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ICh: Ein Nutcase 1/2 (sorry - laaang)
Ich: eine Studentin (naja, zu mindestens so halb), 24, werde in fünf Monate Mutter . Ich lebe mit meinem Partner in einer glücklichen Beziehung zusammen. Es ist eigentlich Alles „okay“, nur ich habe da so ein paar seelischen Macken, die sich ab und zu melden und mir das Leben schwer macht.
Seit meiner Jugend, und so richtig spätestens nach meinem Ausziehen von meinen Eltern mit 19, habe ich meine Probleme damit, zu wissen wo ich die Menschen in meinem Leben eigentlich habe, bzw. wie sie zu mir stehen. Ich stelle mir oft die Fragen: Wann hört das Muttersein eigentlich auf?
Für mich selbst antworte ich immer 'nie'. Ich denke irgendwie, dass Eltern, und insbesondere eine
Mutter für ihre Tochter, immer ein natürliches Interesse haben werden. Ist doch so, oder nicht?
Ich frage mich weiter, warum ich diese Interesse nicht spüre. Erwarte ich einfach zu viel? Bin ích einfach nicht in der Lage diese „Liebe“ zu spüren? Oder Wenn meine Eltern wirklich desinteressiert geworden sind, keine „Verantwortung“ mehr für mich fühlen (ich bin ja schließlich erwachsen) – bin ich Schuld? Sind sie durch mein Wegziehen mit 19 so verletzt worden, oder so von meiner Selbstständigkeit überzeugt werden, daß sie so einfach das „Elternsein“ abgelegt haben? Vielleicht haben sie sich ja nicht „getraut“ und das Desinteresse ist dann mit der Zeit dazu gekommen? Ich wüsste es gerne. Vielleicht sollte ich einfach auch mal „die Fresse halten, und warten bis ich selbst Kinder habe“ (es wird ja bald sein).
Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich halte es für möglich, dass meine Eltern mich schon in der Jugend auf einer Art „vernachlässigt“ haben. Ich war sehr gut in der Schule und brauchte nicht viel Unterstützung, aber ein Bißchen Engagement wäre nicht schlecht gewesen. Ich bin früh allein aufgestanden, habe mich um meinen Schulsachen selbst gekümmert und um die Hausaufgaben. Bis mein Bruder auch in der Schule angefangen hat, habe ich allein gefrühstückt – wenn überhaupt, und später war er morgens auch da, und ich habe mich zum Teil (ich will nicht übertreiben) auch um seinen Schulsachen gekümmert. Leider war ich mit 9-10 Jahren nicht so organisiert und reif wie ich es gerne hätte. Mehrmals in der Woche musste ich in der Schulzeit wieder nach Hause laufen um vergessenen Bücher und Sportsachen zu holen. Besonders eine Lehrerin hat mich deshalb voll angeschrien (bis ich hyperventiliert habe schmunzel), aber bei den Lehrer-Eltern Sprechstunden wurde meine Vergesslichkeit eher mit einem Lächeln erwähnt.
Als ich neben der Schule mit 13 einen Nebenjob hatte, war ich erstaunt darüber, dass es von meinen Eltern nicht mehr Taschengeld gab. Ab dann habe ich dafür selbst gesorgt, obwohl ich ja nicht grad viel verdient habe. Meine Kleidung trug ich jahrelang, etwas was mir in der Pubertät sehr unangenehm war. Ständig war irgend eine Hose zu eng, die Pullis zu kurz usw. Ich fand es nicht gerade schön, komme aber jetzt erst zehn Jahre später darauf, daß meine Eltern da eigentlich eine Verpflichtung nicht erfüllt haben (meine Eltern sind nicht arm, besitzen ein eigenes Haus, zwei Autos usw. Normalverdiener).
