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Thema: Ich habe keine Achtung vor mir selbst.

  1. #1
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    Standard Ich habe keine Achtung vor mir selbst.

    Um über mein Problem zu berichten, muß ich etwas ausholen. Als Kind bin ich sehr streng erzogen worden, so daß ich nicht den Freiraum hatte, meine Persönlichkeit und ein Selbstbewußtsein zu entwickeln.

    Je älter ich wurde, desto mehr haben viele Mitmenschen das bemerkt und ausgenutzt, um auf mir rumzutrampeln und mich zu übervorteilen. Ich habe nicht den Mut gehabt, mich dagegen zu wehren. Mit der Zeit habe ich mich auch daran gewöhnt, so daß ich völlig das Gefühl dafür verloren habe, wann mich jemand ausnutzt. Genauso habe ich das Gefühl dafür verloren, wann etwas beleidigend ist und wann sich jemand noch fair verhält. Mich läßt das Gefühl nicht los, daß ich so ein ständiges Opfer bin.

    Dadurch habe ich viele Nachteile hinnehmen müssen. Früher fand ich das alles noch einigermaßen normal. Doch seit einiger Zeit ändert sich was in meinem Leben, in mir rebelliert es gegen diese Opferrolle, die ich immer einnehme. Damit geht auch einher, daß ich die ganzen blöden Geschichten aus der Vergangenheit anders einschätze. Heute ärgere ich mich darüber, was ich mir alles habe gefallen lassen. Wegen der Benachteiligungen ist es mir oft sehr schlecht gegangen doch heute habe ich überhaupt keinen Gewinn durch mein Aushalten und Leiden zu verzeichnen. Ich erwarte immer noch so etwas wie eine Belohnung oder Entschädigung.

    Jetzt im Nachhinein verletzt es mich, was früher für mich erträglich war. Diese Geschichten kriege ich nicht mehr aus dem Kopf. Sie plagen mich schon morgens wenn ich aufgestanden bin. Ich verachte mich, weil ich mir so Vieles habe wegnehmen lassen!

    Das was mich gerade am meisten demütigt ist der Verlust einer Eigentumswohnung. Als ich das erste Mal verheiratet war, habe ich mit meinem Exmann eine Eigentumswohnung in der Türkei gekauft. (Damals war ich gerade 23 Jahre alt.) D. h. er hat sie gekauft. Als Türke ist er in der Lage in der Türkei Immobilien zu erwerben. Ich dagegen als Ausländerin in der Türkei habe nicht das Recht dazu. Die Rechtslage ist eben nicht anders.

    Also steht er im Grundbuch und ist der 100%ige Besitzer und Eigentümer. Wir beide haben die Wohnung gemeinsam finanziert, ich habe sogar den größeren Teil getragen. Damals war ich so sonderbar drauf, daß mir klar war, was passieren kann, doch mir war alles egal. Was aus mir, meinem Geld, meiner Zeit oder meinem Leben wurde hat mich nicht interessiert. Irgendwie hatte ich aufgegeben. Nach unserer Scheidung hatte ich nicht die Kraft neben dem ganzen anderen Krieg, noch um die Wohnung oder deren finanziellen Wert zu kämpfen. Zumal die Rechtsgrundlage gegen mich steht und es auch keinen Vertrag gibt, der beweist, daß ich mein Geld für die Wohnung dazugegeben habe.

    Auf einem Mal ärgert es mich maßlos, daß ich nichts mehr von diesem Erfolg habe.

    Nicht nur diese Geschichte, sondern auch zahllose andere bringen mich dazu, mich heute selbst geringzuschätzen und keine Achtung mehr vor mir zu haben. Ohne Abscheu kann ich nicht mehr in den Spiegel sehen.

  2. #2
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    Hallo,
    ich denke du musst dir selber verzeihen um dich wieder in deinem Körper wohl zu fühlen.

    Das wird dir ganz bestimmt sehr schwer fallen aber ich denke, dass wenn du dise ganzen dinge aufarbeitest, wird es dir denke ich wieder besser gehen.

    Eigentlich hast du ja was durch die ganzen geschichten gelernt nämlich, dass du mehr auf dich achten solltest und das was mit dir nicht stimmt.
    Und jetzt kannst du es in Zukunft anders machen.

