Hallo,
ich bin 28 Jahre und hab schon so einiges erlebt/durchgemacht, wie auch immerEs war in dem Sinn nichts wirklich traumatisches dabei und doch hab ich das Gefühl, dass bei mir schon seit der Kindheit nicht wirklich alles rund gelaufen ist.
Meine Eltern waren nicht verheiratet und haben sich getrennt, als ich 2 1/2 Jahre alt war, mein Bruder ist 2 1/2 Jahre älter als ich. Mein Vater war Mitte Vierzig, mein Mutter Mitte dreißig.
Von Anfang an, hat unsere Mutter uns immer mehr als ihre Freunde/Lebenspartner betrachtet. Schon als Kinder saßen wir stundenlang auf der Couch während sie lange Monologe über Gott, die Welt und später Psychologie usw. führte. Mein Bruder hatte sich schon immer lieber in sich selbst zurückgezogen und verbrachte diese Gespräche in seiner eigenen Welt, wie er mir mal erzählt hat.
Mir gelang das nicht, ich war schon immer hibbelig und nervös und kann mich schlecht auf lange Zeit hin konzentrieren. Lange Rede, kurzer Sinn unsere Mutter hat uns auf ihre Selbstfindungstripp durch mehrere Kirchen/Sekten etc. geschleppt. Als ich 12 Jahre alt war, hat sie den Sektenvorsteher geheiratet, er war 17 Jahre älter als sie. Ich war mitten in der Pubertät und bis dahin glaube ich kam ich gut mit mir selbst zurecht, hatte Freunde und auch Selbstvertrauen.
Naja, mit dem Umzug wurde alles anders. Von München ins Allgäu. Ich fand keinen richtigen Anschluss, keine Freunde musste jeden So in die "Kirche". Meine Mutter war meinen Bruder ein Jahr später raus und er zog bei meinem Vater ein. Ich war immer mehr Papa-Kind als Mama-Kind und fand das damals echt ungerecht. Die nächsten Jahre wurde es immer schlimmer, zwar fand ich 2 Freundinnen, doch fühlte ich mich eher als drittes Rad am Wagen, die beiden waren schlauer als ich und sportlicher, fand ich. Mit 16 Jahren war ich soweit, dass ich am Tag mind. eine 500g Tafel Schokolade futterte und Angst vor allem und jeden hatte. Ich traute mich nicht mal mehr allein zum einkaufen, aus Angst die Verkäufer/in würde mich ansprechen.
In psychologischer Behandlung war ich nur kurz, nachdem ich für 3 Tage nach München abhaute in ein Hotel, das ich mit meinem Konfirmationsgeld zahlte. Nach ein paar Sitzungen war ich hochmotiviert und mein Therapeutin erklärte mich für gesund.
Mit 16 entschied ich mich das Gymnasium abzubrechen und machte eine schulische Ausbildung und wohnte unter der Woche in einem Wohnheim. In den 2 Jahren dort hatte ich meinen ersten Freund, unternahm meine Mutter einen Selbstmordversuch und schied aus der Kirche meines Stiefvaters aus.
Mit 18 entschied ich mich für eine weitere Ausbildung und zog zu meinem Vater. In dieser Zeit führte ich eine Fern- bzw. Wochendbeziehung fand wieder keinen Anschluss und begab mich freiwillig in Therapie. Ich fuhr morgens um 6 Uhr zur Therapeutin, dann in die Arbeit. Nach ein paar Sitzungen kam ich nicht mit ihr klar, fühlte mich missverstanden und beendete die Therapie. In meiner Arbeit hatte ich nix zu tun und versucht mir alles beizubringen und macht bei bayrischen Telekolleg meine FH.
Dann kam das Studium, hier fand ich Freunde aber auch nur während der Vorlesungen, abends am Wochenende war ich allein.
Seit über 6 Jahren bin ich jetzt in einer glücklichen Beziehung, habe eine beste Freundin seit ca. 1 Jahr und mein Kindheitstraum hat sich auch erfüllt, ich habe eine Reitbeteiligung.
Zu meiner Mutter hab ich seit Jahren keinen Kontakt mehr, mein Vater sehe ich regelmäßig, aber er wollte damals keine Kinder und das merkt man auch. Er liebt mich, aber Hilfe von ihm ist schwierig zu bekommen.
Seit Jahren hab ich immer mehr das Gefühl, dass alle um mich herum glauben ich sei die Starke, die logische und innerlich fühl ich mich immer unsicherer und hilfloser. Ich kann schlecht schlafen bzw. bin ständig müde. Kann mich nicht mehr richtig freuen und habe Angst vor der Zukunft.
Sind Depressionen eigentlich vererbbar? Meine Großeltern mütterlicherseits hatten beide Depressionen, meine Mutter auch und ich jetzt auch?


LinkBack URL
About LinkBacks
Es war in dem Sinn nichts wirklich traumatisches dabei und doch hab ich das Gefühl, dass bei mir schon seit der Kindheit nicht wirklich alles rund gelaufen ist.
Zitieren



Lesezeichen