Im letzten Schuljahr vor dem Abi litt ich, so weit ich es einschätzen kann, das erste mal richtig an einer Depression. Sie dauerte ein paar Monate an und ich verpasste viel Schule. Eigentlich hätte ich einigen Kursen nicht bestehen dürfen, aufgrund zu vielen Fehlstunden, aber die Lehrer haben so viel „Rücksicht“ (?) gezeigt, dass sie es durchgehen lassen haben. Als jetzt erwachsene kann ich mich nur fragen: Wenn Lehrer/Eltern soetwas sehen, wissen usw. Ist es wirklich dann das Beste einfach „durchgehen zu lassen“, oder ist es einfach „das Einfachste?“ Andersherrum weiß ich wie gesagt wie viel ich von meinen Mitmenschen erwarten kann/darf. Ich habe irgendwie nicht mehr die Übersicht darüber was „normale/adequate Fürsorge“ von dieser oder dieser Person ist.
Meinen Eltern hat es nicht „gepasst“, daß ich mich hängen ließ. (Anfangs sollte ich statt „im Wohnzimmer herumzujammern/heulen“ lieber ins Zimmer gehen bis ich wieder normal war, aber am Ende wurde es denen dann doch zu unheimlich). Obwohl ich seit länger keinen Job mehr hatte gab es vor dieser Depression kein weiteres regelmäßiges Taschengeld. Ab diesem Zeitpunkt habe ich aber ständig am Wochenende, für meine damaligen Begriffen, ziemlich viel Geld bekommen, um mit meinen Freunden feiern gehen zu können. Ich fand das als 18 jährige „schwer in Ordnung“, und obwohl es mir in der Woche nicht wirklich besser ging, habe ich es am Wochenende echt krachen lassen. Wieder frage ich mich Jahre nachher mehr oder weniger vorsichtig: Was SOLLTE das eigentlich?!
Im Sommer vor ich 19 wurde hatte ich das Abi dann tatsächlich geschafft und zog ins Ausland (nach Deutschland) zum studieren. Ich lebte mit meinem ersten Freund zusammen und wurde mehr oder weniger „in seine Familie aufgenommen“. Zu nah ließ ich die Menschen aber nicht an mich heran. Mir tat es immer weh, daß seine Mutter mehr Interesse für mich zeigte, als meine Eltern in mehreren Jahren. Lieber habe ich den vertrauten Kontakt zu „Erwachsenen“ (war ja selbst schon erwachsen – offiziell zu mindestens) vermieden. Meine Eltern riefen nicht an um zu fragen wie es mir geht, so habe ich jede Hürde mehr oder weniger selbst überwinden müssen, von praktischen bis zu mehr „abstrakten“ Angelegenheiten. Es war/ist schon die Normalität für mich, aber eine etwas wehmutige. Nach einem Jahr kamen die nächsten depressiven Phasen. Zuerst war es hier und da ein schlechter Tag, dann Wochen, dann mehr schlechten Tagen als „normalen“. Mein Freund hat schon sehr viel vom schrägen Verhalten mitbekommen bzw. abbekommen, hat aber versprochen, nicht die Mutter einzuweihen („nicht das die jetzt von mir einen total komischen Eindruck bekommen und glauben ich wäre irre!“) und er hat wahrscheinlich eingehalten. Nach 1 ½ Jahren habe ich in dann verlassen um mich in eine sehr komische Zeit meines Lebens zu stürzen, auf der ich heute nicht sehr stolz bin. Abgesehen davon, dass ich nicht sehr nett war als ich Schluss gemacht habe mit meinem Freund, ist nichts schlimmes, kriminelles oder total abgefahrenes passiert, aber diese Zeit ist mir unheimlich, weil ich „nicht ich selbst war“. Einigen Wochen hatte ich eine Affäre, dann eine andere, ich war an komischen „sexuellen Praktiken“ interessiert (weiß nicht wie ich es genau erklären soll, aber hatte mit S/M zu tun), die zu mir eigentlich nicht „passen“, ich trank viel Alkohol, und war allgemein etwas „billig“ (promiskiös?).