    Vielleicht könnte dir ein Psychologe dabei helfen?

    liebe grüße licht

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei lichthand12345 für den sinnvollen Beitrag:

    Rosenblume (23.06.2011)

  4. #3
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    Deine Antwort hat mich schon etwas aufgemuntert. Vielen Dank für Dein Mitgefühl. Ich denke auch, daß ich die traurigen Geschichten erstmal verarbeiten muß. Das habe ich nie getan, statt dessen habe ich mir eingebildet, alles sei völlig normal und o.k. Also gabe es nie einen Grund, was zu verarbeiten.

    Jetzt muß ich das nachholen. Schön wäre über viele Dinge zu weinen. Leider kann ich seit Zwei Jahren nicht mehr weinen. Die Trauer wandelt sich in Wut. Und diese lasse ich an meinen Punchingball aus oder beim Sport.

    Es gibt viel zu tun

    LG Rosenblume

  5. #4
    Gast9035
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    Hallo Rosenblume,

    du kannst unendlich stolz auf Dich sein!
    Aus eigener Kraft verabschiedest Du dich almählich von der Opferrolle.

    Natürlich ist da viel nachzutrauern und ich finde es auch gut, dass Du die Wut zulässt und rauslässt.

    Irgendwann kommen sicher auch die Tränen, die gesund sind!!

    Also bitte sieh Dich doch in einem ganz anderen Licht.
    Du hast viel durchgemacht und jetzt wachst du auf und wirst almählich mit viel Geduld und gutem Zuspruch zu deiner eigenen Person eine starke Frau.

    Und stark ist für mich nicht jemand, der sich nichts gefallen lässt.
    Nein, stark ist jemand, der sich seiner Grenzen immer mehr bewusst wird (woran man ja auch arbeiten muss im direkten Kontakt mit Mitmenschen), und der sich angemessen wehrt, wenn sie überschritten werden.
    (Und auch hier bitte kein Leistungsdenken, quasi, wenn ich es nicht schaffe mich zu wehren, bin ich nichts wert oder sowas.........)

    Selbverständlich kann es immer wieder passieren, dass man sich nicht wehren kann, aber auch dann sollte man sich absolut nicht ärgern.
    Es geht ja schliesslich um Übung, neues Land betreten ...usw.
    Wir sind keine Maschinen.

    Naja, jedenfalls finde ich es toll, dass du dich jetzt mit Dir beschäftigst und an Dir arbeitest, um ein glücklicheres Leben Dir zu ermöglichen.


    lg
    das Meer

  6. #5
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    So habe ich es noch nicht gesehen. Vielen Dank für die Sichtweise. Deine Antwort werde ich ab jetzt im Herzen tragen.

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Rosenblume für den sinnvollen Beitrag:


  8. #6
    Schreiberling
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    hallo rosenblume,

    heute scheint mein tag des begreifens zu sein und seltsamerweise bringen mir ausgerechnet die, die sich selbst für nichts wert befinden, alles bei.

    es ist einfach, erfolgreich zu sein, wenn einem die eltern beigebracht haben, wie man etwas wert ist. es ist einfach, sich wertvoll zu fühlen, wenn einem das immer gesagt und gezeigt worden ist, aber es ist *******schwer, sich wertvoll zu fühlen, wenn einem ein leben lang dieser wert aberkannt worden ist. der erfolg deines lebens besteht darin, dass alles überstanden zu haben und dich dagegen aufzulehnen, so weiter zu leben und zu beginnen, dir selbst diesen wert zuzugestehen.

    du siehst in dir keine stärke, aber du musstest unendlich stark sein, um so ein leben überhaupt zu leben. du musstest stark sein, um all diesen schmerz zu ertragen und trotzdem weiterzugehen. deine stärke besteht nicht darin, einen haufen geld zu verdienen oder tausend leute um dich zu haben, die dich darin bestärken. sie besteht darin, niemanden zu haben und trotzdem dabei zu bleiben, immer wieder neu anzugehen, wer du als mensch bist, dich neu zu definieren und deinen wert neu zu erfahren.

    du hast vielleicht keine wohnung mehr, die dir gehört, aber du hast etwas, das unendlich viel wertvoller ist. was glaubst du zählt am lebensende mehr? die stärke, die dich immer wieder vorwärts getrieben hat oder die eigentumswohnung, die du sowieso nicht mitnehmen kannst? hör auf, um sie zu trauern und fang etwas neues an.

    es gibt viele menschen, die haben alles, was sie brauchen, geld, erfolg und menschen um sie herum und sie sind unglücklicher als du, weil sie nicht wissen, was es heisst, dafür kämpfen zu müssen. sie kennen nicht deine kraft, weil sie sie nie gebraucht haben. allein dafür, dass du neu anfängst, obwohl das einen langen weg bedeutet, hast du mehr achtung verdient, als dir je jemand entgegen bringen kann...

