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Thema: Ich kann mich schlecht ausdrücken!

  1. #1
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    Standard Ich kann mich schlecht ausdrücken!

    Hallo zusammen,

    Vielleicht lesen hier auch einige mit, die mit der Psychologie vertraut sind und mir helfen können.

    Ich bin 19 Jahre alt, komme ursprünglich aus Asien, bin aber im deutschsprachigen Raum aufgewachsen. Meine Muttersprache ist deutsch. Zuhause rede ich mit meinen Eltern gebrochenes und sehr schlechtes chinesisch.

    Nun zum folgenden Problem:

    Ich habe Mühe mich schriftlich und vor allem mündlich auszudrücken. Dies betrifft beide Sprachen. Ich muss immer nach Begriffen suchen, kann meine Gedanken teils kaum richtig einordnen und Geschichten zu erzählen oder etwas einem Mitschüler zu erklären fällt mir oft sehr schwer. Ich leide darunter, weil ich weiss, dass ich eigentlich ein kontaktfreudiger Mensch bin. Aber da ich mich kaum richtig ausdrücken kann (sowohl sprachlich als auch emotional), gelte ich schnell als Langweiler. Sowas kann ich echt nicht haben. Ich halte das nicht mehr aus!

    In Foren kann man seinen Text ja einige Male (wie jetzt zum Bsp.) bearbeiten und den letzten Schliff geben, aber im echten Leben geht das nicht. In der Schule habe ich mich sehr selten mit den anderen unterhalten, weil ich zu sehr Angst davor hatte, Deutschfehler zu machen, wofür ich in der Kindheit immer gehänselt wurde. Daher habe ich auch nie etwas mit den anderen aus meiner Klasse unternommen, bin immer mehr vereinsamt und habe vieles in meiner Jugend verpasst, die ich jetzt versuche nachzuholen so gut es geht. Wenn ich so nachdenke, dann haben wir in der Familie gar nie eine richtige Diskussion gehabt, weil meine Eltern mit uns so ein oberflächliches Chinesisch geredet haben, so dass ich beispielsweise feinere Begriffe von Handlungen, Gefühlen, etc. gar nicht kenne. Das Thema Sexualität und Selbstständigkeit übrigens wurde ganz ausgelassen. Darüber wurde nie gesprochen und ich fühle mich ein wenig in Stich gelassen. Ich vermute, dass das Defizit in meiner "Ur-Muttersprache" der Grund ist, warum ich mich allgemein schlecht ausdrücken kann.

    Ich denke, dass das Selbstvertrauen hier eine grosse Rolle spielt. Um das Selbstvertrauen zu steigern, müsste ich einfach ins kalte Wasser eintauchen und mit den Leuten reden. Nur eben setzt hier bereits die Teufelsspirale ein. Die anderen sind in diesem Bereich schon sehr weit fortgeschritten und ich bin vielleicht erst im Stadium eines Pubertierenden, was die Sache überhaupt nicht einfach macht. Und meine Frage ist, wie man aus dieser Teufelsspirale rauskommt und ob es auch Leute gibt mit ähnlichen Problemen. Ich bin mir sicher, dass es zu diesem Problem eine Lösung gibt, aber wie die Lösung aussieht, da habe ich einfach keinen Plan.

    Danke fürs Zuhören,

    Liebe Grüsse

    armin

  2. #2
    Painter
    Gast

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    da habe ich einfach keinen Plan.
    ich glaube das jeder Plan den du dir machen würdest, auch von vornherein zum scheitern verurteilt ist - es ist ja das freie sprechen was dir Probleme macht.
    Es könnte dir allerdings helfen mal einen Rhetorikkurs (zB.Volkshochschule) zu belegen. Abgesehen von dem ins kalte Wasser drauflosreden Es würde da auch helfen mal ein paar Menschen zu fragen, denen du vertraust: Wie du denn wirklich auf andere wirkst, wie sie dich sehen und hören - Meist unterschätzt man sich gewaltig - das ist ja das Kreuz mit dem Selbstvertrauen

  3. #3
    Schreibkraft Avatar von waiting
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    Hallo armin, ich frage mich auch gerade, ob es wirklich so ist, dass Deine sprachlichen Fähigkeiten so schlecht sind. Was ich hier lese, klingt für mich sehr eloquent. Okay, wie Du schon selbst schreibst, so einen Text kann man überarbeiten. Doch überarbeiten bedeutet auch, dass schon was da ist.

    Wenn es tatsächlich so ist, dass nicht nur DEINE Wahrnehmung so ist, dass Du sprachlich schlecht rüber kommst, sondern es auch Leute so sehen, denen Du vielleicht vertraust, dann könnte es doch ein Weg sein (meine Idee jetzt dazu), Situationen, in denen Du Dich wegen fehlender Worte/Wortzusammensetzungen schlecht fühlst, später noch mal aufzuarbeiten. Wer hat was gesagt, was wolltest Du eigentlich ausdrücken und was ist Dir gelungen. Einfach einen Text verfassen. Meinetwegen Wörterbücher nutzen dafür. Das könnte den Wortschatz festigen. Am besten wäre natürlich, wenn es jemanden gäbe, mit dem Du darüber vertrauensvoll reden könntest, der Dich unterstützt. Es geht ja nicht um die deutsche Sprache im Allgemeinen, sondern um Alltagssprache, um Übermittlung von Gefühlen, eben das, was man in einem normalen Sprachkurs nicht lernt.

    Ich denke, leider musst Du tatsächlich ins kalte Wasser, reden. Reden lernen kann man nur durch reden. Und nicht vor Angst so gehemmt sein, dass gar nichts geht. Sieh es als Training, beobachte, was Dir gelingt und wo es nicht weiter geht, damit Du das dann sozusagen nacharbeiten kannst. Wenn jemand lästert beweist das nur seine eigene Dummheit und Du kannst es einfach als Training sehen, im Training kann immer auch was schief gehen. Das ist normal. Setz Dich nicht unter Druck, das blockiert das Gehirn und lässt noch weniger sprachliche Möglichkeiten zu. Wie viele Deutsche beherrschen die deutsche Sprache auch nur nicht und die kommen sich dabei überhaupt nicht komisch vor. Da zeigst Du doch viel mehr Verantwortung für Dich und die Sprache des Landes, in dem Du lebst, Du bemühst Dich unter schwierigen Voraussetzungen. Du hast ein Recht darauf, nicht alles so zu können, wie es jemand kann, der diese Sprache ganz selbstverständlich lernen konnte. Und Du hast ein Recht auf Unterstützung und Akzeptanz. Wo Worte Dir fehlen, frag einfach nach, wie man das sagt. Geh offensiv damit um, wenn es bei Dir Defizite gibt. Du brauchst die Hilfe der Mitmenschen, um solche Lücken zu schließen. Du kannst Dir Begriffe, Wortwendungen ja nicht ausdenken, wenn Du noch nicht weißt, welche an eine bestimmte Stelle gehören. Es gibt immer Ignoranten, die damit aber ihre eigenen Schwächen eigentlich nur zeigen. Es gibt aber immer auch tolerante, hilfsbereite Menschen, die Dir helfen können und möchten.

    Liebe Grüße, waiting
    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.

    Khalil Gibran

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei waiting für den sinnvollen Beitrag:

    TheCube (01.07.2010)

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