Dann kam wieder die Depressionen. Ich lebte mittlereweile allein, mir ging es so „lala“ bis dahin, aber ich hatte kein Geld ein halbes Jahr lang (hatte versäumt den Antrag rechtzeitig bei meinem Kreditinstitut zu stellen) und nicht mal einen Kühlschrank *schmunzel.* Für die Miete habe ich von meiner Großmutter Geld geliehen (die ich leider bis heute immer noch nicht zurück gezahlt habe!). Meine Eltern hielten sich da raus. Schließlich hatten wir außer an Weihnachten und ein paar Wochen im Sommer so gut wie keinen Kontakt, also war das ziemlich einfach. (Meine Mutter und meine Oma hat mich einmal in der ersten Wohnung (nach einem Jahr) besucht, und meine Eltern in der dritten (vor 2 Jahren jetzt) einmal).
Eines Abends, Nachts,,, oder war es morgens (?), rief ich in einem komischen Zustand bei der Polizei (glaube ich) an und habe angedeutet, dass ich mir das Leben nehmen würde. Ich weiß es nicht so ganz genau, weil ich mir wirklich wirklich nur verschwommen daran erinnere und es viele Lücken gibt. Viel getrunken hatte ich nicht und von den angeblichen großen Mengen Schlafmedizin (von mir angekündigt/angedroht???!) war in meinem Körper nachher nur sehr wenig zu finden. Das finde ich so komisch. Es würde mein Verhalten nicht entschuldigen, aber wenn ich tatsächlich total betrunken wäre, hätte ich für mich selbst zu mindestens eine Erklärung dafür, und auch warum ich mich an so wenig erinnere. Ich bin ja keine Fachperson, aber ich glaube, ich könnte zu diesem Zeitpunkt eine Psychose oder so etwas gehabt haben. Ich war 4 Tage im Krankenhaus, weil sie mir irgendwie nicht gehen lassen durften, wobei ich mich an den 2 ersten Tagen nur an das Malerei unter der Decke erinnern kann, und sonst Nichts... Bevor ich entlassen wurde, wurde ich in einer psychiatrischen Einrichtung vorgestellt. Sie haben mir „angeboten“ dort direkt stationär aufgenommen zu werden, aber ich wollte es nicht aufnehmen. Sie redeten mit mir, als hätte ich jemanden anderen etwas böses getan, haben immer und immer wieder gefragt warum ich mich so verhalten hatte bis ich geweint habe (ich war müde und völlig verwirrt) und nicht wusste was ich sagen sollte. Weiter machten sie mich darauf aufmerksam, dass es sehr viele Menschen gibt die lange Zeit auf einen stationären Platz warten müssen, und das ich Glück hätte, direkt einen zu bekommen. Ich bekam Schuldgefühle und fühlte mich wieder mal richtig missverstanden und allein. Normalerweise hätte ich direkt bleiben müssen wenn ich den Platz haben wollte, aber ich sagte ich würde am nächsten Tag wiederkommen, weil ich zuerst in der Wohnung nach dem rechten schauen wollte. Am Tag danach rief ich dann sehr nervös an und sagte, dass ich doch nicht kommen werde – und damit hatte es sich erledigt. Es kamen glaube ich 2-3 mal Leute aus der Einrichtung zu mir nach Hause, um zu sehen ob alles okay war (oder was auch immer die da wollten), aber ich hatte eben nicht erwähnt, „daß ich übrigens zur Zeit weder die Tür aufmache, noch ans Telefon gehe“. Das konnten die Leute jetzt wirklich nicht wissen, und ich konnte nie wissen wer unten geklingelt hat.