  9. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei chrissi21366 für den sinnvollen Beitrag:

    Rosenblume (25.06.2011)

  10. #7
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    Danke für Deine Antwort. Die hat mich richtig aufgebaut.

  11. #8
    Gast784
    Gast

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    Jetzt im Nachhinein verletzt es mich, was früher für mich erträglich war. Diese Geschichten kriege ich nicht mehr aus dem Kopf. Sie plagen mich schon morgens wenn ich aufgestanden bin. Ich verachte mich, weil ich mir so Vieles habe wegnehmen lassen!...

    ...Auf einem Mal ärgert es mich maßlos, daß ich nichts mehr von diesem Erfolg habe.

    Nicht nur diese Geschichte, sondern auch zahllose andere bringen mich dazu, mich heute selbst geringzuschätzen und keine Achtung mehr vor mir zu haben. Ohne Abscheu kann ich nicht mehr in den Spiegel sehen
    Hallo Rosenblume,

    dazu will ich Dir was erzählen:

    ich habe einmal in meinem Leben (ist erst 8 Jahre her) viel riskiert und viel verloren, weil ich meine Träume leben wollte, aber nicht darauf geachtet hatte, ob ich genug Boden habe. Der materielle Schaden war noch der mit Abstand geringste. Ich bin damals so konsequent aus der Situation ausgestiegen, wie ich reingegangen bin, auch wenns ne Weile gedauert hat, bis ich die Türklinke gefunden hatte.

    Die Zeit danach: Wut auf mich selbst, Bedauern, und ganz viel Scham.

    Aber ich hab das nicht verdrängt, sondern bejaht. Ja, ich schäme mich, es ist entsetzlich. Aber ich hab mich weiter im Spiegel angeschaut, denn mich dafür auch noch zu verachten, hätte es nicht besser gemacht, im Gegenteil, das was ich in meinen Beziehungen zu anderen Menschen zerstört hatte, hätte ich damit noch verschlimmert. Lieber zu den Fehlern stehen. Und den materiellen Schaden als Lehrgeld nehmen.

    Lieber ein Schrecken mit Ende, als ein Ende ohne Schrecken. Es gibt viele Menschen, die können es sich nicht eingestehen, auf dem falschen Weg zu sein, oder sich getäuscht zu haben, weil es zu schmerzhaft ist, sich zu sagen: "meine ganzen finanziellen und emotionalen Investitionen waren für die Katz. Aufs falsche Pferd gesetzt. Das kann nicht umsonst gewesen sein, also mache ich weiter. Es MUSS irgendwann doch irgendwann gut werden"

    Es wird erst gut, wenn man loslässt und es abhakt. Das zu können, ist eine immense Stärke. Ich musste durch viel Scham, Trauer und Wut, bis ich mir das zugute halten konnte. Ich wüsste nicht, warum Du das nicht auch schaffen solltest.

    Ein Indianersprichwort lautet: wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.

    Es dauert manchmal lange, bis man es merkt und man ist dabei vll schon fast verdurstet, weil man nicht vom Fleck kam und es nicht gemerkt hat. Aber es ist nie zu spät, um abzusteigen. Und dann kann alles gut werden. Es ist schwer, das, was man investiert hat, hinter sich zu lassen. Aber es ist immens viel wert, einmal im Leben die Erfahrung zu machen, dass man es kann. Die Gefahr, aus falschem Ehrgeiz sich in ein totes Pferd zu verbeißen, ist dann doch viel geringer in der Zukunft.

    PS: falls sich jemand mehr mit toten Pferden beschäftigen will: http://www.psychologieforum.de/heute...html#post98485
    Geändert von Gast784 (25.06.2011 um 21:53 Uhr) Grund: Das PS musste sein

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