlen zu verzweiflen und jene in meiner Gedankenwelt abschaltete!! Eine kranke Sache eigentlich... Ich schreibe und spreche das erste mal darüber.

    Irgendwann mit der Pubertät kam wohl die Distanzierung zu mir selber. Heute bin ich nur noch ein Schatten meiner selbst. Ich habe nur sehr wenige wirkliche Freunde. Jene, zumindest glaube ich das, leiden ebenfalls an irgendeiner Form seelischer Krankheit. Wir haben sehr früh angefangen zu trinken. (Ich mit 14) Drogen sind mir nicht unbekannt. Habe schon
    einiges ausprobiert. Einige Erfahrungen damit haben mir es aber in neuerer Zeit überhaupt erst möglich gemacht, zu begreifen, wie abgestorben meine Seele ist. Die Leere in mir ist schier unbegreiflich. Ich habe angst vor ihr.

    Als dann vor Jahren mein Vater starb, gab mir das wohl den Rest. Seitdem habe ich keine Hobbies mehr. Ich habe keine neuen wirklichen Bekanntschaften mehr gehabt. Mein Selbstvertraun ist nicht existent. Ich weiß nicht einmal, wie man soetwas überhaupt entwickeln kann. Liebe ist mir so fremd. Worauf baut sie auf? Wie kann man einen Menschen bewundern? Ich weiß nichts über das Miteinander.

    Ich vergesse die Namen meiner Mitmenschen sehr schnell. Auch wie sie aussehen. Ich höre nicht richtig zu, wenn jemand mit mir redet. Es interessiert mich auch nicht, was andere erzählen. Ich habe kaum bis keine Gefühle für meine Mitmenschen. Ich erdenke mir oft den Tod eines Menschen und kann die Vorstellung schulterzuckend ertragen. Doch vor mir selbst
    habe ich deswegen ungeheure Angst! Mein menschliches Wesen stirbt und ich kann es beobachten. Ich weiß aber nicht mehr weiter. Jahre habe ich gehofft es ginge irgendwie weg. Ich werde schon jemanden treffen. Irgendetwas wird passieren. Es passiert aber nichts. Ich werde älter. Ich werde scheitern, wenn ich es nicht schaffen, ins Licht zu treten. Kaum wird mir das noch alleine möglich sein.

    Ich will arbeiten an meinem Selbstvertrauen, da ich keines habe. An meiner Selbstachtung, da ich keine habe. An meiner Nächstenliebe da ich nicht liebe. Ich will mich gerne Sorgen können. Mich nicht verachten müssen. Daher denke ich, dass ich Hilfe brauche. Aber so einfach geht das wohl leider nicht.

    Lg.

  2. #2
    Neuling
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    Standard

    Hallo "BesserNichtErkannt"...
    ...Dein Nutzername sagt auch schon vieles aus und wie ich Deinen Text gelesen hab bin ich sehr traurig geworden.
    Aber ich sehe vieles anders als Du.
    Du bist nicht leer...Du hast viele Gefühle in Dir. Und was mir auffällt ist, dass Du eigentlich sehr sehr gut über Dich bescheid weißt.
    Du hast selbst einiges erkannt, wo die Ursachen liegen.
    Wer kann lieben, wenn er selbst in der Kindheit keine Liebe erfahren hat?
    Und die Tatsache, dass Du nicht glauben kannst liebenswert zu sein, rührt mit Sicherheit auch daher. ---wer keine Liebe erfahren hat (seitens Mutter oder Vater) kann sich selbst nicht lieben---

    Ja die "Geschichte" mit der Therapeutensuche kenn ich persönlich auch...und hab leider schon aufgegeben. Trotzdem will ich Dich ermutigen es weiter zu versuchen!
    Ich habe in meinem Leben bisher schon ein paar Therapien gemacht und von daher weiß ich mir auch schon besser selbst zu helfen.
    Grundsätzlich ist es leider so, dass man überall eine "Warteliste" hat.

    Und zu Deiner Frage "Ich brauch wohl Hilfe?" kann ich nur sagen...letztendlich hast Du es ja selbst schon erkannt. Du willst etwas an Deinem Leben ändern...
    Aber ich würde die Psychotherapie immer ein wenig anders sehen bzw formulieren:
    Denn letztendlich hilfst DU Dir selbst!!
    Man hat ein "Gegenüber" dem man alles erzählen kann und wenn man so erzählt, fallen einem selbst manche Dinge auf, die man plötzlich besser begreifen kann.
    Warum wieso weshalb man handelt, denkt usw...
    Wichtig ist, dass Du etwas für Dich ändern willst um glücklicher zu werden.