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Ich: Ein Nutcase 2/2 (sorry.. laaang)
Nach noch 1-2 Wochen (zu Uni ging ich das ganze Semester nicht, aber an den großen anonymen Unis wird dies ja nicht wirklich bemerkt und falls „Freunde“/Bekannten vorbei gekommen sind, werde ich nicht die Tür aufgemacht haben) „schaffte“ ich es einfach nicht mehr. Ich rief meinen Eltern an und habe sie praktisch um Hilfe angefleht (nicht das ich es gemüsst hätte, aber durch die Verzweifelung kam das eben). Sie waren selbstverstänlich völlig schockiert, haben für den nächsten Tag einen Flug für mich nach Hause gebucht, aber als ich dann da ankam war alles seltsam „normal“. Wir haben nicht wirklich mehr „darüber“ gesprochen, sondern das Familienleben lief so weiter wie immer, wenn ich für Weihnachten oder Sommerferien da war. Vielleicht haben sie sich auch nicht so recht getraut? Dieses Mal haben sie aber bei einem Psychiater einen Termin für mich besorgt, was ich sehr fürsorglich fand. Leider konnte ich aber auch mit diesem Mann nicht offen reden, weil ich wusste, daß mein Vater ihn kennt! Nicht daß ich ihm vorwerfen möchte, er hätte seine Schweigepflicht verletzt, aber ich möchte einfach nicht, daß Menschen im Umkreis der Familie diesen schrägen Dingen erfahren. Schließlich sind die Episoden, wenn man sie wirklich ehrlich erzählt, schon sehr merkwürdig.
Es wurde geplant, daß ich nach Hause ziehen sollte (=Studium komplett abbrechen, Wohnung kündigen und Alles aufgeben), aber dass meine Eltern mich erst in 2 Monaten abholen sollten (hatte ja eine komplette wohnungseinrichtung und zu viel Kram für den Flugzeug). Ich wollte mich erstmal von Alles „verabschieden“ und nicht einfach weg bleiben. Die Zeit zu Hause bei denen tat mir echt gut, aber ein paar Tage so nah an der Familie dran ging mir seit dem Wegziehen immer etwas an die Nerven. Als ich dann wieder in Deutschland war wollte ich doch nicht mehr aufgeben, wollte doch wieder versuchen ins Studium Fuß zu fassen usw. Ich sagte den Umzug wieder ab und wurde etwas sozialer in dem Sommer. Dann traf ich auch meinen jetzigen Partner und bin seit dem Zeitpunkt fast ein stabiler Mensch! Das sind jetzt 2 ½ Jahre her. Ein Jahr später verlor ich komplett den Kredit, weil ich zu lange für mein Studium gebraucht habe, habe zunächst völlig verzweifelt, aber habe dann total „übertriebene und zum teil unerhört viel Hilfe“ (für mich total ungewöhnlich und unglaublich!) von meinem Freund bekommen. Seit letzter Herbst finanziert er uns und unsere Wohnung! Ich bin jetzt faaast (nach 5 Jahren, statt 3 :/) mit meinem Bachelor Grad fertig und wir erwarten wie gesagt ein Baby!
Ich mag nicht gerne das Gefühl von meinem freund sozusagen „zu schnorren“, aber ich hoffe es später wieder gut machen zu können, wenn ich fit bin für einen Job und unser Sohn oder Tochter für den Kindergarten. Die Angst von ihm irgendwann mal verlassen zu werden ist relativ groß, da ich ihn sehr liebe und ich außerdem weiß was aufgehört hat als er in mein Leben kam. Ich frage mich manchmal, ob es auf einmal wieder so wird, wenn er wieder weg sein sollte. Noch lieben wir uns, und kommen trotz meinen gelegentlichen „Tauchgängen“ in unserer Beziehung gut zu recht. Ich hoffe es bleibt so, und das ich bald einen richtigen Platz in einer richtigen Familie gefunden habe (am besten auch ohne jeden Tag mich dafür schlecht fühlen zu müssen dafür, daß er uns bislang allein versorgt. Damit kämpfe ich, aber es wäre wohl auch undankbar, wenn ich diese Tatsache nicht beachten würde).
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