    Ich glaube dass in Dir einfach ein ganz sensibler Mensch steckt, der nach außen hin einfach versucht nichts zu fühlen, weil Du angst hast Dich in den Gefühlen zu verlieren..
    Ist aber nur so ein Gedanke von mir.

    Ich wünsch Dir alles Liebe!! Kopf hoch.

  3. #3
    Neuling
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    Hmmm...das kann ich gut nachempfinden deine Kindheitgeschichte. bei mir war es ähnlich....nur das später auch noch ärgste Zwangsgedanken dazukamen.
    Vor allem Gotteslästerische gedanken, die mich am meisten trafen. mit 14 war ich dann so fertig das ich das erste mal in die Kinderpsychiatrie gekommen bin.
    Naja und seit dem...verpfuschtes dasein sag ich nur. Aber ich versuche halt durchzubeissen, weil erstens kann ich mir keine Therapie leisten und zweitens bringt es nicht wirklich viel da ich erwiesenermaßen an einer Physischen Gehirnerkrankung leide. Medikamente halfen nie...nur Nebenwirkungen. Neuroleptika waren das schlimmste. Ausserdem wussten die Ärzte bei mir nie so richtig was genau ich für eine Erkrankung habe. Naja ich hoffe bei dir wirds mal besser werden...aber durchbeissen wirst du vermutlich auch immer müssen. Das ist halt unser "packerl" was wir zu tragen haben

  4. #4
    Neuling
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    Standard Kenne ich

    Als ich Deinen Beitrag las, fühlte ich mich an mich selbst erinnert.

    Auch ich forderte als Kind viel Aufmerksamkeit, auch wenn ich gleichzeitig am liebsten meine Ruhe hatte. Ich war und bin sehr introvertiert und kann nur sehr schwer neue Kontakte schließen.

    Ich war sehr anstrengend. Meine Eltern konnten mich keine Minute aus den Augen lassen, ohne dass ich etwas angestellt hätte. Als knapp 2jährige bin ich zum Beispiel aus dem Garten weggelaufen und habe mich aus Jux und Dollerei in der Garage versteckt. Meine Mutter dachte, ich wäre über die Straße schnurstracks zur Oma gelaufen! Bei Bekannten habe ich das Badezimmer mit rotem Nagellack verschmiert. Und lauter solche schlechten Scherze...

    Darüber hinaus hatte ich das Einnässen nicht im Griff. Bis festgestellt wurde, dass ganz schlicht und einfach meine Blase zu klein ist und ich daher öfter als andere auf die Toilette muss, dauerte es viele viele Jahre. Bis dahin musste ich mit Ohrfeigen leben. Aus Sicht meines Vaters war ich ganz einfach böse.

    Mit ca. 8 oder 9 Jahren war ich auch bei einer "so genannten" Kinderpsychologin. Die Frau ist die reinste Katastrophe! Praktiziert aber heute noch.

    Mit 10 Jahren wurde ich dann auch noch Opfer sexuellen Missbrauchs durch meinen 3 Jahre älteren Bruder.

    So entwickelte sich im Laufe der Jahre ein Kreislauf, in dessen Verlauf ich mich immer weiter in mich selbst zurückzog. Ich weiß sehr genau, dass ich es anderen Menschen sehr schwer mache, mich zu mögen. Mich so akzeptieren, wie ich nun mal bin. Ich bin verdammt einsam!

    Mein Berufsleben ist seit 20 Jahren eine einzige Katastrophe. Nur eine einzige Arbeitsstelle habe ich für mehr als 2 Jahre ausgefüllt. Ansonsten ein Stellenwechsel nach dem anderen. Ich kann mich nicht konzentrieren, habe oft den Wunsch nach Weglaufen.

    Und ich hatte schon öfter den dringenden Wunsch, einfach mit allem Schluss zu machen. Das letzte Mal kurz vor Weihnachten 2009. Da hatte mich ein Kollege psychisch so fertig gemacht, dass ich an dem betreffenden Tag mit meinem Auto auf die oberste Parkebene eines Einkaufszentrum gefahren bin und mich von dort runterstürzen wollte.

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